Bitte nennt uns nicht mehr „Farbige“!

Wenn es eine Zuschreibung gibt, die mich völlig aus der Haut fahren lässt, dann ist es „Farbige“. Ich finde sie fast genauso schlimm wie das N-Wort, daher mein Apell: Bitte nennt uns nicht mehr „Farbige“!

Das Wort „Farbige“ begegnet mir ständig und überall. Ich höre es im Film, im Fernsehen, im Bekanntenkreis. Obwohl es sehr veraltet und problematisch ist, wird es nach wie vor benutzt, als gäbe es keine bessere Alternative. Und solange es im regulären Kontext existiert und sich Menschen nicht lautstark dagegen einsetzen, wird es auch nicht einfach verschwinden.

Viele Weiße Menschen haben mir schon gesagt, dass sie es als Beleidigung empfinden, als weiß bezeichnet zu werden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie sich mit dem Wort „Schwarz“ so schwer tun und glauben, dass „farbig“ höflicher ist.

“Farbig” soll in Deutschland in der Regel auch als eine „höflich gemeinte“, weil schwächere Form von „Schwarz“ dienen. Damit soll “abgeschwächt” werden, dass jemand Schwarz ist, und genau das ist das Problem: Das Gegenteil ist der Fall. Denn wir haben es hier eindeutig wieder mit einem „Beschönigungs“versuch zu tun. 

Warum das Wort „Farbige“ problematisch ist

1. Beim Wort „farbig“ denke ich an ein koloriertes Bild mit verschiedenen Farben und Tönen. Farbig ist bunt und vielfältig – aber nicht nur eine Farbe.

2. Das Wort stammt aus früheren kolonialgeprägten Rassentheorien, in denen Weiße Menschen alle nicht Weißen als „farbig“ betitelten. Dieser Begriff war schon damals schlimm und ist es heute erst recht. Selbst Wikipedia sagt, dass das Wort nicht klar geht:

Unter Farbigen versteht man nicht-weiße Menschen. Der Begriff entstammt historischen Rassentheorien und rassistischen Ansichten und wird heute als problematisch gesehen.

3. Doch die wohl größte Problematik ist die, dass, das Wort „farbig“ keine eigene Zuschreibung, sondern eine von weißen Menschen geprägte ist. Schwarze Menschen haben sich die Bezeichnung nicht ausgesucht – sie hatten keine andere Wahl. Die ZDF Logo Kindernachrichten bringen es auf den Punkt:

Den Begriff „farbig“ sollte man laut den Expertinnen und Experten nicht verwenden. Denn diesen Begriff haben sich Schwarze Menschen nicht selbst ausgesucht. Er ist in einer Zeit entstanden, in der Weiße Schwarze unterdrückt und ausgebeutet haben: zur Zeit des Kolonialismus. Viele Schwarze finden es deshalb nicht gut, wenn sie so genannt werden.

Je länger ich darüber nachdenke, desto absurder finde ich es, dass dieses Wort nach wie vor so „mainstream“ ist. Sprache ist wichtig und die deutsche ist von unzähligen rassistischen Strukturen gezeichnet.

„Was soll ich denn stattdessen sagen?

Wie wär’s mit Schwarz? Nennen wir die Dinge bei den Tatsachen. Wenn ich jemanden als Weiß betiteln kann, dann wohl auch als Schwarz. Damit ist natürlich nicht die Farbe gemeint (schwarz ist streng genommen auch keine richtige Farbe, genauso wenig wie weiß), sondern eine politische gesellschaftliche Zuschreibung, sowie eine Identitätszugehörigkeit.

Einige haben ein Problem mit dem Begriff „dunkelhäutig“ – ich finde sie nicht schlimm, was aber nicht bedeutet, dass diese Bezeichnung deshalb legitimer ist. Am besten finde ich den Begriff „People of Color„. Dieses Wort unterscheidet sich deshalb von „farbig“, weil es, ähnlich wie das Wort Schwarz, eine Selbstbezeichnung ist. Außerdem vereint sie alle Menschen unterschiedlicher Hautfarben.

Educate yourself!

Ich weiß, dass es schwer ist, gängige Alltagsfloskeln abzulegen, aber unsere Sprache wird von zu viel Diskriminierung und Rassismus beherrscht. Das Anlegen dieser Floskeln ist nicht spießig oder kleinkariert, sondern schlicht und ergreifend menschlich.

Falls ihr euch bei anderen Begriffen unsicher seid, kann ich euch die Seite Der Braune Mob nur ans Herz legen!!

4 Kommentare zu „Bitte nennt uns nicht mehr „Farbige“!

  1. Oha, du hast mich vollkommen erwischt. Mir war die koloniale Herkunft so gar nicht bewusst, dennoch erschien mir der Begriff immer seltsam. Klingt einfach zu sehr nach “bunt“.

    Dass Weiße ein Problem mit dem Begriff haben finde ich sehr heuchlerisch. Das mag wsl daran liegen, dass der Begriff oftmals im negativen Kontext des Unterdrückers verwendet wird, somit bekommt das Wort einen gemeinen Beigeschmack, der immer daran erinnert, dass man der privilegierte unterdrückende Part der Gesellschaft ist. Und es wirkt für den weißen seltsam, denn plötzlich wird er nur hinsichtlich seiner Hautfarbe betitelt und all seine anderen Eigenschaften treten in den Hintergrund. Das geht natürlich überhaupt nicht. Aber die Anderen werden dann selbstverständlich als schwarz bezeichnet, denn das sind sie ja auch. Dabei sieht der Weiße dann kein Problem.

    Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar für deine kleine Anweisung hier. Ich hatte offen gestanden auch immer Probleme mit dem Begriff “schwarz“, denn da gibt es ja ein seeehr breites Spektrum an Hautfarben. Doch wenn du sagst, das ist okay, na dann stimmt das schon 😉

    Ich danke dir sehr.
    Liebe Grüße ab dich 🙂

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    1. Danke für deinen Kommentar, liebe Luna! Zu dem, was du über die verschiedenen Hautfarben geschrieben hast: Es ist völlig richtig, Menschen nicht nur in Schwarz und Weiß zu kategorisieren; aber beim Wort Schwartz geht mehr um die politische/gesellschaftliche Bezeichnung als um die tatsächliche Farbe. Meine Freundin zum Beispiel ist vom Hautton viel heller als ich (vermutlich näher an deinem Hautton dran als an meinem), wird aber aufgrund ihrer Afrohaare und Statur trotzdem als Schwarz gelesen und ist nicht frei von Rassismus. Demnach ist auch sie schwarz.

      Es ist selten der Fall, dass es in einem Gespräch ganz konkret um die Hautfarbe geht. Aber wenn ich dir zum Beispiel die Hautfarbe meiner Schwester beschreiben müsste, dann würde ich dir sagen, dass sie einen hellbraunen Hautton hat. Das ist okay – aber nur, wenn es um die explizite Hautfarbe geht. Wenn wir einen Menschen ohne jeden Kontext mit der Hautfarbe betiteln (meine weiße Freundin Luna) ist das genauer betrachtet irgendwie komisch 😀

      Liebe Grüße!

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  2. Ich fand bis jetzt auch immer, dass der Begriff „Farbige“ weniger schlimm ist als „Schwarze“! das Wort Schwarze empfinde ich als negativ geprägt, Farbige hingegen nicht. Aber ich habe mich auch nie näher damit befasst, da ich ja nicht schwarz bin. Ich werde öfter als „Kalkleiste“ bezeichnet, weil ich sehr weiß bin, das ist auch nicht nett. Eigentlich sind alle Menschen „Farbig“, weil Menschen nun mal „bunt“ sind, es gibt sie in allen möglichen Schattierungen.

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