Warum ich nie wieder auf einer Messe und als Hostesse arbeiten werde

Als „arme“ Studentin ist die Arbeit auf einer Messe eine wahre Goldgrube. Ein paar Tage lang zehn Stunden arbeiten und schon hat man die zwei nächsten Monatsmieten in der Tasche. Außerdem knüpft man enge Verbindungen mit Menschen, mit denen man tagelang durchgehend Zeit verbringt. Ich habe schon einige Male auf Messen gearbeitet. Und nach eingehender Analyse meiner letzten Tätigkeit teile ich hier mit euch, warum ich Messen und die Arbeit als Hostesse ganz und gar blöd finde und diese definitiv meine letzte war.

Die reinste Knochenarbeit!

Das stundenlange Stehen ist kein Spaß für den Kreislauf. Manchmal ist das hin und her laufen sogar besser, als das Stehen. All die Securety Leute, die nichts anderes tun, als nur herumzustehen, tun mir immer furchtbar leid! Irgendwann kann man nicht mehr und muss trotzdem weiter machen. Viele halten locker durch, ohne das Lächeln zu verlieren. Ich konnte kaum glauben, dass einige Menschen extra nach Berlin reisten, um für die Messe zu arbeiten. „Gutes Geld“, hörte ich einen sagen. Naja, wo er recht hat, hat er recht. Aber ist es das wirklich wert?

Bei einer so langen Arbeitszeit sollte es  doch streng geregelt sein, alle paar Stunden eine ordentliche Pause genießen zu können. Und nicht nur die halbe Stunde, die ich hatte und in der Warteschlange zur Toilette verbrachte. Für mich ist das ein wichtiges Arbeitsgesetz, dass auch bei freiberuflichen Jobs gegeben sein sollte.

Nur schlanke Frauen!

Bei meiner Bewerbung wusste ich nicht, dass ich allen ernstes meine Größe und Konfektionsgröße angeben musste. Es wurde ein bestimmter Typ erwartet, den ich erfüllt habe. Als strenge Gegnerin dieser Klischees war es mir ein Dorn im Auge, für eine Messe zu arbeiten, die mich nicht genommen hätte, wenn ich ein paar Kilos mehr auf der Waage hätte. Warum um Himmels willen ist das so? Warum verlangt ein Betrieb nach dem einen Typ Frau und nicht nach dem anderen?

Die niedlichen „Kostüme“..!

Ebenso muss ich die Kleidung anmerken.Es ist vemrutlich nicht bei jeder Messe üblich, doch, bei der meinen trug ich ein figurbetontes Outfit, das selbstverständlich nur für schlanke Frauen vorteilhaft war. Schon klar, dass wir, die Hostessen, die Messe und unseren Stand ein wenig repräsentieren mussten. Und natürlich stachen wir ins Blickfeld. Wir, die hübschen Mädchen in den niedlichen Kostümchen, die Kaffee und Kuchen servierten. Ich fühlte mich bei jedem Gaffer unglaublich beschämt und war gleichzeitig wütend darüber, dass ich mich nicht einmal dagegen wehren konnte. Einigen Frauen schmeichelten die Blicke, ich fand sie eher unangenehm.

Männer gab es übrigens keine. Nur Frauen. Konnten Männer nicht genauso laufen und ein Tablett in der Hand halten? Ich erkannte erneut dieses eine Muster der Klischees. Und es gefiel mir nicht.

Fakt ist:

Die Arbeit auf der Messe finde ich aufgrund ihrer andauernden Arbeitszeit zu belastend für den Körper und den Geist.

Die Arbeit als Hostesse finde ich mit ihren optischen Voraussetzungen diskriminierend.

Und deshalb werde ich auf keiner Messe mehr arbeiten, geschweige denn mich erneut in ein schickes Kostümchen zwängen. Fairerweise muss ich sagen, dass das Geld mir fehlen wird, aber ich empfinde es als Statement für mich selbst, eine solche Arbeit mit diesen Gegebenheiten nicht zu tolerieren.

Wer weiß, vielleicht lockert sich das Ganze in einigen Jahren. Meine Freundin, die seit Jahren immer auf der Berlinale arbeitet, hat mir neulich erzählt, dass sie (dank der MeToo Debatte) zum ersten Mal keine hochhackigen Schuhe tragen musste. Ich freute mich sehr für sie, denn das Stundenlange stehen auf diesen Stelzen ist die reinste Zumutung. Aber ich erkenne einen Wandel. Eine positive Veränderung. Und es gefällt mir sehr.

Was haltet ihr davon? Findet ihr meine Sicht zu streng oder zu „übertrieben“?

Damit verabschiede ich mich mit ganz viel positiver Energie und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft! Euch einen schönen Mittwoch! ♥

 

 

 

16 Kommentare zu „Warum ich nie wieder auf einer Messe und als Hostesse arbeiten werde

  1. Ich finde deine Sicht auf keinen Fall zu streng oder gar übertrieben! Ich stimme dir total zu! Hab auch ein paar Mal auf Messen gejobbt, allerdings als Kellnerin. Das war auch ein Knochenjob, ich glaub aber wirklich, dass das Dauer-Stehen noch viel schlimmer sein kann. Ich glaube die Blicke Männer (oder sagen wir besser: Herren), könnte ich auch nicjt ertragen. Ich finde du machst alles richtig, wenn du diesen Job nicht mehr machen möchtest! 🙂

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  2. Ich bin früher mit meinem Arbeitgeber öfter auf Messen und musste dann auch Kaffee servieren und hinter der Infotheke nett lächeln. (Für Männer ist das natürlich nichts…) Aber ich habe mich immer unfassbar unwohl gefühlt, weil an allen anderen Ständen die eleganten, aufgehübschten, dauergrinsenden Hostessen standen, die von allen angeschaut wurden. Und dann ich Dickie daneben. Ich hab mich oft so unwohl gefühlt. Und dann noch die Kollegen, in deren Blick man lesen kann „Warum können wir nicht auch so eine haben?“
    In der Organisation vorab, werden einem nicht nur Hostessen, sondern sogar Models angeboten – mit Maßen. Dass sie auf den Bildern nicht nackt waren, war alles….
    Das ist ein ganz und gar sexistisches und widerliches Geschäft.
    Immerhin konnte ich einigen Kollegen den Wind aus den Segeln nehmen. „Kannst du uns nicht auch mal so ein heißes Geschoss buchen?“ Antwort: „Wenn ICH buche, dann buche ich einen Mann, damit ich auch was schönes zum angucken habe.“

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    1. Ich kann deinen Frust gut verstehen! Dass nur Models in der Lage sein können, diese Berufung auszuüben, finde ich sehr diskriminierend. Die Frau wird objektiviert und perfektionalisiert und eigentlich sollten wir aus dieser Phase schon raus sein! Sexistisch finde ich es auch absolut!

      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße!!

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  3. Nein, liebe Mia, Deine Sicht ist nicht zu streng.

    Es ist schlimm, mit welchen „Argumenten“ heutztage für manche Jobs geworben wird, und es ist nicht weniger schlimm, dass es manche Jobs überhaupt gibt.

    Man wird ja leicht in eine bestimmte Ecke gestellt heutzutage, wenn man mit MORAL kommt. – Ich komme dennoch und gerade deshalb damit und habe dafür einen wundervollen Satrz, der von einer Bloggerin stammt (Feuerwerkmädchen), die leider ihr Portal hier inzwischen geschlossen hat. Er lautet: „Moral ist jene Art des Handelns, welche lediglich von Anklägern des anständigen Lebens, verpönt wird.“ –

    Ich bekenne mich dazu, „anständiges Leben“ auf gar keinen Fall anzuklagen sondern als Leben jenseits von Diskriminierung, Sexismus, Heuchelei, Ausbeutung, Gier, Rassismus und Lobbyismus zu verstehen.

    Davon ausgehend bin ich in meinen Urteilungen und Abneigungen manchen Menschen viel zu hart.

    Aber mir gehen schon diese Klischees, wie sie etwa Bankangestellte zu repräsentieren haben, in Kleidung („Herren“ in Anzügen mit Krawatte, hochgeschlossen selbst im Hochsommer oder „Damen“ mit feschen Tüchern in figurbetonten aber nicht zu „offensichtlichen“ Kostümen), die „Seriosität“ vermitteln sollen, tierisch auf den Zeiger. Irre ich mich oder geht es bei den „vertraulichen und seriösen“ Gesprächen nicht vor allem um Provisionen und möglichst hohe Zinsen, und werden nicht die am meisten hofiert und umschwänzelt, die die dicksten Konten haben?

    Nicht, dass ich missverstanden werde, ich bin nicht neidisch auf irgendwen, aber diese ganze Schauspielerei, dieses ganze Getue, Gewerbe, Eingeschmeichle, das finde ich nur widerlich.

    So eine Messe ist in gewisser Weise immer eine gewisse Kulmination derartiger Gebahren. Und es werden Menschen „gebraucht“, die dafür herhalten sollen und müssen. Und das wird dann regelmäßig gewaltig überzogen und übertrieben.

    Ich finde es ebenso stark, wie wunderbar, dass Du Dich entschieden hast, Dich dem bewusst zu entziehen. Ich bin ja nun selbst wahrlich keiner von den Reichen in der westlichen Welt und weiß sehr genau, wie es ist, wenn man rechnen muss, um über die Runden zu kommen. Dennoch: Mir ist der morgendliche Blick in den Spiegel wichtiger als ein paar Euro mehr in der Tasche.

    Und Du bist also auch „so eine“, liebe Mia. So werden wir mutmaßlich beide nicht reich im materiell verstandenen Sinne (ich eh‘ nicht mehr 😉 ), aber wir sind mit und halbwegs im Reinen. – Und, das kann ich immerhin schon aus Erfahrung sagen: Unter den Menschen, die es so halten, finden sich nicht dier schlechtesten Charaktere und damit eine Basis auf andere Weise „reich“ zu werden.

    Immer, wenn ich hierher auf Dein Portal komme, mich da und dort mit Dir unterhalten kann, spüre ich das übrigens!

    In diesem Sinne: Liebste Grüße an Dich! ❤

    Gefällt 3 Personen

    1. Nein, lieber sternfluesterer, du bist fernab vom Neid! Sich über dieses System der Künstlichkeit und Representation aufzuregen, kann man auch ganz nüchtern, ohne Missgunst zu empfinden. Ich habe mich wie gesagt dazu entschlossen, es nicht mehr zu unterstützen. Ich werde zwar kein Vermögen verdienen, aber ich kann dafür in der Nacht schlafen.

      Und ich schließe mich dir an! Wir sind reich. Nur bemisst sich unser Reichtum nicht auf Geld oder ein Einkommen. All diese lieben Kommentare von euch und auch dir zu lesen, lässt mich spüren, wie reich ich bin!

      Hab ein schönes Wochenende! Ich hoffe der Rücken macht keine Plagen ❤️

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      1. Deine Hoffnung ist noch sehr nötig. Es ist richtig schlimm, leider. Gestern, nach einem Gang in die Stadt (ganz gechillt! Und ich hatte so Sehnsucht nach Bewegung und Frühling …) wars kaum noch auszuhalten. Wenn es bis über Ostern nicht irgendwie besser wird, werde ich wohl doch zum Doc müssen (WILL NICHT!!!) …

        Soweit wir uns nicht noch mal lesen, aber auch sonst, wünsche ich Dir ganz schöne, erholsame und freudige Ostertage für Dich, liebe Mia! ❤ ❤ ❤ !

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  4. Ich finde dich unglaublich mutig und du darfst stolz auf dich sein, weil du für dich, für deine Seele und auch für ein Statement entschlossen hast. Und das obwohl du das Geld wirklich benötigst. Ich denke, dass viel mehr Frauen so mutig sein sollten, damit sich etwas in der Gesellschaft verändern kann.

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  5. Ich bin gerade nicht so richtig in der Lage, das zu formulieren, was ich zu diesem Thema zu sagen hätte. Aber ich stimme dir zu und finde deine Einstellung ganz wunderbar!
    Alles Liebe, MrsTingley

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  6. Ich stimme dir ebenso vollumfänglich zu. Wir haben trotz aller Gleichberechtigungsbemühungen immer noch einen weiten Weg vor uns. Frauen werden immer noch allzugern als Deko-Objekte missbraucht. Die niedlichen Kostümchen suggerieren unterwürfigkeit und hilfsbereitschaft. Es ist für die meistens männlichen Kunden einfach angenehmer, jemanden um Auskunft zu bitten, der so offensichtlich „ungefährlich“ ist und ihn nicht in seiner Dominanz bedroht, mal abgesehen davon, dass Mann eben gerne was Hübsches zum Angaffen hat. Und diese Instinkte werden gerade in diesen Berufen weiter gefördert. Hier werden hübsche Frauen benutzt um Egos zu streicheln (wer würde sich nicht gut fühlen, wenn er von einer hübschen Frau angelächelt wird) und sie damit den eigenen Produkten positiver gegenüber stehen zu lassen. Und hochhackige Schuhe sind ja auch so eine Sache. Sie sind ungesund, oft schmerzhaft, verhindern große (dominante) Schritte und damit potenziell auch schnelles Wegrennen…

    Klar, das ist jetzt etwas polemisch formuliert und wird der Thematik sicher nicht voll gerecht, aber ich denke schon, dass das zumindest mit hinein spielt und dass es sinnvoll ist, sich über solche Rollenbilder Gedanken zu machen und sich zu überlegen, wie man sie durchbrechen kann.

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