Endlich vorbei

Der Weihnachtsabend liegt nun hinter mit und ich kann endlich aufatmen. Es ist vorbei. Der Spuk hat ein Ende. Glücklicherweise lassen wir den ersten Weihnachtstag immer aus und kehren schnell in die Realität zurück.

Ich frage mich, ob ich die einzige war, die den gestrigen Tag und Abend als seltsam empfand. Irgendwie war es noch komischer als sonst.

Zunächst einmal das Essen…

Meine Mutter hat sich mal wieder selbst übertroffen. Und obwohl sie es gut gemeint hat, gab es verschiedene Gerichte – ein mal für mich und ein mal für die anderen. Brokolligratin ohne Käse für mich. Kartoffelgratin mit Käse für die anderen. Ich verstehe ihren gut gemeinten Rat, mich nicht zu vielen „Cheat“-Gerichten auszusetzen, aber trotzdem hatte ich sie ja vor meiner Nase. Und obwohl ich nicht undankbar erscheinen will, hat mich diese „extra Wurst“ ein bisschen gedemütigt. Sie beharrte mehrmals darauf, dass alles gegart und sehr kalorienarm war. Die restlichen Familienmitglieder kommentierten nichts und dennoch kommentierten ihre Blicke alles.

Dann die Stimmung…

Vielleicht kam nur mir es so vor, aber ich fand alles höchst gestellt. Die Stimmung, die gute Laune. Und alle üblichen Dramen wurden im Keim erstickt. Bloß kein Streit an diesem heiligen Abend. Und obwohl wir alle momentan ziemlich viel Ballast mit uns schleppen, sprachen wir nicht darüber. Ich glaube, ich hätte kein Problem damit gehabt, sich gemeinsam kurz auszutauschen, als lediglich dieses falsche Lächeln aufzusetzen. Es fehlte schlicht und einfach Harmonie. Und viel Gelächter am Abend bestätigt dieses Gefühl einfach nicht.

Und dann das schlechte Gewissen…

Weihnachten sowie andere festliche Tage bereiten mir immer große Sorgen. So groß, dass ich den Tag kaum richtig genießen kann. So viel Essen, dass keiner zählen kann.  Gedämpftes Gemüse hin oder her – an diesem Abend habe ich viel gegessen. Mehr als viel. Und wenn keiner zugeschaut hat, habe ich mich schnell verzogen, ein paar Buenos unter meinem Pulli versteckt und im Dunkeln gegessen. Warum auch immer ich meinen alten Gewohnheiten nachkomme, kann ich nicht sagen. Vermutlich war es ein Zusammenspiel aus dem ganzen seltsamen Abend. Aber ich habe alles drin behalten und darauf bin ich ziemlich stolz. Ein paar Triumphe braucht man schließlich.

Aber nun ist es vorbei.

Und ich werde eine ganze Weile von jenen Festlichkeiten verschont bleiben. Gleichzeitig fühle ich mich schuldig, weil ich jene Familienabende nicht richtig wertschätze, sondern im Gegenteil am liebsten umgehen möchte.

Aber so empfinde ich leider. Es hat alles seine Gründe und irgendwie sollte man seine wirklichen Emotionen nicht unterdrücken, oder?

All diejenigen, die heute im Kreise der Familie sind und weiter feiern, wünsche ich noch weiterhin ein besinnliches Fest. Alle anderen, welche einige meiner Gedanken teilen, stehen keinesfalls alleine da. Und diejenigen, die heute sowohl psychisch als auch physisch alleine sind – ich bin gedanklich bei euch. ♥

10 Kommentare zu „Endlich vorbei

  1. Sicher sollte man seine tatsächlichen Emotionen nicht unterdrücken, sofern sie anderen nicht schaden. Es ist aber genau diese Kunst, zu erkennen ob sie anderen schaden, die sehr schwer zu praktizieren ist. Wünsche Dir noch schöne Restfeiertage. LG

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  2. Ach, liebe Mia, das war nicht einfach für Dich. Meine Wünsche für Dich waren andere. Nun sind sie, dass Dich dieser heilige Abend nicht zu sehr beschäftigt im Nachhinein, Dich nicht gar Schuld bei Dir suchen lässt. Die Dinge sind viel komplexer …

    Was Deine Erkrankung angeht, bin ich ja ganz, ganz unsicher – aber ich hätte Dich sehr wahrscheinlich, in einer ganz stillen, vertraulichen Minute VORHER einfach gefragt, wie es am besten wäre für Dich an diesem Feiertag. So, dass es gar kein anderer mitbekommen hätte. Hoffend, dass das in Ordnung für Dich gewesen wäre … – Und Dich dann an dem Tag gut und gerne einfach MIA sein lassen.

    Hab‘ nur jetzt noch gute Zeit, liebe Mia, ich denke an Dich und meine Wünsche für Dich sind immer bei Dir!

    Sehr liebe Grüße! ❤

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    1. Das hätte ich mir auch sehr gewünscht, lieber sternfluesterer, aber ich möchte eigentlich auch niemandem einen Vorwurf machen, wenn die Grundidee war, mir den Abend zu erleichtern. Beschäftigen tut er mich nicht, denn wie gesagt bin ich in erster Linie froh darüber, dass er vorbei ist.

      Ich hoffe sehr, dass du deine Tage erholsam und im Kreise deiner liebsten genießt! Liebe Grüße in schönen Abend! ⭐️️❤️

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  3. Weihnachten ist wirklich nicht einfach… ich denke bezüglich des Essens habe ich an solchen Tagen ähnliche Gefühle wie du und auch mit der Familie ist es immer schwierig. Wir führen immer nur oberflächlichen Smalltalk, damit es zumindest bei nur kleinen Streitigkeiten bleibt… “endlich vorbei“ ist es bei mir erst heute abend ich teile diesen Gedanken aber mit dir. Schade, dass Weihnachten für dich eher eine Anstrengung als etwas Schönes ist. Ich hoffe du kannst trotzdem etwas zur Ruhe kommen und irgendetwas positives daraus ziehen (zB dass du trotz dem vielen Essen keine Gegenmaßnahme ergriffen hast ist ja was tolles)❤

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  4. Ich habe deinen Artikel sehr mit-fühlend gelesen, denn auch wenn meine Probleme anders geartet sind, fühle ich mich von deinen Worten abgeholt – mir fällt Weihnachten ähnlich schwer, besonders im Moment. Ich habe am 2. Weihnachtstag meine Eltern besucht und da war es übrigens ähnlich – schwere Themen wurden gemieden, nicht weil wir generell nicht drüber sprechen könnten, sondern nur weil halt Weihnachten war, und das finde ich immer so anstrengend. Na ja. Jetzt ist es vorbei. 🙂 Ich wünsche dir ein paar schöne letzte Tage des Jahres. Liebe Grüße!

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    1. Ja, es ist wirklich absurd, wie viel Wert ein Tag haben muss, um ernste Gespräche vermeiden zu wollen. Ansonsten ist es natürlich schade, dass du es ähnlich schwer hattest! Aber Weihnachten ist (zum Glück) vorbei und demzufolge wünsche ich auch dir ein paar angenehme letzte Tage des Jahres! ☺️

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