Was ist Clean Eating?

Dieser unbekannte Begriff schlich sich durch verschiedene soziale Netzwerke, ohne dass ich überhaupt etwas davon mitbekam. Trends kommt bei mir ohnehin immer ein gutes Jahr später an und mit diesem war das nicht anders.

Tendenziell assoziiere ich jedes Wort, das „eat“ enthält,  mit einer Diätform. Vielleicht wisst ihr bereits, dass ich sehr wenig von Diäten halte. Dies war also meine Tendenz, bevor ich mich genauer damit auseinandersetzte.

Was ist Clean Eating?

Clean bedeutet so viel wie sauber. Aber welcher Fitness Trend verfolgt dann „sauberes Essen“? Gebe ich den Begriff in die Google Suche, finde ich beim ersten Herunterscrollen nichts, als buntes Obst und Gemüse.

Die Erschaffung dieser Ernährungsweise kommt aus den Vereinigten Staaten und existiert seit bereits über 20 Jahren. Damals ebenfalls noch unbekannt, ist es heute stark verbreitet und wird dank der Globalisierung auch weltweit praktiziert.

Nach kurzer Recherche konnte ich folgendes über Definition erfahren: Clean Eating bedeutet, weitestgehend auf industrielle Rohstoffe und Produkte zusätzlichen Stoffen zu verzichten und sich möglichst frisch zu ernähren. Alles, was verpackt ist, sowie Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, usw werden vermieden.

Stattdessen wird Clean Eating konsumiert – mit frischen Produkten und Bedarf auf Nachhaltigkeit. Weder Getreide, noch Fleisch oder Milch werden aus dem Essplan gestrichen.

Beim Clean Eating geht es nicht ums Kalorien zählen!

Es geht lediglich darum, einen nachhaltigen und gesunden Lebensstil zu entwickeln. Ich werde sicherlich niemandem die Illusionen zerstören, wenn ich sage, dass Konservierungsstoffe nicht sehr gesund für den Körper sind. Doch wie ich bereits in einem vergangenen Beitrag  Der Unterschied zwischen Diäten und gesunder Ernährung berichtet hatte, bedeutet ein gesunder Lebensstil nicht automatisch eine Diät.

Die Kalorien sind demnach völlig nebensächlich. Und das Zu- und Abnehmen ebenso. Es zählt eine regelmäßige Nahungsaufnahme mit gesunden und möglichst unbehandelten Produkten.

Wie funktioniert Clean Eating in der Praxis?

Unmöglich?

Man würde sich wundern, wie vieles man auslassen müsste, wenn man darauf achten würde. Allein Rohrzucker ist schon fast überall enthalten – in Brot, in Cornflakes, in Chips, in Ketschup, in Fertigprodukten… Daher wäre meine These, dass man kaum noch auf Rohrzucker verzichten könnte, ohne tief in den Geldbeutel zu greifen, oder auf eine Lowcarb-Diät ohne Kohlenhydrate (und demnach ohne Zucker) umsteigen müsste.

Mehr Arbeit?

Tatsächlich ist Clean Eating aber auch aufwändiger. Der aktueller Nomalverbraucher ist es gewohnt, alles schon fertig zu kaufen. Selbst den Salat muss man nicht mehr selbst schnippeln. Fertige Gerichte, wie Nudeln, Gemüsepfannen und natürlich die Klassiker Pommes und Pizza müssen nur kurz aufgewärmt oder in den Ofen geschoben werden. In der Küche zu sitzen und Gemüse zu schneiden erfordert natürlich länger Zeit.

Günstig?

Frische Produkte sind meist günstiger, als verpackte. Zutaten für eine Gemüsepfanne kosten in der Produktion zwar mehr, als eine gekaufte, doch von Gemüse hat man meist mehr, als nur eine Portion und mehr Variationen.

Clean Eating darf niemals zu einem Zwang werden.

Das ist jedenfalls meine Meinung. Das krankhafte Verzichten auf verschiedene Produkte würde bei mir diesen vertrauten psychischen Druck aussetzen, der meist vor einem Essanfall einsetzt. Ich kaufe weiterhin verpackte Rosinen und Marmelade mit Zucker – weil ich mich nicht zwingen möchte.

Dennoch finde ich das Konzept von Clean Eating ziemlich intelligent. Da ich aus einem Haushalt komme aus dem ohnehin immer sehr frisch gekocht wurde, bin ich ich mit dieser Ernährungsform schon lange vertraut. Aber vor mehreren Jahren (noch vor meiner Essstörung) fing ich bewusst an, anstatt 2 Liter Orangensaft am Tag, auf Wasser umzusteigen. Noch etwas später begann ich, statt Süßigkeiten, auch mal Obst in meinen Ernährungsplan umzustellen.

Viele reden immer von einer gigantischen Veränderung, aber so empfand ich das nicht. Ich fühlte mich weder gesünder, noch schöner. Doch als ich bei einem spontanen Urlaub mit einigen Freunden über mehrere Tage nur Fastfood aß, spürte ich das seltsame Gefühl der körperlichen Schwäche und fehlenden Vitalität. Danach setzte ich meine regelmäßige Ernährung fort und das Gefühl verschwand.

Clean Eating und Essstörung?

Für mich war das Konzept von Clean Eating sehr fördernd für mein Essverhalten. Ich weiß nicht, wie es euch ergeht, aber für mich waren die klassischen Binge-Eating Faktoren jene mit vielen künstlichen Zusätzen, die automatisch „süchtig“ machen. Dazu zählen Kekse, Schokolade, Nutella, und alles andere mit Süßstoffen und Geschmacksverstärkern. Niemand greift nur ein einziges Mal in die Chipstüte oder ist einen einzigen Keks (ich zumindest).

Ich habe den Produkten zwar nicht Lebewohl gesagt, aber viele gesündere integriert und komme seitdem besser klar. Zwei Äpfel machen mich satter, als zwei Schokoriegel, auch wenn das Bingen natürlich auch auf gesundes Essen übertragbar sein kann. Es ist halt eine Krankheit, die man an ihren Wurzeln  packen muss. Aber so radikal wie es mit industriellen Produkten war, ist es kein Vergleich zu heute.

Ich bin trotzdem der Meinung, dass eine „richtige“ Ernährung nicht existiert und für jeden individuell zu bestimmen ist. Dennoch konnte ich mich mit dem Clean Eating sehr anfreunden, da ich vieles gut heiße.

Dies war also ein kleiner Input mit ein paar persönlichen Meinungen zum Thema Clean Eating! Falls ihr diese Ernährungsform auch mal betrieben habt, oder immer noch betreibt bzw. wichtige Argumente dazu habt; dann könnt ihr es immer gerne mit mir teilen. ♥

4 Kommentare zu „Was ist Clean Eating?

  1. Ein sehr guter und reflektierter Beitrag dazu.
    Auch ich finde vieles an dieser Ernährungsform positiv und esse gerne ‚clean‘. Aber ich mache es wie du: Wenn ich Lust auf etwas ‚unsauberes‘ habe, esse ich es trotzdem. Nicht tonnenweise, sondern bewusst. Wenn es mir nicht gut geht und ich gaaanz weit hinten in meinem Kopf die Gefahr spüre, doch wieder in ein nicht ganz so gesundes Essverhalten geraten zu können, dann fühle ich mich sicherer, wenn ich clean esse. Da steckt dann nämlich Arbeit dahinter (ich muss das Essen zu selbst zubereiten), und ich fände es sehr schade (mittlerweile – früher wär mir das egal gewesen), ein solches Gericht zu erbrechen (das wäre bei mir die logische Konsequenz eines Essanfalls; ohne ‚Rückwärtsgang‘ hatte ich nie Anfälle). Wenn dann noch Fisch oder ganz selten Fleisch dabei ist, ist der Fall ohnehin klar: Ich würde nie ein Lebensmittel verschwenden, für das ein Tier gestorben ist. Wenn schon, dann will ich es mit Respekt behandeln und wertschätzen, was ich da auf dem Teller habe.
    Also: Clean ja, aber nicht zwanghaft. Ich möchte ja gesund bleiben, und das bedeutet für mich auch eine gewisse Freiheit in dem, was ich esse.

    Gefällt mir

    1. Danke! Ja, da stimme ich zu. Zwang verschlimmert die Kontrollosigkeit und ist für die Heilung daher kontraproduktiv! Mit den Tieren geht es mir da auch ähnlich, weil das schlechte Gewissen stärker ist, aber auch das könnte bei zu starker Kontrolle zu einem Zwang werden. In das System des Clean Eatings sollte man sich daher ganz vorsichtig herantasten und in die Heilung der Essstörung natürlich genauso:)
      Viele Grüße!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s