5 Gründe für einen Essanfall

Wer spricht schon in der Öffentlichkeit über einen schwachen Moment? Das wäre ja unerhört, denn dann würde das Gegenüber ja die schwache Seite kennen, oder?

Falsch. Meine Philosophie beruht darauf, über Dinge zu reden, um sie in der Gesellschaft zu akzeptieren.Während der Weihnachtszeit ist das Thema Essen Tag für Tag eine Herausforderung und löst nicht selten eine emotionale Erruption in mir aus. Demzufolge erhaltet ihr im Folgenden einen Einblick zu 5 typischen Situationen, die einen Essanfall bei mir auslösen.

1. Essen aus Langeweile

Sicher können sich die ein oder anderen mit diesem Phänomen identifizieren. So wie man aus Langeweile fernsehen, oder rauchen, oder trinken kann, isst man gelegentlich ohne Hungergefühl, aus Appetitlaune oder aus Langeweile.

Mein „Essen aus Langeweile“ setzte sich allerdings etwas radikaler um. Innerhalb einer Periode, in der ich das Alleinsein kaum ertragen konnte, war Essen ein „Zeitüberbrücker“, ein Lückenfüller, ein Freund und Helfer während einer sinnlosen Situation. Demzufolge fürchtete ich irgendwann den Zustand der Langeweile (besonders, wenn ich zu Hause war). Langeweile transferierte zu einem gefährlichen Faktor für Essanfälle, der um jeden Preis vermieden werden musste. Mittlerweile versuche ich mich dem Problem zu stellen, als ihn zu verjagen, aber das stellt sich gar nicht so leicht an.

2. Essen aus Freude

Es stimmt nicht, dass ein Essanfall nur dann auftritt, wenn man traurig oder deprimiert ist. Viele Attacken sind inmitten überwältigender Momente in meinem Leben entstanden, mit denen ich nicht umgehen konnte. Voller Freude richtete ich anschließend meine Mahlzeit an und konnte nicht genug kriegen. Oder aber ich wollte mir zur Feier des Tages etwas „gönnen“ und konnte aufgrund des Überschusses an Emotionen nicht aufhören.

3. Essen aus Trauer

Essen aus Frust und Kummer ist ein allbekanntes Klischee und leider wahr. Wir Menschen versuchen seit jeher unseren Frust zu dämmen – z.B mit Alkohol, Drogen oder auch Nahrungsmitteln. Meine innere Stimme besänftigte mich während letzterer Lösung damit, lieber etwas Süßes zu essen, als in einen Rauschzustand zu verfallen. Ein Stück Kuchen statt eine Flasche Bier. Klingt vielleicht lächerlich, aber traurigerweise habe ich meinen eigenen Gedanken fest geglaubt. Kummer war und ist nach wie vor der größte Auslöser für meine Essanfälle. Der Drang, etwas zu finden, das mir in einer traurigen Situation ein gutes Gefühl gibt, war irgendwann unersetzbar. Insbesondere industrielle Produkte mit hohem Zucker- und Fettanteil wie Schokolade geben mir ausreichend viele Glückshormone – das Schokolade Dopamin ausschüttet und im Gehirn das Belohnungszentrum aktiviert – ist ja bekanntlich erwiesen. Es heiß nicht umsonst „Schokolade macht glücklich. Daher versuche ich bei einem Trauergefühl jene Produkte zu vermeiden.

4. Essen aufgrund von Druck und Zwang

Der Zwang zum Selbstzwang ist eine der schwersten Disziplinen im Leben. Seit dem Prozess der Zivilisationen (Norbert Elias 1939) folgen wir dieser Philosophie und befolgen jene auferlegten Regeln, weil wir eben nicht tun können, nur weil es uns passt. Wir können nicht einfach jemanden hauen, ohne mit den Konsequenzen zu rechnen. Daher kann ich auch nicht einfach unermüdlich viel essen, ohne eine „Bestrafung“ zu erwarten. Um diese zu beugen, muss ich mich zusammenreißen und einfach aufhören. Vielen gelingt es nach dem Sättigungsgefühl, und vielen mit einer Essstörung leider nicht. Und der Zwang, nicht weiter zu essen, geht manchmal in die entgegengesetzte Richtung. Es entsteht ein Teufelskreis, in dem ich versuche mich zusammenzureißen, aber aufgrund dieses Drucks nachgebe und in einen Essanfall verfalle. Das ist die zweithäufigste meiner Attacken.

5. Essen ohne die vertraute Routine

Das Essverhalten erfolgt in der Regel einem System. Meist morgens, mittags, Abends. Oftmals isst man zum Frühstück dieselben Dinge. Jene Routine ist für mich immens, weil sie mir stets dabei hilft, Tag für Tag den gleichen Weg einzuschlagen. Ich überlege mir dafür jeden Morgen, was ich den ganzen Tag über essen würde. Esse ich außerhalb meines Heimes, in einem Restaurant, oder bei Freunden – entsteht ein Bruch in der Routine. Ist diese Mahlzeit auch ungeplant, kehrt unverzüglich das schlechte Gewissen zurück, weil ich zu viel oder zu wenig, zu mager oder zu gesund gegessen habe. Fazit: Essanfall.

Falls ihr gerade ein Muster in all jeder Beispiele entdeckt habt, dann ist euch vielleicht aufgefallen, dass die Anfälle mit starken Emotionen zusammenhängen. Meine Gefühlszustände steuern mein Essverhalten. Keins jener Beispiele hängt mit meinem Hungergefühl zusammen. Denn seelischer Hunger knurrt nicht im Magen, sondern im Kopf. Und dieser ist unerträglich.

Warum habe ich diese Liste erstellt?

Mit diesen Beispielen möchte ich allen Lesern etwas geben. Einen großen Teil von mir, ein intimer Ausschnitt aus meinem Leben. Als Zeichen dafür, sich nicht dafür schämen zu müssen. Essstörungen sind gefährlich. Sie greifen eure Psyche an, manipulieren eure Gefühlszustände und verwüsten euren Körper und eure Seele. Und ganz dramatisch geht es weiter, dass ihr euch niemals Vorwürfe machen müsst, wenn ihr einen Essanfall hattet. Es ist das Normalste der Welt und geschieht so häufig wie ein Niesen.

Hier ein etwas älterer Beitrag Was tun gegen Essanfälle? – 5 Tipps, um eine Essattacke vorher abzuwehren, versuche ich meine Tipps gegen Essanfälle mit euch zu teilen. Ist zwar sehr individuell geworden, aber vielleicht hilft es euch ja:-)

Trotz meiner ernsten Themen wünsche ich euch eine angenehme (hoffentlich stressfreie) Weihnachtszeit. ♥

2 Kommentare zu „5 Gründe für einen Essanfall

  1. Danke für die wieder vielen für mich sehr lesenswerten weil interessanten Informationen.

    Damit machst Du mir die (Vor)-weihnanchtszeit nicht weniger angenehm. Im Gegenteil. Etwas lesen und dabei lernen zu können ist doch wunderbar. Und wenn es dann noch von einem so authentischen, freundlichen Menschen geschrieben ist …

    Mit ganz lieben Grüßen schenke ich Deinem Sternchen neue Strahleenergie für Dich, Mia!

    Gefällt mir

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