Puzzlen – Selbsttherapie #1

Mit diesem Beitrag starte ich ein Experiment unter dem Begriff „Selbsttherapie“. Ich führe hierzu eigene Strategien der Heilung aus und werde zur Therapeutin meiner selbst.

Da ich mich innerlich ziemlich leer fühle und seit jeher die falschen Methoden fand, um diese Leere zu füllen, versuche ich mich neuen Hobbies zu widmen, die mir neue Perspektiven geben. Und obgleich der Titel etwas absurd erscheinen mag, so ergibt er beim Lesen vielleicht sogar etwas Sinn.

Ein neues Hobby!

Tatsache ist, dass ich neuerdings puzzle. Und das mit großer Leidenschaft. Nach gefühlt 15 Jahren vergnüge ich mich wieder mit einem beliebten Spiel aus Kindertagen. Es begann nach der Empfehlung einer Freundin und endete damit, dass ich mir zwei eigene kaufte. Welche, die eher meiner Altersklasse entsprechen und mit vielen Teilen und komplizierten Motiven gar nicht so leicht zusammenzusetzen sind.

Eine besondere Auswirkung.

Es passiert nur selten, dass ich meinen Kopf völlig abschlalten und an nichts anderes denken kann. In jeder Lebenslage schweife ich ab und verliere mich in tiefsinnigen Gedanken über Gott und die Welt. Beim Puzzlen sind die Gedanken stets bei der Aktion. Ich schalte vom Alltag ab und denke nur daran, das richtige Teil zu finden.

Eine weitere Besonderheit ist, dass ich mich unbewusst in der Zeit verliere und die Stunden an mir vorbeirauschen. Wie wenn ich ein spannendes Buch an einem Tag auslese. Mir gefällt die Tatsache mich in einer Aktion hinzugeben, die mir eine solche Freude bereitet.

Freak?

Klar klingt es selstam, wenn ich Menschen erzähle, dass ich meinen Samstagabend mit Puzzlen verbracht habe. Aber was ist eigentlich schlimm daran, auf diese Weise einen spaßigen Abend zu haben? Würde ich jemanden verurteilen, weil er mit 23 mit Puppen spielt? Und wenn ja, dann aus welchem Grund? Weil man irgendwann zu „alt“ ist?

Doch je öfter ich mit Menschen darüber rede, dasto klarer wird mir, dass ich nicht die einzige in meinem Alter bin, die puzzlet. Und überhaupt brachte mich erst eine Freundin auf die Idee, die von ihrem neuen Hobby schwärmte. Natürlich ernte ich noch schiefe Blicke, wie zum Beispiel von meinem Freund, der etwas stutzen musste, weil der ganze Boden voll Puzzleteilen war. Doch letztendlich war er es, der bis 2 Uhr morgens weiter puzzeln wollte, weil er gerade einen „Lauf“ hatte. Auch meine Schwester war neulich zu Besuch und hat mit mir gepuzzlet. Wir haben kaum geredet, aber nach sehr langer Zeit wieder gemeinsam gespielt.

Zu alt für kindlichen Spaß?

Ich frage mich, wann es aufgehört hat, den Spielen aus der Kindheit Lebewohl zu sagen. Ab wann war man zu cool dafür? und wenn ich mich recht entsinne, könnte ich alles von damals noch immer tun. Ich habe leidenschaftlich gern gemalt und gebastelt. Ich liebte Karten- und Brettspiele. Ich fuhr Einrad, Inlineskating oder mit dem Fahrrad. Und irgendwann hörte ich auf. Warum auch immer.

Anker.

Wenn ich meiner Mutter erzählte, dass mir das Puzzlespielen sehr fördernd für meine Heilung ist, würde sie sicher nur verwirrt den Kopf schütteln. Und doch entspricht es der Wahrheit. Das Puzzlen nimmt mir die Langeweile – einen großen Faktor für meine Essattacken. Es hilft mir außerdem bei ener Tätigkeit, die ich alleine vollziehen kann. Ich als Person, die sehr abhängig von anderen Menschen ist, kann gar nicht glauben, wie oft und gerne ich seitdem alleine bin.

Immer etwas zurückgeben.

Ich teile meine neue Leidenschaft mit euch, weil sie mir (so verrückt es auch klingt) sehr viel geholfen hat. Demnach gibt es vielleicht auch andere, denen dieses Hobby so nützlich sein könnte. Und wenn der Satz „Ich bin viel zu ungeduldig für sowas“ in einem eurer Köpfe schwebt, dann ergeht es euch so wie mir anfangs. Aber es kostet nichts (außer vielleicht der Preis eines Puzzles), um es einfach mal auszuprobieren. Und wer weiß, vielleicht hilft es ja auch euch! ♥

 

 

15 Kommentare zu „Puzzlen – Selbsttherapie #1

      1. Im Endeffekt wirkt es ähnlich wie Meditation. Man konzentriert sich auf etwas (Puzzeln) und gleichzeitig kommen Gedanken auf, die man zulassen kann, weil man sich – durch die Konzentration auf das Puzzeln – nicht vereinnahmen lässt. Das ist sehr heilsam ❤

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  1. ich habe auch schon vor einiger zeit angefangen zu puzzeln und ich finde die Idee ganz und gar nicht schräg oder zu kindisch fürs alter oder so – wie du ja sagst, gibt es viele, die das noch tun. Únd vor allem ist es mehr als toll, wenn es auch noch die leere füllt die deine essattacken auslöst. ich suche ja auch schon lange nach etwas, das für mich dieser „füller“ sein kann. ich schreibe dann meistens (dauert ja aber nicht lange) oder lese (habe ich aber oft keine lust dazu zurzeit weil ich selbst zu viel im kopf habe), oder ich male.. (aber auch da bin ich nicht lange konzentriert oder lustvoll dabei)…

    bei dem puzzeln wäre das anders, da bin ich ganz ähnlich wie du… aber mir fehlt in einer 30 qm Wohnung, die ich mit meiner besten Freundin teile schlichtweg der platz dafür ): …. und das ist echt ein scheißgrund, um es nicht zu tun, aber es ist tatsächlich einer. wir teilen uns sogar ein bett, damit wir genug platz haben und auf Wohnungssuche sind wir schon lange.

    aber gut, dass du mich wieder daran erinnert hast und danke danke danke, für diesen tollen beitrag ♥

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    1. Oh, wie lieb von dir!
      Ja, es ist toll, wenn es die Leere ausfüllt, aber wenn du es aus Platzgründen nicht schaffst, dann findest du hoffentlich was anderes! Lesen, schreiben und malen nutze ich auch als „Lückenfüller“ und momentan suche ich nach anderen.

      Dir würde ich raten, aufgrund deiner Wohnung manchmal etwas draußen zu unternehmen, um einen Tapetenwechsel zu bekommen – es gibt schließlich vieles, dass man unternehmen kann!

      Viele Grüße!

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  2. Puzzles kamen bei mir auch nicht in frage. Unsere Katzen würden ihre Freude haben, sich Teile zu schnappen und irgendwohin zu verbringen. Aber Origami ist auch so eine Sache in der man sich gut für eine Zeit vertiefen kann, besonders wenn man anhand von YouTube Videos komplexe Figuren falten will.

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  3. Ich bin selbst kein Puzzler, aber ich kann Deine Motivation dazu und Deine Freude daran absolut nachvollziehen. Und nichts an Deiner Dir so offensichtlich nützlich seienden Beschäftigung ist belächelnswert. Warum auch. – Viele Menschen habe das Ausmalen von Mustern und Figuren für sich wiederentdeckt und empfinden dabei Entspannung, weil die Konzentration weg vom sich immerfort drehenden Gedankenkarussel gelenkt wird.

    Neben dem Lesen und mitunter einem sehr intensiven und andächtigen Hören von Musik, hilft mir manchmal ein Sudoku, auf andere Gedanken zuu kommen oder auch gar nichts anderes im Blick zu haben als die kleinen Zahlenkästchen.

    Was letztlich zwar nie ohne Gedankenbegleitung geht, mir aber auch eine besondere Art der Entspannung ist, wenn ich mal dazu komme, einige von meinen kaum noch zählbaren bei Lesen von Romanen, Briefen, Blogbeiträgen, Artikeln gesammelten Aphorismen handschriftlich in extra dafür vorgehaltene Schreibbücher einzutragen.

    Und dann ist da etwas, was ich schon so lange vorhabe, mir selbst beizubringen: das Kalligraphieren. Aber das ist bislang dann doch noch immer auf der Strecke geblieben, irgendwie reicht die Zeit halt nicht zu allem. Und Lesen und schreiben an sich, sind mir denn doch sehr, sehr wichtig. Aber noch habe ich es nicht aufgegeben, das mal probieren zu wollen …

    Ich freue mich, dass Du puzzlest, liebe Mia. All das Positive, was in dieser Beschäftigung steckt, vermagst Du ihr abzugewinnen. – Deine Zeilen sind unzweifelhafter Beleg dafür.

    Puzzle also ruhig immer weiter –

    In diesem Sinne und schon mal vorab für mein heute mit so wundervollem Inhalt gefülltes Postfach dankend, lasse ich Dir nur liebste Grüße hier, für Dich! ❤

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    1. Lieber sternfluesterer,
      all deine Beispiele schließe ich ebenfalls in ein paar schöne Tätigkeiten ein, die den Kopf mal abschalten lassen. Freut mich sehr, dass auch du ein paar kleine Hobbies hast, an denen du dich gelegentlich erfreuen kannst! Soduko löst bei mir allerdings leichte Minderwertigkeitskomplexe aus, weil ich so unfassbar schlecht darin bin, dass es schon fast lächerlich ist und ich meine Intelligenz hinterfrage 😀

      Tatsächlich habe ich von meiner Schwester an meinem letzten Geburtstag (schon fast ein Jahr her) ein Kalligraphie Set bekommen und aus Zeitgründen leider nie angefangen. Aber auch das steht auf meiner To-do Liste!

      Hab ein schönes und hoffentlich erholsames Wochenende! ❤️

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      1. Also weltmeisterlich sind meine Sudokuleistungen nun auch gerade nicht. Bei mir gibt es da auch eindeutig eine leistungsgrenze, die nicht im höchsten Bereich liegt. Aber hin und wieder mal am gerade noch machbaren Level zu kratzen , ist schon ganz reizvoll. Ich löse aber oft auch eher leichte, einfach um eben ein bisschen abschalten zu können.

        Du hast also auch ein Kalligraphieset, das finde ich ja mal wieder allerliebst …

        Ich wünsche Dir auch ein erholsames Wochenende, komm‘ vor allem ganz schnelkl wieder zu richtig Kräften.

        Liebste Grüße noch einmal. Wahrscheinlich bekomme ich wieder nur ein schwarzes Herzchen hin … Vor ein paar Wochen wurden auch meine immer rot, aber nun??? – Ich schicke Dir trotzdem eins! 🙂

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  4. Puzzlen ist nur schön. Ich habe dazu auch einen kleinen Beitrag verfasst. Ist allerdings schon ein paar Jahre her. Leider mußten wir im Sommer umziehen und nun in der kleineren neuen Wohnung habe ich schlichtweg nicht den Platz zum Puzzlen. Mache gern 2000 – 2500er. Und dafür braucht man wirklich Platz. – Und gute Lichtverhältnisse.
    Hier der Link zu meinem Text. 😉
    https://wordpress.com/view/geruede.wordpress.com

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  5. Jetzt wo du es sagst … Puzzel habe ich früher auch gerne zusammengesetzt. Heute wäre das rein platztechnisch leider nicht so das Ideale, aber die Idee hört sich gut an und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie gut man dabei auch abschalten kann. Danke für die Anregung!

    Viel Spaß und viel Erfolg beim Puzzeln! 🙂

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