Nach dem Ramadan folgt das Zuckerfest – 5 Tipps wie man den Feiertag trotz Essstörung überwinden kann

In der muslimischen Welt haben viele Menschen in den letzten 30 Tagen gefastet. Vom frühen Morgen als die Sonne aufging, bis zum späten Abend, als die Sonne unterging. In dieser Zeit wurde weder gegessen, noch getrunken. Wir alle können bestätigen, wie heiß es im vergangenen Monat war und wie anstrengend es für all diejenigen gewesen sein muss, die das Fasten durchgezogen haben! Hut ab!

Ich habe euch in dem Beitrag Der Ramadan und Essstörungen – ein kleiner Einblick in die Problematik von esskranken MuslimInnen bereits ein wenig vom Ramadan erzählt und warum ich vor allem wegen meiner Essstörung nicht mehr daran teilnehme. Bei Interesse könnt ihr es euch ja mal durchlesen:).

Nachdem ich mich heute mit der lieben Michaela von Happy Kalorie über den Sinn des Festes ausgetauscht habe, und sie vorschlug, dieses Thema doch auch gerne mit der Blogwelt zu teilen, möchte ich euch daher das Konzept des Zuckerfestes erläutern und mit der daraus resultierenden Schwierigkeit einer Essstörung in Verbindung bringen. Außerdem teile ich mit euch meine 5 Tipps, wie man den Tag trotz Essstörung überwinden kann!

Was ist überhaupt das Zuckerfest?

Ich gehe immer automatisch davon aus, dass alle Welt das Zuckerfest kennt, aber da wir in der Schulbildung fast ausschließlich mit dem Christentum bekannt werden, ist das natürlich nicht der Fall. Hier eine kurze und knappe Zusammenfassung:

Trotz des „süßen“ Namens hat das Zuckerfest nicht wirklich was mit Zucker zu tun. Das Zuckerfest bezeichnet im Grunde das Fest des Fastenbrechens. Er findet am ersten Tag nach dem letzten Fastentag statt.

Gestern war also noch Ramadan. Heute ist das Zuckerfest. Ab heute darf wieder zu allen Uhrzeiten gegessen, getrunken und geraucht werden.

Ablauf des Festes

Ich kann leider nur aus meiner Erfahrung über den Ablauf des Zuckerfestes sprechen. Bei uns kommt traditionell die gesamte Familie zusammen. Es wird „gefeiert“, was so viel heißt, wie essen, essen, essen. Das Haus wird zudem bitzblank geputzt. Dies geschieht unter anderem wegen der eintreffenden Gäste, aber auch des Festes wegen. Und ähnlich wie Weihnachten schenken wir uns alle etwas (meistens die Eltern den Kindern). Außerdem werden sich etliche Glückwünsche bei Whatsapp herumgeschickt. All diese weiterleitenden Fotos kennt ihr sicher von Ostern und anderen Feiertagen.

In den arabischen Ländern gehen viele Menschen auf die Straße und beglückwünschen sich zum Zuckerfest, als wäre es bei uns Sylvester. Hier verläuft alles meist unspektakulärer.

Am Zuckerfest wird außerdem sehr viel gebetet. Zudem ist heute Freitag, der mit Abstand heiligste Tag der Woche im Islam. Während der Schulzeit stand es mir frei, am Zuckerfest zu Hause zu bleiben. Manchmal ging ich nicht hin, aber um ehrlich zu sein, lag das meistens eher daran, dass ich keine Lust auf Schule hatte. 😛

Zuckerfest und Essstörung?

Seit einigen Jahren fürchte ich mich vor diesem Fest. Die meisten Feiertage triggern mich und meinem Essverhalten. Und der Islam hat ganz schön viele Feiertage (nicht, dass das schlecht wäre!).

Viele Menschen mit einer Essstörung kennen es sicher, wenn an diesem einen Tag (Geburtstag, Weihnachten, Ostern) besonders reichhaltiges Essen serviert wird, das die Routine im Essen sprengt. Obwohl es mir schon viel besser mit meiner Essstörung geht, fühle ich mich dennoch am wohlsten, wenn ich mir mein Essen und meine Portionen selbst aussuchen kann. Ich will dabei von niemandem angestarrt werden und mich zu nichts zwingen.

An diesem Tag funktioniert das leider schlecht. Es ist respektlos, auf all die mit Mühe zubereiteten Gerichte zu verzichten. Obwohl meine Eltern davon wissen, ist es für sie keine Entschuldigung. In ihren Augen sollte ich viel eher eine Ausnahme machen. Es ist eigentlich total widersprüchlich, denn schließlich kann ich die Essstörung nicht mal eben pausieren…

Dennoch versuche ich mich schon seit langer Zeit dadurch zu kämpfen. Ich habe hierfür ein paar Ratschläge, die nicht nur MuslimInnen mit einer Essstörung, sondern allen anderen, die mit Feiertagen zu kämpfen haben, helfen könnten.

Hier sind  meine 5 Tipps wie man den Feiertag trotz Essstörung überwinden kann:

1. Esst besonders langsam und kaut mindestens 30 Sekunden lang. So dauert das Essen länger und das Sättigungsgefühl tritt eher ein.

2. Trinkt viel. Das füllt vorerst den Magen und sorgt für ein schnelleres Sättigungsgefühl. Dann ist der Drang vorerst gestillt.

3. (Besonders bei Anorexia nervosa) Zwingt euch zu nichts! Ich höre mich zwar auch dumme Kommentare an, weil ich keine Cola trinke (und zu sehr auf meine Figur achte), aber manchmal geht es einfach nicht. Sich zu zwingen, wenn man nicht bereit ist, macht es meist viel schlimmer.

4. (Besonders bei Binge-Eating)  Bleibt nicht lange am Tisch. Wenn euch der Anblick des Essens zu sehr triggert, dann verlasst den Raum. Schlagt vor, den Tisch schon mal abzudecken und versucht nicht zu sehr alleine zu bleiben. Leute wie ich, die anfangen, heilich in der Küche zu essen, sollten lieber noch von jemandem beobachtet werde.

5. Versucht in euch zu gehen und euren Körper zu fragen, was er eigentlich will. Fühlt er sich schon satt? Hat er noch großen Hunger? Oder spricht da mehr der Appetit oder Zwang? Atmet ruhig ein und aus, trinkt etwas und entscheidet dann.

All diejenigen, die am Zuckerfest teilnehmen, wünsche ich ein Eid mubarak, allen anderen ein wunderschönes Wochenende! ♥

 

 

 

8 Kommentare zu „Nach dem Ramadan folgt das Zuckerfest – 5 Tipps wie man den Feiertag trotz Essstörung überwinden kann

  1. Danke, liebe Mia. Für mich ist das sehr interessant zu lesen. Deine Tipps sind super.
    Du hast auch vollkommen recht, dass hauptsächlich das Christentum in der Schulbildung verinnerlicht wird. Desto schöner, wenn ich mir meine speziellen Fragen von einer Fachfrau beantworten lassen kann. 😁 Danke dafür. 😍
    Für dich ein tolles und weniger anstrengendes Wochenende.
    Viele Grüße
    Michaela 😊

    Gefällt 3 Personen

  2. Ein sehr interessanter und wichtiger Beitrag, liebe Mia! Ich kenne sehr gut diesen Stress mit einer Essstörung rund um Feiertage. Egal welches Fest, Essen – und davon meist besonders viel – gehört immer dazu. Wie enttäuscht meine Familie wäre, wenn ich keines der selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen essen würde.

    Ich bin froh, dass ich eine relativ kleine Familie habe und sich dadurch diese Familienessen in einem ertragbaren Rahmen halten. Aber ich hasse es immer, wenn Leute sowas sagen wie: „Eigentlich sollte ich nicht so viel essen, aber heute mache ich eine Ausnahme!“

    Alles Liebe, Julia ❤

    Gefällt 1 Person

  3. Ich denke, dass Deine Tipps für alle wertvoll sind. Also auch für mich. Vor allem zu Weihnachten fällt es mir auch nicht so leicht, essenstechnisch über die Feiertage zu kommen, zumal bei uns Traditionen aus zwei Ländrn eine Rolle spielen. Zuletzt habe ich da einen Abstrich von einer mir vertrauten, weil in meinem Elternhaus gepflegten, Esstradition gemacht. Damit ging es mir besser, ich werde das also beibehalten, wenn auch etwas wehmütig.

    Vom Zuckerfest (auch Bajram, glaube ich) weiß ich durch meine frühre Arbeit ein bisschen, und also auch, dass das sehr grundsätzlich eine arge Völlerei ist. Aus meiner Sicht spielt da auch der sehr plötzliche „Umschwung“ von den vormals sehr veränderten Ess- und Trinkzeiten noch einmal eine besondrre Rolle, besonders dann, wenn die Sonnenphase eine so lange ist, wie sie aktuell ist.

    Ich wünsche Dir ein schönes und für Dich angenehmes Zuckerfest, und, wenn Du in die Küche flüchtest, dannn stell Dir vor, dass ich da hinterm Schrank vorblinzele … 😉

    Ganz, ganz liebe Grüße an Dich! ❤

    Gefällt 1 Person

    1. Wie lieb von dir! Zum Glück musstest du noch nicht hervor blitzen, ich konnte mich nämlich überraschend gut zusammenreißen!

      Ja ich glaube, dass diese festliche Völlerei immer sehr ähnlich ist. Essen bis der Arzt kommt quasi…eigentlich absurd!

      Ganz liebe Grüße zurück! ❤️

      Gefällt 1 Person

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