Therapeutensuche: „Bitte haben Sie Geduld.“

Die Suche nach TherapeutInnen und die immer gleichen Parolen sind wahrhaft ermüdend. Ich verrate euch hier wieso:

Wie ihr vielleicht wisst, habe ich neben meiner Essstörung noch eine weitere Diagnose. Ein Gespräch mit einer Psychaterin und eins mit einem Tiefenpsychologen haben mir nun bestätigt, dass ich dringend eine Therapie brauche. Andernfalls könnte meine Diagnose chronisch werden. Seitdem suche wich wie wild nach TherapeutInnen und stehe gewaltig unter Strom. Seit Wochen bin ich dabei nach einem Therapieplatz zu suchen. Ich google, recherchiere, telefoniere – aber ständig werde ich mit unhöflichen Sätzen abgespeist.

„Bitte haben Sie Geduld.“

Ja, ich versuche geduldig zu sein. Aber es hilft mir nicht es nach jedem Anruf zu hören. Damit machen sie es ehrlich gesagt noch schlimmer. Nicht nur, dass sie mir die Hoffnung nehmen, einen Therapieplatz zu finden, die sprechen mir meine Sorgen ab.

Die Krankenkasse ist die Spitze des Eisbergs. Weil sie mir damals eine Therapie finanziert haben, glauben sie, dass ich geiere und noch mehr umsonst rausschlagen will. Das sagen sie natürlich nicht in diesem Wortlaut, aber ich bin ja nicht blöd, ich kann auch zwischen die Zeilen lesen.

Und die sogenannte „krankenärztliche Vereinigung“? Warum haben sie so einen seriösen Namen, wenn sie scheinbar den Umgang mit psychisch kranken Menschen nicht beherrschen? Warum arbeiten sie dann an einem Ort, wo dringende Sozialkompetenzen erforderlich sind?

Ihr seht, aus mir spricht die Wut. Aber ich finde, dass ich allen Grund dazu habe. Natürlich bin ich unendlich dankbar, dass ich in einem Land lebe und solche Möglichkeiten überhaupt erhalte – aber ich fühle mich mit all dem so alleine und hilflos.

Das Erzählen meiner eigenen Diagnose triggert mich.

Auch wenn es komisch klingt, finde ich es unheimlich schwer, diese Telefonate zu tätigen. Immer, und immer wieder muss ich ihnen von meiner Diagnose erzählen. Immer kommen dieselben überraschten Fragen, und immer machen sie mir Hoffnung. Manchmal schiebe ich diese Anrufe absichtlich fort, weil ich keine schlechte Laune an diesem Tag haben will.

Aber leider sehe ich da keine andere Lösung. Ich schätze, dass ich einfach abwarten muss. Und die Suche und das ständige geduldig sein haben schließlich auch etwas Gutes. Trotzdem gehen mir diese Parolen gewaltig gegen den Strich.

Kennt ihr diese Situation? Wenn ja, wie geht ihr damit um?

Habt ein schönes Wochenende! ♥

11 Kommentare zu „Therapeutensuche: „Bitte haben Sie Geduld.“

  1. Ja, es triggert, die eigene Diagnose wieder und wieder zu erzählen, genau, wie es bei einer Therapie häufig zu einer Erstverschlimmerung kommt. Deshalb habe ich einem Schüler, den ich als Mentorin betreue, das Versprechen angenommen, sich jetzt „nur“ für den Alltag coachen zu lassen und erst nach dem Abitur in ein paar Monaten mit einer Aufarbeitung anzufangen.
    Ich persönlich finde den hypnotherapeutischen Ansatz von Gunther Schmitt sehr sinnvoll, der vor einer „Problemtrance“ warnt und seinen Blick auf die Lösungsorientierung focussiert.🌈

    Ansonsten gilt, psychische Leiden sind oft Notfallsituationen und da müsste es etwas zwischen Zwangseinweisung bei Selbstgefährdung und wochenlangem Rumorganisiere, dass man selbst tätigen muss, geben.

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  2. Hallo Mia, Du weißt doch sicher, dass Du in einem Staat lebst in dem Dir jeder Politiker sofort versichert, dass dieser ein super, wenn nicht gar das beste, Sozialsystem hat. Sei also bitte so sozial und nimm es nicht in Anspruch. (Ironie)
    Es ist leider so, dass ich all das schon durch habe und vermutlich ganz sicher jetzt wieder so erleben werde. LG

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  3. Ich verstehe Dich soooo gut. ALLES, was Du hier geschrieben hast. Ich kann es absolut nachvollziehen, habe es ebenso erlebt und erlebe es (was das Triggern angeht) nach wie vor. (Mal abgesehen davon, dass ich insoweit heute einen richtigen Sch …tag habe …)

    Versuche, Dich überall, wo Du angerufgen hast, bzw. zumindest da, wo man Dir eine leise Hoffnung auf einen ETWAS näheren Termin macht, auf die Warteliste setzen zu lassen. Absagen kannst Du später immer noch.

    Ich hoffe, Du hast irgend etwas Schriftliches bekommen von der Psychiaterin bzw. dem Tiefenpsychologen, damit die Krankenkasse nicht zu sehr „Zicken“ machen kann.

    Ich habe gerade richtig Wut, zumal der Spahn ja nun auch noch seinen Supergau mit dem „Patientenprüfer“ durchziehen will (habe ich Dir ja „auf dem anderen Weg“ schon geschrieben). Ich habe die Petition dagegen gestern noch gezeichnet.

    Lass Dich nicht unterkriegen, liebe Mia, es denken viele so wie Du!

    Ganz liebe Grüße! ❤

    Gefällt 4 Personen

    1. Danke für deine mitfühlenden und aufmunternden Worte, lieber sternfluesterer! Deine Wut auf dieses Konzept finde ich sehr berechtigt – und mir geht es nicht anders!

      Ich werde weiterhin versuchen dran zu bleiben, auch wenn es mühsam und nervig ist!

      Ganz liebe Grüße! ❤️

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  4. Liebe Mia,

    mir ging es damals genauso! Und habe bei der 1. Therapie 8 Monate warten müssen, bis es los ging. Entweder ging keiner ran, AB und kein Rückruf, Vorgespräche und Absagen…. Wartelisten geschlossen. Das ist, wenn man akut Hilfe benötigst total entmutigend…
    Es gibt aber auch die Möglichkeit, bei der Krankenkasse einen Antrag auf Kostenerstattung zu stellen, somit kannst du auch noch Therapeuten auswählen, die sonst nur Privatzahler nehmen. https://www.therapie.de/psyche/info/fragen/wichtigste-fragen/psychotherapie-kostenerstattung/
    Ganz liebe Grüße und nicht aufgeben!

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    1. 8 Monate?! Das ist wirklich sehr lang!! Wie schade, dass es so lange gedauert hast, ehe du Hilfe bekommen hast!

      Den Antrag auf Kostenerstattung macht meine Kasse leider nicht 😦 das haben sie mir sehr deutlich und nicht gerade höflich erklärt…

      Liebe Grüße!

      Gefällt mir

      1. Darf ich fragen, welche KK das ist? Normalerweise müssen sie das überprüfen und ich würde den Antrag, da gibt es auch Vordrucke ( https://www.google.com/url?q=https://www.psychotherapeutin-braunschweig.de/app/download/4583183/Formulare%2BKostenerstattung_online_Muster.docx&sa=U&ved=2ahUKEwino-bUuZPfAhWD_aQKHXYTBYcQFjADegQICRAB&usg=AOvVaw0u6q4xzgEBcF6nqTAiJbKo)
        einfach hinschicken. Und wenn sie ablehnen, mit dem Therapeuten zusammen einen Widerspruch erstellen. Klar, sagen Sie erst Mal, machen wir nicht….weil es dafür leider auch keine klaren, gesetzlichen Regelungen gibt . Aber davon darf man sich nicht entmutigen lassen. Total nervig, aber ich habe es damals auch so gemacht. Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

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