„Belüge dich nicht selbst“ – Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung

Wir alle kennen den berühmten Spruch „Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung“. Ich finde allerdings, dass etwas sehr Wahres an ihm dran ist. Denn ab dem Moment, an dem wir etwas einsehen, hören wir auf uns zu belügen.

Wie oft verscheißern wir uns eigentlich selbst?

Ich weiß, dass ich mit meinen Worten ziemlich provokant klinge, aber die Frage ist ernst gemeint. Wie oft machen wir uns selbst etwas vor? Wie oft reden wir uns ein, dass etwas oder jemand gut ist, obwohl das Gegenteil der Fall ist? Wie oft lassen wir uns verblenden und wollen etwas gar nicht erkennen?

So ging es mir mit meiner Essstörung.

Weder wollte ich mir einreden, dass ich ein Problem hatte, noch dass ich Hilfe brauchte. Ich ignorierte mein restriktives Essverhalten, verleugnete die Sorgen meiner Mitmenschen – kurz: ich verdrängte.

Als jemand, der ohnehin schon viel in seinem Leben verdrängt, kann ich sagen, dass es manchmal wirklich schwer ist, den Tatsachen ins Auge zu blicken. Denn wenn man nichts sieht, glaubt man auch nicht daran, dass ein Problem in Sicht ist. Ich mache mir keinen Vorwurf, dass ich damals so „verblendet“ war. Heute weiß ich es eben besser und würde sicher anders handeln und mir viel eher Hilfe suchen.

Belüge dich nicht selbst. 

Obwohl ich mir meiner Essstörung schon seit langem im Klaren bin, kommt bei meiner Therapie immer das Problem auf, dass ich mich selbst hinters Licht führe.

„Wie war Ihre Woche?“

„Gut?“

„Wirklich?“

Fünfundvierzig Minuten später ist klar, dass die Woche definitiv nicht gut war und ich mich immer wieder in Situationen begeben habe, die ich nicht wollte, aber trotzdem nicht verhindert habe – weil ich meine eigenen Gefühle verdrängte.

Dass ich in vielen Momenten fremdgesteuert bin und weniger das tue, was ich will als eher das, was andere mir auftragen, war mir schon bewusst. Mir war nur nicht klar, dass der Hauptgrund darin besteht, dass ich mich selbst belüge und mir negative Begebenheit schön rede.

Aber das muss sich ändern. Wenn ich kein Problem sehe, kann ich auch nichts daran ändern. Einsicht ist wahrhaft der erste Schritt zur Besserung!

Wie sieht’s mit euch aus? belügt ihr euch auch manchmal selbst?

6 Kommentare zu „„Belüge dich nicht selbst“ – Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung

  1. Ganz klare Antwort: Ja! Und das zuzugeben, ist schwierig – eben, weil man sich auch hier selbst belügen könnte. 😉 Ich glaube es hat viel damit zu tun, dass man 1. keine negative Gefühle zulassen möchte, um sich selbst zu schützen und 2. um niemand anderen zur Last zu fallen.

    Gefällt 4 Personen

  2. Ich schreibe erst jetzt ein paar Worte zu Deinem Eintrag, weil ich feststellen musste, wie unglaublich schwer mir die Antwort auf die Frage fällt, wie es mit mir persönlich bezüglich des selbst Belügens ausschaut.

    Ich kann das einfach nicht richtig beantworten. Selbst betrogen habe ich mich öfter, aber selbst belogen?

    Ich denke eigentlich, dass ich immer sehr ehrlich zu mir selbst war und bin, schonungslos ehrlich sogar. Aber ich habe oft gegen das dieser Ehrlichkeit zugrunde liegende Wissen bzw. Vermuten gehandelt. Und ich fürchte, dass DAS sehr, sehr tief in mir drin steckt und ich kaum eine Ahnung habe, warum das so ist. Ich ahne nur, dass selbst das (m)ein Angstproblem ist.

    Du siehst: Dein Eintrag hat mich zutiefst nachdenklich gemacht, und zwar eine Sache betreffend, die bislang ein weißer Fleck für mich gewesen ist.

    Wieder einmal hast Du mir eine Tür geöffnet …

    Viele, nur ganz liebe Grüße an Dich! 💖🌷⚓

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für deinen ehrlichen Kommentar, lieber sternfluesterer. Meinst du mit ehrlich sein und sich trotzdem betrügen, dass du quasi deine eigene Stimmen ignorierst/verdrängst und „bewusst“ anders handelst? Könnte das mit dem „selbstgesteuerten Verhalten“ in Verbinung gebracht werden, von dem ich neulich geschrieben habe?

      Liebe Grüße! ❤ ❤

      Gefällt 2 Personen

      1. Ja, das trifft es, glaube ich, ganz gut mit dem „bewusst“ anders handeln. Inwieweit das „selbstgesteuert“ ist, ist nochmal schwierig zu fassen für mich. Ich habe leider auch gerade nicht mehr richtig parat, was Du zum Thema „selbstgesteuertes Verhalten“ geschrieben hast.

        Ich denke, dass es mitunter sogar so ist, dass ich mich „bewusst betrüge“, auch, um mich abzugrenzen, um mir, meinem Gewissen, zu gehorchen – sogar obgleich ich weiß, dass mir das auf bestimmte Art (sehr) schaden könnte.

        Puh, ich bemerke, dass das eine ziemlich komplexe und schwierige Materie für mich ist, und, wie ich schon angedeutet habe – bislang war das für mich auch ein „weißer Fleck“, zumindest was das ausdrückliche Nachdenken darüber angeht.

        Du stellst richtig therapetische Fragen, weißt Du? – Jetzt, wo ich keinen Therapeuten mehr habe … 😉🙃

        Ganz liebe Mittagsgrüße! 💖

        Gefällt 1 Person

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