Die Geschichte von der Lehrerin, die uns ihre politische Meinung einredete

Diese letzten Tage haben viele Erinnerungen bei mir aufgewühlt. Besonders bei der Diskussion darum, was ich wähle, oder was andere wählen, kam mir ein bestimmter Moment in den Sinn, der mich jahrelang stark geprägt hat. Daher möchte ich von meiner Lehrerin erzählen, die uns ihre politische Meinung eingeredet hatte.

Am Sonntag sind die Europawahlen und ich hoffe, dass ihr alle wählen gehen werdet! Ich hatte vor einigen Tagen per Briefwahl gewählt, weil ich nicht sicher war, ob ich diesen Sonntag in der Stadt sein würde. Ich persönliche empfinde das Wählen als eine Art Pflicht, für das es keine Rechtfertigung gibt, wenn man es nicht tut. Jede/r Nichtwähler/in ist eine Stimme für…naja, nicht so coole Parteien..

„Wen wählst du?“

Wer mit mir über Politik spricht, weiß, dass ich nie verrate, wen ich wähle. Für mich ist das eine Frage, die ich ich als sehr persönlich empfinde. Vor allem, weil damit immer eine Diskussion einhergeht.

„Was? Dein Ernst? Warum die? Aber die sind doch so und so! Die haben doch nicht mal einen Sitz! Unterstützt du etwa dies und das? Und was ist mit xy? Du solltest viel eher die wählen!“

Grrr…vielleicht wisst ihr, was ich meine. Menschen akzeptieren meine Meinung nicht und wollen mich belehren. Versteht mich nicht falsch – ich finde es wichtig über Politik zu reden und sich auszutauschen, aber wie immer macht der Ton die Musik. Niemand hat mir vorzuschreiben, was ich wählen soll.

Meine Lehrerin und ihre politische Meinung…

Als ich das erste Mal gewählt habe, war ich noch in der Schule. Ich hatte keine Ahnung von Politik und wusste auch nicht, was ich wählen sollte. Unsere Lehrerin hingegen wusste es schon. Und obwohl sie immer wieder betonte uns nicht zu verraten, was sie wählen würde, tat sie es trotzdem, in dem sie uns sagte,was sie auf keinen Fall wählte.

Als ein Junge fragte, was sie von den Linken handeln würde, riss sie die Augen auf und gab uns unmissverständlich zu verstehen, dass sie Die Linke nie und nimmer wählen würde. Sie sagte Dinge wie „unrealistisch“, „utopisch“ und „nicht ernst zu nehmen“. Als es um die Grünen ging, war ihre Reaktion ähnlich abstoßend. So ging das weiter, bis wir alle wussten, welche zwei Parteien (welch große Überraschung :P) in ihrer engen Auswahl standen. Ich, die nicht viel von den Parteien wusste, nahm mir ihre Meinung zu Herzen. Vor allem, als der schlauste Schüler der Klasse ihrer politischen Meinung zustimmte und meine Eltern das gleiche wählten wie sie.

Ihre Worte prägten mich.

Ohne mich mit dem Thema Politik auseinanderzusetzen, hatte ich mir durch reines Hörensagen eine Meinung gebildet. Diese war undifferenziert und eigentlich auch nicht „meine“, sondern „eine“. Doch ein Mal in meinen Kopf gesetzt war es mir gar nicht so einfach, sie wieder loszuwerden. Ich hatte mich für eine Partei entschieden – die, die auch meine Eltern wählten. Und meine Lehrerin. Und alles, was ich fortan verfolgte, war jene Partei und keine anderen mehr. Diejenigen, die meine Lehrerin verachtete, mied ich grundsätzlich auch, da sich ihre abfälligen Worte in meinen Kopf eingebrannt hatten. Eigentlich ist das ziemlich absurd, wenn ich so darüber nachdachte.

Heute weiß ich, dass meine Lehrerin sich falsch verhalten hatte.

Sie als Lehrerin hatte einen gigantischen Einfluss auf uns. Meiner Meinung nach stand es ihr nicht zu, ihre persönliche Meinung mit uns zu teilen. Schließlich unterrichtete sie uns. Wir lernten von ihr. Wir hörten ihr zu. Wir vertrauten auf ihre Meinung. Wir wussten es nicht besser.

Und ja, ich würde sogar so weit gehen, dass sie uns mit ihrer Sichtweise ihre politische Meinung einredete. Wenn auch unbewusst.

Nach einigen Jahren und eigener Recherche habe ich inzwischen meine eigene Meinung zum Thema Politik gebildet.

Die Stimme meiner Lerherin höre ich nur noch leise, aber hin und wieder immer noch laut genug, um mich auf die Palme zu bringen.

Bildet euch eine eigene Meinung!

Dazu gehört allerdings, dass ihr aus eigener Hand recherchieren müsst. Schaut euch an, was die Parteien verfolgen, schaut euch an, wie sie es umsetzen. Schaut euch an, inwiefern sie euren Moralvorstellungen entsprechen und trefft dann eine Entscheidung für euch. Ihr müsst sie mit niemandem teilen, wenn ihr nicht wollt. Die Hauptsache ist, dass ihr überhaupt eure Stimme nutzt und wählen geht!

Im Ernst, geht wählen!!!!!!!

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7 Kommentare zu „Die Geschichte von der Lehrerin, die uns ihre politische Meinung einredete

  1. Ein sehr schöner Beitrag, der abslout richtig ist! Lehrer*innen haben so viel, nenne wir es mal Macht, über uns: sie beeinflussen nicht nur unsere Tätigkeiten in der Schule sondern auch außerhalb. Leider gibt es doch immer mal wieder Lehrer*innen, die das gezielt ausnutzen, um uns ihre Meinung aufzudrängen – vorallem die Füntis sind sehr anfällig dafür!
    Leider darf ich noch nicht wählen, was ich ziemlich dumm finde… In ein paar Jahren sind die meisten Wähler von Heute Geschichte und die Generation, die gerade noch nicht wählen darf, darf dann den ganzen Mist ausbügeln. Ich finde, dass die U18-Wahlen viel stärker gewichtet werden sollten: schließlich geht es ja um unserer Zukunft!
    Ich wünsche dir einen guten Start ins Wochenende!💖
    rahellyelli

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich bin bislang immer wählen gegangen. Ich empfinde es wirklich sehr als Recht, das tun zu können. Bin halt ein DDR-Kind …

    Ich werde auch weiter wählen gehen, obwohl ich zugeben muss, dass es mir manchmal wirklich schwer fällt. Vieles, was Parteien bzw. Funktionäre heute im Zusammenhang mit Wahrlen versprechen, ist sehr plakativ und auf Stimmenfang ausgerichtet. Und ja, ich finde usnere Demokratie inzwischen auch sehr unterhöhlt. Die politischen Parteien machen immer weniger Politik, viel mehr tun das die Finanzwelt, die großen Monopole, diejenigen, die unabhängig von Parteienpolitik über MACHT und Machtmittel verfügen. –

    Ich gehe dennoch wählen, weil ich nicht nur meckern will.

    Ich gehe wählen, weil ich (leider) kein besseres praktikables System für Demokratie weiß.

    Ich gehe wählen, weil ich bestimmten Kräften und Parteien durch mein wählengehen etwas entgegensetzen will, und sie nicht durch gar nicht wählen indirekt stärken möchte.

    In der Schule sollten vor allem Grundwerte vermittelt werden, die Art mitmenschlichen Umgangs gelehrt und geübt, Risiken und Gefahren aktueller Entwicklungen aufgezeigt und besprochen werden, im besten Falle versucht werden, Handlungsansätze zu finden und zu diskutieren, die diese Risiken und Gefahren vermeiden, mindern, überwinden helfen könnten. Und dabei immer die Rolle des Einzelnen thematisiert werden.

    Alles andere ist die Sache eines jeden einzelnen selbst. Junge Leute mögen manchmal emotionaler, direkter sein, nicht gleich alles im Blick haben. Aber man kann junge Leute, Schüler, sehr wohl auch auf die Komplexität und Schwierigkeiten von Situationen und Entwicklungen hinweisen, sie dafür sensibilisieren. – Sie sind insoweit oft klüger und aufnahmebereiter als es ihnen von Erwachsenen zugestanden wird.

    Wenn all das so durch Eltern und Lehrer getan würde, bräuchte sich niemand „fürchten“ wenn 16jährige an Wahlen teilnehmen, und zwar an allen! Das wäre weit mehr als nur ein Zeichen von Vertrauen, es wäre wirkliches Vertrauen, das damit jungen Leuten entgegengebracht würde, Respekt, den sie verdient haben

    Wahrscheinlich sind diejenigen die das immer noch nicht wollen, eben die, die auch an den Freitagsdemos der jungen Leute herumkritteln. (Ihnen bleibt ja aber nichts anderes, wenn sie denn nicht wählen dürfen) – Denen wäre am liebsten, die jungen Leute blieben daheim und hielten die Klappe.

    Ich finde es sehr bereichernd, wenn junge Leute auf sachliche Weise „unbequem“ sind.

    Nach alldem, liebe Mia, brauche ich wohl nichts mehr dazu zu schreiben, wie ich Haltungen und Auftreten Deiner Lehrerin im Besonderen und anderer „Lehr- und Erziehungsbefugter bzw. -berechtigter“ im Allgemeinen sehe – ich fass es mal ganz klar in drei Worte: Geht gar nicht!

    Viele, liebe Grüße an Dich! ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. All deine Gründe, warum du wählen willst, verstehe ich absolut! Genauso auch die Gründe, warum du daran zweifelst oder nicht felsenfest dahinter stehst …

      Danke für deine Worte, lieber sternfluesterer! ❤️

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  3. Schön, daß Du es selbst als absurd empfindest, wie Du vor ein paar Jahren Deiner Lehrerin gefolgt bist. 🙂 Und ja, das war unprofessionell von ihr, sie hätte schlichtweg aufs Wahlgeheimnis verweisen können und wäre aus der Nummer raus gewesen.
    Aber vielleicht liegt auch hier mit ein Grund, weshalb Wahlen „U18“ dann doch etwas schwieriger sind.
    Wir hatten damals einen Referendaren in Sowi, der zur Quellenarbeit nur einschlägiges Material seiner bevorzugten Partei anbot. Dem haben wir das mal vor die Füße geschmissen im Unterricht – sein Fachleiter war dabei – und mehr Ausgewogenheit verlangt. So geht’s auch 🙂

    Ich finde es völlig normal, daß man sein Wahlrecht wahrnimmt. Aber es ist halt ein Recht, keine Pflicht – und daher finde ich streng genommen schon die ganzen Geht-wählen- Aufrufe als versuchte Beeinflussung.
    Übrigens werde ich das erste Mal, seit wir hier wohnen, keine Briefwahl machen, weil wir tatsächlich mal am Sonntag es noch hier ins Wahllokal schaffen werden 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deine Worte und das teilen deiner Meinung 🙂 für mich ist das Wählen tatsächlich eine Art Pflicht, weil wir schließlich darüber abstimmen, wen wir über die Politik, unser Leben, unsere Zukunft entscheiden lassen wollen! Und gerade in heutigen Zeiten, in denen das Land sehr “unruhig” ist und augenscheinlich einiges schief läuft, finde ich es wichtig, um keine Parteien an die Macht zu lassen, die die das Land und die Welt ins Verderben bringen. Klingt dramatisch und ist es auch für mich!

      Gefällt 1 Person

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