Fußball und Nationalismus? – Warum ich die WM nicht mehr schaue

Das ganze Land ist im Fußballfieber, denn endlich ist wieder die Fussball Weltmeisterschaft. Nach 4 Jahren spielen verschiedene Länder aus der ganzen Welt in Russland, um am Ende zu gewinnen. In dieser Zeit sind in jedem Lokal große Fernseher aufgestellt und laden ihre Gäste ein, die Fußballspiele zu schauen.

Der Sport und das Schauen der WM sind ein mittlerweile so allgegenwärtiger Aspekt der heutigen Popkultur. An jedem Ort wird die WM mindestens ein Mal thematisiert. Ob in der Schule, in der Uni, am Arbeitsplatz oder am Esstisch.

Der Gedanke daran, dass alle gemeinsam über etwas reden, lachen und Spaß haben, klingt objektiv betrachtet sehr einladend. Aber eben nur objektiv betrachtet…

Bei der WM muss Fußball geschaut werden!

Die meisten meiner Mitmenschen schauen in diesem Monat Fußball – besonders wenn Deutschland spielt. Sie treffen sich dafür in großen Gruppen und fiebern gemeinsam mit.

Ich habe mich jahrelang angeschlossen, weil ich das Gefühl hatte, keine Wahl zu haben. Alle schauten es, also musste ich auch. Alle liebten es, also musste ich auch. Ich zwang mich sogar dazu, laut zu werden und mit zu grölen. Peinlich, peinlich, ich weiß…

Was, wenn ich nicht schauen WILL?

„Waaaas, du guckst keinen Fußball? Nicht mal bei der WM?“

Nope, dieses Mal nicht.

Fakt ist, dass mich der Sport nie wirklich mitgerissen hat. Ich spüre das „Fußballfieber“ einfach nicht. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann verstehe ich auch nur die Hälfte von diesen so simplen Regeln.

Nach 20 Minuten gucken fange ich an mich zu langweilen und schaue stattdessen auf die Werbung, die im Stadion eingeblendet wird. Ich höre auf die Stimme des Moderators (der immer ein Mann ist) und stelle mir vor, wie er wohl aussehen mag. Ich warte geduldig darauf, dass die 90 Minuten enden und verdrehe die Augen, wenn es zu einer Verlängerung kommt.

Kurz gesagt: Ich mag keinen Fußball. 😀

Ist Nationalismus gerade jetzt unterstützenswert?

Obgleich ihr es anders empfinden könnt, so verbinde ich die WM und EM stets mit starkem Nationalismus. Auch wenn viele von ihnen wie ich damals nur „Mitläufer“ sind.

Ein Freund von mir „stritt“ sich mit mir über meine Sichtweise und zählte wutentbrannt auf, dass Deutschland die modernste Verfassung der Welt hat und wie stolz wir doch für dieses Land sein sollten, weil Deutschland einen enormen Teil in der Flüchtlingspolitik leistet und sich enorm für Europa engagiert.

Ähm….aber was zur Hölle hat das mit Fußball zu tun? 😅

Ist die WM nicht ein Turnier? Inwiefern repräsentieren wir die Werte, wenn wir das Spiel schauen? Wozu gibt es einen Grund, das Land zu verteidigen? Warum haben wir einen Grund stolz zu sein, wenn wir nichts anderes tun, als unsere Augen auf einen Fernseher zu richten?

Was er getan hat, war Fußball mit Politik zu verknüpfen.

Und wenn er auf diese Schiene geht, so sehe ich – obwohl ich den Nationalismus, sowie Patriotismus nicht verteufle – in dieser so rückständigen politischen Phase keinen Grund, „stolz“ auf das Land zu sein. In einer Zeit, in der die Abgrenzung gegenüber nicht Deutschen nach langer Zeit wieder so präsent ist, finde ich es beunruhigend, all diese deutschen Parolen zu hören und an sämtlichen Häusern eine deutsche Fahne wehen zu sehen…Warum dieses Unterstreichen mit der Fahne? Damit wir alle sicher sind, dass die Einwohner auch ja für Deutschland sind? Weil Deutschland die beste Mannschaft ist?

Keine Lust auf die WM

In diesem Jahr habe ich mir zum ersten Mal eingestanden, dass ich kein Fußball Fan bin und das während der WM nicht erzwingen muss.

Ich habe außerdem meine Probleme mit dem Herumschwingen der deutschen Fahnen, weil ich finde, dass ihre Symbolik sehr viel transportiert. Und den Sport mit politischen Werten in Verbindung zu bringen, finde ich ehrlich gesagt lächerlich…

Aber hier einmal klar und deutlich: Ich unterstelle keinem Menschen, der mit der deutschen Fahne herumschwinkt, nationalistisch zu sein.

Im Gegenteil freue ich mich für meine Mitmenschen, weil sie in diesem Monat viel Freude haben. Diejenigen, die gerne Fußball gucken, haben sicherlich auch eine Menge Spaß! Ich wünschte nur, dass dieses Kollektiv auch dann entstehen würde, wenn nicht das ganze Land für Deutschland und gegen alle anderen Länder ist.

Wie seht ihr das? Findet ihr meine Sichtweise zu „krass“? Ich freue mich über jede Meinung und würde alle einladen, euch für eure eigene Sichtweise niemals zu schämen.

Viel Spaß beim Fußball gucken! Ich geh währenddessen ein Eis essen 😉 ♥

34 Kommentare zu „Fußball und Nationalismus? – Warum ich die WM nicht mehr schaue

  1. Haha, super Artikel. Den poste ich glaub grad auf Facebook, wenn ich darf?

    Ich habe bis jetzt nicht so krass die Gefahr gesehen zwischen gefährlichem Nationalismus und dem Einstehen für das eigenen Team. Meine These ist, dass sich das einfach während einer WM oder EM akzentuieren kann, wenn es latent auch schon vorher da ist. Vielleicht habe ich mich einfach auch noch zu wenig mit dieser Thematik beschäftigt. Ich wohne in der Schweiz und ich persönlich grenze mich recht vom Patriotismus ab. Auch den Nationalfeiertag nehme ich nicht extrem ernst. Hm, ich denke einfach, es ist ein Unterschied zwischen Patriotismus und extremem Nationalismus. Weiss nicht genau, ob diese beiden Dinge verschwimmen oder nach meiner These doch zwei recht verschiedene Paar Schuhe sind.

    Ich habe mir natürlich auch kurz Gedanken gemacht, wie ich diese WM „angehen“ will und bin zum Schluss gekommen, dass es mich wohl im ersten Moment „schmerzen“ wird, wenn ich nicht Teil davon bin. Aber ich bin in einer Lebensphase, wo mir andere Dinge wichtiger werden und ich möchte mich auf meinem Weg und in meine Richtung entwickeln und da will ich mein Ding durchziehen und sozusagen im stillen an mir arbeiten und die Dinge machen, die mir wichtig sind, während andere diese Stunden mit Fussball schauen verbringen.

    Ich fand die WM schon eigentlich spannend, weil auch was los war und es irgendwie schon kribbelte, wenn das Turnier begann. Aber wie gesagt, ich will mich in eine andere Richtung entwickeln und das Mainstream-Denken und -Handeln kritisch betrachten und nicht einfach mitmachen, weil dies alle tun.

    Ich merke, dass ich mich persönlich in letzter Zeit auch für andere Menschen aus anderen Kulturen öffnen kann, weil ich wirklich auch positive Erlebnisse gemacht habe und das gibt mir irgendwie ein erfüllendes Gefühl. Das wir alle Menschen auf dieser Welt zusammengehören (ok, hat jetzt vielleicht nicht direkt was mit Nationalismus zu tun).

    Liebe Grüsse! (und eine erfüllende und befriedigende Zeit ohne Fussball:-)).

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar! Klar kannst du ihn posten 🙂

      Ich sehe auch einen Unterschied zwischen Nationalismus und Patriotismus, aber beide heiße ich in der heutigen Zeit nicht gut.

      Und ich verstehe es total, wenn die Menschen beim Fußball mitfiebern wollen! Ich habe für mich nur festgestellt, dass mir das Spiel an sich einfach nicht gefällt.

      Deinen letzten Absatz finde ich richtig toll! Freut mich, wenn es dich erfült, dich anderen Kulturen zu öffnen. Auf mich hat es eine ähnliche Wirkung!

      Ganz liebe Grüße!

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      1. Ah super. Vielen Dank. Dann poste ich den Artikel. Weil ich finde, es ist ein guter Beitrag (auch gerade jetzt, wo die WM begonnen hat).

        Ja, ich hoffe, es geht so weiter, dass ich mich für andere Menschen generell und speziell für Menschen aus andere Kulturen öffnen kann. Mir machte das irgendwie Mühe, aber der Freund einer guten Kollegin hat einen Freund aus Syrien und ich war auch mal kurz bei der Familie der Schwester ihres Freundes und es hat mich berührt, wie sie waren und wie sympathisch, freundlich, etc.

        Liebe Grüsse!

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  2. Ich sehe das Thema absolut entspannt und auch, wenn ich selbst kein Fußball-Fan bin, gönne ich den Leuten den Spaß und ihre Fahnen. Ich finde es nachvollziehbar, ein Team anzufeuern, egal ob das eigene oder ein anderes. Vielleicht kommt bei vielen Zuschauern, insbesondere den männlichen, dabei das Kind ein wenig durch, wenn sie mitfiebern und anfeuern. Ich finds eigentlich ganz schön. LG!

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  3. Ich bin dir da sehr ähnlich und gehe mit Eis essen ;). Ich muss auch sagen, dass die WM oder EM immer die einzigen Anlässe sind oder waren, wo ich von Fußball überhaupt irgendetwas mitgbekomme und jedes Mal, wenn ich ein Spiel gesehen habe, muss ich teilweise über das Verhalten der Menschen lachen, wie man sich in etwas so reinsteigern kann. Verständlich, dass Fußball-Fans nicht wirklich mit mir Fußball schauen wollen. Haha. ;).

    Aber wie du sagst finde ich es faszinierend und auch irgendwie schön, dass solche Anlässe Menschen zusammenbringen (leider auch auseinander, aber heben wir mal den positiven Aspekt hervor). Ich denke mir dann, warum wir das bei anderen (wichtigeren?) Themen nicht schaffen.

    Alles Liebe, Julia

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    1. Danke für deine lieben zustimmenden Worte! 🙂 Ich wünsche mir auch, dass dieses Kollektiv auch anderweitig entstehen und niemanden ausgrenzen würde! Und nur weil Fußball und die WM mainstream sind, bedeutet das nicht, dass man sich zwingen muss, sich anzuschließen!
      Liebe Grüße!

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  4. Es war wohl als ich 11 Jahre alt war als mich mein Opa zum ersten Mal mit auf einen Fußballplatz nahm. Zunächst war das ein kleines Stadion, wo nur wenige Zuschauer einem Spiel eines unterklssigen Vereins zusahen. Dann aber war es einmal ein Spiel der 1. Liga in der DDR. Später sogar mal ein Länderspiel und ein Halbfinale im Europapokal.

    Mein Opa hat in mir die Liebe zum Fußballschauen geweckt. Aber ich bin wie er: Ein sehr ruhiger Zuschauer, den das Spiel, aber nicht das ganze Drumherum interessiert.

    In größere Stadien zu gehen, habe ich schon bald nicht mehr vermocht. Zu groß, zu laut, auch zu gefährlich. Nicht meine Welt. Schreien, Grölen, so viele unfaire Sprechchöre, so viel Gehabe und leider auch immer wieder Aggressivität auf den Rängen.

    Ich schaue auf einem Fußballplatz nur noch Spiele sehr unterklassiger Mannschaften (weil ich dort ganz für mich sein kann), auch das sehr selten oder halt Übertragungen im Fernsehen. –

    Die WM schaue ich gern. Aber nicht, um Deutschland zum Sieg zu brüllen. Mir ist da viel zu viel „Hype“ dabei. – Ich freue mich über gute Spiele und Überraschungen durch die „Kleineren“ (toll das 1:1 von Island, das mit 340.000 genauso viele oder wenige Einwohner wie Bielefeld hat, gegen den Vizeweltmeister Argentinien). Und so habe ich überhaupt kein Problem damit, dass vorhin die Mexicaner Deutschland mit 1:0 besiegt haben. Ich habe mich vielmehr mit ihnen gefreut. Sie haben so engagiert gespielt!

    Der Bessere soll gewinnen. Das muss und braucht nicht immer Deutschland zu sein.

    Zudem nervt mich der ganze Kommerz um den Fußball sehr. Und auch eine gewisse Arroganz, die ich vor allem bei den vermeintlich „wertvollen“ Spielern der „großen Fußballländer“ wahrnehme.

    Ich weiß nicht, ob alles richtig ist, was die Medien da so multiplizieren, aber ich finde es irgendwie mies, wenn Herr Löw meint bemerken zu müssen, dass „die Russen“ keinen Espresso kochen können. Und auch der Hinweis, dass die deutsche Unterkunft nur den Charme eine Sportschule habe, ist aus meiner Sicht unangebracht. Richtig peinlich wurde es kürzlich für meinen Geschgmack als Christoph Kramer, 2014 zur Weltmeisterelf Deutschlands gehörte, meinte, daran erinnern zu müssen, dass man seinerzeit in Brasilien zwischen den Spielen schon mal mit dem Hubschrauber zum Golfspielen abgeholt worden sei. – Geht’s noch?!

    Im Übrigen she ich mich ganz gern immer mal wieder Frauenfußballspiele an. Da wird viel wenigher gefoult und es gibt keine theatralischen Eiunlagen wie bei den Männern – irgendwie steht das Spiel da noch mehr im Mittelpunkt.

    Ach ja, liebe Mia, inzwischen gibt es doch eine Frau die Fußballspiele kommentieren darf. Sogar große – Das ZDF hat Claudia Neumann mit zur WM genommen. Zwei Spiekle hat sie bereits als Reporterin begleitet. Ein paar mehr dürften es noch werden, immerhin …

    Ansonsten halte ich es als am Spiel Fußball nach wie vor Interessierter mit der Maxime: Ich mag es um des Sportes willen. Da, wo es national-tümelnd wird, wo „Fan“randale“ „dazu“ gehören, ist nicht mein Platz. So etwas hat mit dem Sport an sich nuichts zu tun. Leider greift Derartiges aber immer mehr um sich …

    Soweit meine Meinung zum Thema als jemand, der sich bekennt, Fußball zu mögen, den ursprünglichen, ehrlichen.

    Deine Ansichten, liebe Mia, kann ich durchaus nachvollziehen. Abgesehen davon ist Fußball im Allgemeinen und Männerfußball im Besonderen nicht der Nabel der Welt.

    Allerliebste Grüße an Dich und ein extra Dankeschön (da ist gestern was ganz Schönes in mein Postfach geflattert!)! ❤

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    1. Lieber sternfluesterer,
      Danke für deinen lieben ausfühlichen Kommentar, in dem du die Anfänge deiner Liebe zum Fußball erklärt hast. Wenn man den Sport mit solchen emotionalen Erinnerungen verbindet, verstehe ich es gut, dass man den Sport gerne schaut. Auch überhaupt verstehe ich ihn, schließlich tun es fast alle, die ich kenne mit großer Begeisterung.

      Deine Kritikpunkte kann ich gut nachvollziehen, auch wenn sie anders sind als meine. Solange Fußball Spaß und Feude bereitet, finde ich alles gut, aber sobald Ausgrenzungen entstehen und andere verletzt werden, bin ich leider raus.

      Ganz liebe Grüße!!

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    2. Lieber Sternflüsterer,
      welch eine gesunde Einstellung, die Du da offenbarst. – Ich habe ja nun beruflich mit Fußball (und Anderem) zu tun, aber der „große“ Fußball ist mittlerweile so abgehoben von der restlichen Welt, daß man sich das wirklich nur noch im Fernsehen anschauen sollte. Auf unser Eintrittsgeld sind die sowieso nicht angewiesen.
      Ich mache es ganz ähnlich wie Du, trage meine paar Euro zum niederklassigen Fußball. Wo ich als Zuschauer noch das Gefühl habe, willkommen zu sein und ggf. mit Leuten ins Gespräch komme, die sich für Fußball interessieren und nicht für die Farbe der Schuhe etc.

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  5. Ich sehe das mindestens, wie du und ich weiß von Schwarzen Menschen / Menschen of color, dass sie in dieser Zeit besonders viel Angst vor Übergriffen haben – vor allem, wenn Deutschland spielt. Mich fressen die Fahnen, die jetzt überall zu sehen sind, unglaublich an. Und mir aber auch überhaupt schleierhaft, wie man bei einer korrupten Organisation wie der Fifa und einer WM in einem Land, in dem Menschenrechte mit Füßen getreten werden, dieses Turnier verfolgen wollen kann. Seufz…

    Gefällt 3 Personen

    1. Das bekomme ich auch mit. Am meisten ängstigt mich an der WM das Ausgrenzen von anderen.
      Auch habe ich von einer Oma einer Freundin gehört, dass die ganzen aufgehängten Fahnen sie beunruhigen und in die Zeit des Krieges zurückversetzen.

      Liebe Grüße!

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  6. Liebe Mia,
    auch ich bin kein Fussballfan. Ich gehöre zu der Fraktion: „Gebt doch bitte jedem Kind einen Ball, dann hört das Gestreite auf!“ 😀
    Dennoch kann ich mich dem Tralala nicht entziehen, weil mein Mann und Jungs im Bann des WM-Balls sind.
    Gestern, als ich allein im Auto unterwegs war, fragte ich mich: „Warum darf man in Fussballhochzeiten Nationalstolz und Vaterlandsliebe deutlich zeigen, aber zu anderen Zeiten wird man bspw. als Nazi beschimpft, wenn man ein solches Verhalten an den Tag legt?“
    Ich bin immer wieder erschüttert, wie leicht die Menschen an der Nase herumgeführt werden, damit u.a. die Politik in Windeseile neue Beschlüsse zu ihren Gunsten durchsetzen kann, weil die Bevölkerung abgelenkt ist.
    Toller Text, wie so oft. 🧡
    Liebe Grüße
    Michaela

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  7. Hallo Mia,

    also ich kann deine Gedanken durchaus nachvollziehen. Ich selbst bin fußballinteressiert (nicht -begeistert) und konnte dieses große „Wir“, das zu bestimmten Turnieren wie aus dem Nichts entsteht, noch nie nachvollziehen. Erstmal weil es da gar kein „wir“ gibt, denn dieses beschränkt sich auf die Mannschaft und alle, die unmittelbar mit ihr zusammenarbeiten. Zum anderen, weil damit grundsätzlich auch eine Art Gruppenzwang verbunden ist. Mir ist aber im Grunde tatsächlich egal, was die deutsche Nationalmannschaft erreicht, weil meine „Unterstützung“ viel mehr eine Frage der Sympathie ist. Ich freue mich viel mehr darüber, wenn die Außenseiter, die niemand auf dem Zettel hat, für Furore sorgen, wie der Senegal 2002, vor 4 Jahren Costa Rica oder wie bei der EM auch diesmal vielleicht wieder Island. Zumal die Fans solcher Nationen oft auch noch mit einer viel schöneren Mentalität hinter ihren Mannschaften stehen, da sind es dann echte Emotionen und Respekt, den sie den Spielern (und Gegnern, man erinnere sich nur an die Iren bei der letzten EM!) gegenüber bringen. Bei den Deutschen (und auch anderen Nationen) sehe ich da oft nur eine hohe Erwartungserhaltung bei sehr geringer Frustrationstoleranz (kann man ja nach dem 0:1 gegen Mexiko wunderbar beobachten), sehr viel Kommerz (versuche jetzt mal beim Einkaufen Produkte zu finden, die nicht in WM-Editionen angeboten werden…) und Show. Die Menschen gehen zum Public Viewing, tun für etwa 1,5 bis 2 Stunden so, als gehörten sie alle zusammen, und gehen dann bis zum nächsten Turnier wieder getrennte Wege. Dazwischen ist von Zusammenhalt und dem großen „Wir“ wieder nichts zu sehen.

    Was den „Stolz“ betrifft, sehe ich es auch so, dass ich nicht auf etwas stolz sein kann, das ich nicht selbst geleistet habe oder an dem ich nicht mal den geringsten Anteil hatte. Und auf ein Land sowieso schon mal gar nicht. Ich wurde hier geboren, was im Übrigen ein absoluter Zufall war und lebe seitdem hier. Das war es aber auch schon. Ich kann mich über den Wohlstand freuen, den ich genieße, ohne viel dafür getan zu haben, oder dankbar dafür sein. Aber stolz?

    Viele Grüße
    Chris

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    1. Danke für deinen tollen Kommentar, lieber Chris! Du hast Recht, das „wir“ ist oftmals mit einer Art Gruppenzwang verbunden.
      Und nur weil ich kein Fußballfan bin, heißt das nicht, dass ich mich auch über die kleinen Länder freue, die es in diesem Jahr geschafft haben, an der WM teilzunehmen!

      Auch dass die WM für kommerzielle Zwecke gedacht ist, geht nicht an mir vorbei. Kleidung, aber auch Kuchen, Getränke usw. in den Farben der deutschen Fahne machen uns auf Schritt und Tritt bewusst, dass gerade die WM läuft. Dennoch wünsche ich allen fußballinteressierten trotzdem Spaß beim Zuschauen:)

      Ganz liebe Grüße!

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  8. deutschlaaand, deutschlaaand !!!
    die exzessiven feierbiester, die nur party wollen. der höhepunkt ihres sonst so trostlosen daseins, der zyklisch wiederkehrende nationale taumel in schwarz-rot-goldner einfalt.
    auf dein blog:

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  9. Ein weites Feld, das Du da eröffnest. 🙂 So massiv mit den Fahnen kam das hierzulande ja erst mit der WM 2006 auf und da hatte es gar nicht mal den nationalistischen Touch, wie ich finde. Es war eher eine bunte Sache, weil halt auch Andere mit ihren Fahnen am Auto durch die Gegend fuhren.
    Vielleicht wirkt es aber inzwischen auch durch die politische Gesamtlage wieder „verschärft“ und da sollte man schon aufpassen als Gesellschaft.

    Mit dem „wir“ kann ich auch nichts anfangen. Nicht nur, weil ich da von Berufs wegen ein wenig distanziert bin, sondern weil für mich eine WM sowas ist wie eine Handelsmesse: jede Mannschaft zeigt, was sie drauf hat. Manchmal entwickelt sich ja auch ein Trend draus.
    Ansonsten treffen sich da halt viele Kicker, die sich oft aus demselben Verein kennen, während des Turniers in anderer „Sortierung“ und sehen das vielleicht weniger eng als mancher verbohrte Fahnenschwenker.

    Wenn ich das richtig heraus gelesen habe, gibt Dir Fußball als solches ohnehin nichts, richtig? Dann finde ich es gut, daß Du Dich da nicht zum Mitgrölen etc. zwingst. – Ich finde es umgekehrt ganz schlimm, wenn Leute ihne jegliche Ahnung sich dann über den Fußball bei anderen anwanzen wollen. Das kommt oftmals peinlich rüber. Dann lieber gar nicht, finde ich.

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    1. Danke für deinen Kommentar! In der Tat ein weites Feld!! Ich glaube auch, dass es unter anderem mit der politischen Situation liegt, warum ich all diese Fahnen so Schweig finde.

      Ich kann auch nicht alles schlecht reden, schließlich sehe ich die Freude an all den Wetten, die abgeschlossen werden und wie alle sich über die Spiele austauschen. Die Emotionen, die ich dabei sehe, sind so besonders und einmalig! Allerdings stört es mich, wenn diese Freude mit nationalen Werten vermischt wird. Und leider muss ich auch die Korruption der FIFA kritisieren!

      Ganz liebe Grüße!

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      1. Ach ja, die FIFA…. Sind ja auch immer ganz pfiffig und nehmen allen Gewinn steuerfrei mit in die Schweiz.
        Mich stört bei diesen Verbänden stets das fehlende Unrechtsbewußtsein. FIFA, UEFA und IOC sind da aber nur die Spitze, leider.
        Ebenso ganz liebe Grüße!

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  10. Hey,
    bin auf deinen Text gestoßen, weil ich überlege wie ich ein paar Menschen erklären kann, dass die WM und Nationalismus leider gar nicht so weit weg sind, wie sich einige Menschen wünschen. Finde deinen Text dazu wirklich sehr gut die wichtigsten Punkte aufgreifend.
    Allerdings habe ich eine Anmerkung, du schreibst „Ich sage auch nicht, dass Nationalismus blöd ist.“, allerdings scheint es mir der Rest deines Textes so, dass du es anders meinst. Die bpb hat in der Definition von Nationalismus stehen „Im Gegensatz zum Nationalbewusstsein und zum Patriotismus (Vaterlandsliebe) glorifiziert der Nationalismus die eigene Nation und setzt andere Nationen herab. “ Das finde ich sehr problematisch, denn es ist blöd andere Nationen herabzusetzen.
    Ich hoffe sehr, dass du das nicht so meintest…

    Hier der Link:
    https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/16503/nationalismus

    Viele Grüße

    Zebra

    Gefällt mir

    1. Hallo Zebra,
      Danke für deinen sehr wichtigen Kommentar! Tatsächlich hat eine Freundin mich in meinem Beitrag auf genau diese Passage aufmerksam gemacht und mir ebenfalls den Link der pdp geschickt!

      Natürlich meinte ich nicht, dass ich den Nationalisms gut finde! Ich wollte damit eigentlich deutlich machen, dass es mir in diesem Beitrag nicht primär um die Kritik des Nationalismus geht, sondern um die Verknüpfung mit dem Fußball und dem unvermeidlichen Problem der Verbindung Sport und Politik. Wenn Menschen sich angegriffen fühlen, vergessen sie oft den Inhalt des Textes und stürzen sich auf ein, zwei Aussagen. Aber gut, vielleicht, habe ich das nicht so formuliert, wie ich es eigentlich denke.

      Nach langem hin und her habe ich die Passage jetzt entfernt. Ich möchte nichts widersprüchliches teilen und mich korrekt ausdrucken. Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast 🙂

      Liebe Grüße!

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      1. Hallo Mia,

        was mich betrifft war ich nicht angegriffen, sondern verwundert, weil die Aussage eben nicht zum Rest des Textes passte. Damit, dass durch diesen Satz der Rest des Textes von manchen Menschen vergessen werden kann, hast du vollkommen Recht.

        Im übrigen finde ich deinen Blog allgemein sehr schön.

        Ich hoffe du hast dein Eis heute genossen 😉

        Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

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