Warum ich mit meiner Essstörung weder vegetarisch noch vegan lebe

Der vegetarische und vegane Lebensstil gelten als sehr ethisch und nachhaltig. Ich befürworte den Verzicht auf tierische Produkte sehr, allerdings lebe ich aufgrund meiner Essstörung bewusst weder vegetarisch noch vegan.

Die Faustregel meiner Heilung lautet nämlich: Verkneif dir kein Essen mehr. Fühle dich nicht schlecht, wenn du etwas isst. Iss, was du willst, egal, wie kalorienreich es ist!

Soweit so gut – allerdings überschneidet sich diese Faustregel mit vegetarischer, veganer oder überhaupt nachhaltiger Ernährung. Denn hierbei geht sie mit einem gewissen „Verzicht“ einher…

Aber nochmal auf Anfang:

Heutzutage gilt es nicht mehr als ungewöhnlich, auf tierische Produkte zu verzichten.

Gerade hier in Berlin, gibt es unzählige vegetarische und vegane Restaurants. Dieser Lebensstil ist heutzutage absolut nicht mehr „einschränkend“, da es genügend Alternativen gibt. Wir brauchen kein Fleisch, um zu überleben; es gibt sogar Studien, die besagen, dass es gesünder ist, auf tierische Produkte zu verzichten.

Und überhaupt gab es noch nie so viel Auswahl! Früher wurden Fleisch und andere tierische Produkte nur von reichen Menschen verzehrt; heute sind sie in jedem Supermarkt zu spottbilligen Preisen zugänglich.

Vegetarische/ vegane Ernährung und Diät?

Eigentlich müssten die Worte vegetarisch/vegan und Diät nicht unbedingt in einen Zusammenhang gebracht werden, denn der Verzicht auf tierische Produkte ist keine Diät! Das einzige, was die Worte vereinen, sind der Verzicht auf bestimmte Produkte. Und mit dem Verzicht auf Produkten geht es mit der Essstörung los…

Für Betroffene einer Essstörung kann der vegetarische und vegane Lebensstil es eine Einschränkung sein. 

Ich kann nicht vegetarisch oder vegan leben. Ich hatte es versucht – ohne Erfolg. Wann immer ich auf Fleisch oder andere tierische Produkte verzichtete, lösten sich Zwänge in mir aus. Ich bekam Heißhunger und fiel in einen Essanfall. Ich weiß noch, wie ich mich einmal mit aller Kraft dazu zwang, keine Gummibärchen mit Gelatine zu essen, und daraufhin die ganze Packung in mich hineinstopfte. Und viel mehr. Das frustrierte mich, weil ich mich nicht stark genug fühlte, auf meine Moral zu hören.

Ich muss mich nicht schuldig fühlen.

Natürlich nagt das schlechte Gewissen oft an mir. Ich verabscheue die Massentierhaltung und die Bedingungen sonstiger Produkte, die nicht unter nachhaltigen Bedingungen produziert werden. Doch wenn ich mich dazu zwinge kein Fleisch oder Käse mehr zu essen, ergreifen die inneren Zwänge von mir Besitz.

Deshalb kann ich nicht so nachhaltig leben, wie ich es will. Ich muss erst gesund werden, ich muss erst lernen mit dem Essen um zu gehen. Wenn sich der Verzicht auf Essen nicht mehr wie ein Zwang anfühlt, kann ich mir den nachhaltigen Lebensziel aneignen – vorher nicht!

Natürlich weiß ich, dass ich aus einer sehr Privilegierten Position spreche.

Nicht jeder hat das Glück, so viel Essen zur Auswahl zu haben. Aber ich habe aufgehört, mich zu vergleichen. Meine Lebenssituationen ist, wie sie ist und für mich ist es „gesünder“ weder vegetarisch noch vegan zu leben.

Kennt ihr das Dilemma? Kennt ihr es, wenn ihr aus umweltfreundlichen Gründen auf etwas verzichten wollt, es euch aber von der anderen Seite schadet?

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Nachhaltig leben vs. ohne Essstörung leben? Wo soll da das Problem sein? Ich sag’s euch: Durch Nachhaltigkeit verzichtet man auf Essen. Und der Verzicht auf essen nährt die Essstörung! Momentan versuche ich immer mehr, mir einen nachhaltigen Lebensstil anzueignen. Dazu gehört vor allem der Fokus auf die Essensprodukte, die ich konsumiere. Doch hierbei habe ich noch ziemlich große Schwierigkeiten, denn mit diesem Lebensstil stoße ich manchmal mit meiner #essstörung zusammen. Ich versuche daher nicht mehr auf Essen zu verzichten, sondern alles Essen stets willkommen zu heißen – egal wie gehaltvoll und kalorienreich es ist! Doch wenn ich der #umwelt zuliebe auf Essen verzichte (das Paradebeispiel sind natürlich Fleisch und die widerliche Massentierhaltung, aber auch Obst, das viel Wasser benötigt, wie Avocados), ist es manchmal, als würde ich mir das #essen verkneifen. Und wenn ich mir essen verkneife, bekomme ich #heißhunger . Und wenn ich Heißhunger bekomme, bekomme ich einen #essanfall Deshalb kann ich nicht so nachhaltig leben, wie ich leben will. Ich muss erst gesund werden, ich muss erst lernen mit dem Essen um zu gehen. Wenn sich der Verzicht auf Essen nicht mehr wie ein #zwang anfühlt, kann ich mir den nachhaltigen Lebensziel aneignen – vorher nicht! Kennt ihr das Dilemma? Kennt ihr es, wenn ihr aus umweltfreundlichen Gründen auf etwas verzichten wollt, es euch aber von der anderen Seite schadet?

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16 Kommentare zu „Warum ich mit meiner Essstörung weder vegetarisch noch vegan lebe

  1. Aus einer Essstörung heraus betrachtet, kann ich es (natürlich) nicht beurteilen. Aber ich bin selbst mit meinem Essverhalten keineswegs immer zufrieden, kann daher nachvollziehen, dass völliger Verzicht auf etwas, sehr leicht und geradezu triggernd dazu führen kann, genau das besonders zu begehren. Und, wenn der Damm dann einmnal bricht …

    Ich glaube, das meinst Du mit Deiner Beschreibung. – Wenn ich mich beispielsweise zwinge, eine Woche lang komplett auf Schoki zu verzichten, wird schließlich am Ende der Appetit darauf so unermesslich, dass ich beim nächsten Mal recht sicher (arg) über das gesunde Maß hinausschieße.

    Ich halte generell nichts von völligem Verzicht auf etwas in Bezug auf Ernährung. Ich denke vielmehr, dass AUSGEWOGENHEIT das „Zauberwort“ ist, gern und inzwischen sehr wichtig: mit besonderem Blick auf Tierwohl, Klimawandel, Nachhaltigkeit usw.

    Ich denke, dass das ein guter, ein vernünftiger Weg ist, im Sinne unserer Ernährung und im Sinne der Bewahrung von Ressourcen und des Respekts vor allem anderen Leben.

    Ganz liebe Grüße an Dich! ❤

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  2. Auch ich kann nicht aus der Erfahrung einer Esstörung sprechen wohl aber von einer die jahrelang unter Eisenmangel gelitten hat. Ich esse was ich mag und war schon früher eher ein Gemüseliebendes Kind. Als bei mir der Mangel diagnostiziert wurde habe ich diverses durchgehabt (Kräuterblut ging so gar nicht).Bis sixh mein Körper mit einem flextarischen Stil wohlfühlte.Auch heute ess ich nicht so gern Fleisch aber wenn ich mal lust drauf habe,dann gönne ich es mir.Genauso wie Joghurt,Käse,Honig. Ich drück dich ♡

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  3. Man kann doch auch nachhaltig essen, ohne auf etwas zu verzichten.
    Du musst halt nur mehr schauen, wo das Fleisch herkommt, was du isst. Oder die Milchprodukte. Heute hat man ja, wie du selbst festgestellt hast, eine unglaubliche Auswahl. Und wenn man auf Fertigprodukte verzichtet, kann man quasi auch alles essen.
    Das müsste dir doch dann auch entgegen kommen.

    Ich habe gerade ein ähnliches Dilemma. Wir sind morgen zu den Cruise Days auf die Rickmer Rickmers eingeladen. Das Schiff liegt ja ständig im Hamburger Hafen. Das wird sicher eine tolle Veranstaltung auf dem Schiff. ABER: ich finde die Cruise Days und Kreuzfahrten generell die Pest. Das ist die ultimative Umweltverschmutzung die ich mir vorstellen kann. Ganz, ganz schlimm. Da sträubt sich in mir alles. Ich wäre eher geneigt auf eine Demo gegen diesen Wahnsinn zu gehen, als mir diesen Schwachsinn auch noch anzusehen.
    Also, was soll ich tun?
    Wird mein Gewissen mich daran hindern an einer wahrscheinlich sehr schönen Veranstaltung teilzunehmen?
    Ich fürchte, ich werde NICHT hingehen. Weil ich weiß, dass mich mein schlechtes Gewissen dann auffressen wird, ich die Veranstaltung nicht genießen kann, weil ich ständig daran denken muss, wie schlimm ich das alles finde und das ICH jetzt auch noch den Wahnsinn mit meiner Anwesenheit unterstütze.

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    1. Da hast du recht! Natürlich ist es nicht absolut unmöglich! Aber der Verzicht auf tierische Produkte folgt u.a auch aus moralischen Gründen – in dem Fall würde man ja dann darauf verzichten!

      Und dein Dilemma kann ich sehr gut nachvollziehen! Ich wäre vermutlich auch nicht gegangen, weil ich es nicht hätte genießen können!

      Liebe Grüße!

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      1. Bin tatsächlich nicht dabei gewesen und habe es nicht bereut. Die Bilder haben mir gereicht. Ich finde diesen ganzen Kreuzfahrtwahnsinn wirklich schrecklich.
        Das ist etwas, auf das man wirklich gut verzichten kann 😉

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  4. Komisch, den Verzicht auf tierische Produkte und Fleisch kann man laut dir nicht mit dem Wort Diät zusammenbringen, aber den Verzicht auf Kohlenhydrate setzt du genau damit gleich, nämlich mit einer Diät, was genauso wenig stimmt. Beides ist einfach nur ein Verzicht auf Lebensmittel,die man entweder aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen meiden möchte. Im übrigen stören hier wieder die eindeutigen Falschaussagen, denn auf Studien hinzuweisen,die angeblich belegen, dass wir keine tierischen Lebensmittel benötigen und dieselben nicht zu nennen und gegenteilige Studien ebenfalls nicht, ist doch nur wieder manipulativ. Ebenso die Behauptung, tierische Produkte hätten früher nur die Reichen gegessen ist kompletter Unsinn, denn ganz im Gegenteil haben sich die Menschen früher sehr viel von Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln ernährt, denn was anderes hätten sie nicht, sie haben gejagt oder eigene Landwirtschaft betrieben, sogar die Eskimos,die nichts anbauen können,lebten Jahrhunderte nur von fisch und Waldfleisch! Würdest du aber sagen, Zucker und Getreide, Kuchen, Eiskrem, Chips und Nudeln gab es früher nicht und wurde auch nicht in Massen,wie heute, in sich hineingestopft, DANN würdest du die Wahrheit sagen! Es ist nämlich mit den Studien genau ganz anders herum: es ist mittlerweile bewiesen,dass diese Lebensmittel für alle sogenannten Zivilisationskrankheiten und die daraus folgenden Todesfälle verantwortlich sind! Und Zucker und Weißmehl waren es, die lange Zeit nur die reichen gegessen haben.
    Bitte höre auf,hier die Tatsachen zu verdrehen und die Menschen mit Falschaussagen in die Irre zu führen.

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      1. Eskimo ist ein diskriminierender Begriff???
        Entschuldige, aber sowas bescheuertes habe ich noch nie gehört. Eskimo ist der gebräuchliche übliche Begriff für die indigenen Völker im nördlichen Polargebiet, so steht es bei Wikipedia und sogar im Lexikon.
        Hier sehen wir wieder das Problem mit dem Internet, jeder Laie kann sich hier zum Autor irgendwelchen Blödsinns machen und dies in die Welt posaunen. Wäre ja nicht schlimm, nur leider findet man derartige Fehlinformationen wenn man Begriffe,wie „Low Carb“ googelt und unkritische Geister nehmen das dann für bare Münze. ( Hoffe die EZB schaltet sich jetzt nicht ein und prangert sie Bezeichnung“bare Münze“ als diskriminierend und unzeitgemäß an😂😂😂)

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      2. Okay, offenbar kommen wir auf keinen gemeinsamen Nenner. Ich sehe, dass du eine völlig andere Meinung hast als ich und meine gar nicht verstehen willst.

        Wenn dir mein Blog nicht zusagt, musst du ihn ja nicht mehr besuchen. Bei solchen persönlichen Beleidigungen würde ich dich sogar bitten, es nicht mehr zu tun. Die nächsten abwertenden und nicht konstruktiven Kommentare werde ich umgehend als Spam markieren.

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      3. Also so „bescheuert“ ist das nun nicht. – Der Begriff „Rohfleischesser“ für „Eskimo“ gilt zwar inzwischen sprachwissenschaftlich als nicht mehr gesichert (einige Quellen sprechen auch davon, dass er insoweit widerlegt sei). Auf der anderen Seite ist es eine Tatsache, dass etwa die kanadischen Inuit den Begriff „Eskimo“ als diskriminierend ablehnen. – Insofern ist es sicher das Korrekteste und Respektvollste, die entsprechenden Völker entsprechend ihrer tatsächlichen und ursprünglichen, selbst gewählten und verwandten Bezeichnung entsprechend zu nennen. –

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    1. Danke für deinen Kommentar! Ich bin immer offen für Feedback und konstruktive Kritik! Die Quellen, die belegen, dass vegetarische/ vegane Ernährung gesünder ist, habe ich tatsächlich vergessen einzufügen, da hast du recht! Das werde ich gleich nachholen. Meiner Meinung nach stimmt es aber – Tiere werden heutzutage mit unendlich viel Antibiotika und Medikamenten vollgepumpt und das kriegen natürlich auch die Menschen ab.

      Hier ist im Übrigen eine Quelle, die belegt, dass Fleisch überwiegend von der Oberschicht verzehrt wurde: https://www.swr.de/odysso/der-wert-von-fleisch/-/id=1046894/did=15957174/nid=1046894/155ryxo/index.html

      Meine Meinung zur Low carb Ernährung kennst du und ich glaube, ich hatte dir bereits geschrieben, warum ich so empfinde. Ich ändere meine Meinung dahingehend nicht, schließe aber nicht aus, dass sie bei einigen einen völlig anderen Effekt haben kann! Aber ich habe in diesem Beitrag auch nicht über Low Carb geschrieben, oder Weizenprodukte heroisiert, sondern lediglich meine persönliche Meinung geteilt, warum ich mit meiner Essstörung weder vegetarisch noch vegan lebe.

      Liebe Grüße!

      Ps.: „Eskimo“ ist ein diskriminierender Begriff – ich würde dich bitten, solche Begriffe nicht auf meiner Plattform zu hinterlassen.

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