Dienstagabend – der cholerische Dozent im Seminar

Seit einigen Stunden ist mein Horror Seminar vorbei. Das Herzklopfen ist allerdings noch sehr präsent.

Die ganze Zeit über hatte ich Angst. Letzte Woche war fast der ganze Kurs durch Zufall nicht da – ich auch nicht, weil ich bis 6 Uhr morgens an meiner Hausarbeit schrieb. Diese große Abwesenheit hatte ihn jedoch sehr verärgert. Seitdem ist er wie ausgewechselt.

Purpurrotes Gesicht

Er brüllte einen Gasthörer an, weil er nicht die Hausaufgaben gemacht hatte und schmiss ihn raus. Er brüllte eine Kommilitonin an, weil sie eine Frage stellte, die man scheinbar hätte wissen sollen. Er nahm wahllos irgendwelche Menschen ran, die ihm die Übung erklären sollten.

Wir alle machen die Hausaufgaben nicht. Und warum? Weil wir sie nicht verstehen! Wir lernen eine historische tote Sprache mit tausend Zeichen und einer komplexen Grammatik. Wir kommen nicht hinterher. Und anstatt sich zu fragen, warum wir nicht mitmachen, wird er wütend.

Nicht, dass ich ihn nicht verstehen würde. Sicher war sein Stolz verletzt, als niemand zu seiner Vorlesung erschien…

Pläne, um den Kurs zu entgehen.

Gestern Abend lag ich im Bett und überlegte mir den Wecker nicht zu stellen und das Schicksal entscheiden zu lassen. Falls ich trotzdem aufwachte, wäre ich hingegangen, falls nicht, hätte ich friedlich weitergeschlafen.

Meine zweite absurde Überlegung war sogar, mir ein Attest zu holen, um für den Rest des Semesters nicht zum Seminar zu erscheinen und nur zur Klausur zu kommen…Ein Attest für was auch immer. Furcht vor dem cholerischen Dozenten. Verrückt, dass ich überhaupt an sowas denke!?

Ich habe Angst.

Es ist eigentlich dämlich, denn schließlich hat er mir nichts getan. Aber warum habe ich dann Angst vor ihm?

Leider sehe ich ihn in dieser Woche wieder. Die ganze Zeit fürchte ich mich davor, dass er mich aufruft und anschreit. Am liebsten würde ich sagen „Ich weiß es nicht“, aber dann bekomme ich vielleicht was zu hören, weil ich seiner Meinung nach zu blöd bin.

In der Realität kriege ich meinen Mund nicht auf.

Stattdessen träume ich davon, wie ich ihm alles sage, was sich in mir angesammelt hat. Dass er nicht das Zeug hat, zu dozieren, dass seine Seminare langweilig sind, dass er nicht erklären kann und grundlose Wutausbrüche hat. Ich würde im aufzeigen, wie falsch er sich verhält, dass er respektieren muss, dass er die Sprache seit Jahrzehnten beherrscht und wir noch am Anfang stehen. Und vor allem das die Uni nicht wie die Schule ist. Wir sind freiwillig hier. Es gibt keine Pflicht, da zu sein, oder sich zu melden. Er sollte mit diesen hierarchisierten und aufsässigen Methoden aufhören!

Ich finde, dass autoritäre Personen niemals die Stimme erheben sollten! Wir sind erwachsene Menschen – so wie er! Warum können wir uns nicht höflich verständigen? Warum die Machtposition mit einer lauten Simme unterstreichen?

Aber leider bringt meckern an diesem Punkt nichts (außer vielleicht um Frust abzulassen). Ich muss den Kurs trotzdem bestehen, sonst kann ich mein Studium nicht abschließen…

Versteht ihr diese unbegründete Angst? Habt ihr irgendwelche Tipps, wie man sie loswerden kann?

Ich zittere noch ein bisschen vor mich hin und träume weiter, wie ich ihm die Meinung sage. Habt alle einen schönen Abend! ♥

22 Kommentare zu „Dienstagabend – der cholerische Dozent im Seminar

  1. Ich finde nicht, dass deine Angst unbegründet ist. Dein Dozent hat offenbar einige wichtige Grundsätze der Pädagogik überhaupt nicht verstanden. Dass man nach cholerischen Anfällen vor einer Person Angst hat, ist nur verständlich – selbst, wenn sich der Anfall nicht gegen einen persönlich richtet.

    Sein Verhalten, wie du es hier beschreibst, ist – kurz gesagt – unter aller Sau! Das geht gar nicht. Gibt es in dem Kurs Anwesenheitspflicht? So oder so könntest du vielleicht mit ein paar Kommilitonen ausmachen, dass ihr das nächste mal gesammelt aufsteht und geht, wenn er wieder anfängt rumzuschreien – und dann aufschreibt warum und damit zu seinem Vorgesetzten. Und ich würde unabhängig davon mit der Sache zu einem Betreuer gehen und sie ihm schildern. Holt euch Unterstützung aus den Reihen der Dozenten. Cholerische Anfälle sind eines Universitätsdozenten unwürdig. Da kann man die Unis oft noch bei ihrer Ehre packen.

    Eine direkte und vor allem auf dich gestellte Auseinandersetzung mit dem Dozenten würde ich vermeiden. Dadurch riskierst du, dass er sich deinen Namen merkt und dir den Rest des Semesters und dann auch die Klausur erst recht versaut. Und du riskierst wirklich einfach persönliche Beleidigungen und Angriffe. Das ist nicht nötig.

    Und am Ende des Jahres wird es an eurer Uni sicher auch Evaluierungsbögen geben. Füll ihn ehrlich aus. Und animiere deine Kommilitonen, das auch zu tun.

    Du musst das alles nicht allein durch stehen. Such dir Unterstützung.

    Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute und viel Kraft für den Rest des Semesters! ❤ ❤ ❤

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    1. Danke für deine aufbauenden Worte! ❤️ es beruhigt mich, dass diese Angst irgendeinen absurden Auslöser hat.

      Meine Kommilitonen denken alle über ihn – aber gleichzeitig haben sie Angst, weil er eben das letzte Wort hat und eben in der Machtposition ist…falls es die Möglichkeit gibt, ihn zu bewerten, werde ich mich dieses Mal vllt zurückhalten!!

      Ganz liebe Grüße!

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      1. Deshalb tut euch zusammen und holt euch Unterstützung von anderen Dozenten. Je mehr ihr seid, desto anonymer seid ihr und desto mehr könnt ihr auch jetzt schon ausrichten. Oder geht zuerst mal zur Fachschaft und zu den Studentensprechern. Schildert denen das Problem und fragt, was ihr tun sollt. Die können dann für euch aktiv werden, ohne dass eure Namen irgendwo genannt werden müssen.

        Damit könnt ihr etwas bewegen, ohne euch in die Schusslinie begeben zu müssen.

        Es gibt Möglichkeiten, euch zu schützen und euch Hilfe zu holen. Nutzt sie!

        Ich wünsche dir und deinen Kommilitonen dafür viel Erfolg!

        Ganz liebe Grüße zurück :-*

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    2. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Ich stimme Dir liebe Grübeleule in allen Punkten zu. Und außerdem, Mut zum Widerstand muss man sich nehmen, das Recht hast Du, liebe Mia. Es ist wichtig, sich gegen solches Unrecht zur Wehr zu setzen, kuschen ist feig und gilt nicht. Viel Kraft!

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  2. Argh, das geht ja mal gar nicht! Das kommt davon, wenn Unidozenten (leider) nur nach fachlicher Kompetenz, nicht aber auch nach pädagogischer Eignung auswählt 😡 Wirklich unwürdig! Ab zur Fachdidaktik-Nachschulung mit ihm. Expertenwissen allein macht eben keinen guten Lehrer/Dozenten …
    Ich kann deine Gefühle sehr gut verstehen, mich würde das ebenfalls einschüchtern bzw. ängstigen. Die Idee, als Gruppe und nicht allein etwas dagegen zu unternehmen, finde ich sehr gut.

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    1. Danke für dein Verständnis! ❤️ Ja, es ist wirklich verrückt, wie ein so intelligenter Mensch so wenige Sozialkompetenzen beherrscht! Die Idee als Gruppe kann durch diese kollektive Angst vermutlich nicht realisiert werden :/ wir sitzen im selben Boot und haben halt Angst…

      Aber ich zahle schon die Tage, bis das Semester endet!

      Ganz liebe Grüße!!

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      1. Weißt Du, mein Chef ist auch so einer und ich denke mir, da kann es nur einer dieser beiden Gründe haben. Aber da es mir, sein Befinden betreffend, egal ist, werde ich ihn diesbezüglich nicht fragen. 😉 Er meint, Menschenführung sei sein Steckenpferd. Nun ja, meines war mal fotografieren, was aber nicht bedeutet, dass ich darin gut war. LG

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  3. Was es nur für Menschen gibt! – Leider sind etliche Wissenschaftler sehr schlechte Pädagogen, und Dein Dozent gehört zweifellos dazu. Und leider ist gegen solche Leute kaum ein Kraut gewachsen.

    In mir kamen beim Lesen Deiner Zeilen Erinnerungen an mein erstes, mein Direktstudium hoch. Ich kann Dein Gefühlsempfinden, vor allem jenes der Angst, also sehr gut nachvollziehen. Und ich weiß, das sie NICHT unbegründet ist.

    Eine unmittelbare Lösung weiß ich freilich nicht. Ich habe sie auch damals während meines Studiums nicht für mich finden können. Ich habe versucht, „bei meinem Leisten“ zu bleiben, mich so gut als möglich auf Kontrollen, Tests, Klausuren vorzubereiten. Zum Teil war es damals bei uns so, dass wir uns insoweit im Vorfeld gegenseitig ein bisschen unterstützt haben (also so ein paar Studenten in Grüppchen.)

    Ich stimme Grübel-Eule oben zu: Eine unmittelbare, direkte Konfrontation wird nichts bringen außer Nachteile. So schmerzlich das ist.

    Schade, dass ich Dir nichts WIRKLICH Hilfreiches sagen kann, um so mehr lasse ich Dir aufrichtige Gedanken und Wünsche hier, für Dich solche, die nur ganz von Herzen kommen, liebe Mia! ❤

    Ich wünsche Dir eine gute Nacht – ein schöner Traum soll Dich in ihr begleiten. – Nur ganz liebe Grüße an Dich! ❤

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    1. Dein Mitgefühl bedeutet mir wie immer sehr viel, lieber sternfluesterer!

      Vielleicht gibt es auch keine Lösung. Ich bin in diesem Fall eben nicht in der Machtposition. Ich würde nur gerne diese Angst loswerden, die mich so einschränkt und selbst unter Druck setzt. Ich sag de Bescheid, wenn es mir gelungen ist 😉

      Danke für deine lieben Worte! Hab du auch schöne Träume! ❤️⭐️

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  4. Ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll! Absolut furchtbar! Ich höre auch hin und wieder aus meinem Umfeld solche Horrorgeschichten von Dozenten und bin da dann umso dankbarer bisher nicht mit solchen Professoren konfrontiert worden zu sein. Unfähig – ja, aber nicht angsteinflößend.

    Vielleicht findet sich ja jemand der ihm mal die Meinung sagt. Meistens gibt es ja ein paar Mutige. Ich würde mich nichts trauen zu sagen. Ich bin da viel zu ängstlich. Obwohl es natürlich das Richtige wäre.

    Ich wünsche dir, dass sich eine Lösung findet! Denn solche Menschen haben in der Uni nicht zu lehren.

    Alles Liebe, Julia ❤

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar! 🙂
      Ich weiß, er hat wirlich keine Sozialkompetenzen! Leider sind wir alle zu feige, um etwas zu sagen…Ich weiß leider nicht, ob es überhaupt eine Lösung gibt – ich zähle aber die Tage bis zum Ende des Semesters und es ist zum Glück bald geschafft! Hoffentlich erhalten wir einen Evaluationsbogen!
      Liebe Grüße! ❤

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  5. Dann drücke ich die Daumen – Solche gibt es überall und natürlich vor allem an wichtigen Schaltstellen. Die werden Dir noch oft begegnen. Sie tarnen sich gern als Vorgesetzte, die zunächst konstruktiv mit Dir zusammenarbeiten wollen… Aber nein, ehrlich, manchmal hilft dann nur mit dem Strom schwimmen und Geweih einziehen – viel Glück!

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  6. Wer Stärke auf diese Art meint zeigen zu müssen, ist schwach. (Ist er Prof oder lediglich AOR oder sonstwie „Mittelbau“?)
    Vor diesem Hintergrund betrachte ihn und versuche ihn mitleidig zu sehen 🙂 Aber nicht so offen lächeln, sonst nimmt er Dich dran… 😉

    Gefällt 1 Person

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