Essen als Suchtfaktor – ein täglicher Kampf

Es ist unser ständiger Begleiter. Morgens, mittags und abends. Eigentlich immer. Fakt ist nämlich: Der Mensch braucht Nahrung, um zu überleben. Und das ein Leben lang.

Wenn jemand an einer Sucht erkrankt ist, dann wird der besagten Person meistens geraten, sich von dieser fern zu halten. Seien es Zigaretten, Marihuana, Alkohol oder andere Suchtfaktoren. Die etwas härteren Drogen lassen wir jetzt mal außer Acht.

Mit Essen ist das aber so eine Sache…Man darf nämlich nicht aufhören zu essen (das treibt einen nur in die nächste Krankheit). Wenn Essen eine Sucht ist, dann muss man sich der Sucht tagtäglich stellen und ist darauf angewiesen sie zu „konsumieren“.

Die Sucht des Essens wird jedoch wirklich unterschätzt. Denn selbst wenn man versucht, dagegen anzukämpfen und sich wahrhaftig zusammenzureißen, können schnell Rückfälle entstehen, auch genannt Heißhungerattacken oder Essanfälle.

Solche Essanfälle traten bei mir zunehmend bei einem Diätverhalten auf. Wann immer ich mir etwas verkniff, war der Heißhunger umso größer. Wenn ich mich dazu zwang, nur einen halben Schokoriegel statt den ganzen zu essen, aß ich am Ende 5 davon. Absurd und irgendwie ironisch. Aber das sind die Zwänge der Sucht.

Ausschlaggebend war jedoch mein inneres Gefühlssleben. Je emotionaler ich war, desto schlimmer wurde mein Essverhalten. Ob Trauer, Wut, Glück oder Freude – Essen war meine Lösung.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht so einfach ist, der Sucht des Essens zu entkommen. Natürlich ist das kein Vergleich zu Alkohol oder anderen Suchtfaktoren, denn auch diese sind so weit verbreitet, dass es kaum möglich ist, ihnen zu entkommen.

Bei Essen ist das nicht anders. Sobald man aus der Haustür tritt, reckt sich die Versuchung entgegen. Ob an Essensständen, Restaurants, Bistros, Supermärkten oder diversen Veranstaltungen – das Essen ist ein regelrechter Verfolger.

Doch wie kann man sich vor dem Essen wehren?

Man kann sich nicht wehren. Man muss schließlich essen.

Aber man kann es kontrollieren.

Kontrolle beginnt zunächst in der Regulierung des Konsums. Dafür überlegte ich mir zunächst Ziele:

  • Stabiles Gefühlsleben
  • Regelmäßige Nahrungsaufnahme
  • Kein krankhaftes Diätverhalten
  • Kein Binge-Eating und keine Essanfälle

Und dann ging ich allem Schritt für Schritt nach.

Stabiles Gefühlsleben: Eine Therapie half mir sehr dabei, meine Emotionen zu kontrollieren. Ich gestand mir dafür zunächst vieles ein, erkannte jene Ursachen und begann, mich ihnen zu stellen. Je ausgeglichener ich wurde, desto mehr konnte ich das Essen kontrollieren. Auch der Drang ließ nach.

Regelmäßige Nahrungsaufnahme: Für mich war es hilfreich mir aufzuschreiben, was ich am nächsten Tag essen wollte. Dabei plante ich meinen Tag genau mit ein und aß je nachdem entweder mittags in der Uni-Mensa oder holte mir was vom Bäcker. Eine gewisse Routine und Vorsorge verschonte mich vor vielen Essanfällen.

Kein krankhaftes Diätverhalten: Ich versuchte, darauf zu achten, dass der tägliche Nahrungsbedarf nicht zu gering war. Aber auch nicht zu hoch, sodass ein schlechtes Gewissen entstand. Zum Nachtisch reichte demnach ein Eis, anstatt drei.

Kein Binge-Eating und keine Essanfälle: Heißhunger habe ich am besten durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung behoben. Ich aß viel Obst und Gemüse und vermied vorerst Gerichte, die mich nicht sättigten (zB. Croissaints, helles Toastbrot,…). Dazu nahm ich ausreichend Kohlenhydrate in Form von Haferflocken oder Vollkorn hinzu, um Energie zu tanken.

Wichtig war mir auch, einen Nachtisch in mein Essen einzuplanen. Das „Cheaten“ war also da, das „Bingen“ fiel aber aus. Mein Bedarf nach Süßem war befriedigt und wenn ich nicht übertrieb, dann hatte ich auch kein schlechtes Gewissen.

Mein Fazit lautet also:

Essen ist eine gefährliche Sucht und für mich ist es die beste und schlimmste auf der Welt. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es ein leichtes ist, ihr zu verfallen und noch schwerer, ihr zu entkommen.

Doch diese Sucht lässt sich bekämpfen. Und zwar ohne sie aus dem Leben zu streichen. Dazu rate ich, euch ausgewogen zu ernähren und Diäten aus dem Alltag zu streichen. Dazu zähle ich ebenfalls, euch das zu erlauben, was ihr essen möchtet und zu lernen, Essen zu regulieren. Das ist natürlich leichter als gesagt als getan, aber dafür könnt ihr hier 5 Tipps nachlesen, wie ich zu erklären versuche, ein „normales“ Essgefühl zu entwickeln.

Und das Wichtigste ist natürlich, den Inneren Ballast zu erkennen, zu erkunden und aus der Welt zu schaffen. Dann erledigt sich meistens ziemlich viel von selbst.

Viel Glück weiterhin! ♥

PS. Meine Ratschläge sind natürlich nur aus meiner Erfahrung entstanden. Bei jedem kann sich das Verhältnis zu Essen anders auswirken und gilt daher nicht für jeden, wie bei mir. Aber vielleicht finden sie bei dem ein oder anderen trotzdem Einklang. 🙂

7 Kommentare zu „Essen als Suchtfaktor – ein täglicher Kampf

  1. So betrachtet, ist es eigentlich die schlimmste Sucht, die ich mir vorstellen kann. Und wenn ich das mal auf mein Suchtverhalten als Raucher übertrage, ist es in der Tat bei mir so, dass ich ja am Arbeitsplatz nicht rauchen kann, dafür aber in den Pausen eher schnell noch eine weitere Zigarette konsumiere, bevor die Zeit um ist. Es ist so ein „Nachholverlangen“ und natürlich weiß ich um die generelle Schädlichkeit des Rauchens. Beim Essen, das ja primär nicht schädlich ist, wie Du ja bemerkt hast, weil es notwendig ist, kommt man sicher schwerer aus einer Sucht, als beim Rauchen, dass man ja nicht zum Leben braucht. LG

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    1. Lieber artdiscard, das Rauchen ist natürlich auch ein sehr starker Suchtfaktor. Allein, wenn ich überlege, wie stark der soziale Drang ist, lässt sich das Rauchen in einen schwer entkommbaren Lebensstil einordnen. Und auch wenn man weiß, das Rauchen tödlich sein „kann“, so ist sie natürlich nicht mit Drogen zu vergleichen, die in einem Rauschzustand versetzen. Bei dem Essen ist es halt ähnlich…Danke für deinen Kommentar 🙂

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  2. Ja, es ist übel, wenn das eigene Suchtmittel nicht einfach gemieden werden kann.

    Essen ohne Hunger – Man isst aus EMOTIONALEN HUNGER, weil man nicht mit seinen Gefühlen zurecht kommt und kompensiert dieses Manko mit Essen. Man isst zum Trost, aus Langweile, aus Frust, um sich zu betäuben, als eine Art Selbstverletzung, zur Selbstbelohnung (Anerkennung)…etc. Meist liegen die Ursachen in der Biografie. Man ist in der Vergangenheit und womöglich auch in der Gegenwart emotional nicht satt geworden. Binge Eating oder andere Essstörungen sind der Versuch einer Selbsthilfe, weil man es nicht anders gelernt hat mit den inneren Spannungszuständen, die aus den emotionalen Defiziten resultieren, klarkommt.
    Wenn man nicht an die tieferliegende Ursachen herangeht, wird man immer wieder Rückfälle erleben – gleichgültig welches Gewicht man aktuell hat. Jegliche Restriktion (Diäten & Zwangssport etc.) wird die inneren Spannungen und den resultierenden Stress nur erhöhen und damit dazu führen, dass man wieder versuchen wird, seine Emotionen mit Essen als Verhaltensmuster zu regulieren. Es geht darum, seine ECHTEN Bedürfnisse (z.B. nach Liebe, Anerkennung, Trost, Beruhigung, Entspannung, angenehmer Gesellschaft usw.) wahrzunehmen, kennenzulernen und zu befriedigen. das übermäßige Essen nimmt dann ganz von alleine – ohne Diät – ab. Der Erfolg ist allerdings von der Suchtstruktur abhängig. Das heißt, bei schwereren, mentalen Problemen sollte man einen Therapeuten um Hilfe bitten. Eine Lebensumstellung, inkl. gesunder Ernährung, Sport etc. reichen dann nicht.
    Es ist wahnsinnig schwierig aus seinen Denk- und Verhaltensmustern auszusteigen. Zumal diese meist unbewusst ablaufen. Die Gewichtsreduktion selber ist noch der einfachste Teil…

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    1. Besser hätte ich es noch ausdrücken können! Man unterschätzt das Essen als Sucht. Ich kenne auch keinen der ohne jegliche Hilfe aus der Krankheit raus gekommen ist. Auf Diäten zurückzugreifen und das Essverhalten ändern, macht es meist noch schlimmer…

      Ganz liebe Grüße und danke für deinen Kommentar!!

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      1. Freut mich, dass dir mein Kommentar gefällt. Hatte schon Sorge, ich komme wie ein Besserwisser rüber…Ich weiß halt, wovon ich spreche…Leider. Nein, alleine kommt man dauerhaft nicht aus dem Teufelskreis raus. Essstörungen hat man ein lebenlang – auch bei erfolgreicher Therapie. In Krisen/Stresszeiten droht immer ein Rückfall. Das muss man akzeptieren und sich verzeihen. Viele wechseln auch die Form der Essstörung im Laufe der Zeit – Suchtverlagerung nennt man das wohl.
        Das Übel ist, dass Einsicht, Erkenntnis, Wille, Disziplin und Verstand versagen. Man muss an die Wurzel des Übels ran. Die eigenen Amok-laufenden oder meistens verdrängten Gefühle. Sehr schwierig. Ich kann nur sagen, je früher man sich seinen Ängsten stellt, desto besser die Prognose.

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