Warum reden wir immer nur über Erfolge und nie übers Scheitern?

Was macht uns Menschen aus? Ein gutes Studium? Ein guter Job? Eine erfüllende Beziehung? Aber warum reden wir immer nur über Erfolge und nie übers Scheitern?

Scheitern – ein unangenehmes Wort

Es klingt so hart und erniedrigend. Wer scheitert, hat es zu nichts gebracht. Wer scheitert, hat verloren. Wer scheitert, ist ein Loser. Oder?

Spoiler Warnung: Nein! 😛

How to fail

Vor ein paar Minuten habe ich das Buch „How to fail“ von Elizabeth Day beendet und sa meine Eindrücke noch sehr frisch sind, möchte ich sie unbedingt gern mit euch teilen.

Man könnte meinen, dass Elizabeths Leben als erfolgreiche Journalistin und Autorin „perfekt“ ist, doch der Schein trügt. Elizabeth scheitert genau wie viele andere Menschen. Sie kommt aus einer Familie, in der starker Leistungsdruck herrscht. Obwohl sie sich stets bemüht, scheitert sie in vielen zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Schule stellt ihr Beine in den Weg, ihre Favoriten-Uni lehnt sie ab, und ihr Liebesleben ist auch das reinste Chaos. Und doch ist das Scheitern für sie wertvoll, denn nach jedem Scheitern folgt ein Neuanfang. Wer gescheitert ist, weiß es im Nachhinein besser.

Scheitern im Leben

Ich war überrascht zu lesen, was Elizabeth alles als Scheitern empfindet. Keine Mit 40 noch keine Kinder haben, empfindet sie persönlich auch als Scheitern (da es ein großer Wunsch von ihr war). Auch, dass Beziehungen in die Brüche gehen, deklariert sie als Scheitern, was mich zu der Frage brachte, ob man vielleicht nicht seine Vorstellungen vom Leben hinterfragen sollte. Beim Lesen wurde mir klar, dass ich den Begriff Scheitern sehr hart und irgendwie unpassend finde. Da empfinde ich die Originalübersetzung „fail“ trotz derselben Bedeutung irgendwie „sanfter“.

Und dennoch – würde man die Tatsache, dass ich in der siebten Klasse sitzen geblieben bin, als Scheitern bezeichnen, würde ich zustimmen. Ja, ich fühlte mich, als wäre ich gescheitert. Aus dieser Erfahrung ist überhaupt erst mein Glaubenssatz „Ich bin eine Versagerin“ entstanden. Doch genau wie bei der Autorin habe ich aus dieser Erfahrung viel gelernt und in meiner neuen Klasse liebe Menschen betroffen, die noch heute zu meinem engsten Kreis zählen. „What doesn’t kill you, makes you stronger“ heißt es schließlich. Und ja, was mich nicht gekillt hat, hat mich tatsächlich stärker gemacht.

Buchempfehlung: How to fail

Wer auf der Suche nach einem ehrlichen Buch ist, dessen Lesegefühl sich weniger wie ein Sachbuch, als mehr wie ein persönlicher Roman anfühlt, kann ich dieses Buch ans Herz legen. Es hat jedoch auch einen gewaltigen Kritikpunkt, der mich beim Lesen sehr gestört hat. Elizabeth hat eine sehr klassische Vorstellung vom Leben: erfolgreich sein, heiraten, Kinder kiregen etc. Bekommt sie eines davon nicht, redet sie von Scheitern. Überhaupt könnte sie Kinder kriegen, wenn sie sich zu einer Adoption bereiterklären würde, aber sie will es eben auf dem „klassischen“ Weg.

Für viele ist der „Standard-Weg“ allerdings nicht der richtige Weg. Einige wollen nicht heiraten oder Kinder kriegen. Einige wollen vielleicht nur Kinder kriegen und beruflich nicht erfolgreich sein. Wenn alles, was nicht der Norm entspricht als Scheitern aufgefasst wird, liegt das eigentliche Problem vermutlich in der (verurteilenden) Person selbst. Ich selbst habe nämlich meine eigenen Entscheidungen (Studium abbrechen) oft infrage gestellt, weil ANDERE sie nicht gutgeheißen haben. Aber es ist mein Leben und für mich ist eine Normabweichung kein Scheitern.

Wie definitiert ihr das Scheitern? Würdet ihr sagen, dass ihr aus dem Scheitern etwas Positives ziehen konntet?

*Dieser Blogpost ist nicht gesponsort, enthält jedoch affiliate Links und Werbung wegen Namensnennung. Das Buch ist mir als Rezensionsexemplar zugestellt worden.

6 Kommentare zu „Warum reden wir immer nur über Erfolge und nie übers Scheitern?

  1. Hmm, ich glaube ich sinniere mehr über mein „Scheitern“ an allen möglichen Ecken und Enden als über meine Erfolge. Erfolg relativiert sich für mich persönlich immer sehr, Scheitern wirkt länger nach.

    Offen darüber zu sprechen, fällt mir allerdings auch sehr schwer – es gibt nur sehr, sehr wenige Menschen, denen ich mich insoweit anvertraue. Ich habe bemerken müssen, dass es nicht „schick“ ist, sich nicht als erfolgreich zu präsentieren. Über Versagen zu sprechen, macht grundsätzlich angreif- und vor allem verletzbar. Ich finde, dass das in den letzten Jahren noch einmal eine besondere „Qualität“ erreicht hat.

    Meine Vorstellungen vom Leben entsprechen kaum oder gar nicht den „gängigen“, den offenkundig allgemein anerkannten, denen, die mehrheitlich mit „Erfolg“ verbunden werden. Sehr oft reicht es schon aus, wenn ich meine Vorstellungen vom Leben offen ausspreche, dass das auf andere eher irritierend oder gar langweilig wirkt. Ich kann damit allgemein keinen „Staat machen“. –

    Das ist schon schwierig genug. Würde ich dann noch zugeben, dass ich manche weitergehende Vorstellung nicht realisieren kann, weil es dafür sehr persönliche aber nicht einfach korrigierbare Gründe gibt, würde sich das wohl für die meisten meiner Mitmenschen, wie Versagen oder Scheitern anhören und bestätigen, dass es eher langweilig wäre, sich mit mir abzugeben. Ich schreibe das im Konjunktiv, obwohl ich das durchaus schon erlebt habe, weil ich nicht alle Menschen über einen Kamm scheren will und weiß, dass die Ursachen für solches Verhalten sehr differenziert sind.

    Du siehst schon (und weißt es ja auch 😉), dass das für mich ein schwieriges und mich ziemlich betreffendes Thema ist.

    E spricht wieder einmal ganz für Dich, dass Du so ein komplexes und sensibles Thema hier aufgreifst und zur Diskussion stellst.

    Viele, nur liebste Grüße an Dich, liebe Mia! 💖

    Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube, mir geht es da wie dir, lieber sternfluesterer. Das Scheitern ist nach wie vor etwas, das mehr wiegt als das Siegen und noch dazu sehr schambehaftet ist. Ich glaube aber, dass es unsagbar wichtig ist, sich ein Stück weit von dem zu distanzieren, was andere behaupten/sagen/denken. Das persönliche Scheitern hat niemanden etwas anzugehen und meiner Meinung nach ist es auch kein Scheitern, wenn man nicht viel für die Situation kann, nach dem Motto „So bin ich eben, so war ich immer“ – Das ist ja dann eher ein Teil der Persönlichkeit und nicht Scheitern, oder?

      Aber ich verstehe schon, dass das ein sehr schwieriges Thema ist. Wichtig ist zu wissen, dass das Scheitern „normal“ ist. Wir alle sind mal gescheitert…

      Liebe Grüße! ❤

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  2. Ach, es ist eh alles im Fluss. Erfolg isr vergänglich und Scheitern auch.
    Man darf glaube ich beides nicht zu ernst nehmen und vor allem seine Identität daran nicht bemessen.
    Ich bin, wer ich bin. Unabhängig von dem, was Erfolg oder als Scheitern gilt. Zumal alles letztlich eine Bewertungsfrage ist.

    Gefällt 2 Personen

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