Psychische Krankheiten machen einen nicht kompliziert – sie sind ganz einfach Krankheiten!

Wisst ihr, was ich absolut nicht mehr hören kann? „Du bist voll anstrengend““, „Mit dir ist immer alles kompliziert!“, „Du bist immer so empfindlich!“

Denn dann, will ich am liebsten folgendes sagen: „F*** dich ins Knie!“

Aber nochmal auf Anfang: Warum denken die Leute, dass ich kompliziert sei?

Weil ich krank bin.

Ich bin krank. Und deshalb gelten für mich oft andere Regeln, als für andere. Ich kann mit meiner Essstörung nicht in jedes Restaurant gehen und brauche manchmal ewig, um mich zu entscheiden. Ich kann nicht bei anderen Menschen essen, weil sie nie das haben, was ich essen „kann“. Ich ärgere mich manchmal darüber, dass ich etwas gegessen habe, obwohl es meine eigene Entscheidung war. Ich weine wegen Essen – weil es mir Bauchschmerzen bereitet, weil es mir fehlt, weil ich Angst davor habe.

Aber es ist nicht nur das.

Ich bin ein sanftmütiger Mensch.

Ich mag es nicht, wenn Menschen sich über mich scherzen und bin schnell verletzt. Ich sehne mich manchmal nach Nähe und kann sie manchmal kaum ertragen. Ich kann einige Tierdokus nicht sehen, weil mir die Krokodile Angst machen. Ich werde manchmal sauer, wütend oder traurig und kann nicht genau sagen, woran es liegt. Ich bin sensibel und ja – auch empfindlich.

Aber ich bin es trotzdem leid, immer die „Komplizierte“ zu sein.

In einer Welt, in der immer wieder von den „Kranken“ und den „Normalen“ die Rede ist, bleibt nicht viel Raum, um ordentlich zu reflektieren und zu hinterfragen. Deshalb bin ich es leid, immer die Komplizierte zu sein. Ich bin dadurch viel zu selten ehrlich zu meinem Umfeld, weil ich keine Belastung sein will. Doch auch bei den Menschen, die mein „Ich“ kennen, sind die Worte unbeabsichtigt herausgerutscht. Und es tat jedes Mal höllisch weh.

Warum kann sich nicht der Rest der Welt an uns anpassen?

Ein Vorschlag: Warum können sich Menschen, die nicht an psychischen Krankheiten oder Hypersensibilität leiden, nicht an uns anpassen? An die, die gar nicht kompliziert sein müssten, wenn sie nur ordentlich verstanden werden würden? Ist es nicht an der Zeit ein wenig nachsichtiger und überhaupt freundlicher miteinander umzugehen, als sich gleich von jemandem abzuwenden, weil er oder sie „kompliziert“ ist?

Ich für meinen Teil sehe nicht mehr ein mir ständig diese Sprüche anhören zu müssen und immer ein bisschen kleiner zu fühlen. Und ich hoffe, dass ihr, ob ihr nun einmal einen Satz wie diesen rausgehauen habt, oder ständig hören müsst, meinen Beitrag zu Herzen nehmen werdet.

Genießt euer Wochenende! ♥

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19 Kommentare zu „Psychische Krankheiten machen einen nicht kompliziert – sie sind ganz einfach Krankheiten!

  1. Ich gelte auch bei manchen Leuten als anstrengend. Wegen meines Temperaments. Ist mir inzwischen egal. Finde auch einige meiner Mitmenschen anstrengend.
    Ich finde, niemand muss sich an den anderen anpassen. Man muss die anderen halt so sein lassen, wie sie sind. (Wenn sie nicht gerade grob gegen die Menschenrechte oder das Gesetz verstoßen.) Leben und leben lassen.

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  2. Wir alle sind anders, nicht nur Menschen mit psychischen oder physischen Merkmalen. Wir haben doch alle unsere Einschränkungen, auch Holterdiepolter-Typen, oder gerade sie! Dies sollte man sich vielleicht mal verinnerlichen, denn damit wären Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder Grenzen gar nicht mehr so Besonders, wir nehmen sie wie sie sind, basta. Ich habe persönlich auch meine Grenzen, versuche diese aber unter dem Radar zu halten. Niemand interessiert sich für meinen Stoffwechsel, Tinnitus, meine Gelenkprobleme oder Unverträglichkeiten. Muss auch niemand, ich will ja auch nicht ständig hören was jemand nicht verträgt oder erträgt. Dabei habe ich jedoch auch keine Mühe damit, wenn jemand ohne grosses Aufhebens gewisse Nahrungsmittel an den Tellerrand schiebt, seine Tabletten einwirft, aufsteht und das Fenster schliesst oder mal einen weinerlichen oder sonst schlechten Tag hat. Aber ich habe Mühe damit, wenn Besonderheiten und Sonderbedürfnisse ständig wie eine Fahne vor sich her getragen werden und alles bis ins kleinste Detail und jedes Mal erneut erklärt und zerredet werden muss, nur um damit Aufmerksamkeit zu erreichen. Verständnis, Langmut und Geduld sind ok aber ich möchte nicht zum Publikum degradiert werden und dafür möchte ich auch Verständnis. Wie siehst du das so? Viele liebe Grüsse

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    1. Ich sehe das tatsächlich ganz ähnlich, bis auf die Ausnahme, dass ich glaube, dass viele Menschen sich schon über triviale Dinge, die völlig irrelevant sind Gedanken machen und vieles zu einer Diskussion machen!

      Liebe Grüße!

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  3. Ich weiß sehr genau, was Du meinst, liebe Mia.

    Man weiß ja selbst, wie anstrengend man bisweilen ist. Man weiß aber auch, dass man es immer wieder auch ganz sehr für sich selber ist. Dass ist ja besonders schwer auszuhalten. Wenn dann noch jemand oben drauf haut …

    Es geht ja gar nicht um Mitleid …

    Aber das draufgehauen werden, das ist schoin sehr schlimm.

    Deshalb ist eine Geduld, wie Du sie aufbringst etwas so Wertvolles. Aber Du weißt halt auch, wie es ist …

    Nur liebste Grüße! ❤

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Mia,

    Ich glaube, jeder Mensch ist „kompliziert“ und jeder Mensch hat Eigenheiten, auf die Rücksicht zu nehmen für andere ein bisschen unbequem ist. Zu diesen unbequemen Eigenheiten zähle ich auch mangelnde Empathie(-bereitschaft). Ich finde, die macht Menschen erst richtig kompliziert, weil sie erwarten, dass alle sich nur an sie anpassen und auf sie Rücksicht nehmen, ohne selber diese Bereitschaft zu zeigen….

    Und ich finde, jemanden als kompliziert zu bezeichnen, sagt mehr über die eigenen Mängel aus, als über die der vermeintlich „komplizierten“ Person…

    Beste Grüße ❤

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    1. Danke für deine weisen Worte, liebe Grübel-Eule! Ich stimme dir in jedem Wort zu! – Jemanden als kompliziert zu bezichnen sagt oft etwas über einen selbst aus, genau wie die Tatsache, sich überhaupt nicht an andere anpassen zu wollen oder es immerzu zu erwarten.

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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