Warum immer die Vergleiche?

Ich habe eine Freundin. Sie ist sehr dünn. Sehr, sehr dünn. Aber sie ist nicht krank. So ist ihr Körper nun mal. Sie war schon immer sehr zierlich gebaut und im Laufe der Pubertät hat sie eine bestimmte Ernährung für sich entwickelt. Ich nenne sie einfach mal F. für Freundin.

F. leidet mit ziemlicher Sicherheit an keiner Essstörung, denn das wäre mir schon längst aufgefallen. Im Gegenteil, ich glaube sogar sie ist jene Person, die meiner Ansicht nach die ideale Ernährung vollzieht.

Natürlich habe ich manchmal etwas stutzen müssen, wenn ich mir den mageren Salat bestellte und sie sich mit einem reichhaltigen Döner begnügte. Aber sie gibt ihrem Körper genau das, was er braucht, nicht mehr und nicht weniger.

Eifersucht?

Obwohl ich kein neidischer Mensch bin, schlich sich gelegentlich ein frustrierendes Gefühl ein, in dem ich mir wünschte, auch in so gesunden Maßen essen zu können. Denn anders als sie hätte ich dadurch auf nichts verzichten müssen. Mir stünde die Welt für alle Gerichte der Welt offen.Genuss?

Selbstverständlich gefiel mir nicht alles an ihrer Ernährung. Denn sie ist ein so rationaler Mensch und isst lediglich, wenn das Hungergefühl auftritt. Diese Weise mag zwar gesünder für den Körper sein, aber für meine Psyche wäre das nur zusätzlicher Stress. Mein Ziel ist schließlich, die inneren Verbote endlich zu überwinden und dazu gehört auch, am Geburtstag ein Stück Kuchen zu essen. Oder ein paar Gratis Häppchen im Supermarkt zu probieren. Oder sich einen Muffin zu holen, einfach, weil man Lust darauf hat und nicht, weil der Hunger ruft.

Warum immer die Vergleiche?

Auf dem Weg zu meiner Gesundheit stieß ich auf die Baustelle, dass ich mich oft mit anderen Menschen verglich. Und das bezog sich sowohl auf den Körper, als auch auf die Ernährung.  Mit dem Gdanken, dass andere „richtig“ und ich „falsch“ aß, begann der Prozess der Manipulation meiner Ernährung. Denn plötzlich gab es festgesetzte Mengen und ein „zu viel“.

Mein Körper tickt aber nunmal so, dass er mehr braucht als vielleicht andere mit meinem Körperbau. Was also bringt es mir, mehr oder weniger zu essen, um mich anzupassen? Würde ich mich  wie F. ernähren, wäre ich niemals satt. Und mein Körperbau wäre trotzdem anders. Denn selbst in meinen dünnen Zeiten sah ich nicht so aus, wie sie. Sie hat stets einen gesunden Körper, anders wie bei mir ein damals magerer mit eingefaltetem Gesicht. „Dünn“ heißt also nicht gleich „dünn“.

Gesund zu werden, bedeutete für mich, den Vergleichen abzuschreiben. F. würde immer dünner bleiben als ich und das ist auch gut so. Im Grunde will ich ein glücklicher Mensch sein und im Nachhinein betrachtet war meine „dünnste“ Zeit  leider nicht meine Glücklichste.

Wir halten also fest:

Vergleiche sind Ballast. Sie stressen die Psyche und Stress ist einfach stressig:)

Sie verzerren außerdem unsere Wahrnehmung auf das Essenzielle. Denn worum geht es eigentlich? Um das „Dünnssein“? Oder reiner Anpassung?

Jeder Körper ist individuell, demnach gelten für alle individuelle Regeln. All die vorgegebenen Tagesrationen, all diese können sich nicht auf alle beschränken.

Selbst wenn zwei Personen dasselbe Gewicht haben, dieselbe Größe und meinetwegen das gleiche Sternzeichen, bringt eine Gegenüberstellung gar nichts.

Tritt man aus dem Kosmos jenseits der Vergleiche, erkennt man erst, wie schön die Welt sein kann, wenn man sich selbst nicht einem solchen Druck aussetzt. Diese Lektion lernte ich auf eine harte Weise, doch es ist niemals zu spät, um seine Fehler auszubessern.

Demnach mache ich mir jetzt ein üppiges Frühstück. ♥

6 Kommentare zu „Warum immer die Vergleiche?

  1. Ich hoffe, Du hast es ausgiebig genossen, liebe Mia! 🙂 –

    Mit der Problematik des Vergleichens hast Du ein ganz universelles Thema angesprochen. Mit Blick auf Krankheiten, äußerliche Erscheinungsbilder etc. sind sie wirklich grundsätzlich nur kontraproduktiv.

    Ein bisschen differenzierter wird es meiner Meinung nach, wenn es zum Beispiel umd „arm“ und „reich“ geht. Da halte ich Vergleichen zumindest insoweit für sinnvoll, ja notwendig, um Ungerechtigkeiten bemerken, aufdecken und im besten Falle ausgleichen oder beseitigen zu können. – Wenn allerdings Neidgefühle die Motivation für derartige Vergleiche (eben auch materielle Unterschiede betreffend) sind, dann halte ich sie für ebenso kontraproduktiv wie die zuerst genannten.

    Leider bewirkt oder bestärkt Vergleichen oft Neidgedanken und -gefühle und befeuert dann eigene Energien, „genauso“ oder „besser“ dazustehen als die Vergleichsperson(en).

    Das ist ganz unsäglich, geghört zu den in meinen Augen schlimmsten und tragischsten Entwicklungen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.

    Ich habe es , wie Du, gelernt, solches Vergleichen zu unterlassen, weil ich weder Neid noch Hass kenne. – Das mit dem Neid hat eine Freundin aus Bosnien von mir bewirkt. Sie ist schon viel länger völlig „neidfrei“. Sie hat den Balkankrieg unmittelbar miterlebt, ihr heutiger Mann hat seinerzeit ein Bein fast verloren, er kann es im Kniegelenk seither nicht mehr bewegen. Das Haus ihrer Großeltern war von großen Einschusslöchern übersät …

    Als sie hierher nach Deutschland kam, sagte sie: Worauf soll ich hier neidisch sein? Ich habe eine Wohnung, ich habe zu essen. Das werde ich in Deutschland immer haben, das bekommt jeder in Deutschland. Mir kann also gar nichts wirklich schlimmes passieren. Ich darf, ich kann, ich werde leben! Worauf soll ich da neidisch sein?“

    Was für eine an sich einfache, wie logische und plausible Sicht. Mich hat das damals so sehr beeindruckt, dass ich genau nach dieser einstellung leben wollte. Und heute kann ich sagen: Ich bin wirklich auf nichts und niemanden mehr neidisch. Und so vergleiche ich auch nicht mehr, jedenfalls nicht von Neid motiviert.

    Dankechön für Deinen auch heute wieder interessanten und anregenden Eintrag! Ganz viele, ganz liebe Grüße! Hast Du auch Wochenende? Wenn ja, dann soll es ein sehr schönes für Dich werden!

    Gefällt 4 Personen

    1. Lieber sternfluesterer,
      Du hast absolut recht! Ein gesundes Verständnis von Relationen (z.B Arm und Reich) ist immer wichtig, um ein reflexives Verständnis für die Welt zu entwickeln!
      Es freut mich sehr, dass du deinen Frieden mit dem „Neid“ gefunden hast. Obwohl ich noch einen Unterschied darin sehe, neidisch zu sein und sich etwas zu wünschen, was man nicht hat. Ersteres verbinde ich oft mit Missgunst und dieses Gefühl ist auch mir fremd. Aber die Sicht deiner Freundin ist in der Tat sehr einleuchtend!

      Dir auch ein schönes Wochenende! Bei mir wird es ein bisschen hektisch, aber das ist in Ordnung!:)

      Gefällt 1 Person

  2. Ich vergleiche mich auch ständig mit anderen Frauen… dabei ist mir aufgefallen, dass ich häufig Figuren von Frauen bewundere, die viel kleiner sind als ich – und damit auch viel zierlicher! Ich finde mich meistens einfach „zu viel“, „zu breit“, „zu fett“. Neidisch auf andere bin ich eigentlich nicht, ich finde mich selbst nur widerlich im Vergleich mit Frauen, die dünner sind. Natürlich dürfen sie nicht dürr sein, das ist nicht schön, sie müssen schöne Formen haben, eine dünne Taille z. B. und auch einen Busen, nicht flach wie ein Brett sein. Und ich hasse mich dafür, dass ich gerne esse… kann manchmal kaum Maß halten. Und alle Dinge, die ich wirklich gerne esse, sind ungesund 😦 Wenn ich nicht zunehmen würde, würde ich nur von Kuchen, Süßigkeiten, Obst und Fast Food leben.

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    1. Das mit dem Vergleich zu Menschen, die kleiner und zierlicher sind, kenne ich gut! Der Druck der Gesellschaft dem einen bestimmten Ideal zu entsprechen, zerstört unsere Psyche!

      Und zum Essen: ich glaube, dass es vielen so geht, dass sie sich am liebsten nur von fastfood ernähren würden – ungesundes Essen enthält auch unglaublich viele Geschmacksverstärker, die dieses „suchtgefühl“ auslösen. Wir können also gar nichts dafür, dass wir es so lieben!

      Ich versuche mich momentan so zu akzeptieren wie ich bin. Die Vergleiche kann ich noch nicht ganz abstellen, aber ich versuche es immer mehr und mehr! Hoffentlich gelingt es dir auch!

      Liebe Grüße!

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