Sommer, Sonne und Fremdenfeindlichkeit – Buchrezension von „Wie ein Schatten im Sommer“

Wie ihr vielleicht wisst, zählt Adriana Popescu zu meinen deutschen Lieblingsautorinnen. Ich hatte mich sehr auf ihr neues Buch „Wie ein Schatten im Sommer“ gefreut und war über dessen schwere Thematik sichtlich erstaunt. Ich hoffe, es gelingt mir, meine Gedanken halbwegs zusammenzutragen.

Titel: Wie ein Schatten im Sommer

Autorin: Adriana Popescu

Seitenzahl: 480 Seiten

Preis: Taschenbuch: 14,00€, E-Book 9,99€

Wie ein Schatten im Sommer – Inhalt

Vio ist nicht begeistert, als sie mit ihren Eltern von München aufs Land zieht, dennoch ist es das Richtige, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Als „Neue“ weiß jeder gleich, wer sie ist, und es dauert nicht lange, bis sie Anschluss findet. Konstantin hat es ihr besonders angetan, und er scheint genauso zu empfinden wie sie. Wäre da nur nicht die fremdenfeindliche Clique seines Bruders, in die langsam auch Konstantin immer mehr reinrutscht und die es überhaupt nicht gutheißt, dass er sich mit einem Mädchen mit Migrationshintergrund trifft …

Wie ein Schatten im Sommer – Rezension (Spoilerfrei)

Okay, wo fange ich an?

Vielleicht mit dem Schreibstil, der wie immer top war. Bei den Büchern von Adriana Popescu fliegt man förmlich durch die Seiten. Das Buch ist abwechselnd aus Vios und Konstantins Sicht geschrieben.

Dann die Figuren, die zwar nicht perfekt sind, aber eben das macht sie so menschlich. Sie sind typische Jugendliche – liebenswert, nicht frei von Fehlern, manchmal etwas dramatisch und einfach sehr relatable.

Das ländliche Setting fand ich auch schön – Fahrradtouren durchs Maisfeld, baden am See – der Sommervibe war durch und durch getroffen.

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protas habe ich persönlich nicht so gefühlt, was vermutlich daran liegt, dass es verhältnismäßig wenig gemeinsame Szenen gibt, in denen sie sich bis über beide Ohren ineinander verlieben. Dafür hat das Rassismus-Thema einen zu großen Raum eingenommen.

Und damit kommen wir auch zum nächsten Punkt: Die Fremdenfeindlichkeit.

Adriana Popescu traut sich an ein ziemlich gewagtes Thema – Hut ab erst mal dafür. In dem Buch geht es hauptsächlich um die Fremdenfeindlichkeit gegenüber Menschen osteuropäischer Herkunft; die Autorin hat selbst einen rumänischen Migrationshintergrund und hat viele ihrer Erfahrungen in das Buch einfließen lassen. Jeder Person, die Rassismus erlebt, werden Sprüche, die Vio erlebt, bestens vertraut sein.

Und doch – eine Sache hätte ich mir wirklich sehr gewünscht. Vio erlebt sehr viel Fremdenfeindlichkeit (und das ist furchtbar!!), aber sie ist weiß. Ihr Name mag nicht deutsch klingen, ihre Eltern mögen ein rumänisches Restaurant besitzen, aber sie ist trotzdem privilegiert, weil sie weiß ist, und alle Figuren aus dem Buch lesen sie anfangs auch als weiß – bis sie klarstellt, dass sie rumänische Wurzeln hat.

Warum erwähne ich das so deutlich?

Weil Menschen aus dem osteuropäischen Raum trotz starker Diskriminierung aufgrund ihrer Hautfarbe privilegiert sind und sich dadurch auch schützen können. Menschen, POC, denen man ihren Einschlag optisch ansieht, haben diesen Luxus nicht.  Damit möchte ich jenen Menschen nicht(ich wiederhole NICHT!!!) ihre Gefühle absprechen. Keinesfalls. Aber zwischenzeitlich kam es mir so vor, als würde die Diskriminierung von Menschen osteuropäischer Herkunft mit der anderer gleichgesetzt werden, und das ist mir als POC Leserin irgendwie sauer aufgestoßen.

Die Autorin hat nichts „Falsches“ geschrieben und da ich mich in meiner Rezension ausschließlich auf die Handlung beziehe, gibt es von mir auch keinen Punkt Abzug, da es eben nur um die Erfahrung von Menschen osteuropäischer Herkunft geht.

Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass wenigstens ein Mal erwähnt wird, dass Vio immer noch einer sehr privilegierten Status hat, und Menschen wie sie im Vergleich zu beispielsweise Schwarzen Menschen (denen man ihre „Andersartigkeit“ optisch ansieht) im Verhältnis eher selten(er) um ihr Leben fürchten müssen.

Mein Highlight war jedoch, dass die Figuren, die etwas Falsches tun, Einsicht zeigen und dafür geradestehen – und zwar ganz ohne sich in eine Märtyrer-Position zu zwängen.

Mehr Schatten weniger Sommer

Alles in allem hat der Schatten der Geschichte meiner Meinung nach mehr Raum eingenommen als der Sommer – was ich allerdings gut fand, da so ein wichtiges Thema eben nicht nur am Rand stehen kann. Das Leseerlebnis war demnach etwas bedrückender, und auch das ist keineswegs ein Kritikpunkt. Tatsächlich habe ich nicht wirklich etwas auszusetzen – bis auf die Tatsache, dass ich das Gefühl hatte, dass Fremdenfeindlichkeit gegen Osteuropäer mit dem von Schwarzen Menschen und POC’s gleichgesetzt wird. Ich glaube, es ist nicht mein liebster Popescu, behandelt aber trotzdem sehr wichtige Themen und ist allemal lesenswert!

Noch ein Buchtipp: Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln

Dieses Buch habe ich letztes Jahr gelesen und GELIEBT. Es enthält ebenfalls eine ernste, aber sehr wichtige Thematik! In meiner Rezension schwärme ich ein wenig mehr darüber!

Habt ihr das Buch schon gelesen? 🙂

*Dieser Blogpost ist nicht gesponsert, enthält jedoch affiliate Links und Werbung wegen Namensnennung. Das Buch ist mir als Rezensionsexemplar zugestellt worden.

2 Kommentare zu „Sommer, Sonne und Fremdenfeindlichkeit – Buchrezension von „Wie ein Schatten im Sommer“

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