Spekulatius genießen – fröhlichen dritten Advent!

In der Weihnachtsbäckerei, gibts so manche Leckerei…

Sie ist in vollem Gang, die Weihnachtszeit. Und erfreut unseren Gaumen mit vielen wunderbaren Leckereien. Statt Festder Liebe könnte der Name auch in Fest des Essens umgeändert werden – dieser erscheint mir jedenfalls treffender.

Sobald ich die beiden Worte „Weihnachten“ und „Essen“ in einem Satz vereine, bildet mein Kopf die verschiedenste Assoziationen. Weihnachtsbraten, Ente mit Rotkohl, Kartoffelsalat und Würstchen,… Aber auch die Süßigkeiten sind Teil dieses Feiertages. Selbst gemachte Plätzchen, Lebkuchen, Schoko-Weihnachtsmänner, Spekulatius,…

Für letztere hatte ich schon immer eine große Schwäche. Schon damals. Als ich noch nicht von meinem „kleinen“ Problem mit dem Essen betroffen war. Spekulatius bestanden aus meinem winterlichen „Frühstück“ vor der Schule. Eine Hand voll aromatischer Kekse mit einem Glas Milch. Ohne schlechtes Gewissen darüber, wie ungesund sie waren, oder wie viele Kalorien sie hatten. Ich aß vier, fünf sechs von ihnen und hörte dann auf. Ohne Essanfall, ohne schlechtes Gewissen.

Und dann nahm mein weihnachtliches Ritual ein abruptes Ende. Und ich sagte meinen geliebten Spekulatius Lebewohl. Sie betraten nie mehr mein Reich, denn ich durfte sie nicht mehr essen. Das Verbot sprach niemand aus und dennoch schrie es mich in meinem Kopf förmlich an. Ich vermied es bewusst, die Situation zu provozieren und kaufte sie gar nicht erst. Denn ich wusste, dass es nie und nimmer bei nur einem bleiben würde. Und wie es weitergeht, kann sich ja jeder denken.

Heilung

Oft vergesse ich, wie weit ich mit der Gesundung bin. Meine Ansprüche ändern sich nach jedem Erfolg permanent aufs neue und werden von Mal zu Mal strenger. Da bleibt nicht viel Zeit, inne zu halten um den Triumph ein wenig zu genießen.

Aber nach ungefähr drei Jahren habe ich sie wieder in mein Leben integriert. Ich habe mir eine Hand voll Spekulatius genommen und gegessen. Ich habe sie gekauft, ohne Eile geschmeckt und tatsächlich genießen können. Ich nahm mir nach und hörte dann auf. Ohne, Völlegefühl, ohne Bauchschmerzen und ohne den Drang, sie schleunigst loszuwerden. Ich hatte sie bewusst gekauft, gegessen und genossen.

Hintergedanken

Um fair zu bleiben musste ich einen kurzen Moment inne halten, als ich sah wie viele Kalorien nur zwei von ihnen hatten. Instinktiv bildeten sich diverse Zahlen in meinem Kopf. Ich verglich sie mit gesünderen Produkten und der gleichen Kalorienanzahl. Ich überlegte allen Ernstes, als Alternative 2 Äpfel und eine Banane zu essen.

Außerdem war ich die Woche über krank und hatte kaum etwas essen können. Mein Körper lechzte danach, endlich etwas essen zu können und da ich über diesen Zeitraum auch etwas abgenommen hatte, sagte das böse Stimmchen in meinem Kopf, dass ich es mir jetzt ja erst recht leisten könnte…

Doch ich tue es schon wieder – ich mache meinen eigenen Erfolg nieder. Ich gönne mir keinen Triumph oder erkenne ihn gar an. Damit muss endlich Schuss sein. Denn eine andere innere Stimme ist mit der Zeit immer lauter geworden. Uns sie ruft den wichtigsten Satz in meinen Kosmos.

„Ich will leben.“

Das ist es, was ich mir sehnlichst erhoffe. Das Leben mit einer Essstörung ist nämlich leider kein Leben. Egal wie schön man aussieht, oder glaubt, schön aussehen zu wollen – der Druck, der Zwang und der Verzicht von Genuss zerschmettert jegliche Form von Lebensqualität.

Während der Hochphase meiner Krankheit wollte ich schön und erfolgreich sein. Dies koppelte ich mit meinem Körpergewicht und versuchte es radikal zu reduzieren. Es ging so lange, bis ich mich nicht mehr lebendig fühlte.

Heute will ich leben. Ich will genießen. Ich will Spekulatius essen. Ich will glücklich sein. Natürlich sind die alten Wünsche nach wie vor präsent. Aber sieh haben nicht mehr die oberste Priorität.

Wir sind alle Menschen und wir sollten auf unseren Körper Acht geben. Wenn er etwas Süßes will, sollten wir es zulassen und ihn gut behandeln. Wir haben nur einen, wir können ihn nicht einfach austauschen. Deshalb müssen wir ihn mit Respekt behandeln. Das ist es, was am Ende des Tages zählt. Wir kriegen keinen Orden für das Nicht-Essen während der Weihnachtszeit.

Demnach lasse ich mich heute, an einem Sonntag ohne Verpflichtungen und ohne Arbeit in mein Bett fallen, genieße die saisonalen Weihnachtsleckerein und feiere das Leben.

Euch einen schönen dritten Advent. ♥

8 Kommentare zu „Spekulatius genießen – fröhlichen dritten Advent!

  1. Ich hatte zwar nie eine Essstörung aber Wünsche, die den Deinen (den früheren) ähnlen kenne ich auch. Es ist durchaus nicht so, dass ich immer zufrieden mit meinem Körper bin. Und auch für mich ist es nicht immer einfach mit dieser Unzufriedenheit umzugehen. – Bei Deuinem Hintergrund ist das mutmaßlich noch mal ein ganzes Stück schwierige. Umso mehr freue ich mich über Deinen Text, Deine Gedanken hier.

    Mit allem was Du hier schreibst, ermutigst Du andere Menschen, zeigst Sichten auf, die das Negative nicht außer acht lassen, es aber nicht als das Zentrale zeigen. Denn wenn Negatives den Mittelpunkt allen Debnkens ausmacht, das ist es bald auch Mittelpunkt des Lebens. Und Leben ist dann kein Leben mehr.

    Das weiß ich sehr genau, und das nicht aus dem Blick zu verlieren, muss ich mich immer wieder sehr anstrengen. Meine „Doris“ oder mein „Herr B zeigt sich nur anders, setzt mir aber auch immer wieder zu. Sie ähnelt einer verbitterten schwarzen Fata Morgana, die meinen Horizont immer wieder in jene Farbe zu tauchen bestrebt ist, die sie selbst ausmacht.

    Ich danke Dir für jeden Deiner Einträge.

    Genieße Deinen Spekulatius (Vorsicht, die Krümel pieksen im Bett 😉 ) und hab‘ einen schönen dritten Adventssonntag, liebe Mia.

    Von Herzen liebe Grüße an Dich!

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    1. Die Fata Morgana, von der du sprichst, könnte dieselbe sein, die meinen Horizont verdeckt – aber eben auf eine andere Weise, wie du schon sagtest. Aber eben nur verdeckt und nicht zerstört! Es gibt immer einen anderen weg!

      Danke dir sehr für deine lieben Worte!
      Hoffentlich klingt dein Adventssonntag erholsam und ruhig aus! 😊

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