April, April – Warum ich einfach nicht lügen kann

Letztes Jahr hat mein bester Freund mich ganz schön aufs Ohr gehauen. Er schrieb mir morgens, am 1. April, dass er im Lotto gewonnen hätte. Völlig neben mir und noch halb im Tiefschlaf freute ich mich so sehr für ihn, ohne in Kenntnis zu nehmen, welcher Tag heute war. Wie viel habe er denn gewonnen? Ach 100.000? Oh wie wunderbar! Er zögerte mit seinen Antworten, weil er durch meine Reaktion nicht mehr wusste, wie er es aufklären sollte. Ich schrieb ihm, wie sehr er es verdient hätte und nun endlich umziehen könnte. Ich schrieb, wie froh ich war, dass er sich nun nicht mehr mit seinen Geldsorgen plagen musste. Ich war so glücklich, weil ich dachte, dass er im Lotto gewonnen hatte…Ha, Ha. April, April.

An meine Reaktion erinnere ich nicht gar nicht so genau, aber laut ihm war ich wohl ziemlich sauer und habe den Rest des Tages nicht mehr mit ihm geredet. 😂 Kaum vorzustellen, denn heute muss ich ziemlich darüber lachen. Der Witz des Witzes besteht schließlich darin, „verarscht“ zu werden.

Mia, der Scherzkeks!

Nun ja, heute dachte ich mir, den gleichen Witz bei meiner besten Freundin zu versuchen. Die Chance bestand ohnehin nur zu 10%, weil man sie eigentlich nicht auf den Arm nehmen kann.

Als regelmäßige Lottospielerin versucht sie ihr Glück immer wieder. Ich habe es tatsächlich noch nie ausprobiert. Jedenfalls schrieb ich ihr, wie verrückt es war, dass ich ein mal da mit machte und gleich gewann! Per Whatsapp gelingt mir das „Lügen“ definitiv besser als von Angesicht zu Angesicht.

Ich sah erst einige Stunden später auf mein Handy und bekam fast die gleiche Reaktion wie von mir damals! Wie sehr sie sich freute und wie viel ich denn gewonnen hätte?

Das Gefühl, dass mich bekam, überraschte mich. Es war keine Schadenfreude. Es ähnelte eher einem schlechten Gewissen. Ich hatte sie belogen und sie hatte mir geglaubt. Sobald ich jemandem auch nur das kleinste Leid zufüge, verletzt es mich selbst auch. Ich klärte es natürlich sofort auf und entschuldigte mich. Auch sie antwortete nicht gleich und ich verfiel in Panik. War sie nun genauso sauer wie ich damals? Würde sie mich den ganzen Tag meiden?

April, April!

Nein war sie nicht. Sie versteht Humor definitiv besser als ich. Sie lachte darüber und dann musste auch ich lachen. Dennoch nagt das schlechte Gewissen nach wie vor an mir. Wann immer ich jemanden belüge, fühle ich mich schuldig.

Für mich ist das „Veräppeln“ und die „Lüge“ im Prinzip ein und dasselbe. Das eine wird vielleicht frühzeitig aufgeklärt, aber irgendwie finde ich es ähnlich. Und obwohl ich ziemlich ironisch sein kann, ist das direkte Belügen dann doch etwas anderes für mich.

Klingt es umoarlisch, wenn ich mir wünschte, dass ich lügen könnte? Ich glaube manchmal, dass das Leben einfacher ist, wenn man sich die ein oder andere Lüge erlauben kann und nicht das schlechte Gewissen gewinnen lässt.

So viel dazu – ein gelungener Aprilscherz und ein die Einsicht, viel zu sensibel zu sein, um andere zu „verarschen“. Ganz schön armselig, oder? 😀

Fröhliche Ostern! 🐰❤️

12 Kommentare zu „April, April – Warum ich einfach nicht lügen kann

  1. Ich kenn das mit dem „Nicht-Lügen-Können“ und dann schlechtes Gewissen und so. Ich bin jetzt mal zum Schluss gekommen, dass ich (halt) einfach so bin. Wegen dem „Nicht-Lügen-Können“ ohne schlechtes Gewissen aber kein besserer, noch schlechterer Mensch bin. Halt einfach ein Kabel anders verdrahtet oder so. Nehme jetzt an, dein Artikel dazu war kein Aprilscherz:-). Lieber Gruss

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  2. Ich bin auch eine furchtbar schlechte Lügnerin. Selbst mini-Notlügen werden sofort durchschaut und ich habe auch immer gleich ein schlechtes Gewissen dabei.

    Was April-Scherze angeht, würde ich aber sagen, dass das eine Kunst für sich ist, diese so zu gestalten, dass der Andere bei der Auflösung nicht enttäuscht ist oder sauer über den Schrecken, den man ihm eingejagt hat.

    Aber ich weiß nicht, ob das ein Skill ist, den man unbedingt benötigt….

    Klar wäre es in manchen Situationen hilfreich, wenn man lügen könnte – besonders wenn die Wahrheit den anderen einfach nichts angeht – ich denke da an die Frage von Kollegen, was man am Wochenende gemacht hat und man möchte nicht darüber reden, dass man die ganze Zeit alleine zu Hause gesessen und geheult hat… Da fällt es mir schon schwer genug, nur in der Form zu lügen, dass ich sage „war nix besonderes. Recht entspannt“…

    Insofern finde ich es auch nicht schlimm, sich zu wünschen, zumindest in gewissen Situationen auch mal ohne schlechtes Gewissen lügen zu können….

    Beste Grüße und frohe Ostern!

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    1. Da stimme ich dir zu! Einen Scherz so zu gestalten, dass er weder verletzend und gleichzeitig lustig ist, ist ganz schön schwer! Hängt sicher auch mit dem Zuhörer zusammen!

      Und Notlügen, die einen selbst vor unangenehmen Situationen schützen, muss ich eben auch lernen. Wie gesagt ist mein Moralempfinden nicht so streng, aber ich habe es einfach überhaupt nicht drauf zu lügen^^

      Liebe Grüße!

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  3. Jeder Mensch lügt. Jeder von uns. Wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, tun wir das in der ein oder anderen Situation. Das ist normal und auch nicht schlimm, denn manchmal dient eine Lüge eben auch dazu, um den anderen nicht zu verletzen. Wichtig sind immer die Hintergründe. Es spielt eine Rolle, aus welchem Grund wir lügen und wenn wir lügen, dann hat das ausschließlich mit uns selbst zu tun und sagt auch nur etwas über uns aus, niemals über andere. Deshalb müssen dennoch unsere Beweggründe zu lügen nicht immer schlecht sein und können auch einem positiven Zwecke dienen. In der Regel sind mir jedoch Menschen lieber, die sich darüber Gedanken machen und genau das schlechte Gewissen empfinden können, auch wenn ihre Lüge harmlos war, als die Menschen, die Lügen, um zu manipulieren und das von anderen Menschen zu bekommen, was sie brauchen.

    Liebe Grüße Nicole 🙂

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  4. Du bist Vieles, liebe Mia. Aber nicht armselig.

    Du bist ein wundervoller und wahrhaftiger Mensch. Deine eigenen Worte sprechen für sich (DICH!) selbst:

    „Sobald ich jemandem auch nur das kleinste Leid zufüge, verletzt es mich selbst auch.“

    Soviele Herzen kann ich hier gar nicht lassen, wie unter diesen Satz, diesen, Deinen CHARAKTER gehören!

    Allerliebste Grüße an Dich. Und schlaf schön! ❤

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  5. Ich fühle mich mit kleinen Lügen auch total unwohl. Deshalb kann ich dein Empfinden total nachvollziehen. Sobald ich mir etwas ausdenke, um mich aus einer unangenehmen Situation zu befördern, denke ich sofort, dass mein Gegenüber mich sicherlich direkt durchschauen wird. Schriftlich geht es etwas besser, aber ich mache es total ungern. Eigentlich ist das ja eine gute Tugend!

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