„Sei keine anstrengende Freundin für ihn!“ – 5 elterliche Ratschläge, die uns nach wie vor in eine klassische Rollenverteilung drängen

Wir alle sind Menschen.  Aber wer wir sein wollen, wie wir sein wollen, was wir tragen wollen, wen wir lieben wollen, ist meiner Meinung nach uns überlassen. Ich definiere nicht nach Geschlecht oder sonstigen Kriterien. Und doch wurde ich durch und durch als Frau erzogen und werde immer wieder mit elterlichen Ratschlägen konfrontiert, die mich nach wie vor in eine Klassische Rollenverteilung drängen wollen.

Ich möchte 5 von ihnen mit euch teilen, die Absurdität ihrer Bedeutung aufzeigen und ein für alle Mal klarstellen, das jegliche Rollenverteilungen unterdrückend und frauen/männerverachtend sind.

1. Sei keine anstrengende Freundin. Sonst ist dein Freund irgendwann weg.

Meine Eltern (die beide mindestens ein Mal geschieden sind) nehmen sich oft das Recht mir zu sagen, wie ich mich in meiner Beziehung zu verhalten habe…Ruhig bleiben, nicht streiten, meinen Willen durchsetzen, meinen Willen nicht durchsetzen. Und neulich beim Vatertag wurde mir gesagt, dass ich zu „bossy“ sei – so wie meine Mutter früher. Wenn ich das nicht ändern würde, wäre mein Freund früher oder später weg, weil „Männer keine anstrengenden Frauen mögen.“

Soll das heißen, dass ich mich in meiner bisher stabilen glücklichen und gesunden Beziehung ändern soll, um weiterhin dem Mann zu gefallen? Geht es hier nur um ihn? Ähm, gehts noch?

2. Du solltest dich als Frau immer pflegen.

Es fängt schon dabei an, wenn ich trockene Hände habe. „Creme sie ein, als Frau solltest du dich immer pflegen!“ Natürlich pflege ich mich, ich bin ja kein Höhlenmensch! Aber meine Haut ist nunmal trocken, da hilft manchmal auch keine Creme. Der Verweis auf mein Geschlecht impliziert, dass Frauen gepflegter auftreten sollen. Warum? Weil sie Frauen sind? Und Männer sich ruhig dreckig machen können?

3. Zieh dich nicht so an. Es sind auch Männer da.

Ich, die aus einem konservativen Haushalt stammt, habe schon oft auf kurze Kleidung verzichten müssen, weil es zu reizvoll für den Mann ist. Aber was unterstellen wir den Männern? Dass sie wilde Tiere sind, die sich nicht beherrschen können?

Klar, andere Länder, andere Sitten, aber für mich ist es alles andere als fortschrittlich, mich vor einem Mann bedecken zu müssen, weil ich dadurch an Seriösität verliere und gleichfalls als Sexobjekt dargestellt werde. Nein! Auf keinen Fall. Ich kann mich so kurz, so freizügig, so luftig leicht kleiden, wie ich will, denn es ist mein Körper, den ich (nicht) kleide.

4. Ruf deinen Freund an, der kann das sicher reparieren.

Nein, das kann er nicht! Nur weil er ein Mann ist, heißt das nicht, dass er handwerklich begabt sein muss. Einige Dinge kann ich auch ganz allein zusammenbauen und einige Dinge kann keiner von uns reparieren. Es hat nichts mit unserem Geschlecht zu tun, höchstens mit unserer Erziehung und vielleicht auch der Generation. Und doch sind sie keine Kriterien für individuelle motorische Fähigkeiten!

5. Was?! Er hat dich nicht eingeladen?

Kommen wir zum Klassiker, den ich immer wieder hören muss. Mein Freund und ich laden uns fast nie zum Essen ein. Jede/r verdient Geld und jede/r kann für sich selbst zahlen. Manchmal wollen wir dem anderen eine Freunde machen – dann zahlt er oder ich. Aber nicht immer.

Meine Eltern hingegen finden das mehr als nur unromantisch und vor allem nicht „richtig.“ Der Mann soll halt zahlen. Aber ist das nicht die reinste  Unverschwämtheit vom Mann zu erwarten, dass er immer und alles zahlen muss? Als Männer die Verdiener des Hauses waren, weil Frauen nicht arbeiten durften, war das was anderes – aber jetzt?

Im Übrigen werde ich dafür nicht nur von meinen Eltern kritisiert, sondern auch von Freunden, die es auch als Pflicht ansehen, dass der Mann zahlen muss!

Beim Schreiben dieses Beitrags ist mir klargeworden, in was für eine klassische Rollenverteilung ich nach wie vor gedrängt werde.

Damit will ich die Erziehung meiner Eltern nicht grundsätzlich kritisieren, aber dennoch anmerken, dass Rollenbilder ausgerechnet in heutigen Zeiten absolut nicht okay sind! Ich habe schon oft versucht mit ihnen darüber zu reden, aber mir scheint, als stecken sie in einem altertümlichen Denken, aus dem sie nicht raus WOLLEN.

Vermutlich werden meine Eltern für immer den Drang haben mich weiterhin erziehen zu wollen. Ich finde es nur wichtig sie immer zu hinterfragen und für uns selbst zu entscheiden, was wir annehmen wollen und was nicht. In meinem Fall heißt es:

Nein, verändere meinen Charakter nicht für einen Mann!

Nein, ich pflege mich nicht nur, weil ich eine Frau bin.

Nein, ich ziehe mich an, wie ich will.

Nein, ich rufe nicht meinen Freund an, wenn ich eine Glühbirne wechseln will.

Nein, ich muss nicht eingeladen werden!

Was ist eure Meinung dazu? Habt ihr Erfahrung mit der Erziehung von klassischen Rollenverteilungen? Mich würde vor allem interessieren, wie die Männer das empfinden!

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29 Kommentare zu „„Sei keine anstrengende Freundin für ihn!“ – 5 elterliche Ratschläge, die uns nach wie vor in eine klassische Rollenverteilung drängen

  1. Uff, genauso habe ich das auch „gelernt“ und auch verinnerlicht… vor allem, dass eine Frau auf keinen Fall zunehmen darf und sich immer für den Mann hübsch machen soll. Der Gipfel war allerdings, als ich meiner Mutter erzählte, dass mein Freund mir eine Ohrfeige gegeben hatte: „Du hast ihn wahrscheinlich provoziert, also bist du selbst schuld! Darfst halt nicht immer deine Klappe so groß aufreißen.“ Was soll man dazu noch sagen…..

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  2. Das sind aber wirklich schwierige Punkte, die du da aufzählst. Insbesondere der, dass du nicht schwierig sein sollst. Den finde ich wirklich erschreckend.

    Ich wurde kleidungsmäßig anders geprägt. Eher im Sinne von „Zieh doch mal ein Kleid an, du bist eine Frau!“ Weil ich hauptsächlich Jeans und co trage. Mittlerweile ändert sich das. Aber aus meinem(!) freien Willen heraus. Gleichzeitig dann aber auch ähnlich wie bei dir, die Aussagen, dass man sich doch mehr verdecken müsse, weil sonst die Männer starren würden.
    Halleluja.

    Klassisch sind bei mir auch die vermeintlichen handwerklichen Fähigkeiten des Mannes. Als eine Birne am Auto gewechselt werden musste, wurde mir nicht zugetraut das selbst zu können 🙄 Genau wie der Aufbau von Regalen, Betten oder sonstwas. Dafür braucht man ja angeblich immer einen Mann.
    Nein! Man braucht eben jemand, der sich damit auskennt. Egal welchen Geschlechts!

    Ich denke, dass wir das klare Rollenverständnis bzw. die Geschlechteridentifikatkion unserer Eltern nicht mehr ändern können. Und bin sehr froh, dass wir eben diese Möglichkeit haben uns bewusst davon zu lösen und dies in die Welt hinaus zu tragen!

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  3. Ich bin Dir sehr dankbar für diesen Eintrag und noch mehr für Deine Frage nach den Männern.

    Ich sage es ganz offen: Ich leide unsagbar unter diesen tradierten Roillenzuschreibungen. Wenn man kein „klassischer Mann“ ist, ist es nicht einfach durchs Leben zu kommen.

    Ich möchte nicht bemitleidet werden, aber es ist schon eine enorme Herausforderung, mehr oder weniger beständig mit bestimmten „Einordnungen“ konfrontiert zu sein und damit leben zu müssen.

    Wie oft galt und gelte ich eher als „Weichei“ und „Frauenversteher“, wie oft spüre ich die selbstverständlicher Erwartung, wenn ich höre: „Ach das machen sie schon, so ein kräftiger junger Mann!“ – Ich bin beileibe nicht (mehr) jung habe alles andere als eine kräftige Statur und möchte zur „Verteidigung“ meiner kaputten Wirbelsäule kein Schild vor mir hertragen müssen. Handwerklich bin ich die allergrößte Niete ever, aber das will niemand hören und auch nahezu keiner verstehen. Ich bin Schreiber und kein Schrauber.

    Mir treten bei den vermeintlich kleinsten und „unbedeutendsten“ Anblässen und Begebenheiten die Tränen in die Augen. Ich mag keine Baller-, Action-, oder Horrorfilnme, ich habe mit Autos überhaupt nichts am Hut (Kann nicht mal eins fahren), kann mit coolen und markigen Sprüchen nichts anfangen und bin allermeistens überhaupt nicht mutig sondern ängstlich.

    Ich bin viel in Gedanken und oft auch in Tagträumen unterwegs, ich habe es gern ruhig, mir liegt nichts an Vorrang oder gar Macht, fühle mich in reinen Männerrunden noch unwohler als in anderen größeren Menschenkonstellationen.

    Ich war nie auf „Beute- (Mädchen- oder Frauen-)jagd, weiß nichts von One-Night-Stands und stelle mich regelmäßig hinten an, statt lautstark „hier“ zu schreien.

    Ich bin kein „Ernährer“ meiner Familie, mein Lohn ist bei uns der geringere. Ich habe mich als Kind fast nie gerauft, war nie in einer Jungs- oder Männerclique, habe kein Haus gebaut und mit Mühe nur einen Sohn gezeugt.

    Ich könnte noch unendlich so weiter schreiben, was für ein „Mann“ ich bin.

    Ich möchte es aber nicht JEDEM erzählen müssen, um angenommen zu werden, so wie ich bin, ohne die klassischen Erwartungen. Ich bin kein Klischee. Ich bin ich. So seltsam, so abweichend, so eigen, wie ich nun einmal bin.

    Niemand muss mich mögen.

    Ich wünsche nur, der sein zu dürfen, der ich bin.

    Meistens bleibt das ein Wunsch …

    Mein Wunsch ist nicht nur ein Wunsch für mich. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch, ganz ohne die Betonung seines Geschlechts, der oder die sein darf und kann, die er/sie sein möchte.

    Frauen/Mädchen mag/mochte ich schon immer, weil sie Frauen/Mädchen sind. Sie verkörpern in der Art ihres Empfindens, ihrer Emparthie, der Äußerung von Charakterlichem, generell etwas, was mir eher nahe steht.

    Das allein ist, was für mich zählt. Frauen/Mädchen, die so sind, erwarten nicht, dass ich immer zahle, ebensowenig wie ich erwarte, dass sie möglichst „perfekt“ und „makellos“ ausschauen. Die Schönheit und Größe ihres Charakters bemisst sich nicht an ihrer Rocklänge.

    Bleib‘ ganz wie Du bist, liebe Mia! Sei die, die Du sein möchtest!

    Genauso bist Du gut, bist Du liebenswert, bist Du und bleibst Du eine unabhängige Persönlichkeit. DAS ist wichtig! Und es gibt Menschen und wird immer Menschen geben, die Dich genaus DESHALB besonders schätzen und mögen.

    Viele, liebe und ermutigen wollende Grüße an Dich! ❤

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    1. Danke für deine ehrlichen Worte, lieber sternfluesterer. Wer sagt überhaupt, wer typisch Mann und Frau ist? Und wer schreibt uns vor, wie wir uns überhaupt definieren wollen? In das Geschlecht, in das wir hineingebroren sind und nun genau so sein müssen, wie es im Buch steht? Bei diesem Gedanken erinnere ich mich immer wieder daran, wie wenig frei wir sind und was unser „freier“ Wille eigentlich bedeutet. Deine genannten Beispiele tun mir sehr weh zu lesen. Als Mann wird man auf andere Weise, aber ebenso diskriminiert. Das ist unfair und vor allem lächerlich. Ich hoffe, dass du inzwischen ein bisschen drüberstehen kannst. Du bist wie du bist und das ist völlig in Ordnung. Wir alle haben unsere Stärken und unsere Schwächen.

      Liebe Grüße! ❤

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  4. Was deine Eltern als Ratschläge kaschieren sind keine. Es ist Einmischung in dein Leben und es sind ihre Ansichten. Nicht deine und auch nicht meine. Sie sind genau die Menschen mit denen wir Frauen im 21. Jahrhundert immer noch zu kämpfen haben. Ich diskutiere mit solchen Menschen nicht mehr, schalte ab und auf „Durchzug“, gehe nicht drauf ein. Ärgere mich mittlerweile auch nicht mehr. Punkt. Ist mir zu blöd. Ohne „Diskussion“ oder Gegenrede hören sie irgendwann auf damit, ihren Stuss andern aufzuzwingen. Auch Eltern müssen einsehen, dass sie nicht ein Leben lang an einem herumziehen können bis wir in ihr Weltbild passen.

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  5. Oh ja, das sind ja Paradebeispiele für festgefahrene Rollenbilder! Ich bin wirklich – und ich finde es verdammt schade, dass es so ist – der Meinung, dass sich Menschen ab einem gewissen Alter nicht mehr ändern bzw. es ihnen schwer fällt, sich noch zu ändern. Das wird mir wahrscheinlich dann auch so gehen, dass ich ab etwa 50, 60 Jahren einfach meine Weltanschauung nicht mehr verändern möchte – wie gesagt, total schade! Ich denke aber dennoch, dass etwas zu akzeptieren leichter ist als seine Ansicht zu ändern. Deswegen wäre es natürlich schön, wenn sich deine Eltern bemühen würden und versuchen würden, deine Ansichten zu verstehen.

    Bei Punkt 4 ist mir noch etwas eingefallen: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch Männer selbst dieses Rollenbild gerne leben. Oft sind sie der „Retter“ und „Helfer“, wollen sich gebraucht fühlen. Ich muss zugeben, dass ich meinen Exfreund sogar öfters etwas reparieren lassen hab, einfach, damit er sich gut fühlt… 😀 Auch wenn ich es selber gekonnt/geschafft hätte. Aber als er mir seine Hilfe anbot, wollte ich auch nicht Nein sagen. Einerseits war er so zufrieden, andererseits finde ich es auch doof, dass ich so gehandelt habe, weil ich dadurch das stereotypische Rollenbild (der helfende Mann und die hilflose Frau) verstärkt habe. Nun gut, man lernt nie aus – beim nächsten Freund mach ich’s dann anders. 😀 😀 Liebe Grüße! 🙂

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    1. Ich glaube tatsächlich auch, dass Menschen sich irgendwann nicht mehr ändern, aber nicht weil sie nicht können, sondern weil sie nicht wollen. Ich habe den Eindruck, dass eine Art „Paradigmenwechsel“ zu viel für sie erscheint und einen Prozess der Umgewöhnung erfordert. Das ist natürlich ärgerlich, weil wir, die jüngere Generationen diese „alten“ Werte weitergegeben bekommen und nur dann entkommen, wenn wir selbst reflektieren.

      Zu deinem Punkt 4 kann ich nur sagen: toxische Männlichkeit!! 😀 Männer, die in diesen starken Rollenbildern stecken und sich bemühen „tyisch Mann “ zu sein, können nur schwer damit umgehen, wenn Frau keinen Retter braucht, oder vielleicht sogar besser in etwas vermeintlich „männlichem“ ist. Ich zähle dazu fast jede meiner männlichen Bekanntschaften, was unheimlich schade ist!!

      Danke für deinen Kommentar! Liebe Grüße!

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      1. Ich hoffe, es liegt daran, dass sie es nicht mehr wollen! Und nicht daran, dass sie es nicht mehr können. Das gibt mir Hoffnung für mein Leben in 20, 30 Jahren. 😀

        Geht mir auch so, so gut wie jeder männliche Bekannte von mir ist auch so. Schade!

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  6. Wow, war das erste, was mir zum Text eingefallen ist (also im Sinne von harter Tobak). Ich „bewundere“ dich, dass du darüber noch recht sachlich schreibst. Zum Glück kenne ich das in dieser Form eigentlich nicht. Ich habe zwei Schwestern und mein Vater hat ihnen eher gesagt, verteidigt euch und sagt, dass ihr da seid. Ich „musste“ eigentlich auch die gleichen Arbeiten zuhause machen wie meine Schwestern auch und meine Schwestern gingen auch mit meinem Vater auf den Bau zum etwas verdienen. Wenn ich so Sprüche zuhause gesagt hätte, dann hätte ich wahrscheinlich gleich eine Ohrfeige gekriegt. Vielleicht werden deine Eltern es ja auch noch einsehen, dass ihre Sicht nicht nur aus heutiger Sicht, sondern eigentlich noch nie angebracht und hilfreich war/ist. Mal abgesehen davon, dass ich finde, die Eltern sollten ihren Kindern eigentlich nicht „reinreden“ wollen.

    Liebe Grüsse

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    1. Wie toll, dass du völlig andere Rollenbilder kennengelernt hast und du und deine Geschwister unabhängig von irgendwelchen Geschlechterrollen gleich behandelt wurdet!

      Ich hoffe auch, dass meine Eltern in Zukunft mehr Einsicht zeigen werden!

      Liebe Grüße!

      Liken

  7. Festgefahrene Rollenbilder… Eines meiner Lieblings-Diskussions-Themen 😉

    Die Beispiele, die du bringst, sind wirklich sehr erschreckende und gute Beispiele für das, was an den klassischen Rollenbildern für (alle) Menschen so toxisch ist.
    Und das Schlimmste daran ist: deine Eltern meinen es ja ehrlich gut, wenn sie diese Dinge sagen. Sie sind davon überzeugt, dass das so richtig ist und dass es dir gut tun würde, wenn du diese „Ratschläge“ befolgen würdest… Über die Implikationen dahinter denken sie nicht nach. Aber das kann man auch nicht wirklich von ihnen verlangen, da sie zu viele ihrer eigenen Entscheidungen hinterfragen müssten und sie mit den Folgen davon vermutlich nur schlecht zurecht kämen. Das ist zumindest meine Theorie, weshalb sich das Weltbild von Menschen ab einem gewissen Alter nicht mehr groß ändert.

    Meine Eltern sind ja die klassische 68er-Generation. Die haben mir zwar eine klassische Rollenverteilung vorgelebt, aber sie lassen mich größtenteils meine Entscheidungen treffen und unterstützen mich darin.
    Sie haben auch aktiv versucht, ihre Kinder darin zu bestärken, sich unabhängig von Rollenbildern zu entwickeln. Leider hat das besonders bei meiner Schwester genau ins Gegenteil umgeschwappt. Ihr war es immer noch wichtiger als mir, wie andere Menschen sie wahrnehmen und so hat eine Betonung davon, wie toll meine Eltern es z.B. fanden, dass sie im Erstkommunions-Kleid Fußball gespielt hat und so gar nicht „klassisch Mädchen“ war eher zu einer Ablehnung dieser Dinge geführt. Es hat ihr gezeigt, dass sie da unangepasst und „anders“ ist – was für meine Schwester immer negativ war… Und so darf ich mir heute von ihr ähnliche Ratschläge anhören, wie du sie von deinen Eltern hörst: Ratschläge darüber, was sie glaubt, dass Männer mögen und wie ich mich zu verhalten habe, damit sie sich „stark und männlich“ fühlen könnten.

    Und ist ja nicht nur die eigene Familie, die einen da beeinflusst. Man kann sich noch so sehr dagegen wehren, aber man bekommt einfach von so vielen Seiten mit, was von einem Erwartet wird, wenn man als „funktionables Mitglied der Gesellschaft“ gesehen werden möchte – auch wenn es doch eigentlich niemanden etwas angeht, wer denn jetzt die Wäsche wäscht und wer die neue Lampe aufhängt. Sich von diesen Bildern dann frei zu machen und wirklich zu leben, was einem selbst gut tut, ist an sich schon schwierig. Wenn dann noch ein Partner dazu kommt, der selber auch in manche dieser Fallen tappt und sich aber schon für sehr emanzipiert hält und Kritik als Affront sieht, macht es das noch schwerer….

    Ach, ich könnte noch stundenlang weiter schreiben, aber es artet so auch schon genug aus 😉

    Alles Liebe ❤

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    1. Hach, ich liebe deine Kommentare! Dann lehne ich mich immer zurück, scrolle runter und nicke dreißig Sekunden lang ununterbrochen 😂

      Bei dir finde ich besonders spannend, dass deine Eltern den Versuch gewagt haben dir und deiner einen freien Willen zu geben und Rollenbilder nicht zu präferieren, es bei deiner Schwester allerdings trotzdem nichts gebracht hat! Das zeigt, dass Erziehung auch nicht alles ist und wir in diesem Weltbild stecken, dass sich nur langsam ändert…

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar ❤️

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      1. Da musste ich jetzt herzhaft lachen 😁
        Es freut mich, dass meine ausartenden Kommentare dich erfreuen 😊

        Ich bin auch der Meinung, dass Erziehung eben nur einen Teil ausmacht. Einen wichtigen Teil, an dem wir uns vielfach orientieren. Aber wir haben mit so viel mehr Menschen zu tun, die und prägen und die entweder die Dinge, die unsere Eltern uns beibringen, weiter vertiefen, oder die uns Alternativen aufzeigen. Wie wir mit diesen Alternativen dann umgehen, ist immer noch unsere eigene Entscheidung.

        🙂

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  8. Ich überlege gerade, mit welchen Ratschlägen meine Eltern mich versehe haben 😅 Die, die ich hilfreich fand, lasse ich mal außem vor und gebe nur die negativen „Highlights“ wieder:

    „Wenn dein Mann den ganzen Tag hart körperlich arbeitet, ist doch klar, dass er keine Lust mehr hat, dem Haushalt zu machen.“

    -> Dass er nach der Arbeit nicht den ganzen Haushalt machen mag, ist mir klar und völlig nachvollziehbar für mich. Aber gar nicht bei der Hausarrbeit helfen finde ich nicht okay. Schließliche ist ein Vollzeitstudium auch Arbeit und nebenher hatte ich noch meinen Studentenjob und Therapie …)

    „Es wird keiner (Anmerkung: potentieller Freund/Partner) zu dir ins Wohnzimmer flattern.“

    -> Lieblingsspruch meiner Mutter, als ich noch zuhause gewohnt habe und Single war. Ich war immer sehr introvertiert und sie meinte, ich müsse mehr rausgehen, um jemanden kennenzulernen. Aber es hat nachher auch so geklappt😂😎 Disko war für mich halt anders als damals für meine Eltern nie ein Ort, an dem ich gern Zeit verbracht habe).

    „Jungs wollen Frauen immer gleich an die Wäsche, pass auf.“

    -> Einige bestimmt, aber sicher nicht alle, das klang bei meinem Vater immer so, als seien alle Männer triebgesteuerte Wesen🙄

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    1. Hach ja, die vermeintlich gut gemeinten Ratschläge 😅 das absurde ist, dass ich die deine Eltern sogar irgendwie nachvollziehen kann. Sie meinen es nur gut, auch wenn slide Ratschläge in mancher Hinsicht unreflektiert sind! Aber schön, dass du deinen eigenen Willen durchsetzen konntest! 🙂

      Liebe Grüße!

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  9. Diese fünf Punkte, die Du da aufzählst….. Sorry, sowas gibt es noch? Ich liege hier fast am Boden vor Lachen, daß das jemand sagen soll….
    Ehrlich – da würde ich an Deiner Stelle nur die Augen verdrehen. Sich drüber aufzuregen, ist es nicht wert. Liebe Grüße!

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    1. 😂 ja die gibt es noch! Es ist traurig, lustig, aber wahr. Augenvenverdrehen ist definitiv angemessen, aber Erziehung prägt einen gewaltig! Viele meiner Freunde sind nach wie vor in diesen Strukturen gefangen, ohne sie zu hinterfragen!

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