5 Gründe, warum ich das Märchen Schneewittchen ziemlich dämlich finde

Spieglein Spieglein an der Wand – was ist das dämlichste Märchen im ganzen Land? Ich sag’s euch: Schneewittchen!

Oh ja, die Rede ist von dem berühmten Klassiker der Gebrüder Grimm. Früher mochte ich das Märchen sehr und zwar alles daran – die Figur Schneewittchen , das Setting im Märchenwald, die lustigen sieben Zwerge und natürlich den Prinzen.

Heute sehe ich es absolut anders und in jeder Hinsicht altmodisch, diskriminierend, rückständig und frauenverachtend!

Ich schreibe diesen Beitrag übrigens nur, weil ich vor ein paar Tagen mal wieder nicht schlafen konnte und mir das Hörbuch Schneewittchen angehört habe. Letztendlich konnte ich trotzdem nicht schlafen, weil ich viel zu aufgekratzt darüber war, dass dieses Märchen ein Haufen Stuss ist!

5 Gründe, warum ich das Märchen Schneewittchen ziemlich dämlich finde:

1. Der Jäger will sie nur aufgrund ihrer Schönheit nicht töten!

Da kriegt man den Auftrag ein Mädchen umzulegen und dann bringt man es nicht übers Herz, weil sie zu niedlich ist… Wäre es anders gewesen wenn sie hässlich gewesen wäre? Vermutlich, aber dann wäre sie auch nie in Lebensgefahr gewesen.

2. Es kann nur eine Schöne geben!

Die zweite Hauptfigur des Märchens ist die böse Stiefmutter. Sie setzt alles daran um Schneewittchen zu töten, damit sie die Schönste im ganzen Land sein kann.

Ähm, hallo? Was für eine Message wird hier vermittelt? Eine Mutter, die neidisch auf Ihr Kind ist, weil sie schöner ist? Warum ist es überhaupt ein Wettbewerb? „Germany’s Next Topmodel sucht das schönste Mädchen im ganzen Land?“ Diesen Stuss lesen Kinder!!!

Außerdem liegt hier ein klassischer Fall von „Old Shaming“ vor. Die Schöne ist blutjung und steht in Konkurrenz mit der alten Stiefmutter, die niemals eine Chance gegen sie hat!

3. Schneewittchen bricht in ein fremdes Haus ein, aber es ist ok, weil sie schön ist…

Zugegeben, Schneewittchen ist auf der Hut vor der bösen Stiefmutter und obendrein obdachlos. Aber trotzdem! Sie geht einfach in ein fremdes Haus, futtert sich durch, und wird trotzdem begnadigt, weil sie schön ist?!

Und dann entscheiden die ausgefuchsten Zwerge, dass sie quasi ihre Haushälterin sein und dafür gratis in ihrem Haus leben kann. Das hübsche Schneewittchen wird ganz einfach in die klassische Frauenrolle manövriert! Lest es ruhig nach, genau so ist es geschrieben!

4. Der Prinz verliebt sich nur wegen ihrer Schönheit in Schneewittchen und behandelt sie wie seinen Besitz!

Kommen wir zum Prinzen. Denn dieser kennt Schneewittchen überhaupt nicht, bevor er sie zum ersten Mal sieht. Als er es tut, ist sie bereits „tot“. Sie liegt in einem Sarg und rührt sich nicht. Er verliebt sich in ihre Schönheit und will sie nicht begraben sondern in sein Schloss nehmen… Ziemlich widerlich, wenn ihr mich fragt… Ich meine, sie ist tot?!

Aus feministischer Sicht finde ich es anmaßend, dass der Prinz sich das Recht nimmt, Schneewittchens Leib einfach an sich zu nehmen!

Schneewittchen mag zwar weggedämmert sein, aber es ist immer noch ihr Körper und kein Mann oder überhaupt irgendwer hat das Recht darüber zu bestimmen, außer sie selbst! Für mich ist der Prinz ein ziemlicher Volltrottel, der seine Privilegien dermaßen ausnutzt und keinen Respekt für Frauen geschweige denn Grenzen zeigt. Ich muss gerade selbst über mich lachen, während ich das schreibe, aber das ist trotzdem mein voller Ernst!

Na ja, am Ende bekommt Schneewittchen wie erwartet das Happy End und die weniger schöne Stief Mutter verliert. Wer hätte das gedacht…

5. Das Schöne ist gut, das Böse ist hässlich.

Ich finde es unheimlich schwierig, wie das Aussehen der Figuren mit dem Charakter zusammen hängt. Schon seit langem versuche ich festgesetzte Stigmata aufzulösen, doch Märchen wie diese verhindern das ungemein.

„Aber es ist doch nur ein Märchen…!“ Nein!

Schließlich werden wir schon von klein auf mit Märchen wie diesen konfrontiert. Sie prägen uns, sie geben uns eine Wirklichkeit vor, die überhaupt nicht existiert. Das schöne Schneewittchen wird von allen begehrt und geliebt, der Jäger kann sie nicht töten, die sieben Zwerge bieten ihr Obhut, und der Prinz will sie selbst als sie in einem Sarg liegt, obwohl er sie nicht kennt. Die böse Stiefmutter hingegen versucht das schöne Schneewittchen zu töten, und isst sogar ihr vermeintliches Herz und ihre Lunge auf. Sie ist bestialisch und von innen hässlich! Ganz schön krass, wenn ihr mich fragt…

Aber warum hetze ich überhaupt über ein altes Kindermärchen?

Weil Kinder die Zielgruppe dieses Märchens sind und nicht denken sollten, dass man durch die bloße Schönheit Vorzüge genießen kann. Andernfalls wird sich die Welt niemals wirklich ändern, sondern einfach nur mit dem Strom schwimmen.

Vielleicht findet Ihr diese Haltung zynisch und vielleicht ist sie das auch. Fest steht, dass das Schneewittchen dringend geupdated und auf unsere heutige Zeit angepasst werden sollten. Es gefällt mir nicht, dass Kinder mit einem Märchen wie diesem konfrontiert werden und nicht die Möglichkeit haben, es genügend zu reflektieren oder gar zu hinterfragen.

Wie steht ihr zu dem Märchen? Seht ihr das auch kritisch? Seht ihr das weniger kritisch? Mich würde eure Meinung dazu sehr stark interessieren!

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24 Kommentare zu „5 Gründe, warum ich das Märchen Schneewittchen ziemlich dämlich finde

  1. Ach ja… Märchen… Mein Lieblingsmärchen als Kind war ja das „Däumelinchen“….

    Ich stimme dir bei deinen Gründen absolut zu. Auch in den meisten andren Märchen ist Schönheit das wichtigste Attribut, das eine Frau besitzen kann, aber bei Schneewittchen steht das Thema schon nochmal mehr im Zentrum. Aber auch bei Aschenputtel gibt es die neidische Stieffamilie, die versucht, sie zu verstecken und die sie misshandelt – weil sie so schön ist…
    Die Übergriffe, die Frauen in Märchen oft zu erleiden haben, sind ungeheuerlich.

    Aber was ist die Lösung? Den Kindern diese Märchen nicht mehr vorlesen? Ich denke nicht, dass das das Ziel sein sollte. Kinder lernen nicht nur die Rollenbilder aus den Märchen, sondern auch Vokabular und das Fehlen dieses Vokabulars zu kompensieren kann in der Schule schon Probleme bereiten.
    Deshalb wäre da mein Vorschlag, das Kindern erst vorzulesen, wenn man über die Inhalte auch reden kann – so vielleicht ab drei oder vier – und aber vor allem auch moderne Alternativen anzubieten, die ein anderes Frauenbild zeigen.
    Damit kann man Kinder zum kritischen Denken und Hinterfragen erziehen.

    Und bis zu diesem Alter kann man ja Märchen wählen, in denen das nicht so im Vordergrund steht – vorwiegend Märchen mit männlichen Hauptfiguren, die man aber m.E. mit ein bisschen Konzentration auch auf weiblich umschreiben kann. Warum sollte das tapfere Schneiderlein, nicht eine tapfere Schneiderin sein?! Und wenn am Ende die Hand der Prinzessin der Lohn ist, dann ist es eben die Hand des Prinzen 😉
    Da gibt’s im Zweifelsfall sicher auch schon Vorlagen für von entsprechenden Feministinnen ^^

    Okay, ich bin ein bisschen abgeschweift… 😅
    Aber du meintest ja mal, sowas stört dich nicht 😉

    Beste Grüße ❤

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    1. Danke für deine Worte 🙂 Für mich sehe ich die Lösung darin, dass Eltern mit ihren Kindern jene Märchen ruhig ansehen, genießen, aber auch unbedingt hinterfragen müssen! Deinem Vorschlag den Kindern erst ab einer bestimmten Altersgruppe, in der sie reflektieren können vorzulesen, gefällt mir auch sehr!

      Liebe Grüße! ❤

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    2. Hallo Grübel-Eule, zum Frauenbild, das Du da anssprichst – sehr gut…. fällt mir noch ein, dass man genau darüber sehr gut die Kurve kriegt, den Kindern die Unterschiede zu früher und heute, zu besprechen und auch seine Meinung den Kindern dazu mitteilen kann und sie fragen, wie sie darüber denken. Ich habe 2 Kinderbücher geschrieben (mit jetztzeigigen Inhalten) und da habe ich ein Vorwort für Kinder und für die ErzieherInnen und Co. wo ich darum bitte, die Kinder nicht mit den Geschichten alleine zu lassen. Und dazu habe ich unter jeder Geschichte ein paar Einstiegsfragen geschrieben, wie man den Text vertiefen kann und leichter Zugang zu den Themen findet.

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  2. Auch heute noch lebt Schneewittchen in Männer und vor allen in Frauen. Dieses ich bin eine Prinzessin oder ich möchte wie eine Prinzessin behandelt werden. Schönheit öffnet auch heute noch Türen. Bei Männer und Frauen gleichermaßen. Attraktive Menschen haben überall einen Bonus. Das hat allerdings nichts mit Schneewittchen zu tun. Das scheint in uns Menschen angelegt. Alle Versprechen sich einen Nutzen aus der Schönheit und überall wird sie angepriesen. Natürlich ist Schneewittchen aus heutiger Sicht absolut diskriminierend aus Frauen Sicht. Ob es allerdings unser Denken heute noch beeinflusst, wage ich zu bezweifeln. Märchen haben nicht mehr diesen Stellenwert, den sie früher hatten. Bis Kinder überhaupt, hinter dieses altmodische und abwertende Frauenbild blicken können, interessieren sie sich nicht mehr dafür. Sie sehen ihre Mütter im täglichen Leben und orientieren sich daran. Ich persönlich finde das Märchen aus alten Tagen, alle verboten gehören. Da sie ein gewalttätiges, Frauen verachtendes, völlig unlogisches Bild abgeben.Ob Froschkönig, Frau Holle, König Drosselbart stets hat die Frau das Heimchen am Herd zu sein und der Mann sagt wo es lang geht. Der Mann wiederum muss und das ist seine Pflicht, ein Held sein. darunter geht es nicht. Der Beschützer der Frauen, der Drachen, Löwen, Bären erlegt. Frauen werden zumeist auch als intrigant beschrieben. Also weg mit dem Müll, den braucht heute keiner mehr.

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    1. Ich stimme deiner Meinung absolut zu! Schönheit bietet nach wie vor Vorteile, aber ist das nicht unheimlich diskriminierend und nicht „fair“? Ist es nicht wichtig da anzusetzen und etwas zu ändern?

      Dass du glaubst, dass Lektüre wie diese nichts mit Kindern macht, sehe ich allerdings anders. Gerade das Alter 2-4 ist unheimlich wichtig für die Entwicklung von ihnen. Dort bilden sich der Charakter und die ersten Grundannahmen, die später gar nicht mehr so leicht zu ändern sind. Bei meiner Arbeit mit Kindern finde ich es immer wieder erschrecken, wie stark sie schon bestimmten Rollenbildern nacheifern, ohne es wirklich zu hinterfragen. Und ich kenne auch etliche erwachsene Menschen, die das nicht tun.

      Liebe Grüße!

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      1. Grüß dich Mia,
        Natürlich ist das nicht fair aber ich denke das Menschen dies nicht mit Absicht machen. In unseren Genen ist der Hang nach Attraktivität wohl verwurzelt. Bedingt dadurch, das Natur möchte das wir uns vermehren. Daher wird es wohl schwer sein, den Verstand über die Gene zu setzen. Zumal das Ganze auch nicht wirklich bewusst abläuft. Das kann man in etwa folgenden Beispiel vergleichen. Vorstellungsgespräch. Eine Person betritt den Raum und ist super gekleidet, duftet sehr angenehm. Zweite Person ist der Sache nicht entsprechend gekleidet und riecht nach Schweiß? Egal welche Qualifikationen die beiden haben, die erste Person wird bevorzugt. Zum Thema kleine Kinder möchte ich noch sagen, die hören in der heutigen Zeit relativ wenig solche alte Märchen. Die schauen sie vielleicht im fernsehen oder auf DVD. Und selbst wenn sie solche Märchen ständig hören würden, werden sie immer die Eltern als Vorbild betrachten. Sie eifern den Eltern hinterher. Wenn die jetzt das Klischee Mann/Frau im altbackenen Sinne Zuhause führen, dann werden sie auch diese Ansichten übernehmen. Vor allem wenn es im engeren Umfeld ähnlich aussieht. Da verändern Märchen die Sicht nicht. Märchen sind ja auch nichts reales für Kinder. Sie leben ihre Phantasien damit aus. In meiner Kindheit haben Märchen wie Schneewittchen, noch eine viel größere Rolle gespielt als heute. Aber weder ich, noch einer meiner Brüder oder einer Schwestern, leben deshalb dieses Mann/Frau old school Leben. Weil meine Eltern nicht so gelebt haben. Es ist die Werbung die uns ständig dieses Bild präsentiert. Auch wenn sie das geschickt kaschieren. Die Frau freiheitlicher dargestellt wird. Doch steht sie immer noch in Küchen, wäscht die Wäsche, kümmert sich um die Kinder. Einfach mal darauf achten wie Personen in der Werbung gekleidet sind. Wo, Wer sich aufhält. Welches Auto zu welcher Person. Auch wie Familie aussieht in der Werbung. Der Mann spielt Fußball mit den Kindern und die Frau sieht aus der Küche nach draußen und was sie sieht erfreut sie. Alle glücklich. Das hat vor 30 Jahren nicht anders ausgesehen. Frauenzeitschriften. Die Vernichtung der Emanzipation. Bachelor und Bauer sucht Frau ect. Geht es noch Frauenfeindlicher? Nein aber die Frauen schauen diesen Mist. Fußball Frauen WM läuft ja gerade. Da schreiben die dann tatsächlich, dass die schönste Frau auf dem Spielfeld das Siegestor geschossen hat. Ansonsten war das Spiel nicht so berauschend. Frauenfeindlicher kann ein Märchen auch nicht sein. Nur in der Realität lernen die Kinder ihr Mann/Frau Bild. Und Werbung wird für Realität gehalten. Das allein ist schon grauenhaft.

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  3. Ich kann deine Kritik total nachvollziehen. Gleichzeitig weint mein Herz als große Märchenliebhaberin aber auch ein bisschen 😂

    Ich habe noch keine Kinder, aber hätte ich welche, würde ich sie Märchenfilme erst ab einem gewissen Alter schauen lassen und nachher mit ihnen über das sprechen, was sie gesehen haben, auf bestimmte Punkte hinweisen und sie kindgerecht erklären. Vielleicht auch mit den „harmloseren“ Märchen starten wie Der Froschkönig (Hänsel und Gretel finde ich z.B. sehr grausam).

    Es gibt ja zum Glück viele Märchenverfilmungen, die sich teils gewisse künstlerische Freiheiten bei der Umsetzung herausnehmen. Z.B. kenne ich auch solche, in denen Schneewittchen und der Prinz sich schon vor ihrer Flucht vor der Stiefmutter kennen gelernt und verliebt haben und der Jäger sie entkommen lässt, weil er sie ins Herz geschlossen hat aufgrund ihrer freundlichen Art 😅

    Ich finde, man sollte auch immer bedenken, dass viele Märchen aus einem anderen Jahrhundert mit anderen Wertvorstellungen und Rollenbildern stammen, wir sie also nicht völlig nach unseren heutigen Maßstäben beurteilen sollten. Zudem finden sich viele Metaphern usw. darin.

    Trotzdem verstehe ich natürlich, was du in deinem Post zum Ausdruck bringen wolltest und stimme dir total darin zu, dass es wichtig ist, Märchen kritisch zu reflektieren und Kinder verantwortungsvoll damit in Berührung zu vringen, denn gerade die ganz Kleinen nehmen ja vieles in Geschichten, Filmen und Co. noch wörtlich und sind altersbedingt noch nicht so zum Hinterfragen und Interpretieren in der Lage wie Erwachsene!

    Liebe Grüße

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    1. Ich liebe Märchen auch 😀 Und man muss ja auch nicht darauf verzichten sie zu schauen! Und Märchen lassen ja einen auch in eine mittelalterliche Zeit zurückfalle, die magisch und „fabelhaft“ ist! Aber gerade für Kinder ist es glaub ich wichtig sie zu reflektieren und dann zu genießen 🙂 in meinem Fall hat mein Babysitterkind (4) schon eine bestimmte Vorstellung von Frauen und Mädchen, die ich schon fast erschreckend finde! Und mit dieser Einstellung ist er ja nicht geboren…

      Liebe Grüße!

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  4. Hm, ich gebe den Sichtweisen meiner VorrednerInnen und Deiner z.T. durchaus recht. Es sind eben Sichtweisen:
    Und es reizt mich drauf einen ganz anderen Blickwinkel zu richten:
    Also Punkt 1: Der Jäger tötet sie aus Mitleid nicht – hm Schönheit hin oder her. Und Du hast recht, wäre sie nicht so schön, wäre sie nicht in diese Situation gekommen…. Mitleid kann man auch mit jeder anderen Kreatur haben….
    Punkt 2: Nur eine Schöne….: Hm, also ich wollte nie mit so Schönen tauschen (da gerät man sehr leicht auf oberflächliche Bahnen – Schönheit ist eben kein innerer Wert – es sei denn derjenige strahlt von innen heraus Schönheit aus. Ich gestehe ich sah einige Male diese Sendung auch an. Ich finde sie einfach nur interessant (schließlich habe ich auch eine schöne Tochter ,-) ) der sie auch schon früher sagten (Nachbarn, Leute auf der Straße) sie könne doch Model werden. Zum Glück war ihr das egal, sie latschte mit Vorliebe gegen Mittag am Samstag noch schnell in den Supermarkt mit unfrisierten Haaren, ungeschminkt, und flüchtig angezogen oft noch zum einkaufen, nachdem sie grad aufgestanden war). Ich fand es es sehr amüsant, den Streitereien, Gezicke und Stutenbissigkeiten und all den anderen geistlosen Gesprächen dieser jungen Menschen in Germanys next Model Sendungen zu zu hören. Für mich waren dieses Mädels eher bedauernswert, weil sie scheinbar nur diesen Wert in sich sahen.
    3. Punkt: Im Zwergenhaus: Nun ja – kann man auch anders sehen. Sie fraß sich erst durch (waren ja kleine Portionen – eben Zwergenportionen) weil sie nach der langen Umherirrerei hungrig und durstig war. Und ein netter Zug von ihr war, dass sie die Hausarbeit übernahm als Dankeschön für Kost und Logie, denn sie hatte ja kein Geld. Das finde ich doch sympathisch. Und die Zwerge fanden das auch sehr schön und erleichternd, der sich um sie kümmerte. So lernten sie sie auch lieben – das ist normal.
    Punkt 4: Und auch das mit dem Prinzen kann man anders einordnen. Als er sie so im Sarg liegen sah, so jung und schon tot und noch so lebendig aussehend, war er erschüttert.
    Punkt 5: Vielleicht wollte er Schneewittchen nur die Ehre erweisen und sie anständig beerdigen. Wenn er kein Mensch war der an Nekrophili litt. Und überhaupt wohin wollten die Zwerge eigentlich Schneewittchen hinbringen als sie sie durch den Wald trugen?

    Und zu IST JA NUR EIN MÄRCHEN: Also ich liebe Märchen und ich habe Verena Kasts Interpretationen viel gelesen über den Sinn der Märchen. Und ich habe meiner Tochter viele Märchen vorgelesen und ich habe sogar einige selber geschrieben. Sie haben viele wichtige Funktionen (und natürlich sind sie nicht 1:1 in die heutige Zeit zu transportieren – man muss mit den Kindern schon darüber reden, ins Gespräch kommen, das ist wichtig, dann kann man die Essenz auch in der heutigen Zeit vermitteln). Mir hat die Auseinandersetzung folgende Erkenntnis vermittelt: Kinder leben in einer magischen Welt, und so ein Riese bsp.weise, wenn man sich in die Kinderseele reinversetzt, drückt sehr klar aus, wie sich so ein Kind z.B. gegenüber einem gewalttätigen Va ter, oder schreiendem Menschen fühlt, wie klein und machtlos…. In den Märchen – das ist das Gute daran, endet alles immer gut. Die Bedrohung wird geklärt, der Bedroher besiegt, meist durch Klugheit und Kreativität und macht auf diese Weise Mut in Angst und Hilflosigkeit nach Lösungen zu suchen.
    Jetzt aber genug dazu von mir.

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    1. Oh, danke für deine ausführliche Meinung!! 😀 Ich fand es super spannend deine Ansicht zu lesen und verstehe auch, dass meine für viele etwas „radikal“ erscheinen kann.

      Ich glaube, dass ein Märchen wie dieses auf tiefenpsychologischer Ebene vieles mit den Grundgedanken tun kann. unsere patriarchische Welt, in der Männer überwiegend regieren und das Bild der Frau, das noch oft in seinen alten Rollen feststeckt, wird für mich im Märchen sehr deutlich. In Bezug auf die Zeit der Entstehung des Märchens finde ich es nicht verwunderlich und selbst als Kind habe ich dieses und alle anderen, die kritisch zu betrachten wären, geliebt.

      Doch heute, wo ich älter bin und über den Sinn philosophieren kann, komme ich nicht drumherum, das Märchen so zu sehen, wie ich es in meinem Beitrag geschildert habe. Ich finde deine Sicht und die deiner Tochter unheimlich reflektiert, aber ich glaube nicht, dass sie zur Norm zählt. Schließlich stecken viele noch in diesen Rollenbildern und hinterfragen sie überhaupt nicht. Uns gerade deshalb finde ich es so wichtig vor allem mit Kindern darüber zu reden!

      Liebe Grüße!

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      1. Da fällt mir grad noch was „lustiges“ dazu ein: Als meine Tochter so um die 5 Jahre alt war, mochte sie das Märchen ‚Hänsel und Gretel‘ sehr gerne. Ich musste es auf unseren Spaziergängen im Wald immer erzählen – viele viele viele Male. Eines Tages, es war in der vorweihnachtlichen Zeit, backten wir Plätzchen gemeinsam, als ich das Blech in den Ofen schob, gab mir meine Tochter einen Schubs. Ich verbrannte mir die eine Hand und es gab eine ziemlich heftig empörte Reaktion von mir, in der ich ihr Fantasie und Reales gut auseinandersetzen konnte (nun, ich war nicht begeistert über die Sache, dass sie mich wohl kurzfristig mit einer Hexe gleichsetzte) aber meine Meinung habe ich gut rüberbringen können und ab da hörte sie von mir nie mehr dieses Märchen 😊

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  5. So habe ich das noch nie gesehen, aber ich verstehe was du meinst und teile deine Meinung eigentlich auch.
    Trotzdem möchte ich, dass auch meine Kinder, die ich hoffentlich irgendwann habe, mit all diesen Märchen, Sagen und Fabeln aufwachsen – nur halt eben in dem Bewusstsein, dass das nur Geschichten sind und diese nicht Realität sind.

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  6. Moin, hab das Märchen noch nie SO betrachtet aber du hast eigentlich recht. O.o Märchen sind ungemein gewalttätig und bösartig: Hänsel und Gretel. Die Eltern verstoßen ihre Kinder weil sie sie nicht ernähren können. Im Wald stoßen sie auf eine kannibalistische alte Frau?! Rotkäppchen und der böse Wolf: die Verteufelung eines anderen wichtigen Lebewesens im Daseinkreislauf. Ob Der Wolf und die sieben Geißlein, dann die „Rache“ an dem Wolf war?… etc etc.^^ Oder sämtliche russischen Märchen in denen es um Verwandlungen als Bestrafung geht..

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  7. Ich habe als Kind sehr gern Märchen gelesen. Als ich älter wurde, „sezierte“ ich sie – ähnlich wie Du. Jedes Märchen hat einen wahren Kern. Das Meiste ist aber erfunden, weil die Menschen es sich seinerzeit nicht erklären konnten. Man (Erwachsene) erzählte sich diese Geschichten abends unter der Dorflinde. Diese Geschichten sammelten die Brüder Grimm. Und so sollte man auch die Märchen sehen. Wenn heute jemand sagt: „Jetzt erzählst du aber Märchen.“ meint er damit, dass der andere übertreibt.
    Vor etwa 20, 25 Jahren ging ein Aufschrei durch das Land, man dürfe Kindern auf keinen Fall Grimm’s Märchen vorlesen oder sie lesen lassen. Die seien viel zu grausam, Mord und Totschlag in jedem Märchen. Das stimmt ja auch. Aber Generationen von Eltern, Groß- und Urgroßeltern haben die Märchen nicht geschadet, geschweige denn, sie traumatisiert. Da sollten die heutigen jungen Menschen mal lieber aufpassen, dass Minderjährige nicht ihre Selfies und Videos sehen, die sie mit dem Schlaufon von Unfällen oder gar kriminellen Tätigkeiten gedreht und womöglich im Netz hochgeladen haben. Dass diese Verrohung (dass Menschen filmen, wie jemand verunglückt und hilfebedürftig vor einem liegt) von Grimms Märchen kommt, glaub ich nämlich nicht.

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    1. Ich glaube auch nicht, dass die Grimms der Grund für die Brutalität in Filmen sehen. „Gruselige Bücher“ gab es schon zu allen Zeiten! Außerdem erträgt ja auch jeder einen gewissen Grad Grusel! Mir geht es da tatsächlich um das Familien-/Frauen-/ und Männerbild, dass die ersten Grundgedanken erschafft!

      Liebe Grüße!

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  8. Da fällt mir noch etwas ein: Bei Hänsel und Gretel, Schneewittchen und vielen anderen deutschen Märchen ist ja immer die Stiefmutter die Böse (Umkehrschluss: Leute nehmt Euch in Acht, wenn Ihr in Patchwork-Familien lebt, die zweite Frau ist immer ein Drachen! ;-)) Hier ist aber nicht die zweite Frau eines Witwers mit Kind[ern] gemeint, sondern die „steife“ Mutter (nein, nicht die tote!). Die Märchen sind ja im Dialekt erzählt worden, so wurde dann fälschlich aus der „stiefen“ Mutter die Stiefmutter.

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    1. Oh ja! Ich habe mal gelesen, dass es daran liegt, dass die Gebrüder das Familienleben nicht beeinträchtigen wollten und daher immer die Stiefmutter genommen haben! Es lag also nicht an einem Mutterkomplex oder ähnliches :/ trotzdem ist es nickt zeitgemäß das Feindbild noch heute aufrechtzuerhalten!

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  9. Märchen, genau wie Hollywoodfilmen für Kinder, stehe ich kritisch gegenüber. Sie sind sowas von stereotyp und hängen alten Rollenbildern nach! Sie taugen nicht für unsere komplexe Welt sondern fördern irrationale Wünsche nach einer heilen Welt. Erwachsene können dies ja vielleicht noch reflektieren, aber Kinder glauben einfach was sie sehen oder hören. Es gibt sicherlich Gescheiteres und zwar für Mädchen UND Jungen!

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