Alles nur eine Frage des Geschmacks … oder der Diskriminierung?

Blond, brünett, oder doch asiatisch oder südländisch? Fast alle Menschen haben einen bestimmten „Typ“. Allerdings frage ich mich, ob es um eine Frage des Geschmacks oder vielmehr um Diskriminierung geht?

Geschmack und Diskriminierung – eigentlich hätte ich die Begriffe nicht sofort in einen Zusammenhang gebracht. Jetzt kann ich sie allerdings kaum voneinander trennen. In diesem Beitrag geht es mir um den Geschmack des Auges. Alle anderen Sinne – Gerüche, Geschmäcker etc. spielen hierbei keine Rolle. Vielmehr geht es mir um das, was wir sehen und schön oder hässlich finden.

Am Freitag hatte ich ein aufwühlendes Gespräch, das mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich war bei einem Kumpel und er erzählte mir, dass er sich bald von seiner Freundin trennen würde. Der Grund war ihm unangenehm zuzugeben, doch er gestand mir, dass er sie einfach nicht mehr attraktiv fand.

Okay wow, dachte ich im ersten Moment. Sehr harte, aber ehrliche Worte. Ich konnte ihm (zunächst) keinen richtigen Vorwurf machen, weil ich selbst finde, dass eine gewisse Anziehung vorhanden sein muss, um sich in einer (körperlichen) Beziehung wohlzufühlen. Außerdem habe auch ich eine gewisse Vorliebe, einen „Typ“ wenn man so will.

Doch je länger wir über das Thema sprachen, desto mulmiger wurde mir zumute. Das, was er kritisierte, war ihr Körper. Er räumte zwar ein, dass sie nichts  für ihre Anatomie könne, es aber trotzdem nichts an seiner Entscheidung änderte. Er würde Schluss machen, weil er sie nicht attraktiv fand.

Ich war ein bisschen schockiert, weil ich Bilder von dieser Frau kenne und sie ganz und gar nicht unattraktiv finde. Um ehrlich zu sein fand ich das, was er sagte sehr kleinkariert. Und überhaupt – warum war er so lange mit ihr zusammegeblieben, wenn er sie so abstoßend fand? Je länger ich darüber nachdachte, desto trauriger und wütender wurde ich.

Alles nur eine Frage des Geschmacks?

Geschmäcker sind unterschiedlich, so sagte er. Einige mögen Piercings, die anderen Tattoos, und andere mögen keins von beidem. Ich konnte seiner Theorie nicht ganz zustimmen, da ich (durch meine Bachelorarbeit und ausführliche Recherche über die Schönheitsideale verschiedenster Epochen) genau wusste, dass das Bild von Schönheit wandelbar war. Es gibt sehr wohl ein bestimmtes Ideal, genau wie es ein bestimmtes Bild für das Hässliche gibt. Alles andere, was nicht der Norm entspricht, wird einem Fetisch zugeschrieben. Und das ist keine Frage des Geschmacks, sondern reine Diskriminierung. Besagter Kumpel hat eine Vorliebe für einen Fetisch und schließt andere auch. Asiatinnen finde er zum Beispiel nicht so schön. Frauen aus dem Süden schön.

Seit Jahrzehnten werden marginalisierte Personen, die ohnehin schon kaum Raum kriegen, immer an den Rand gedrückt. Die meisten Menschen stehen nicht auf Schwarze oder Asiat*innen, und wenn doch, aufgrund eines Fetischs. Das würde niemand zugeben, ist aber so. Warum sonst sollte jemand explizit sagen, dass er auf Latinas stehe, wenn er damit nicht auch ihre klischeehaften Zuschreibungen meint? Wenn wir Menschen nach ihrem Körper und ihrer Nation kategorisieren und ausfiltern, ist auch schon bald die Rede von Rassismus.

Das ähnliche Konzept gilt auch für dicke Menschen, da die Welt dünne Menschen präferiert. Ich könnte ewig so weiter machen und immer zu dem Entschluss kommen, dass ein bestimmter Typ eine Form der Diskriminierung ist.

Geschmäcker hinterfragen

Auch wenn die meisten von euch sicher behaupten würden, dass ihr Geschmack nicht auf Diskriminierung beruht, würde ich euch trotzdem dazu einladen, kurz innezuhalten und euch selbst zu fragen, warum ihr beispielsweise noch nie eine schwarze Person gedatet habt oder NUR schwarze Personen datet.

Die Antwort, die ich darauf habe, lautet SOZIALISATION! Niemand von uns ist geboren worden und dachte sich: „Ey, dieses Asiatenbaby ist ja mal voll hot! Vielleicht können wir uns einen Schnuller teilen.“ Unser Geschmack hat sich erst im Laufe der Zeit gebildet und das gesellschaftliche Schönheitsbild hat keinen geringen Teil dazu beigetragen.

Menschen anders bewerten – Menschen eine Chance geben

Ich würde mir sehr wünschen, wenn die ein oder anderen von euch das nächste Mal mit dem Gedanken spielen würden, einer Person, die nicht den perfekten Schönheitsmaßnahmen entspricht, aber in anderer Hinsicht sehr attraktiv ist (zum Beispiel vom Duft, vom Lächeln, vom Charakter) eine Chance zu geben. Auf diese Weise brechen wir nach und nach das stringente Konstrukt vom „perfekten Menschen“ und sind alle glücklich. Denn Newflash: Keine*r ist perfekt!

„Muss ich jetzt alles toll finden?!“

Nein, natürlich nicht. Selbstverständlich sind Geschmäcker unterschiedlich. Das gilt sowohl für die Ästhetik als auch für alles andere. Das Ziel soll nicht sein, alles zwanghaft toll finden zu müssen, sondern vielmehr seinen Horizont zu erweitern.

Was wir ebenfalls nicht vergessen dürfen ist, dass der Körper sich verändern und irgendwann altern wird. Wäre es nicht viel schöner, auch ihnen eine gewisse Ästhetik zu verleihen? Übrigens habe ich meinen Kumpel damit konfrontiert, dass seine zukünftige Frau irgendwann auch „alt“ und nicht mehr so straff aussehen wird. Darauf wusste er nicht so richtig was zu erwidern und sagte nur, dass er mit dem Alter seinen Geschmack anpassen würde.

Während ich diesen Beitrag geschrieben habe, dachte ich mehrmals daran, nochmal mit meinem Kumpel darüber zu reden. Aber da ich mir so sicher bin, dass er es nicht verstehen wird, spare ich mir diese Argumentation.. Seine Meinung werde ich nicht ändern können, aber vielleicht konnte ich euch zum Nachdenken anregen. Ich hoffe es.

Was ist eure Meinung zum Thema Geschmäcker? Seht ihr darin auch eine Form der Diskriminierung?

PS.: Zum Spaß habe ich vorhin „schöne Frauen“ bei Google eingegeben. Wie nicht anders zu erwarten zeigten die meisten Ergebnisse weiße blonde schlanke Frauen an…

23 Kommentare zu „Alles nur eine Frage des Geschmacks … oder der Diskriminierung?

  1. Toller Beitrag! 🤍 Es stimmt natürlich, dass sich Geschmäcker unterscheiden, aber so habe ich noch nie wirklich über das Thema nachgedacht. Ich muss dir definitiv zustimmen, dass so etwas oftmals mit Klischees verbunden ist. Das hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht.

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  2. Wieder mal ein Klasse Beitrag! Auch ich habe natürlich meinen „Typ“, den ich geil finde: möglichst helle Haut und rote Haare, aber ohne Sommersprossen 😉 Mein Typ hat sich in den Jahren aber gewandelt, als Jugendliche stand ich nur auf den nordafrikanischen Typ, nachdem ich mit Männern dieses Kulturkreises herbe Enttäuschungen erleben musste, wandelte sich mit den Jahren meine Präferenz hin zum nordischen Typ.

    Asiatische Menschen gefallen mir auch sehr gut, weil sie meistens schlank, klein und feingliedrig sind. Ich habe noch nie einen farbigen Mann gedatet, weil mir dieser Typus noch nie gefallen hat. Diskriminierung sehe ich darin nicht, mein Vater hatte viele Freunde aus allen möglichen Ländern, darunter auch viele Farbige, ich bin also mit der Meinung aufgewachsen, dass alle Menschen gleich zu bewerten sind – mein Vater gab sogar den Freunden aus anderen Ländern eindeutig den Vorzug, da er sie sehr schätzte aufgrund bestimmter Charaktereigentschaften, Familiensinn z. B.

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    1. Hallo Evilcat 🙂

      Mir erscheint das, was du schreibst, im krassen Gegensatz zu der Aussage des Beitrags. So wie du geschrieben hast, scheinst du ja doch sehr explizit nach Aussehen und Herkunft zu filtern. Das finde ich allgemein schwierig, denn meinem Gefühl nach zeichnet sich die Schönheit nicht so sehr durch das Äußere aus – das Wesen und die Sympathie sollten eigentlich ausschlaggebend sein. Doch da hat eben jeder andere Prioritäten.

      Du schreibst, dass du nichts rassistisches in deinem Verhalten siehst und ich glaube dir, dass du niemanden bewusst diskriminieren wolltest… doch allein die Aussage,dass du auf “den nordafrikanischen Typ“ nicht mehr stehst, weil du “mit Männern dieses Kulturkreises herbe Enttäuschungen“ erleben musstest,dann ist es doch genau die Art von Rassismus, die hier thematisiert wird. Du präferierst aus irgendeinem Grund eine bestimmte Hautfarbe, wendest dich dann aber von dieser ab, weil du plötzlich der gesamten Gruppe Eigenschaften einzelner Personen zuschreibst. Schwierig.
      Und ich glaube, dass gerade die aktuelle öffentliche Debatte versucht, das Totschlagargument “aber ich habe nichts gegen die, ich habe einen Freund der kommt aus…“ zu entkräften.
      Rassismus bedeutet nicht nur, dass man z.B. Menschen aus Afrika scheiße findet und sie vergasen möchte. Rassismus bedeutet auch, sich unbewusst weiterhin den Denkmustern eines Mitglieds des privilegierten Teils der Gesellschaft hinzugeben und anderen Gruppen ihrer Herkunft ect entsprechend (positive oder negative) Eigenschaften zuzuschreiben.

      Ich hoffe, der Kommentar hat dich nicht erschlagen oder vor den Kopf gestoßen.

      Vielleicht habe ich dich auch gänzlich mißverstanden!

      Liebe Grüße
      Luna

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      1. Nee, du hast mich nicht vor den Kopf gestoßen, jeder hat nun mal eine andere Meinung und Sicht auf die Dinge! Und ich glaube, wenn ich mit den Nordafrikanern nicht so schlechte Erfahrungen gemacht hätte, hätte ich sogar einen geheiratet. Es ist aber halt so, dass uns Erfahrungen, seien es nun gute oder schlechte, für das weitere Leben prägen, das finde ich nicht rassistisch, sondern in manchen Fällen ist es sogar Selbstschutz -gebranntes Kind scheut das Feuer! Was mich nicht daran hindern würde, Menschen von dort als Freunde zu haben – aber eben nicht als Lebenspartner.

        Was die Vorlieben und das Beuteschema betrifft, wir haben wohl alle mehr oder weniger eines. Da kann jemand noch so nett, lieb, gebildet, zuverlässig, treu etc. sein, wenn das Aussehen nicht gefällt, dann wird nicht mehr als Freundschaft daraus. Ebenso wird nix daraus, wenn der potenzielle Partner das perfekte Aussehen hat, aber keinen schönen Charakter. Der ideale Partner ist eben das Bundle aus allen Dingen zusammen!

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  3. Was mir noch einfällt: hat dein Kumpel gesagt, dass er seine Freundin nicht attraktiv findet? Oder aber nicht MEHR? Von Kindesbeinen an bläute meine Mutter mir ein, auf meine Figur zu achten, denn der Mann würde sich eine schlanke Frau nach seinem Geschmack aussuchen. Wenn die dann dick(er) würde, wäre der Mann schnell weg und das zu Recht…

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      1. Also das ist ja völlig unverständlich?! Warum ist man mit jemandem zusammen, den man von Anfang an nicht wirklich gut findet? Notnagel vielleicht? Echt ätzend sowas…

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  4. Sehr interessant! Ich musste mir mal von einem anhören, ich sei nicht sein beuteschema. Was bitte? Ja wir sollten Menschen nach dem empfinden wie sie auf uns wirken und dem äußerlichen weniger beimessen. Leichter gesagt als getan, aber immer wieder versucht. Guter Beitrag!

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  5. Wirklich ein spannendes Thema, über das man zu wenig nachdenkt. Ich hatte früher auch einen festen Männertypen, mit der Zeit hat sich dieser aber immer mehr gelockert. Was man als sein Beuteschema bezeichnet ändert sich und ich denke da hat nicht nur die Gesellschaft ihren Einfluss drauf sondern auch man selbst. Erfahrungsgemäß finde ich Leute oft hübscher, wenn ich sie öfters sehe. Das heißt ich habe einen gewissen Gewöhnungseffekt und denke, dass ich daher auch viele Menschen schön finden kann, wenn ich mich nur darauf einlasse.

    Zu deinem Freund: wenn ich mit jemandem zusammenkomme finde ich ihn ja eigentlich attraktiv. Schluss zu machen, nur weil er sich optisch verändert finde ich total befremdlich, weil die Person ja bestimmt nicht plötzlich komplett anders aussieht und, weil man doch auch den Charakter liebt?

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    1. Ja, mir ging es ähnlich wie dir. Als ich jünger war, hatte ich auch noch einen bestimmten „Typ“, das hat sich mit der Zeit jedoch stark geändert! Ich sehe es auch ähnlich wie du, dass es ziemlich oberflächlich ist, jemanden wegen seines Aussehens zu verlassen, zumal es völlig normal ist, dass der menschliche Körper sich ändert. Außerdem finde ich, dass Sympathie einen großen Einfluss auf das Äußere hat. Die meisten Menschen, die ich mag, finde ich automatisch auch irgendwie schön!

      Liebe Grüße!

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  6. Puh, die Aussage deines Kumpels aufgrund des Aussehens mit seiner Freundin Schluss machen zu wollen, finde ich heftig und spricht meiner Meinung nach nicht für seinen Charakter.

    Für mich gehören Geschmack und Diskriminierung definitiv zusammen. Beziehungsweise die Bewertung eines Menschen aufgrund des Geschmacks ist diskriminierend, bestimmte Vorlieben oder Abneigungen zu haben jedoch nicht zwangsweise. Wer einen Menschen bewusst anders behandelt, weil er besser/schlechter aussieht, diskriminiert.

    Zum Geschmack allgemein fände ich auch die Frage interessant, wie genau eine Vorliebe/Abneigung entstanden ist.
    Es gibt bestimmte Dinge, die in den meisten Menschen ein positives Gefühl auslösen (also z.B. eine gesunde Ausstrahlung, ein gewisses Grad an (A-)Symmetrie, von mir aus auch Hormone, Gerüche und so weiter) – also allesamt Dinge, die komplett unterbewusst und unbeeinflusst ablaufen. Modifiziert und spezifiziert werden diese Vorlieben/Abneigungen weiterhin durch gesellschaftliche Standards (Gewöhnung und mediale Beeinflussung) und persönliche Erfahrungen (z.B. Erfahrungen, oft von Brünetten enttäuscht worden zu sein, viel Spaß mit Asiaten gehabt haben usw.).
    Für mich würde es irgendwie einen moralischen Unterschied machen, ob man eine Person aufgrund eigener Erfahrungen attraktiver findet oder nur aufgrund des eigenen Konsums und äußerer Beeinflussung. Ersteres fände ich weniger verwerflich, letzteres schon eher – da es meiner Meinung nach auf Unreflektiertheit beruht, während beim anderen Lerneffekte eine Rolle spielen, die man wiederum nicht beeinflussen kann.
    Ergibt diese Ausführung einen Sinn?

    Um die Kurve zurück zum Beitrag zu bekommen: Ich finde es irgendwie einfach heftig, dass er als Grund angibt, dass sie nicht (mehr) seinem Geschmack entspricht. Das löst in mir eher den Eindruck aus, dass er sie nur aufgrund des Äußeren als Partnerin gewollt hat, ihre restlichen Werte hingegen für ihn nichts zählen.
    Und klar, wie du auch gesagt hast, spielt das Äußere natürlich eine Rolle, ob man sich eher zu einem Menschen hingezogen oder abgestoßen fühlt. Aber einen Menschen, zu dem man eigentlich eine Verbindung haben sollte, wegen des Äußeren fallen zu lassen, finde ich einfach nur arschig, respektlos und diskriminierend – aber nicht, weil er Schluss mit ihr machen möchte (was für sie auf lange Sicht vielleicht sogar besser ist), sondern weil er überhaupt mit so einer Einstellung/Begründung denkt.

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    1. Danke für deinen Kommentar, dem ich im Übrigen nur zustimmen kann! Ich finde es genauso heftig wie du und auch ein bisschen charakterschwach. Ein Stück weit verstehe ich ihn natürlich, weil es ihm wichtig ist, in Beziehungen eine gewisse Anziehung zu spüren. Aber meiner Meinung nach liegt das nicht unbedingt an der Person selbst, sondern vielleicht an sich. Kein Mensch ist perfekt und das muss er auch nicht.

      Übrigens habe ich ihm gestern noch geschrieben – er hat meinen Standpunkt zwar verstanden, aber dennoch keine Diskriminierung darin gesehen…

      Liebe Grüße!

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  7. Was macht eine Beziehung auf lange Sicht glücklich? Die schlanke Figur? Sie kann einem Mann das Gefühl gebe, dass er stolz auf seine Frau sein kann, denn er hat sie erobert. Aber auf Dauer sind mehr Gegebenheiten nötig, so meine ich. einfühlsam sein, Treue, Achtsamkeit und Selbständigkeit fallen mir ein. Das ist es wohl, was eine Beziehung tragfähig macht.

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  8. Leider bin ich gestern mal wieder nicht zum Schreiben gekommen, aber dieser beitrag hier, der hat mich nicht losgelassen, so dass ich heute doch noch ein paar Worte hinzufügen möchte.

    Das Wort „Beuteschema“ gehört für mich zu den schlimmsten Unwörtern überhaupt, auf einer Liste solcher Wörter gehört es sehr weit oben hin. Ich lasse nicht gelten, dass so oft betont wird, dass das ja eher „scherzhaft“ gemeint sei – man mag mich für spießig oder verknöchert halten, aber so ein Wort ist kein Scherz. Viele andere, von denen das immer wieder behauptet wird, übrigens auch nicht.

    In unserer Sprache und unserem Verhalten gibt es so viele Bezeichnungen, Aussagen und Handlungen, die letztzlich diskriminierend sind, von denen viele von uns das gar nicht (mehr) bemerken. Ich nehme mich davon nicht aus. -Manchmal erschrecke ich mich dann im Nachhinein, wie sehr mancher dumme „Alltagssprech“ auch in meinen Sprachgebrauch übergegangen ist, und es fällt mir dann sehr schwer, das damit zu entschuldigen, dass die Umwelt halt den Menschen formt, und man dem sich, wo auch immer, schließlich nie ganz entziehen kann.

    Deshalb sind solche Inputs und Gesprächsangebote, wie das von Dir hier, liebe Mia, wichtiger und notwendiger denn je.

    Aber um noch einmal konkret zu werden: ich hatte nie ein „Beuteschema“. In meiner Jugend war es so, dass mich ein bestimmter Typ (das rein Äußere betreffend) von Mädchen und jungen Frauen eine besondere Faszination auf mich ausgeübt hat. Dabei spielten allerdings Herkunft oder Hautfarbe der betreffenden Person nie eine Rolle. – Im Laufe der Zeit hat sich das mit jenem „Typ“ stark relativiert.

    Was mir schon immer wichtig war, waren die Eigenschaften, die Werte, das Verhalten – in Bezig auf eine Beziehung in meinem Fall auf Frauen bzw. Mädchen bezogen, ansonsten aber auf alle Personen bezogen, mit denen ich mein Leben auf irgendeine Weise teilen musste oder wollte.

    Es gab da zum Beispiel in meiner frühen Jugend mal ein Mädchen, das eine körperliche Beeinträchtigung hatte, das ich aber einfach sehr mochte. Es war so freundlich, so den Menschen zugewandt, hatte so eine schöne Ausstrahlung, bewegte sich, obwohl es nicht ganz aufrecht gehen konnte, so gewandt und grazil, es war einfach großartig. Um ihm näher zu kommen war ich einzig und allein zu schüchtern, geträumt habe ich manchmal von ihm …

    Was ich sagen will: die Austrahlung, das Wesen, der Charakter eines Menschen, diese Dinge zählen wirklich, nur diese Dinge können eine Freundschaft oder eine Liebe tragfähig halten. Ein Stück weit gehört auch äußerliche Symathie dazu, das kann und will ich nicht bestreiten, aber jemanden auf seine Äußerlichkeit zu reduzieren, diese gar zum Anlass zu nehmen über einen Menschen zu urteilen oder zu richten, das ist einfach nur mies und, ja, eine Form von Disklriminierung.

    Es ist wichtig, dass wir uns trauen, das genau so zu benennen.

    Danke für den tollen Eintrag, liebe Mia!

    Liebste Grüße an Dich! 💖⚓⭐

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  9. Ich verstehe die Kritik an dem Empfinden des Freundes nicht. Hätte er gesagt, dass er sich trennen möchte, weil er inzwischen auf übergewichtige dunkelhäutige Frauen stehen würde, fänden es alle super offen und null diskriminierend.

    Ich denke, dass man optisch auf etwas steht und sich das nicht an- oder abtrainieren kann. Mir gefallen bestimmte Sachen optisch bei Menschen. Das ist immer konstant geblieben. Ebenso, das, was ich nicht attraktiv finde. Und gerade auch bezüglich der Sexualpräferenzen denke ich nicht, dass man sich da welche an- oder abtrainieren kann. Wenn man jemanden nicht geil findet, findet man den nicht geil. Klar kann man trotzdem mit dem Sex haben, aber man ist dazu nicht verpflichtet, nur um bloß niemanden zu diskriminieren oder sonstwie zurückweisen zu müssen. Wäre ja noch schöner. Das hätten so manche sicher gerne.

    Ich finde es sogar sehr wichtig, dass man zu seinen Präferenzen steht, statt sich da zu verbiegen, um gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen oder jemanden nicht enttäuschen zu wollen.

    Was soll ein Dating mit jemanden bringen, auf den man nicht steht? Damit der sich falsche Hoffnungen auf mehr macht? Odersoll man mit dem auch aus Gefälligkeit Sex ausprobieren, bevor man sagen darf, dass man nicht auf den steht, ohne als Rassist dazustehen?

    Nee, ich finde der eigene Geschmack ist keine Diskriminierung oder Rassismus in dem Sinne, wie es gemeint ist.

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  10. Super Beitrag! Finde das Thema echt spannend und kann dir bei allem nur zustimmen. Ich denke auch, dass es eine Frage der Sozialisation ist und sehe das genauso, es ist eine Art von Diskriminierung, teilweise sogar Rassismus. Wenn ich mich recht erinnere, hat Alice Hasters in ihrem Buch auch gesagt, dass man sich selbst vor Augen führen sollte, wen man schon gedatet hat (egal, ob feste Beziehung oder nur auf Dates gegangen) und selbst einmal analysieren, wie divers diese Partner*innen waren. Wenn man dann nur Menschen mit einer bestimmten Hautfarbe gedatet hat, sollte man sich selbst hinterfragen.

    Das Problem ist, glaub ich, dass uns dieses kritische Verhalten nicht auffällt, bis wir uns damit beschäftigen. Demnach sind Beiträge wie deiner hier so wichtig, denn sie weisen auf etwas hin – womit sich manche noch nie auseinandergesetzt haben. Das ist keine Kritik, denn wir sind ja alle so sozialisiert. Aber erst, wenn wir unser Verhalten reflektieren, wird sich auch etwas ändern. Deshalb glaube ich auch, dass es nicht so viel bringen wird, wenn du mit deinem Kumpel noch einmal redest. Er muss sich selbst „weiterbilden“ und sein Verhalten reflektieren. Und wer weiß, ich kann mir gut vorstellen, dass es bei ihm erst dann Klick macht, wenn er die „perfekte“ Partnerin mit dem „perfekten“ Körper datet und dann merkt, dass er mit ihr nicht unbedingt glücklicher ist mit einer anderen.

    Schade auf jeden Fall, dass dein Kumpel diesen Schritt gehen wird! Ich kann’s gut nachvollziehen, dass du davon so überrascht warst und bist. Es ist eben auch, so ehrlich muss ich jetzt sein, oberflächlich und verletzend… 😦

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    1. Da kann ich dir nur zustimmen! Wir können nichts dafür, wie wir sozialisiert sind, aber es liegt in unserer Hand, uns zu reflektieren!

      Übrigens habe ich meinem Kumpel doch geschrieben. Er hat zwar sehr nett geantwortet, es aber trotzdem nicht verstanden/eingesehen! Für ihn ist Geschmack etwas, wofür man nichts kann und was man auch nicht ändern kann…

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