„Wie geht es dir?“ – Wollen wir die Antwort wirklich wissen?

„Wie geht es dir?“ – eine einfache Frage aus Höflichkeit und inzwischen auch eine gängige Form für Smalltalk. So beginnen wir ein Gespräch. Wie fragen einander wie es uns geht und antworten mit „gut“.

Aber was, wenn wir mit „nicht gut“ antworten?

Denn genau das habe ich getan. Ich habe neulich einen entfernten Bekannten in der U-Bahn getroffen und eine Station lang mit ihm geplaudert. Er hat mich gefragt, wie es mir geht und zu meinem Erstaunen habe ich ehrlich geantwortet.

„Naja, ganz okay soweit, aber ich bin ständig müde, weil ich momentan krasse Schlafprobleme habe.“

Und wisst ihr was er gesagt hat?

Gar nichts!

Nichts. Er ist nicht darauf eingegangen und hat das Them gewechselt. In seinem Blick habe ich deutlich sehen könne, dass er nicht damit umgehen konnte, dass ich so ehrlich war. Er wollte einfach nur Smalltalk machen, die standartisierten Fragen abklappern und dann wieder gehen.

Er wollte nicht wissen, wie es mir geht.

Aber warum fragen wir dann überhaupt?

Wenn es niemanden interessiert, wie es uns geht, warum machen wir uns dann die Mühe nachzufragen? Und damit schließe ich mich überhaupt nicht aus. Auch ich bin viel zu oft „unehrlich“ und sehe keinen Grund darin, einer entfernten Person meine „Probleme“ anzuvertrauen. Aber vielleicht ist auch das der Grund. Niemand redet über „ernste“ Dinge und deshalb tue ich es auch nicht.

Wie wäre die Welt, wenn wir einfach ehrlich zueinander wären?

Dann würden vermutlich die wenigsten von uns mit „gut“ antworten. Dann würde das Gespräch in eine andere Richtung lenken – tiefer gehen, emotionaler sein, echter. Eine schöne Vorstellung, wie ich finde.

Ich bin dankbar für jedes ehrliche Zuhören!

Wenn Momente wie diese passieren, enden sie meist damit, dass ich meine Freundschaften umsomehr schätze. Ich bin unendlich dankbar, dass es zwei, drei Menschen gibt, die mir auch zuhören, wenn ich ihnen sage, dass es mir schlecht geht und sie damit umgehen können. Gleichfalls „freut“ es mich immer sehr, wenn auch meine FreundInnen sich mich anvertrauen WOLLEN und auch können.

Fragt nicht nur aus Höflichkeit! Antwortet nicht nur aus Höflichkeit!

Denn wann immer es passiert, entstehen tolle und aufbauende Gespräche. Denn viele Sorgen kennen wir selbst- Arbeitsstress, Geldprobleme, Familiendramen, Beziehungskrisen,…Wir kennen sie und wir können darüber reden!

Was ist eure Meinung dazu? Und Hand aufs Herz: Was sagt ihr für gewöhnlich zur Frage: „Wie gehts?“

 

 

 

 

18 Kommentare zu „„Wie geht es dir?“ – Wollen wir die Antwort wirklich wissen?

  1. Liebe Mia,

    es gibt eine Menge, wie ich auf die Frage antworte. Von „Prima“ bis „Man schlägt sich durch“ und alles, was dazwischenliegt ist drin. Wenn der Gesprächspartner dann weiter fragt, dann bekommt er auch mehr. Ansonsten weiß ich, dass die Frage einfach nur eine Floskel war, was es ja tatsächlich meistens auch ist.

    Es gibt Länder, wo „Wie geht es Dir?“ als „Hallo“ bzw. „Guten Tag“ gilt. So nehme ich dies auch wahr und wer nachfragt, bekommt dann auch detailliertere Antwort.

    Herzliche Grüße
    Serap

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    1. Danke für deinen interessanten Kommentar, liebe Serap! Ich mag deinen Ansatz, dass du zunächst in Floskeln antwortest und bei Nachfrage detaillierter wirst! Somit filtert man automatisch oberflächliche Gespräche aus!

      Liebe Grüße!

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  2. Ist doch genauso wie mit „Man sieht sich“, wo die meisten meinen „nie wieder“ oder „hoffentlich nicht“.
    Das „Wie geht es“ versuche ich meistens zu übergehen. Wenn das nicht geht, kommt es drauf an, wer fragt. Und es gibt genügend Leute, die es nichts angeht, wie es mir wirklich geht.

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  3. Hey Mia, ich kann dich gut verstehen…mich hat diese Frage auch über die Jahre immer wütender gemacht. Obwohl ich auch sagen muss, dass ich in den letzten 3 Jahren wirklich viele Menschen kennengelernt habe, die diese Frage nicht nur als Smalltalk-Einstieg stellen.
    Wie ich auf die Frage reagiere, hängt immer davon ab, wer gerade vor mir sitzt und wie eng unsere Beziehung ist. Wenn es eine entferntere Person ist, die ich mit einer ehrlichen Antwort überfordern würde oder ich gerade nicht darüber reden möchte, wie es mir geht, dann hab ich mir mittlerweile ein paar Sätze zurecht gelegt. Meistens sag ich „Immer so gut, wie es geht!“ oder „Ich arbeite dran!“ oder „Ich bin auf dem richtigen Weg!“. Damit muss ich nicht lügen, aber es sind trotzdem positiv formulierte Sätze, die den anderen nicht überfordern und ihm aber trotzdem die Chance geben, zu ahnen, dass nicht alles ok ist und eventuell weiter nachzufragen, wenn es ihn wirklich interessiert. Ich hab auch festgestellt, dass es manchmal gar nicht so hilfreich ist, jedem zu erzählen, wie schelcht es einem gerade geht, denn mit jedem Mal, das ich es ausspreche, ich es ja auch selbst nochmal verinnerliche. Worte haben Kraft. Also versuche ich die Menschen bewusst auszuwählen, vor denen ich mich öffne und wo ich auch Vertrauen hab, dass sie mir helfen und mir Mut machen können. Denn wenn der andere sich dann mit mir zusammen in meine Not reinsteigert, ist am Ende ja auch keinem geholfen und wir fühlen uns beide schlecht.
    Insgesamt übe ich, meine Wut über die Oerflächlichkeit dieser Frage langsam loszulassen und die Nicht-Reaktion des Anderen nicht als Bewertung meiner Person zu sehen, sondern als Ausdruck der Überforderung meines Gegenübers. Jemand, der noch nie die Tiefen des Lebens gespührt hat, hat einfach keine Vorstellung davon, wie man sich fühlen kann und was man dann braucht. Und nicht jeder ist überhaupt bereit, sich mit der Tatsache zu konfrontieren, dass es Menschen gibt, denen es schlecht geht und die keine heile Welt erleben. Aber letztendlich sagt es mehr über sie aus als über mich und wenn sie irgendwann bereit sind, dann bin ich es auch.
    Liebe Grüße!

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    1. Danke für deinen ausfühlrichen Kommentar und das Teilen deiner Gedanken!! Deine Einstellung, die Wut alömählich loszulassen, finde ich sehr gut. Rational bringt es einem ja auch nichts, sich unnötig darüber zu ärgern. Trotzdem verstehe ich deinen anfänglichen Frust, weil ich diesen ebenfalls mit mir trage.

      Liebe Grüße!

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  4. Ja das ist eine Frage,die mich mega nervt….also wenn sie von Menschen kommt, die dich sonst nie ansehen und nur weil sie an der Kasse hinter einem stehen sich genötigt sehen zu fragen…
    Als mich das letzte mal so jemand fragte…wie geht’s denn?… kam vom ihm auch gleich meine Antwort dazu….ach sieht man ja,dir geht’s doch gut!…..
    Aha…womit für ihn sich alles erledigt hat. Ich fragte dann zurück, willst du das wirklich wissen wie es mir geht oder führst du den Rest der Unterhaltung auch alleine?
    Scheinbar wollte er es nicht wissen, denn es kam kein Wort mehr.
    Ich halte es so, das ich nur Menschen frage wie es ihnen geht,wenn sie mich auch interessieren, weil dann will ich es auch wirklich wissen.und das wünschte ich mir auch von anderen….
    Denn sonst lautet die Antwort immer….gut…ich komm klar oder alles bestens…..und ich belügt mich dann jedesmal selbst.

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    1. Ich verstehe deinen Frust dazu sehr gut! Es ist wohl eine gute Lösung, die Frage erst dann zu stellen, wenn sie einen selbst wirklich interessiert und auch nur dann eine Antwort zu geben, wenn man einen ehrlichen Zuhörer hat!

      Liebe Grüße!

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  5. Ich bin bereits aufgrund meines Aspergers schon grundsätzlich nicht sehr Smalltalk-fähig. Hm, ich antworte wohl meistens, wenn es mir nicht so gut geht mit „nicht schlecht“. Ich kenne schon auch einige Leute, wo ich ehrlich sein kann und es dann auch bin. Ich versuche es umgekehrt auch. Ich frage mich gerade, warum Menschen teilweise nicht umgehen können/wollen (?) mit Ehrlichkeit. Wahrscheinlich die meisten kennen selber sicher auch schwierige Zeiten/Zustände und könnten das ja eigentlich nachvollziehen beim Anderen.

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    1. Sehr interessant!! „Nicht schlecht“ finde ich tatsächlich besser als „gut“, obwohl es keinen großen Unterschied macht! Und warum Menschen Ehrlichkeit schnell zu viel wird, verstehe ich leider auch nicht so ganz :/

      Liebe Grüße!

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  6. Ich frage auch nur Leute, die mich interessieren, wie es ihnen geht! Meine Erfahrung ist auch, dass die meisten Frager gar nicht an einer ehrlichen Antwort interessiert sind, ist halt einfach nur eine Floskel, die so hingeworfen wird. Das ist in anderen Ländern auch nicht anders habe ich gemerkt, die Mehrheit sagt das halt so hin, weil „man das halt so macht“. Schade eigentlich -_-

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  7. Meine Standardantworten auf die Standardfrage sind „ach joa“ und „passt schon“.
    Wenn ich merke, dass es jemanden wirklich interessiert (wie bei meinen Freunden), dann antworte ich ehrlicher.

    Man merkt ja auch, wie auf die eigene Antwort bei der Standardfrage reagiert wird: gar nicht.
    Da ist deine Situation das perfekte Beispiel für.

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    1. Da hast du völlig recht. Oftmals fällt eine Reaktion völlig aus und es bleibt bei der Oberflächlichkeit. Trotzdem ist es schon komisch, dass man meist erst bei guten FreundInnen oder konkreter Nachfrage ehrlich wird! Man sollte meinen, dass man immer ehrlich sein könnte…

      Liebe Grüße!

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  8. Mir ist die Frage „Wie geht’s“ grundsätzlich unangenehm. Das ist noch starler der Fall seitdem ich krank geworden bin und seither eben doch viele Tage und Etappen da sind, wo ich, wenn ich ehrlich bin, nicht mit dem generell erwarteten „Gut“ antworten kann und mag. –

    Wie ich dann tatsächlich reagiere, hängt schon ziemlich von der Person ab, die mir gegenübersteht. Kenne ich sie gar nicht, weiche ich aus (was gar nicht so leicht ist, denn sage ich zum Beispiel „Geht so“, dann folgen durchaus tiefer gehende Fragen, die ich einer Person, die ich nicht besser kenne, meist nicht beantworten kann und will) – Kenne ich sie besser, lasse ich einen Einblick in mein wirkliches Befinden zu, bei Menschen, denen ich glaube wirklich vertrauen zu können, sage ich die Wahrheit.

    Ansonsten traue ich mich seit einiger Zeit auch immer mal wieder zu sagen, dass ich nichts weiter zu meinem wirklichen Befinden sagen möchte und bitte darum, das zu verstehen und zu akzeptieren. Die Reaktionen darauf sind freilich durchaus unterschiedlich …

    Was ich wiederum nicht verstehe, denn wenn mir jemand so antworten würde, würde ich das einfach respektieren, weil der betreffende Mensch, davon würde ich ausgehen, einfach Gründe hat, darüber nicht weiter sprechen zu wollen.

    Ich habe mir sogar, meist allerdings hinter versteckter Hand geäußerte Sprüche, wie : „Na der ist ja komisch drauf“, oder „Den spricht man besser gar nicht erst an.“ anhören müssen.

    Aber damit lebe ich inzwischen -. mag mich mancher Zeitgenosse deswegen auch für arrogant oder eigen halten.

    Meinerseits versuche ich es zu vermeiden, das „Wie geht’s“ an Stelle eines „Guten Morgen“, eines „Hallo“ oder einer anderen tatsächlichen Begrüßung zu verwenden. Und in Zweifel frage ich dann eher so: „Magst Du ein bisschen erzählen, wie es Dir ergangen ist zuletzt?“ – Dann kann derjenige entscheiden, ob, was und wieviel er preisgeben möchte.

    *

    Auch das Beispiel, das Du hier heute anführst, liebe Mia, zeigt mir einmal mehr, wie schwer es vielen Menschen inzwischen fällt, MITeinander zu KOMMUNIZIEREN, angemessen zu kommunizieren. Die Oberflächlichkeit ist leider so sehr allgegenwärtig …

    Wieder ein schöner und interessanter Eintrag von Dir!

    Liebste Pfingstwochenendgrüße an Dich! ❤

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    1. Wow, wie mutig von dir, lieber sternfluesterer, die Frage damit zu beantworten, dass du sie nicht beantworten möchtest! Obwohl diese Antwort absolut legitim ist, habe ich mcih bisher noch nie getraut so zu antworten, weil ich mich nach wie vor zu sehr davor fürchte als „Zicke“ abgestempelt zu werden. Dabei finde ich es besser keine Antwort zu geben, als eine unehrliche.

      Deine „stattdessen“-Formulierungen werde ich mir definitiv zu Herzen nehmen. Ich finde sie schöner als das oberflächliche „Wie gehts“. Denn durch ein „wie war dein Wochenende“, „hast du Pläne für den Sommer“, etc. erfhährt man auch eine Menge über einen Menschen!

      Danke für deinen tollen Kommentar und all den neuen Input, den ich jetzt habe!

      Liebe Grüße! ❤

      Gefällt 1 Person

  9. Ja, auch mir gehen diese standatisierten Fragen und Antworten oft auf die Nerven – und trotzdem mache ich mit. Zum Glück habe ich ein paar Freunde, bei denen ich mir diesen Quatsch sparen kann – wie können über alles reden, lachen und weinen.
    Manchmal gibt es aber auch einfach Menschen, bei denen bin ich für diesen dämlichen Smalltalk echt dankbar. Zum Beispiel bei meiner Oma, die ich wirklich so garnicht ausstehen kann. Ich kann es ihr nie Recht machen, sie will mich immer zu einem besserem Menschen machen und sie springt auf jede meiner Gefühlsregungen an. Da bin ich einfach froh, wenn ich einfach mit „Gut“ antworten kann und das Thema ist dann gegessen.

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    1. Danke für deinen Kommentar 🙂 Schön, dass du ein paar Menschen an deiner Seite hast, zu denen du offen sein kannst. Ich verstehe auch dein Argument, dass es manchmal erleichternd sein kann das Gespräch ausschließlich oberflächlich zu halten!

      Liebe Grüße!

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