Als ich es meinem Vater erzählte und meine Welt zusammenbrach

Nachdem ich vor vielen Monaten darüber schrieb, wie ich meiner Mutter von meiner Essstörung erzählte, traute ich mich nicht, auch die Reaktion meines Vaters unter die Lupe zu nehmen. Die Erinnerung war zu intensiv und schmerzhaft, um sie festzuhalten.

Nun aber fühle ich mich gewachsen, diese Erfahrung mit euch zu teilen. Ich möchte hiermit darauf hinweisen, dass selbst die Menschen, die wir am meisten lieben, uns bitterlich enttäuschen können. Ich möchte in diesem Beitrag auch deutlich machen, dass man nicht darauf vertrauen sollte, dass andere die eigenen Probleme lösen können. Trotz Unterstützung muss man den Weg alleine gehen.

Nun zu der Geschichte:

Mein Vater war der erste, dem ich es erzählte.

Wir sind wie beste Freunde, mein Vater und ich. Wir erzählen uns jede Kleinigkeit und haben einen großen Raum für die Gedanken des anderen.

Eines Abends telefonierten wir. Ich war ziemlich emotional und mich überkam das dringende Bedürfnis, ihm einfach alles zu erzählen. Als er merkte, dass ich verstimmt war, wiederholte er voller Geduld, dass ich ihm alles erzählen konnte und er mich nie verurteilen würde. Ich schmiss mit ein paar Worten umher und dann erriet er es.

Seine Reaktion überraschte mich sehr. Weder brach er in Tränen aus, noch wirkte er geschockt oder sprachlos. Für ihn war das ein Problem, für das es sicher eine Lösung gab. Die einzige Frage, die er stellte, war, ob er mit seiner Freundin (sie ist Ärztin) darüber reden konnte und ich bejahte.

Nach dem Gespräch fühlte ich, wie eine Last von mir abfiel.

Ich war so erleichtert, dass ich mich dem Menschen anvertraut hatte, der mich bedingungslos liebte und mir helfen wollte. Zwischendurch war unser Verhältnis so harmonisch, dass ich für mehrere Monate zu ihm zog . Ich fühlte mich geborgen und glücklich und hatte das Gefühl, dass mich jemand endlich auffing.

Dann kam der Wendepunkt.

Die einzige Frage, die er regelmäßig stellte war die, ob ich Bauchschmerzen hatte und mich übergeben musste. Anfangs wusste ich nicht so recht, warum er diese beiden Gegensätze in Verbindung brachte, aber irgendwann begriff ich, das er meine Krankheit nicht richtig verstanden hatte. Für ihn waren die Auslöser meiner Essanfälle und K* meine eigene Wahl der Nahrung.

Natürlich versuchte ich es ihm zu erklären. Doch er spielte sich als Kenner auf, der ganz genau wusste, dass es an meinem ungesunden Essverhalten lag. Schließlich war es total ungesund für den Körper, ständig so viel Tee zu trinken wie ich. Es war außerdem ganz und gar nicht gesund, so viel rohes Gemüse zu essen, das der Körper so schwer verarbeiten konnte. Und so wenige Kohlenhydrate zu essen, fand er auch falsch.

Ich versuchte mit seiner Freundin zu sprechen, damit sie zu ihm durchdringen wollte. Aber selbst sie als erfolgreiche Ärztin (sie wohnt allerdings in Amerika) hatte keinen Schimmer von dieser Krankheit. Jedenfalls wollte sie mir Tabletten schicken, die meine Bauchschmerzen lindern sollten. Nur können Tabletten für den Bauch keine psychische Krankheit heilen.

Die Worte meines Vaters wurden immer schärfer.

In der Zeit, in der ich bei ihm wohnte, futterte ich leider regelmäßig seine Küche leer. Ich weiß, dass er es nicht böse meinte, als er mir sagte: „Hast du wieder alles weggefressen?“ Aber es tat weh.

In einem sehr schlimmen Streit wurden wir beide laut. Ich hatte am vorigen Abend eine gigantische Essattacke, mich aber nicht übergeben, weil mein Vater nachts wach wurde und ich nicht wollte, dass er es mitbekam. Am nächsten Tag kämpfte ich mit höllischen Bauchschmerzen und heulte den ganzen Tag. Mir war, als würde mein Magen jeden Moment zerreißen, so voll war ich. Mein Vater fand dieses Gejammer unheimlich unnötig, weil ich es schließlich selbst zu verantworten hatte. Er sagte Worte wie „grundlos“ und „Diva“ und „du hast wohl wieder deine Tage“, die mich fürchterlich wütend machten, weil er noch nie so abwertend über mich gesprochen hatte. Ich schrie ihm ins Gesicht, dass ich krank war. Er schrie zurück, dass es nicht stimmte und ich es mir bloß einbildete.

Meine Welt brach zusammen.

Diesen Schmerz den ich fühlte, kann ich gar nicht in Worte fassen. Mein Vater – mein Fels in der Brandung hielt meine Krankheit für eine Einbildung. Er fand es lächerlich, dass ich in Therapie war, weil er glaubte, dass eine Therapie nur dazu diente, Menschen wie in einer Sekte den Kopf zu verdrehen. Er hielt mich für naiv, dass ein so kluges Mädchen wie ich auf diesen „Schabernack“ reinfiel.

Kurze Zeit später zog ich aus. Da ich mit meiner Mutter ähnliche Konflikte hatte, wusste ich nicht wohin, und wohnte wochenlang wie ein Nomade mal bei meinem Freund, mal bei guten Freundinnen. Es war unheimlich anstrengend mit drei Taschen in die Uni zu gehen, aber ich fühlte mich so trotzdem wohler als bei meinen Eltern, die  mir das Gefühl gaben „abartig“ zu sein. Mir wurde klar, dass ich unabhängiger war als ich dachte, und auf die Hilfe meiner Eltern nicht zwingend angewiesen war.

Dies ist natürlich eine ganze Weile her. Ich habe inzwischen zu beiden Teilen wieder ein mittel-gutes Verhältnis.

Mit meinem Vater sprach ich nach diesem Tag nie wieder über meine Essstörung, obwohl er regelmäßig nachhakt. Ich weiß, dass mein Schweigen ihn verletzt, weil er sich nach wie vor um mich sorgt und nicht will, dass es mir schlecht geht. Ich weise ihn zurück und das tut mir leid.

Aber das Vertrauen ist weg und nicht mehr aufzufinden. Er hat mit seiner Reaktion mein Herz gebrochen. Manchmal überlege ich, ob ich ihn mit meinem Schweigen  bestrafen will. Und dann fühle ich mich schuldig, obwohl ich keinen Grund dazu habe. Mein Vater hat mich enttäuscht. Er ließ mich im Stich, als ich ihn am meisten brauchte. Und obwohl ich diesen Menschen abgöttisch liebe und verehre, weiß ich nicht, ob ich ihm das je vergessen werde.

Diese Erfahrung lehrte mich, dass Essstörungen bei vielen ein noch so unbekanntes Phänomen sind. Es lehrte mich auch, dass ich nicht davor ausgehen darf, dass jeder mich verstehen kann. Letztlich muss ich mir selbst helfen. Ich stecke alleine in dieser Essstörung und ich muss alleine raus. Und wenn ich nicht die Unterstützung meiner Eltern erhalte, dann muss ich mir andere suchen.

Ganz alleine geht das sicher nicht. Aber das bin ich nicht. Ich hatte eine tolle Therapeutin. Und ich habe liebe Freunde. Und ich habe natürlich euch, all ihr wunderbaren Leser, vor denen ich mich trauen kann, eine so persönliche Geschichte zu erzählen. Ich bin froh, mit so viel Glück gesegnet zu sein. ♥

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Foto gefunden auf unsplash.com

 

 

45 Kommentare zu „Als ich es meinem Vater erzählte und meine Welt zusammenbrach

  1. Ich habe mit meinen Eltern niemals über so etwas gesprochen, hatte auch kein gutes Verhältnis zu ihnen. Bei uns wurde dünn sein ja gefeiert. Meine Mutter wurde mal von Nachbarn angesprochen, ob ich Magersucht hätte, sie meinte, dass ihr davon nichts bekannt wäre….

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    1. Das ist sehr traurig:( das zeigt, dass auch sie dich einfach nicht so gesehen haben, wie du bist. Wenn sich Eltern der Krankheit nicht einmal bewusst sind, dann ist das sehr hart.
      Ich hoffe du hast bei anderen Menschen den Raum gefunden, um dich zu öffnen!

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  2. Die Geschichte hatte auch beim Lesen einen wirklich unerwarteten Wendepunkt, der für Dich richtig kraß gewesen sein muß. Und ja, ich denke auch, daß Du ihn mit Deinem Schweigen strafst. Finde es aber nachvollziehbar.
    Offenbar hat er die Sache nullkommanull verstanden und seine Herleitung mit Tee und Rohkost ist ja schon sehr „speziell“. Ich wünsche Dir, daß Du irgendwann einmal über diese Theorie schmunzeln und kopfschütteln können wirst.

    Es ist toll, daß Du die Kraft hast hier darüber zu schreiben, noch dazu in dieser Offenheit!
    Liebe Grüße!

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  3. Liebe Mia,
    Vielen Dank, dass du dieses Erlebnis mit uns teilst. ♥️

    Es tut mir so leid, zu hören, dass dein Vater so überfordert mit deiner Offenheit war/ist. Ich kann deine Gedanken, ob du ihn vielleicht bestrafst und die daraus resultierenden Schuldgefühle sehr gut nachvollziehen. Ich kenne solche Gedanken und Vorwürfe auch von anderen zu Genüge. Aber du schützt dich nur – und auch ihn.
    Es ist verdammt schwer, bei geliebten Menschen zu akzeptieren, dass sie gewisse Dinge nie verstehen werden und für sie mit die Verantwortung zu übernehmen, indem man dieses Thema dann meidet. Ich frage mich auch manchmal, ob das nicht in gewisser Weise „übergrifflich“ ist, komme aber immer wieder zu dem Schluss, dass es einfach notwendig ist, um mich zu schützen… Manchmal ist der Erlebnishorizont von anderen einfach so fremd vom eigenen, dass echtes Verständnis schlicht und ergreifend nicht möglich ist, so weh es auch tut.

    Alles Liebe dir!

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    1. Dankeschön, liebe grübel-eule! Dass ich mich damit selbst schütze, habe ich bis jetzt noch gar nicht so in meinem Kopf zugelassen. Aber du könntest Recht haben!

      Ich glaube, dass es auch deshalb so wehtut, weil ausgerechnet er es ist, der mich so im Stich gelassen hat. Damit hat er mein Allgemeinbild von ihm erschüttert, welches ich seit meiner Kindheit von ihm hatte. Mir wurde klar, dass er nicht der perfekte tolerante Mensch ist, für den ich ihn immer gehalten hatte. Das fällt mir auch in anderen Bereichen immer mehr auf.Ich glaube, dass das das schlimmste ist – dieses Öffnen der Augen!

      Ganz liebe Grüße und danke nochmal für deine Worte! ❤️

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      1. Ich glaube schon, dass da ganz viel Selbstschutz dabei ist. Und auf den hast du ein Recht! Er hat dich da schon mal verletzt und dein Vertrauen in ihn völlig erschüttert. Da ist das nur normal.

        Und es tut immer enorm weh, wenn man feststellen muss, dass jemand den Platz auf dem Podest, auf das man jemanden gestellt hat, gar nicht in dem Maß verdient hat….

        Alles Liebe dir! ♥️

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  4. Liebe Mia,

    anlässlich der mich sehr bewegenden Zeilen, die Du hier geschrieben hast, bemerke ich zum wiederholten Male, wie wenig Menschen heutzutage wirklich zuzuhören und dann nicht gleich ein Urteil „bereit“ zu haben in der Lage sind.

    Jeder meint alles irgendwie zu verstehen und auch gleich eine Lösung zu wissen. Liegt es an unserer so (zu) komplex gewordenen Welt, dass dieses Handeln mehr und unmittelbarer als früher aus einem immer stärker werdenden Wunsch nach schnellen, einfachen Antworten auf all die komplizierten Fragen geboren wird?

    Ich kenne Deinen Vater nicht und ich maße mir allein deshalb keinerlei „Wertung“ zu seinem Verhalten Dir gegenüber an, aber auch er hatte ganz schnell seine „Diagnose“ fertig und dann konnte und durfte nichts anderes mehr gelten.

    Psychische Erkrankunen, deren Ursachen und mitunter doch so ambivalenten, „abenteuerlichen“, sich in Kreisen bewegenden Verläufe, sind darüber hinaus von Menschern, die nicht betroffen oder keine wirklichen Fachleute sind, noch einmal weit schwerer zu VERSTEHEN als viele andere Dinge und Geschehnisse, die unser Leben beeinflussen bzw. ausmachen.

    Mit dieser Erfahrung kann ich inzwischen etwas besser leben, zumal ich im Laufe der Zeit immerhin ein paar in dieser Richtung VERSTEHENDE Menschen gefunden habe.

    Mit der im Allgemeinen – dem allgegenwärtigen „immer weniger zuhören“, „schnell ein Urteil fertig haben“, dem Erwarten von nur einfachen, schnellen Antworten – und allenfalls der Bereitschaft dann NUR diese anzunehmen – tue ich mich viel schwerer, die macht mir Sorge. Die ist es, die Mitmenschlichkeit zerstört, Rücksichtnahme und Differenziertheit.

    Vielleicht kannst Du Deinem Vater irgenwann ein bisschen verzeihen, wenn Du feststellen kannst, dass er allgemein, grundsätzlich doch eher ein differenzierender, mitmenschlicher, rücksichtsvoller Mensch ist.

    Ich wünsche mir, für Dich, für Euch, dass das eines Tages gelingt.

    Ansonsten bin ich sehr froh, dass Du, was Deine Essstörung betrifft, mittlerweile anderswo VERSTEHENDE und vertrauensvolle und -würdige Menschen gefunden hast.

    Du weißt ja, dass ich weiß, dass Du es schaffen wirst! 😉 ❤

    In diesem Sinne und überhaupt: Nur liebste Grüße! ❤

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    1. Wie immer nur sehr liebe und mitfühlende Worte von dir, lieber sternfluesterer. Ich hoffe es stört dich nicht, dass ich wiederhole, wie viel sie mir immer wieder bedeuten.

      Manchmal „beneide“ ich sogar jene Menschen, die diese Welt nicht kennen und verstehen können. Ich finde es so irgendwie leichter zu leben. Obwohl ich niemals tauschen würde!

      Ich hoffe auch, dass ich ihm verzeihen werde, denn ich finde es ganz und gar nicht schön, so viel Groll in mir zu spüren. Aber leider ist da noch mehr.

      Ich habe in meinem Text absichtlich ausgelassen, inwieweit mir durch dieses Ereignis die Augen geöffnet wurden. Es erschien mir zu hart, aber dir zuliebe teile ich es doch: Diese Erfahrung zerstörte mein Weltbild von meinem Vater und ehemaligen Idol. Ich hielt ihn für einen sehrintelligenten, aufgeklärten toleranten, einfühlsamen und modernen Menschen, aber nun fällt mir immer mehr auf, dass er in vielen DIngen so gar nicht aufgeklärt ist. Jedenfalls nicht für die heutige Zeit. Sprüche die er klopft und Grundgedanken die er äußerst, stören mich immer mehr, da ich mir ein Umfeld ohne Vorurteile oder Diskriminierungen wünsche. Das Bild meines Vaters, das ich seit meiner frühesten Kindheit von ihm hatte, hat sich damit zerschlagen. Es existiert nicht mehr. Und vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich verändert habe. Ich bin anders geworden und er ist noch derselbe. Natürlich ist er kein schlechter Mensch, im Gegenteil! Von den Menschen die ich kenne, ist er noch immer der mit Abstand beste! Aber auch gute Menschen können schlechte Seiten haben. Und auch Menschen, die uns lieben, können uns enttäuschen. Dies habe ich seitdem gelernt.

      Liebe Grüße!! ❤

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      1. Dankeschön, dass Du diese Ergänzung geteilt hast – ich verstehe, dass Dir das nicht so leicht gefallen ist. Es erklärt mir Deine Sicht auf deinen Vater und die Tragweite des „verzeihen könnens“ noch einmal besser.

        Meinen Wunsch lasse ich trotzdem so stehen, auch wenn ich nun weiß, dass es mehr bedarf, ihn umzusetzen als ich zunächst dachte.

        Es kann und wird natürlich auch damit zu tun haben, dass auch Du Dich verändert hast, dass Du Deinen Vater heute differenzierter und auch kritischer siehst als vormals. Durch Dein eigenes Wachsen, Deine größer und fundierter gewordenen Einsichten in das Leben und zwischenmenschliches Verhalten, siehst Du ihn nun auch vielschichtiger. Ich finde das gut und auch wichtig für Dich. Und eigentlich auch für ihn. Aber das müsste er selbst irgendwann wenigstens ein bisschen erkennen (wollen).

        Dass uns freundschaftlich gesinnte oder liebende Menschen mitunter auch enttäuschen können. liegt in unserem menschlichen und also unvollkommenen Wesen. Ich denke aber, das wirkliche Freunde oder gar Liebende ein großes Potenzial haben, damit so umzugehen, dass so eine Enttäuschung kein Dauerproblem, kein Dauerhindernis bleiben muss. Wenn die Freundschaft/Liebe denn wirklich tragfähig ist …

        Noch einmal lieben Dank an Dich Mia – Du gehörst zu den nicht so vielen Menschen, mit denen ich Austausch, Unterhaltung, miteinander reden (schreiben) sehr, sehr genieße. Das schenkt mir so unglaublich viel, tut meiner Seele so gut … – ❤

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  5. Das tut mir sehr leid für dich, dass du da von deinen Eltern so wenig Rückhalt und Verständnis erfahren hast. Vor allem den Spruch „Hast du wieder deine Tage“ finde ich echt schrecklich, weil er einfach deutlich macht, wie wenig dein Vater von der Thematik versteht und wie wenig er deine Essstörung als Krankheit begreift.
    Aber es ist ein sehr guter Schritt, dass du dich hier öffnen und darüber schreiben kannst und ich hoffe so sehr für dich, dass sich die Wahrnehmung deiner Eltern da mal etwas verändert und du dich eines Tages auch ihnen gegenüber wieder öffnen kannst. Ich wünsche dir alles Liebe! ❤😊

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  6. Essstörungen und Magersucht war lange ein tabu Thema, wir sind von klein auf essgestört was natürlich bei uns andere Hintergrund Geschichten sind, aber es ist aber auch sehr schwierig zu verstehen, wir sind nicht dünn weil wir wie die Klapper dürren models aussehen wollen, sondern weil das essen ein riesiger Auslöser ist. Wir hoffen für dich das du für dich einen guten weg findest mit dir umzugehen…ist ein sehr wichtiges und berührendes Thema …LG

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    1. Danke für eure lieben aufmunternden Worte! Es stimmt, dass das Essstörungen leider noch ein Tabuthema sind und viele nichts damit anfangen können. Ich wünsche euch, dass auch ihr einen Weg da raus findet!

      Ganz liebe Grüße!

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  7. Das tut mir ja vom Herzen leid! Beim Lesen sind mir gerade wirklich die Tränen gekommen, so sehr liest man deinen Schmerz heraus. Und den kann ich sehr gut nachvollziehen, immerhin ist dein Vater wie du schreibst eine der wichtigsten Menschen für dich in deinem Leben. Umso mehr tut es weh zu lesen, wie sich eure Beziehung dadurch verschlechtert hat. Mir geht es mit meinen Eltern ähnlich. Von meinem Vater kam einmal der Spruch: „Ich verstehe gar nicht, warum es dir so schlecht gehen sollte, du hast doch alles“. Das tat auch weh. Und eigentlich habe ich das Gefühl, dass meine Eltern meine Essstörung niemals verstehen werden, dass es immer zwischen uns stehen wird. Was Schade ist, weil ich dadurch auch Vertrauen zu ihnen verloren habe.
    Ich finde es auf jeden Fall schön, dass du dennoch positiv bleibst und erkennst, dass es Leute gibt, die dich voll verstehen können und dich nicht für etwas verurteilen. 🙂 Bitte vergiss das nie! 🙂

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    1. Danke dir, du liebe! Ich glaube dir, dass du mich verstehst, weil deine Geschichte sehr ähnlich klingt. Es ist schade, wenn die eigenen Eltern einen nicht verstehen, aber du hast völlig recht. Es gibt Menschen (wie dich), die mich nicht verurteilen und das ist meiner Meinung nach Gold wert.

      Ganz liebe Grüße!

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  8. Wow, deine Geschichte berührt mich sehr. Ich hatte ja mit einer ‚leichten Essstörung‘, wenn es denn sowas gibt, zu kämpfen und habe alles mit mir selbst durchgekaut. Ich habe mich niemandem anvertraut, weil es mir sehr schwer fällt, über Probleme zu reden. Ich glaube zwar, dass meine Eltern es verstanden hätten, aber ich hätte ich darüber gerdet, hätte ich mich beim Essen zu sehr beobachtet gefühlt.

    Umso mehr bewundere ich dich für deinen Mut, mit deinen Eltern darüber zu reden. Das dein Vater so reagiert hat, tut mir beim Lesen weh. Es ist wirklich ätzend, dass bei einer Blinddarmentzündung alle verstehen, wenn man im Krankenhaus liegt, aber es immer noch Leute gibt, die eine psychische Krankheit für eingebildet halten, die man heilen kann, wenn man ’sich mal zusammenreisst‘.

    Natürlich hast du das Vertrauen in deinen Vater verloren, natürlich bist du verletzt. Ich glaube auch nicht, dass du das Vergessen musst, denn dein Vater hat einen Fehler begangen. Nur musste ich mir gerade überlegen, wie das für mich gewesen wäre. Bitte erlaube mir, dir meine Sicht zu schildern. Ich verstehe total, wenn du anderer Meinung bist, schliesslich musste ich die Erfahrung nicht am eigenen Leibe machen.
    Jeder Mensch macht Fehler. Das schlimme an der Situation mit deinem Vater ist für mich, dass er sich nicht die Zeit genommen hat, sich über das Thema zu informieren. Wenn er anfänglich darüber nichts weiss, ist verständlich, wenn er noch nie mit Essstörungen zu tun hatte. Dass er aber so lange darauf beharrt hat, dass du dir alles einbildest, das ist schon ein schwerer Brocken. Allerdings klingt es für mich auch so, als hättest du vorher ein gutes Verhältnis zu deinem Vater gehabt. Und offensichtlich probiert er, auch wieder zu dir durchzudringen. Vergessen musst du nicht, was er dir angetan hat. Aber hast du schon darüber nachgedacht, ob du es ihm irgendwann verzeihen werden kannst? Klar, das dauert Zeit, nur habe ich das Gefühl, dass es sich bei deinem Vater lohnen könnte, wieder eine Beziehung aufzubauen. Aber klar, Du wirst wahrscheinlich ein Gemenge an Gefühlen gegenüber deinem Vater empfinden, und da wieder durchzublicken wird eine Weile dauern. Ich wünsche dir von Herzen, dass ihr euch irgendwann wieder vertrauen könnt!

    So, das ist etwas lange geworden. Ich weiss auch nicht, ob meine Gedanken so klar formuliert sind. Aber wenn mich etwas emotional berührt, dann kommt da einen ganzen Strom von Gedanken, den ich irgendwie zu bündeln versuche.

    Alles Liebe
    Liliane

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    1. Danke liebe Liliane,
      deine Gedanken sind absolut klar formuliert und waren sehr interessant! Deine Sicht finde ich absolut nachvollziehbar und hat mich zum Nachdenken angeregt…vielleicht kann ich ihm verzeihen, ohne die Vergangenheit zu vergessen. Und die Beziehung zu ihm bedeutet natürlich mehr als nur dieses Thema, welches mein Leben nun sehr stark prägt. Dieses Vertrauen werde ich allerdings nicht mehr zurückerlangen können, weil er meine Sicht nunmal nicht versteht. Es kann gar nicht mehr so sein wie früher und vielleicht muss es das auch nicht!

      Danke für deinen lieben Kommentar! 🙂

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  9. Hm, tut mir echt leid wie das bei dir gelaufen ist. Ich mache auch die Erfahrungen, dass Leute die Krankheit nicht verstehen bzw sie abtun, als wäre man eben selbst schuld und könnte doch einfach aufhören. Böse gemeint war es sicher nicht, aber es verletzt. Und wie, kann ich gut verstehen.
    Das Leute die Krankheit nicht verstehen zeigt vielleicht auch, dass sie nie mit ihr in Berührung kamen und ich denke, das ist eigentlich was gutes.

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    1. Danke für deine lieben Worte! Ich finde es eigentlich auch besser, dass viele MEnschen sie nicht kennen, weil sie damit noch nie konfronitert wurden, aber ich finde es trotzdem wichtig, Menschen darauf zu sensibiliseren, dass sie etwas reflektierter durch die Welt schreiten sollten. Liebe Grüße!

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  10. Dass zu hören tut mir so so weh und ich muss vor Wut und Traurigkeit echt die Tränen zurückhalten! Wie kann man nur so reagieren? Noch dazu, wenn ihr immer über alles gesprochen habt? Das ist kein Vorwurf an deinen Vater. Es zeigt mir nur, dass ich in einer Art Blase lebe und selbst davon ausgehe, jeder weiß, was Essstörungen sind und vor allem weiß wie man mit psychisch kranken Menschen umgehen sollte. Aber das ist nicht so! Leider.

    Außerdem erinnert es mich so an meinen Vater. Er versteht meine Essstörung nicht und wir reden auch nicht (mehr) darüber. Denn ich habe Angst vor seiner Reaktion. So geht es mir mit den meisten meiner Verwandten. Ich habe Angst genau so etwas zu hören, was du hören musstest und ich glaube das würde ich nicht aushalten.

    Ich weiß gar nicht, was ich noch schreiben soll. Deine Worte hinterlassen mich sprachlos und nachdenlich, aber auch mit der Gewissheit, dass es wichtig ist, was wir hier tun: Darüber sprechen und aufklären!

    Danke für diesen Artikel, Mia! Ich kann mir sehr gut vorstellen wie schwer es war das alles aufzuschreiben und die Schmerzen erneut zu spüren. Aber sei dir sicher: Du hast mir sehr damit geholfen, denn ich weiß, dass ich nicht alleine bin!

    Alles alles Liebe! ❤

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  11. Es tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrung machen musstest und ich wünsche dir, dass du einen Weg findest, deinem Vater verzeihen zu können.
    Beim Lesen deiner Geschichte musste ich direkt an den Bevor ES-Award denken und daran, wie wichtig die Sensibilisierung der Menschen ist. Selbstverständlich ist es für einen Menschen, der nie mit dieser Krankheit in Kontakt kam, nicht möglich, nachzuempfinden oder sich auch nur ansatzweise vorzustellen, wie es einem Betroffenen ergeht. Das ist völlig normal und davon kann auch ich mich nicht freisprechen – die eigenen Erfahrungen wirken sich eben enorm auf die eigene Sicht der Dinge aus und ohne die entsprechende Erfahrung steht mir nur die Sicht des beobachtenden Dritten zur Verfügung. Und genau daran liegt die große Gefahr, die eine Sensibilisierung so unglaublich wichtig macht. Die fehlende Erfahrung mit Erkrankungen, wie dieser, führt häufig dazu, dass sie nicht ernst genommen werden – selbst wenn es auf eine unbewusste oder unbeabsichtigte Weise geschieht, wie im Falle deines Vater, der dich bestimmt nicht bewusst oder absichtlich verletzten wollte (womöglich war sein Handeln gar eine Art Abwehrreaktion, ein „Nicht-Wahrhaben-Wollen“, die entstand, weil ihn die Situation überforderte, weil er zwar sah, dass du leidest, er aber weder verstand, weshalb, noch einen Weg fand, dir helfen zu können?). Geschehen ist es aber trotzdem und deine Gefühle, Änsgte und Schmerzen sind und waren absolut echt. Genau das gilt es zu akzeptieren und entsprechend zu handeln, völlig unabhängig davon, ob und in wiefern diese Gefühle nachvollziehbar erscheinen. Vielleicht gelingt es auch deinem Vater, diese Art Verständnis oder zumindest Akzeptanz zu entwickeln und dir gegenüber zu zeigen. Ich wünsche es euch beiden!

    Gefällt 3 Personen

    1. Vielen Dank für deine Worte!! Ich hoffe auch, dass ich mit dieser Geschichte irgendwann meinen Frieden finden kann!
      Ich mache auch niemandem einen Vorwurf, dass er oder sie nicht weiß, wie es sich anfühlt. Aber ich hoffe, dass Menschen sich für andere Horizonte öffnen können und nicht nur an das glauben, was sie selbst nur erlebt haben. Der bevor es Award war ein kleiner Schritt, um Menschen auf diese Weise zu sensibilisieren!

      Ganz liebe Grüße!!

      Gefällt 1 Person

  12. Vielen Dank, dass du eine so schmerzhafte und vor allem schwer lastenden Erinnerung aufwühlst um sie mit uns Lesern zu teilen.
    Ich weiß wie schwer es ist von etwas derart emotionalem und vor allen negativ belastetem zu schreiben. Und genau deshalb bewundere ich deine Offenheit hier.
    Ich hoffe du kannst vielen Menschen in ähnlichen Situationen damit Zeigen, dass auch wenn das Leben mal schwer ist, man den Mut fassen und seinen Weg weiter gehen sollte.

    Gefällt 1 Person

  13. Liebe Mia!

    Ich denke die letzten zwei tage doch immer wieder an dich und deine zwei Texte zu deinen Eltern… Es ist schlichtweg schmerzhaft, davon zu lesen… Ich verstehe, dass es für dich ein absoluter Tritt in die Magengrube bedeutet haben muss…
    Dennoch muss man sich wohl immer wieder vor Augen halten, dass es nicht ihre Absicht waren und dass sie dich als ihre Tochter und als Menschen lieben!
    Es ist traurig, doch es gibt in dieser Welt so viele menschen, die einfach keine Sensibilität haben… Denen die Empathie fehlt und die nicht darüber nachzudenken scheinen, bevor sie Dinge sagen oder tun…
    Das tut vor allem weh, wenn dies in den eigenen Reihen passiert, bei Menschen, die einem eigentlich viel bedeuten. Ich wünsche mir sehr für dich, dass sich dein Vater vielleicht doch noch auf eine andere Art und Weise damit auseinander setzt! Vllt kannst du ja doch irgendwann, wenn du dich dazu stark genug fühlst, mit ihm darüber unterhalten, ihm die Hintergründe erklären… Ihm vllt auch Links oder Stellen zeigen, bei denen er sich informieren kann.
    Dennoch ist es vor Allem gut, dass du dich damit auseinander gesetzt hast, dass du diese Geschichte aus dir selbst hervor geholt hast und sie hier verarbeitest. Du kannst stolz auf dich sein, dass du ihm nicht den schwarzen Peter zuschiebst! Es ist klar, dass du ihm das nicht verzeihen kannst, doch du verurteilst ihn nicht, das ist gut.

    Ich wünsche dir alles Beste,
    die Luna, die nun schlafen geht und dir eine wundervolle und traumschöne Nacht wünscht ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. Ach Luna, deine Kommentare sind so wertvoll! Es erstaunt und freut mich sehr, dass du noch Tage später an meine Beiträge denkst – ein schöneres Kompliment könnte ich mir nicht vorstellen!

      Ich weiß natürlich, dass meine Eltern mich lieben und mir niemals bewusst schaden wollen. Dass mein Vater meine ES je verstehen wird, wage ich zu bezweifeln. Ich habe es ihm so zu erklären versucht. Meine Schwester hat es auch versucht und meine Mutter ebenfalls. Er ist da komplett festgefahren und hält uns alle für verrückt 😂 aber er ist so, wie er ist. Ich liebe ihn trotzdem und ich werde ihm verzeihen – hoffentlich!

      Ganz liebe Grüße und danke für deine wie immer wunderschönen Worte! ❤️

      Gefällt mir

      1. Tatsächlich bleiben meine Gedanken oft tagelang an deinen Beiträgen hängen 🙂

        Nun, manchen fällt es leider schwer, von ihren Ansichten abzurücken… Doch es ist schön zu lesen, dass du dennoch so liebevoll noch über ihn schreiben kannst!

        Einen schönen Abend wünsche ich dir!
        (Ach, und da fällte mir ein, bei dem Gedanken an einen deiner älteren Beiträge… Ist denn deine Angst vor der Dunkelheit besser geworden? Ich wünsche es dir sehr! ❤ Liebe Grüße noch einmal)

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