Familienurlaube – Stressituationen und ständige Kämpfe mit der Essstörung

Ich bin zu alt für Familienurlaube. Damit sage ich nicht, dass es eine bestimmte Jahreszahl gibt, an der man ein Limit überschreitet, ich meine viel mehr, dass ich mich alt genug fühle, um nein zu sagen.

Sind Urlaube mit der Familie wirklich „schön“?

Das ist eine ernst gemeinte Frage, denn mich würde wirklich interessieren, ob ich die einzige bin, die diese negativen Erfahrungen gesammelt hat. Ich meide jegliche Familienurlaube, weil ich – so schrecklich es klingt – kaum positive Erinnerungen an sie habe. Und das, obwohl wir sehr, sehr viele Alben voller gemeinsamer Urlaubsorte haben.  Die negativen Momente waren für mich immer intensiver, als positive. Ich wünschte, es wäre andersherum.

Nie wieder!

Vor vier Jahren schwor ich mir, nie, nie, nie mehr mit dieser Familie zu verreisen. Wie schrecklich diese drei Wochen waren, kann ich kaum in Worte fassen.

Zwei Jahre später war es wieder soweit. Der nächste Familienurlaub. Ich sollte dringend mitkommen, weil die Familie uns ja so lange nicht gesehen hatte. Ich kämpfte mit voller Kraft gegen das schlechte Gewissen an. Der Hauptgrund war meine damals sehr ausgeprägte Essstörung. Mir wurde sogar trotz meiner vielen „Neins“ ein Flugticket gekauft, doch letztendlich blieb ich bei meinem Standpunkt.

Die Gründe, die mich diesmal dazu bewegt haben, am Familenurlaub teilzunehmen, waren bürokratische. Obwohl es nicht länger als einen Tag dauerte, das Bürokratische zu erledigen, verstehe ich, dass es Unsinn ist, für einen Tag ein teures Flugticket zu besorgen. Ich willigte nur unter der Bedingung ein, maximal zwei Wochen zu fliegen. Ich muss meine Baechelorabeit endlich fertig schreiben (oder mal anfangen :D) und auch sonst viel erledigen. Jetzt fliegen wir schließlich drei Wochen, weil meine Stimme mal wieder nicht zählt. Ich werde nie gehört. Und deshalb sage ich es erneut: Nie wieder!

Sonne, Streit und Stress.

Ich will nicht alles schwarz sehen, doch ich kann jetzt schon sagen, dass es nicht entspannend wird, so wie ein Urlaub eigentlich gedacht ist. Wir drei – meine Mutter, meine Schwester und ich – passen einfach nicht zusammen. Seit wir nicht mehr zusammenleben, ist das erneute gemeinsame „Abhängen“ noch komplizierter geworden.

Ich hoffe, dass es nicht so schlimm wird, wie ich annehme. Und ich hoffe, dass das unser letzter gemeinsamer Urlaub sein wird. Es ist traurig, weil ich den objektiven Gedanken wunderschön finde, mit der Familie zu verreisen.

Vielleicht wird es anders sein, wenn ich eines Tages Familie haben werde. Ich würde meinen Kindern zuhören und ihre Meinung respektieren. Ich würde ihnen niemals das Gefühl geben, dass sie unsichtbar sind. Ich würde besonders im Urlaub Streitereien vermeiden und sie vollends unterstützen, damit der Stress für die kein ungesundes Verhältnis zum Essen auslöst.

Denn so ist es gerade. Ich bin an einem Ort, an dem ich dafür ausgelacht werde, dass ich eine Cola Light bestellen will. Ich bekomme ohne nachzufragen eine zweite Portion auf den Teller serviert und muss alles essen, weil es sonst unhöflich ist. Den Stress wegen des Essens und wegen dieser Streitereien lassen mich innerlich förmlich explodieren. Manchmal frage ich mich, wie ich nach außen hin so ruhig bleiben kann, wenn in meinem inneren alles brodelt. Aber die Woche hat gerade erst begonnen. Und hab habe ja noch 3!

Vielleicht berichte ich euch von meinem Urlaub. Genauso könnt auch ihr mit von euren berichten. Was haltet ihr von Familienurlauben?

Habt einen wunderschönen Sommer! ♥

 

 

 

 

15 Kommentare zu „Familienurlaube – Stressituationen und ständige Kämpfe mit der Essstörung

  1. Ich finde Familienurlaube auch total schrecklich. Zum Glück sehen meine Eltern das genauso und niemand hat Interesse daran Zeit miteinander zu verbringen und gemeinsam wegzufahren… wenn die eigenen Eltern das anders sehen wird es natürlich problematisch. ( obwohl es ja auch irgendwie schön ist, dass sie dich dabei haben wollen)
    Ich war schon seit Jahren nicht mehr mit meiner Familie weg aber auch im jungen Alter gab es schon immer nur Streit. Ich hoffe wirklich, dass dein Urlaub nicht so endet und du vielleicht mal eine positivere Erfahrung machen kannst als sonst 🙂 ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen.

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar! Ja – einerseits finde ich es schön, dass meine Familie Zeit miteinander verbringen will, andererseits ist es Tatsache, dass wir nicht gemeinsam Zeit verbringen können! Mir wäre es daher wirklich lieber, wenn wir alle es akzeptieren würden und nicht dazu „zwingen“, weil eine Familie das eben so machen sollte…

      Liebe Grüße!

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  2. Dabei denkt man doch immer, so’n Mädelsurlaub wäre nett 🙂

    Ich glaube, das kommt immer auf den Einzelfall an und wie man generell miteinander umgeht.
    An Familienurlaub habe ich eigentlich gar keine schlechten Erinnerungen. Als ich Kind war: Strand, Fußball, Eis etc. – Später dann sind meine Eltern irgendwann alleine weggefahren. Ich weiß gar nicht, wie wir das auf den Weg gebracht haben und ob da von irgendwem die Initiative ausging. Vielleicht sogar eher von ihnen, daß sie halt mal alleine wegfahren wollten. Ich war dann ja gleich mit Uni und danach Job eingebunden und bin eh nicht so der Urlaubs- Typ.
    Später habe ich ihnen dann auch mal irgendwas an Urlaub gebucht und bin vielleicht mal für ein oder zwei Tage gucken gefahren – das war immer sehr schön.
    Ich muß aber auch generell sagen, daß meine Eltern super damit umgegangen sind, daß ich älter und eigenständig wurde. Obwohl ich noch lange bei Ihnen gewohnt habe. Ich war halt „erwachsenes Kind“ 🙂

    Halte gut durch bei dem „Traumurlaub“ – er zeigt Dir, was Du später mal anders/ besser machen wirst. Und vielleicht ist es auch gut, das innere Brodeln mal an die Oberfläche zu lassen? 😉

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    1. Nett?! Also bei meinen Mädels ist es leider alles andere als nett…Nennen wir es temperamentvoll…

      Aber deine Erfahrung kllingt ja auch sehr harmonisch – so wie es eigentlich sein sollte 🙂 Und in diesem Fall spricht auch nichts dagegen, solange man sich wohl fühlt und Spaß hat!

      Liebe Grüße!

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      1. „Temperamentvoll“ ist schön umschrieben… 🙂 Und eine gute Gelegenheit, das eigene mal rauszulassen…?

        Ja, ich muß sagen, wie es bei uns gelaufen ist, dafür bin ich meinen Beiden auch ewig dankbar.
        Liebe Grüße!

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  3. Ich bin etwas zwiegespalten, was Familienurlaube angeht. Wenn wir früher Richtung Süden sind, war es eigentlich doch auch immer eine schöne Zeit. In meiner Jugend bin ich mit meiner Mutter alleine weggeflogen, weil mein Vater Flugangst hat. Das war für uns beide eine Auszeit, aber teilweise schwierig, denn meine Mutter war ‚eifersüchtig‘, wenn ich lieber Kontakt zu Gleichaltrigen gesucht habe. Keine Ahnung, ob es ihr schwerfiel, eigene Kontakte zu knüpfen, aber ich wollte eben auch nicht 24/7 mit ihr abhängen. Unser letzter gemeinsamer Urlaub war nach meiner Ausbildung – das ist 13 Jahre her. Um ehrlich zu sein brauche ich das auch nicht. Nur noch mit Einzelzimmer und Möglichkeiten des Rückzugs!

    Ich finde es ehrlich gesagt respektlos, wie wenig deine Familie, auf deine Bedürfnisse und dein Statement hört. Du bist eine eigenständige Person mit den gleichen Rechten. Pass gut auf dich auf, gönn dir Auszeiten, wenn möglich und zur Not riskier einen Streit, aber bleib dir selbst treu!

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    1. Danke für deine verständnisvollen Worte. Respektlos finde ich es auch, aber das kann ich niemandem sagen, weil der Urlaub für mich bezahlt wurde und ich nicht als undankbar abgestempelt werden möchte.

      Mit meiner Mutter war ich auch schon alleine verreist und das war auch sehr schön. Aber dieses „zu dritt“ – drei komplett unterschiedliche Typen – das wird immer sehr leidenschaftlich…

      Liebe Grüße!

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  4. Oh nein, das klingt nicht so schön. Ich hoffe, das klingt nicht gemein… Aber ich finde es von deiner Familie auch ein wenig respektlos dir gegenüber, dass sie einfach so über dein Bedürfnis und deine Meinung hinwegsehen und dir trotzdem ein Flugticket kaufen, damit du mitkommen musst. Da scheinen sie gar nicht zu verstehen, warum es dir so schwerfällt mitzukommen oder warum du einfach nicht mit möchtest.
    Ich könnte auch nie im Leben mit meiner Familie (also nähere Familie: Mama, Papa, Schwester) zusammen wegfahren. Da ist einfach so schlechte Stimmung, so viele unausgesprochene Sachen, die mich immer total depressiv machen. Deswegen fahre ich auch nur selten zu meinen Eltern… Mein Zuhause ist einfach langer nicht mehr dort, sondern jetzt hier in Berlin.
    Bitte vergiss nicht, an dich zu denken! Auch wenn es dort, wie du schreibst, unhöflich angesehen wird, wenn man etwas ablehnt oder nicht aufisst… Du musst nicht alles mit dir machen lassen. Das ist meine Meinung. Es ist dein Leben und du entscheidest darüber, wie viel du essen möchtest. Wichtig ist meiner Ansicht nach, dass du die Essstörung weiterhin ernst nimmst und sie nicht dort „vergisst“. Und, dass deine mentale Gesundheit Priorität hast. Vielleicht kannst du dort etwas machen, was du hier in Deutschland nicht machen kannst? Ich hoffe, dass du den „ungewollten“ Urlaub so trotzdem genießen kannst. Und falls etwas ist und du dich überfordert, verzweifelt oder was auch immer fühlst… dann melde dich einfach. 🙂 Allerliebste Grüße 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Nein, es ist nicht gemein 🙂 es ist ja leider wahr. Ich empfinde es auch als sehr repektlos und weiß noch immer nicht, wie ich damit umgehen soll. An mich denken tue ich überraschenderweise sehr viel! Diese ganze Urlaube bei Verwandten (bei denen es wieder einen Haufen Essen gibt) habe ich komplett abgeblockt. Danke für deine lieben Worte, insbesondere den letzten Satz!!! ❤

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  5. Bei uns gab es auch immer Streit und ich war froh, als ich alt genug war, nicht mehr mitgehen zu müssen. Da war ich vielleicht 16 Jahre alt. Inzwischen würde ich es wieder wagen. Aber ich bin ja jetzt auch 37 und wir haben ein tolles Verhältnis. Mehr als eine Woche wär aber für mich nicht gut denkbar, ich brauch auch immer mal wieder Abstand von meinen Eltern.
    Ich kann nachvollziehen , wie du fühlst. Aber mach dir klar, dass du erwachsen bist und dass sich niemand zu was bringen kannst. Ziehe freundlich aber bestimmt deine Grenzen. In dem Ausmass, in dem du noch Dinge von ihnen aufschwatzen lässt, bist du noch gefangen in dir selbst. Objektiv gesehen kann dich in deinem Alter niemand zu was zwingen. Auch nicht in starken familiären Zwängen. Natürlich hat es Konsequenzen. Im schlimmsten Fall (ich nehme zur Veranschaulichung gerne Worst Case Szenarien) musst du mit deiner Familie brechen. Aber was ist dir wichtiger, dass deine Familie dich zurechtbiegen kann wie sie will oder dein eigenes Leben, deine Selbstbestimmung und deine Würde? Von aussen betrachtet nimmt es teilweise skurrilste Formen an, wenn jemand sonst selbstbestimmt ist und sich dann von seiner Familie (seiner Ehefrau oder was auch immer) so unterbuttern lässt. Das kann man fast nicht nachvollziehen. Es sind Muster, die von Ängsten und Machtspielen getränkt sind und es tut so gut, sich daraus zu befreien. Nimm es als Zeichen, dass du hier noch was lernen musst. Versuche dich darauf zu konzentrieren, was DU ändern kannst und nicht, wie sich die anderen korrekt verhalten sollten. Vielleicht kannst du klein beginnen und ab und zu eine Stunde ohne die anderen was machen. Dann kannst du beobachten was das bei dir auslöst.

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    1. Du sprichst einen wichtigen Punkt an! Ich habe auch ein tollen Verhältnis mit meiner Familie – aber nicht wenn wir zusammenleben oder verreisen. Ich bin schon oft damit konfrontiert worden, dass ich noch wie ein Kind behandelt werde, daher wehre ich mich eigentlich recht gut. Zeit für mich habe und brauche ich auch.

      Danke für deinen Kommentar!!

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      1. Geht ja wahrscheinlich ums Thema Essen wo es problematisch wird? Da kann ich dir nur sagen, das wird besser wenn du diesbezüglich bei dir die Schalter wieder richtest. Aber das weisst du ja sicher selber. Ich wünsche dir auf dem Weg dahin ganz viel Mut und Durchhaltevermögen. Ich hab den Eindruck, dass du schon viel erreicht hast das Problem früher oder später überwindest.

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