Ich bin doch nicht verrückt – Happy Halloween!

Ich dachte schon seit einigen Monaten daran möglicherweise verrückt zu werden oder inzwischen schon verrückt zu sein. Ich fragte mich ob man wusste, wenn man verrückt wurde. Denn die Gedanken die ich hatte waren schlicht und einfach ziemlich…verrückt!

Ich wusste nicht, dass es etwas furchteinflößenderes als die Essstörung für mich geben konnte, jedoch wurde ich in den letzten Monaten eines Besseren belehrt. Ich fühle mich noch nicht bereit die Hintergrundgeschichte dazu zu teilen, aber falls ihr in den letzten Monaten meinen Blog gelesen habt, dann dürfte euch vielleicht das Thema Angst bekannt sein. Ich schreib von der Angst vor dem Tod und auch der Angst vor der Höhe. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht wie ernst das Ganze war. Wenigstens reflektierte ich meine Gedanken. Ich fragte nach dem Unterschied von der Angst und einer Angststörung und erhielt viel hilfreiche Rückmeldung (danke nochmal 🙂 ). Ich wusste, dass ich unbedingt mit einer professionellen Person sprechen musste.

Der Termin bei der Psychiaterin.

Am Montag war ich bei einer Psychiaterin. Monatelang hatte ich auf diesen Termin gewartet und endlich war er da. Natürlich hatte ich auch Angst. Meine größte Befürchtung war auf der Stelle eingewiesen zu werden, weil meine Gedanken sehr gruselig waren.

Was ich zu beichten hatte, konnte ich nicht frei heraus sagen. Ich hatte daher einen Zettel vorbereitet, um mich daran zu erinnern, was ich alles sagen wollte.  Als die Psychiaterin mich empfing, war ich plötzlich sehr mutig.

Ich sprach wie ein Wasserfall.

Vielleicht lag es an der Tatsache, dass ich bereits Erfahrung mit Gesprächen unter Psychologen und Psychiatern hatte. Vielleicht war es aber auch ihre angenehme Art – jedenfalls sah ich nur selten auf meinen Zettel und sprach einfach darauf los. Ich erzählte ihr all das, was ich bis jetzt niemandem erzählt hatte. Und während ich sprach, fiel eine unglaubliche Last von mir ab. Ich wusste zwar nicht, was ich hatte, aber ich hatte endlich mit jemandem darüber geredet.

Ich bin nicht verrückt.

Das versicherte sie mir mehrmals und lächelte amüsiert, als ich mehrmals nachfragte, ob sie wirklich sicher war. Jemand der so reflektiert war wie ich war nicht verrückt. Wie erleichtert ich war, kann ich kaum in Worte fassen.

Die Diagnose.

Sie erklärte mir ruhig und verständlich was sie vermutete. Damit bestätigte sich meine Google Recherche. Womit ich nicht gerechnet hatte war eine zweite Diagnose. Es kam deshalb so überraschend, weil diese Krankheit mir bekannt ist, ich jedoch nicht im Traum daran gedacht hatte.

Der Auslöser war ein Trauma.

In diesem Jahr ist etwas sehr Traumatisierendes passiert. Und obwohl ich dachte, dass ich darüber hinweg war, machte plötzlich alles einen Sinn. All die verrückten Gedanken die ich hatte, ließen sich perfekt mit diesem Ereignis zusammenreimen. Ich konnte nicht glauben, dass ich nicht schon früher darüber nachgedacht hatte.

Es ist einfacher, wenn man weiß, was man hat.

Zugegeben, diese beiden Diagnosen waren schon ein Schock, aber trotzdem fühle ich zunehmende Erleichterung. Ich weiß jetzt, was los ist. Und ich weiß, wie ich ansetzen kann. Ich bin nicht „verrückt“. Ich habe eine Diagnose und sie ist mit einer Therapie behandelbar.

Warum teile ich das mit euch?

Diesen Beitrag habe ich in erster Linie für mich geschrieben. Ich möchte ihn dennoch auch in meinem Blog festhalten, weil ich euch dazu animieren will, unbedingt mit jemandem zu reden, selbst wenn ihr ganz große Angst davor habt. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich mir viel eher Hilfe holen. Die Scham vor den eigenen Gefühlen kann grausam sein. Aber wenn man sich nicht traut die Gedanken mit den engsten Mitmenschen zu teilen, dann vielleicht vor einer neutralen Person, die sehr viel Hintergrundwissen hat. So war es jedenfalls für mich.

Redet mit jemandem!

Selbst wenn ihr glaubt, dass diese Gedanken „verrückt“ sind. Denn es wird sofort besser, sobald man die Last nicht alleine mit sich trägt. ♥

Hoffentlich war euch dieser heutige Beitrag nicht zu schaurig und depri. Falls doch, dann Happy Halloween! 😛

6 Kommentare zu „Ich bin doch nicht verrückt – Happy Halloween!

  1. Dein Beitrag ist für mich weder schaurig noch depri. Ich finde es so stark, wie Du mir der Sache umgehst, ich habe dafür gar keine angemessenen Worte. .

    Diesen Satz von Dir “ Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich mir viel eher Hilfe holen.“, habe ich mir so oft gesagt in den letzten Jahren. – Für Dich, liebe Mia, denke ich, dass Du, ja, sicher auch sehr lange gebraucht hast, um Dich zu „trauen“ Dir Hilfe zu holen (ich weiß freilich auch, dass und warum das nicht so einfach ist), dass Du aber auch noch viel Lebenszeit vor Dir hast. Und in dem Jahr, während dem ich Dich hier mittlerweile begleiten darf, bist Du immer nur gewachsen, immer nur stärker geworden. Und Deine Psychiaterin hat ganz und gar Recht: Die Grundlage dafür liegt in Deiner differenzierenden Reflektiertheit. Das ist eine wunderbare Gabe, die Du nicht nur gegenüber anderen Menschen Dein eigen nennen kannst, sondern mit Fug und Recht auch mehr und mehr, was Dich selbst betrifft.

    Ich bin gerade sehr bewegt …

    Ganz liebe Grüße an Dich! ❤

    Gefällt 2 Personen

  2. Oh es tut mir leid zu lesen, dass du in letzter Zeit scheinbar viel durchmachen musstest! Aber gleichzeitig freue ich mich, dass du jetzt schon diesen großen Schritt gegangen bist, dir Hilfe gesucht hast und jetzt anfangen kannst, alles zu verarbeiten! Ich habw auch die Erfahrung gemacht, dass eine Diagnose im ersten Moment erschreckend ist, dann aber doch hilfreich, da man weiß, dass man nicht allein ist und man „geheilt“ werden kann. Ich würde mich freuen, wenn du uns auf dem laufenden hältst! 😊

    Gefällt 1 Person

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