Ab wann gilt man als alkoholkrank?

Ihr Lieben, mein Titel enthält eine Frage, die sich für mich nicht so leicht beantworten lässt. Sie ist mir dennoch wichtig und deshalb teile ich mit euch meine Gedankengänge und bin natürlich immer offen für eure.

Das Thema Sucht beschäftigt mich spätestens seit meiner eigenen besonders stark. Wann man genau als „krank“ gilt, ist die Frage, die ich vermutlich am häufigsten auf meinem Blog sehe.

„Wann ist das Essverhalten ungesund?“

„Wann ist man essgestört?“

Fragen um Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen.

Alkohol als Droge

So ähnlich sehe ich das bei dem Thema Drogen und ganz besonders Alkohol. Letzterer wird meiner Meinung nach als Droge völlig unterschätzt. Ich habe den Eindruck, dass Menschen weniger schnell erkennen können, wenn sie eine Alkoholsucht haben, da der Konsum so gängig ist. Ich selbst trinke keinen Alkohol, daher weiß ich nicht, ob ich nicht vielleicht eine verzerrte Sicht auf den Konsum habe.

Die Stereotypen

In Filmen werden Alkoholiker oft als verbittert, arbeitslos, asozial und ständig betrunken dargestellt. Dass ich dieser Abbildung nicht zustimme, müsste vermutlich klar sein!

Die ganz wenigen AlkoholikerInnen, denen ich begegnet bin, waren unscheinbar. Die Eltern meines Schulfreundes waren beide AlkoholikerInnen. Sie arbeiteten im öffentlichen Dienst, besetzten beide einem hohen Posten und wirkten stets höflich und zuvorkommend.

Ein anderer – ein Bekannter in meinem Alter bezeichnet sich selbst als Alkoholiker, weil er in gigantischen Mengen trinkt und es nicht kontrollieren kann.

Alkohol gibt es überall.

Ich muss oft daran denken, wie schwer es trockene AlkoholikerInnen haben müssen, weil sie nicht trinken dürfen, aber ständig mit Alkohol konfrontiert werden. Ob an der Kasse im Supermarkt oder bei einer politischen Veranstaltung. Der Alkohol ist stets präsent und zugänglich. So ähnlich ist es bei meiner Essstörung, nur dass der Unterschied darin besteht, dass ich meine Droge konsumieren muss.

Viele Menschen in meinem Bekanntenkreis trinken jedes Wochenende Alkohol. Mich stört das nicht. Ich bin manchmal dabei und habe nicht den Eindruck, dass sie sich jedes Mal „die Birne wegsaufen“. Ich weiß von ihnen jedoch, dass ihnen etwas erhebliches fehlen würde, wenn wir uns abends treffen und stattdessen nüchtern den Abend verbringen würden. Auch das finde ich nicht problematisch. Schließlich kann es ein angenehmes Gefühl bewirken – habe ich zumindest gehört.

Ist dieser Mensch alkoholkrank?

Der Hauptgrund, warum ich mir darüber Gedanken mache, ist, weil eine wichtige Person in meinem Leben trinkt. Noch nicht sehr lange (kaum ein Jahr), aber so viel, dass es mich beunruhigt. Ich unterstelle jenem Menschen nicht, alkoholkrank zu sein, aber ich finde es doch sehr auffällig. Denn der Alkohol fließt selbst ohne einen bestimmten Anlass. Oft wird er ohne andere Menschen konsumiert und ebenso oft wird so viel getrunken, bis er wahrhaft betrunken ist.

Ab wann gilt man als AlkoholikerIn?

Die Person ist jung, so etwa in meinem Alter. Daher finde ich es immer komisch, einem jüngeren Menschen zu unterstellen, Alkoholiker zu sein. Gleichzeitig hat es nichts mit dem Alter zu tun. Vielleicht haben ja viele Menschen in meiner Umgebung ein Alkoholproblem. Ich weiß es nicht.

Aber ich mache mir Sorgen. Ich will aufmerksam durch die Welt schreiten und helfen, wenn ich kann. Und ich versuche herauszufinden, wann die Grenze zwischen Genuss und Zwang überschritten wird. Diese Frage kann ich mir noch nicht beantworten. Vielleicht könnt ihr es?

Noch ein letzter Punkt: Alkoholsucht ist eine Sucht. Es ist eine Krankheit. Und ich finde, dass darauf unbedingt aufmerksam gemacht werden muss. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand freiwillig aussuchen würde, in diesen Schlund hereinzufallen. Daher finde ich stigmatisierte Bemerkungen über AlkoholikerInnen immer sehr schade.

Wie seht ihr das? Was ist eure Meinung dazu?

Genießt eurer Wochenende! ♥

 

 

 

 

35 Kommentare zu „Ab wann gilt man als alkoholkrank?

  1. So weit ich informiert bin, gibt es bestimmte Stadien und auch ganz konkrete Anzeichen dafür, wann dies als Sucht/Krankheit definiert wird. Ursachen sind vielfältig. Es gibt genug kompetente Beratungsstätten, die dabei hilfreich sein können, Zeichen richtig zu deuten und Hilfestellung bieten.

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  2. Mein Vater war auch Alkoholiker, meine Mutter zeitweise auch. Ich wurde schon im Alter von zwölf Jahren an den Alkohol „herangeführt“, nee, stimmt nicht, es war noch früher: Als Baby gab man mir öfter ein Schnapsglas voll Bier mit Zucker, wenn ich nicht schlafen wollte… Ich trinke gerne Alkohol, manchmal auch so viel, dass ich einen Blackout habe. Aber es ist bei mir eher unregelmäßig, manchmal trinke ich wochenlang nix, dann wieder mal mehr. Der letzte Blackout war übrigens 2014, scheint also alles nicht so schlimm zu sein bei mir 🙂

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      1. Kontrolliertes Alkoholtrinken war mir als Jugendliche erlaubt, allerdings nur zu Hause, ich durfte ja nie raus -_- ich schlich mich ab 15 immer an den Wochenenden raus in die Disco, wenn meine Eltern schliefen. Dort trank ich immer nur Cola. Klassenkameraden von mir durften keinen Alkohol trinken und plünderten heimlich die Hausbar, das war bestimmt schlechter, so ganz ohne Kontrolle! Rauchen durfte ich übrigens auch ab 13, als Erwachsene habe ich nie geraucht.

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  3. Es ist außerordentlich schwierig, diesen Punkt zu definieren. Ich glaube, dass der Übergang fließend und nicht immer als solcher herauszufiltern ist. Grundsätzlich denke ich, dass von einer Sucht gesprochen werden kann, wenn sich etwas der eigenen, bewussten Kontrolle entzieht und/oder der Verzicht nicht mehr möglich ist. Theoretisch kann eine Sucht daher bereits beim allabendlichen (oder regelmäßigen) Glas Wein oder Bier beginnen, wenn ohne dieses etwas zu fehlen scheint und man daher nicht darauf verzichten kann oder will (das gilt gleichermaßen für meine morgendlichen Kaffeebecher). Es muss gar keine gesundheitsgefährdende Menge sein oder zum Betrunkensein führen – wobei es leider meist erst dann „akzeptiert“ wird, den Begriff der Sucht oder des noch negativ behafteteren Alkoholikers überhaupt zu nutzen. Dabei beginnt eine Sucht viel früher und aus dem harmlosen abendlichen Glas Wein kann sich im Laufe der Zeit ein viel gravierenderes Problem entwickeln. Meist schleicht sich das unbemerkt rein, man härtet auf eine Art ab und irgendwann reicht das eine Glas nicht mehr aus und man trinkt ein zweites, um den selben Effekt zu erhalten.

    Man muss hier natürlich immer besonders feinfühlig sein, da viele Menschen es als sehr kränkend empfinden, damit konfrontiert zu werden. Gerade wenn sie in ihren Augen alles im Griff haben und nur wenig trinken. Doch ich bleibe dabei, dass es sich bereits um eine Sucht handelt, wenn man den Konsum nicht bewusst steuern und verzichten kann – völlig unabhängig von der Menge und davon, ob es sich in irgendeiner Weise auf das Leben auswirkt. Wichtig ist mir, mit dem Begriff kein Urteil zu verbinden. Das ist es ja, was leider viel zu häufig geschieht und möglichen Betroffenen zurecht Angst bereitet. Dieses Vorurteil, was du ja auch schon beschrieben hast, gleich als heruntergekommener Säufer abgestempelt werden zu werden. Dabei kommt Alkoholabhängigkeit in allen gesellschaftlichen Schichten, alters- und geschlechtsunabhängig vor.

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    1. Lieber Chris, danke für deine sehr wichtigen Worte! Du hast gerade das, was ziellos in meinem Kopf herumschwirrt sehr gut zusammengefasst. Du hast völlig recht, der Konsum muss nicht zwingend zum Betrunkensein führen, um als Sucht zu gelten.

      Ich tue mich sehr schwer, es anzusprechen, da der Alkoholkonsum wie gesagt sehr facettenreich ist und nicht so leicht zu definieren ist. Und einem Menschen so etwas gigantisches zu unterstellen, kann man nicht so leicht.

      Ganz liebe Grüße!

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      1. Im von dir geschilderten Fall klingt es so, als gäbe es einen ganz speziellen Auslöser dafür und danach, dass Mithilfe des Alkohols etwas „verarbeitet“ werden soll. Vielleicht bietet es sich da an, den Alkoholkonsum selbst gar nicht zu thematisieren, sondern viel mehr Ursachenforschung zu betreiben und auszuloten, in wiefern du der Person bei der Verarbeitung des Auslösers helfen kannst. Fällt dir noch etwas anderes an diesem Menschen auf, wo du ansetzen könntest, sodass der Alkohol erstmal gar nicht zur Sprache kommt?

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      2. Naja ich könnte andere Beispiele nehmen, z.b Drogen und dem lockeren Konsum damit…Aber ich weiß nicht, ob der Wink dann so klar ist…Ansonsten weiß ich nicht so recht, wie ich über alkohol reden soll ohne Alkohol zu erwähnen

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      3. Hm… also keine anderen auffälligen Verhaltensänderungen, wie nachlassendes Interesse an bestimmten Hobbys, häufigere miese (oder ungewöhnlich gute) Laune oder einfach irgendetwas, das vorher nicht so war? Das macht es natürlich nicht einfacher und offen, direkt und gleichzeitig möglichst behutsam mit der Tür ins Haus zu fallen, ist wieder so eine Sache für sich. Vielleicht gibt es einen Trick, über den du unauffällig zumindest schon mal die Einstellung zum Alkoholkonsum erfragen kannst – eine angebliche Arbeit im Rahmen des Studiums oder etwas vergleichbares?

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    2. Mensch, du machst ja beinahe jedes weitere Kommentar überflüssig, lieber Chris^^
      Da kann man sich eigentlich einfach nur anschließen… Als hättest du einem die Worte aus dem Mund genommen^^ Liebe Grüße 😉

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      1. Vielen Dank, Luna! Nun muss ich aber aufpassen, dass mir das Lob nicht, ebenso wie die Hitze, zu Kopf steigt 😀
        Und ich hoffe doch sehr, dich nicht von einem eigenen Kommentar abgehalten zu haben, schließlich gelingt es dir immer wieder, besonders schöne und bewegende Worte zu finden. 🙂

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  4. Liebe Mia,

    der Kommentar von Chris gibt nahezu deckungsgleich meine Ansicht wider, gefällt mir gut, wie er das geschrieben und auf den Punkt gebracht hat. –

    Bei jenem jungen Mann, von dem Du in Deinem Text geschrieben hast, läuten da für mich also schon ganz schön die Alarmglocken. Verantwortungsbewusst ist sein Umgang mit Alkohol in meinen Augen nicht mehr …

    Ich selbst habe (es wundert Dich sicher überhaupt nicht 😉 ) auch schon einmal einen längeren Aufsatz über das Thema „Alkohol“ geschrieben. Das war noch bevor ich meinen psychischen Crash hatte. Insofern ist zu bemerken, dass ich seit diesem Crash noch weniger Alkohol als schon zuvor trinke und als ich in diesem Aufsatz beschrieben habe, allein schon aber nicht nur wegen der Medikamente, die ich einnehmen muss.

    Ansonsten stehe ich nach wie vor vollumfänglich zu dem, was ich damals geschrieben habe. Ich habe seinerzeit ganz schön kontroverse Kommentare zu meinem Post bekommen und in meinen Erwiderungen meine Sicht dann immer noch einmal genauer erklärt und präzisiert.

    Insgesamt ist das eine „längere Lektüre“, aber ich verlinke es Dir trotzdem hier mal – vielleicht interessiert Dich der Text und ggf. auch die nachfolgende Diskussion dazu ja. Hier ist der Link:

    https://gedankenorbit.wordpress.com/2013/11/13/alkohol-16845699/

    Liebste Grüße an Dich (hoffend, dass Dich die Hitze nicht gar so plagt …) ❤

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    1. Danke lieber sternfluesterer, deine Worte bestärken mich darin, was ich schon denke. Es ist nicht mehr nur Genuss, sondern meiner Meinung nach schon „Zwang.“ Ich überlege die ganze Zeit, wie ich diesem Menschen vorsichtig erklären kann, dass mir dieses Verhalten stark auffällt…

      Ich schaue mir gleich mal deinen „kontroversen“ Beitrag an – ich vermute aber fast, dass ich dir in deinen Ansichten zustimmen werde 😉

      Ganz liebe Grüße zurück ❤ – die Hitze lässt mich leider förmlich schmelzen. Ich verstecke mich gerade im Schatten, aber es ist selbst hier sauna-ähnlich! Aber das sollte keine Beschwerde an diesen wunderschönen langen Sommer sein! ❤

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  5. Ich trinke selbst ja auch keinen Alkohol, also keine Sorge vor allzu „schräger“ Perspektive. 🙂 – Aber aus dem Erleben etwa im Job heraus: es ist nicht nur die Menge, sondern auch die Regelmäßigkeit, die eine Rolle spielt. Und es ist eine Sucht, die auch das direkte Umfeld der Personen mit betrifft – was oft übersehen wird.

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  6. Super Beitrag und eine sehr interessante Frage zu einem sehr wichtigen Thema! Lustigerweise habe ich letztens angefangen, einen Beitrag zum Alkoholkonsum zu schreiben… in dem ich für mich noch einmal alle Gründe festhalte, weshalb ich kaum mehr trinke. Wie du bereits erahnen kannst, bin ich überhaupt kein Fan von Alkohol. Die vorherigen Kommentare haben schon wichtige Aspekte angesprochen. Zum Beispiel, dass es nicht unbedingt um die Menge, sondern auch um die Regelmäßigkeit geht.
    Hier ein Beispiel dafür, wie Alkoholsucht für mich bereits aussehen kann: Letztens war ein Familienangehöriger zu Besuch bei mir und wir haben uns an einem Abend ein Restaurant ausgesucht, in dem wir essen wollten. Als meine Begleitung auf der Speisekarte keinen Alkohol entdeckte, weil sie überhaupt keinen anboten (es war ein arabisches Restaurant, glaube ich), meinte die Person tatsächlich: „Oh nein… Also ich MUSS jetzt nicht unbedingt Alkohol trinken, aber das gehört für mich zu einem schönen Essen einfach dazu“. Und da mussten wir auf ihren Wunsch das Restaurant wechseln. DAS ist für mich bereits eine Sucht. Da habe ich gemerkt, dass diese Person doch alkoholkrank ist, auch wenn sie es selbst nie zugeben würde.
    Es gibt sicherlich auch engere und weitere Definitionen. Für mich hat sich der Alkoholkonsum in der Gesellschaft aber insgesamt einfach zu sehr verbanalisiert – ich finde es einfach nur erschreckend!

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    1. Diesen Satz höre ich so oft 😂 „ich muss Alkohol trinken“, sonst ertrage ich diesen Abend nicht; sonst kann ich nicht zu dieser Musik tanzen; sonst langweile ich mich…

      Hast du den Beitrag veröffentlicht? Mich würden deine Gedanken dazu sehr interessieren. In überhaupt wundert es mich, dass es doch so viele gibt, die von Alkohol ebenso abgeneigt sind…

      Danke für deinen lieben Kommentar!:)

      Liebe Grüße!!

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      1. Wie schlimm! Warum geht man dann überhaupt raus?!
        Der Beitrag ist noch nicht raus, aber ich werde ihn demnächst bestimmt mal veröffentlichen. 🙂
        Und ich wage es jetzt mal, eine These aufzustellen… Ich habe das Gefühl, dass es auch darauf ankommt, in welchen „Kreisen“ man ist. Damit meine ich, dass zum Beispiel viele Leute mit psychischen Problemen Alkohol meienr Meinung nach meiden, was jetzt auch in den Kommentaren heraus geklungen ist.

        Grüße zurück 🙂

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  7. Liebe Mia,

    ich kann es total nachvollziehen, dass du dich um einen deiner Lieben sorgst und das zeigt eine sehr schöne und liebevplle Seite von dir!
    Ich hoffe, du stehst damit nicht allein da… So etwas zu beurteilen ist immer schwierig und es hilft definitiv, mit anderen Freunden darüber zu reden. Das hat dann ja nichts mit übereinander reden oder herziehen zu tun, sondern es hat einen Konstruktiven Hintergrund. Bei vielen Sorgen meiner Freunde wüsste ich sonst auch oft nicht weiter, wenn ich nicht mit anderen darüber sprechen könnte, die die Person auch kennen.
    Vielleicht gibt es da jemanden, den du zu Rate ziehen kannst, der aber bei dem Thema auch nicht direkt verurteilen würde, sondern sich die Sorgen aus Liebe mit dir teilt. Auch, wenn man dabei natürlich immer aufpassen muss und nicht zu jedermann gehen kann…

    Was ich nun zur Sucht denke deckt sich relativ genau mit dem, was Chris schon sagte^^
    Ich denke aber auch, dass nicht nur Masse und Regelmäßigkeit eine Rolle spielen, sondern auch der Gedanke dahinter. Ich nehme gern meine Großeltern als Beispiel, ein klasse wundervolles Paar, ich liebe sie enorm! Sie trinken gerne nach dem Mittag einen Schnaps und abends, wenn sie im Garten oder auf der Couch beisammen sitzen, da kommen nochmal ein oder zwei Gläschen und für Oma auch gern mal einen Sekt und für Opa ein Bierchen. Nun mit den jahren natürlich auch nicht mehr so viel, im Alter verträgt man schlechter^^ Wenn ich das als Kind sah, habe ich nie etwas negatives verbunden, weil es einfach mit einem schönen Moment verbunden war. Es entstand immer aus einem positiven Gefühl heraus und geschah immer in Liebe zueinander.
    Etwas anderes ist es, wenn Menschen abends Schnaps trinken, um eine Leere in sich zu füllen. Wenn sie in Gesellschaft trinken, um eine Lebendigkeit aufkommen zu lassen, die ohne die Flüssigkeit tot wäre.
    Ganz einfach, wenn es gebraucht wird, um sich gut zu fühlen, um etwas zu ersetzen, dann wird es wirklich kritisch.

    Deswegen denke ich auch (ähnlich dem guten Chris), dass dein Freund, wenn sein Verlangen nach Alkohol wirklich aus einem negativen Gefühl heraus kommt, ein Porblem hat, mit dem er sich vielleicht allein sieht. Vielleicht kannst du diesem auf die Spur kommen… Auch wenn sowas für einen selbst auch oft eine große last ist und man sich überlegen muss, ob man diese tragen kann (auch da sind gemeinsame Freunde Gold)

    Ich wünsche deinem Freund und dir, dass ihr vllt irgendwie den Weg zueinander findet und du ihn im Laufe der Zeit darauf ansprechen kannst!

    Doch vergiss dabei nicht dich selbst 😉

    Ganz liebe Grüße von einer Luna, die übrigens auch noch nie getrunken hat 😉
    (Und die hofft, dass du nun nichts falsches von ihren Großeltern denkst, die auch mal sehr gut auf das Feuerwasser verzichten können^^)

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    1. Liebe Luna,
      Du hast völlig recht! Es würde sicher helfen, mich zu öffnen. Es ist nur eben eine so „krasse“ Unterstellung, vor deren Reaktion ich mich fürchte – besonders weil so viele in meinem Umkreis regelmäßig trinken und eine andere Sicht darauf haben.

      Dein Beispiel fand ich sehr beispielhaft (ich habe mein besseres Synonym gefunden ^^) Trinken, weil eine Leere vorhanden ist, spricht vermutlich für ein zwanghaftes Verhalten…

      Viel und regelmäßig zu trinken, finde ich allerdings auch schwierig:( ich mein, das ist ja kein Wasser oder Tee, sondern Alkohol, der eigentlich so ziemlich das ungesündeste Getränk ist 😂 ach ich weiß auch nicht, vielleicht spricht auch die Spießerin aus mir!

      Danke für deinen wie immer unglaublich bereichernden Kommentar! ❤️

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      1. Ich kenne die sorge, spießig zu wirken…
        Ich meine, ich kann eben eigentlich auch nicht verstehen, dass man freiwillig Stoffe zuführt, die solch einen Einfluss auf das Gehirn haben 🙈
        Und ich kenne auch dieses komische Gefühl, das man hat, wenn man sieht, daß Umfeld verbindet mit einem gemeinsamen Abend mit Freunden immer Alkohol…
        Die Selbstverständlichkeit davon ist schockierend… Ich meine, man kann auf arbeit mit den Kollegen Scherze darüber machen, dass man sich am. Wochenende ordentlich besoffen hat und alle finden es amüsant. Niemand denkt darüber nach, sondern für jeden ist es normal, dass zu einer Feierlichkeit, ob Party oder familienfest, Silvester oder Geburtstag „einen über den durst getrunken wird“.
        Letztlich glaube ich fast, dass unsere Gesellschaft allgemein an einer Alkoholsucht leidet, wenn man sieht, wie allgegenwärtig es in leben, Werbung und in den Geschäften ist… Gleichzeitig aber ist „der Alkoholiker“ verrufen…
        Eigentlich mehr als seltsam….

        Doch ich denke, wenn man die richtigen Worte findet, dann kann man darüber reden. Vllt findest du auch einen Weg, im allgemeinen darüber zu reden. Mein Freund las letztens einen wissenschaftlichen Artikel, der die krasse Aussage vertrat, dass jeder, der jeden Abend ein Bier zum Beispiel trinkt Alkoholiker wäre. Vllt kannst du dir einen ähnlichen Artikel suchen und den einfach allgemein ansprechen. Man kommt schnell auf die eigenen Gewohnheiten, auf die Frage, warum man trinkt, wenn man es tut und vllt fällt es deinem Bekannten dann ja auch selbst auf oder ihr könnt darüber reden… Manchmal kommt man selbst in eine Routine rein, die einem gar nicht auffällt, wenn man nicht mit der Nase daraus gestoßen wird 🙃

        So, nun sollte ich aber mal endlich meinen Mund halten 😉

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      2. Du musst deinen Mund überhaupt nicht halten – ich hab deine Kommentare sehr lieb gewonnen! Ich kann dir auch nur nickend zustimmen – die Normalität von Alkoholkonsum ist absurd, vor allem wenn das nicht trinken verpönt wird!

        Ganz liebe Grüße! ❤️

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  8. Wenn man mal von Spätfolgen, denn die hat stetiger Alkohol Konsum, mal absieht, kann man den Alkoholiker recht gut daran erkennen, dass er unter Alkoholeinfluss augenscheinlich gut funktioniert. Dafür aber eben nicht so gut ohne. Alkoholismus zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Und natürlich bauen diese Menschen irgendwann ab, körperlich und auch geistig. Frust weg saufen klappt leider auch nicht. Wie bei jeder Betäubung, lässt die Wirkung irgendwann nach. Sich die Welt schön saufen ist auch nicht von Erfolg gekrönt, denn irgendwann holt einen die Realität ein.
    Ich trinke aber trotzdem hin und wieder Alkohol und merke die Wirkung recht schnell. Selbst ein Glas Wein zum Essen reicht mir um nicht mehr Auto zu fahren. Wenn man den Rausch als Ziel hat ist Alkohol ein von vielen Drogen und hierzulande die einzig legale. Mir geht es mehr um den Geschmack bestimmter Getränke die bisweilen eben Alkohol enthalten. Und wie bei allem gilt auch hier, die Dosis macht das Gift.
    Ich denke, solange man sich entscheiden kann und dann eben auch nichts alkoholisches trinkt, selbst wenn andere es tun, läuft man nicht Gefahr abhängig zu werden. Wenn einen der Alkohol diese Entscheidung nicht mehr möglich erscheinen lässt, ist man es bereits. LG

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  9. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Zumeist bekomme ich im psychiatrischen Alltag nur die Fälle mit, bei denen die Sucht schon vieles kaputt gemacht hat. Aber als Anhaltspunkt fand ich den Satz nicht schlecht, dass Alkoholiker mit Alkohol sehr gut funktionieren, nur eben ohne nicht. Es ist wahrscheinlich wie mit dem Rauchen. Eine psychische oder körperliche Abhängigkeit und die fehlende Distanzierungsmöglichkeit zur Droge sind immer schon offensichtliche Merkmale.

    Die Diagnosekriterien kennst du sicher, die liste ich dir jetzt nicht mehr auf. Wenn man sich daran entlang hangelt, dann werden keine individuellen Einflüsse und auch kein Alter mit einbezogen. Sobald drei Kriterien von sechs erfüllt sind, gilt mal als alkoholkrank. Ich finde es übrigens toll, dass du noch einmal explizit darauf hingewiesen hast, dass auch Alkoholsucht eine Erkrankung ist. Das wird viel zu selten beachtet.

    Die Auslöser hierbei können total unterschiedlich sein. Häufig sind es jedoch Schuldgefühle oder Selbstbestrafung. Die Betroffenen fühlen sich, auch wenn dies vielleicht weniger bewusst ist, oft abgewertet oder als nichts wert. Ich finde, wenn man das weiß oder zumindest im Hinterkopf hat, dann kann man auch gar nicht mehr abwertend darüber reden und es viel eher als eine Erkrankung ansehen.

    Auf jeden Fall eine sehr spannende Frage! 🙂
    Hoffe du musst dir keine zu großen Sorgen um deinen Bekannten machen.

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    1. Danke für deinen Kommentar! Scheint als hättest du durch deine Arbeit sehr viel Wissen gewonnen! Über die Auslöser bin ich immer erstaunt, weil sie manchmal so „gängig“ sind und bei Menschen ausgelöst werden, die so unscheinbar erscheinen. Aber so ist das wohl mit dieser Erkrankung. Aber vermutlich hast du recht. Die Person funktioniert auch ohne Alkohol. Ich recht gut und das zeigt mir vielleicht, dass es noch nicht ganz so schlimm ist, wie ich denke. Über die Menge und Regelmäßigkeit mache ich mir nur ein wenig Sorgen!

      Ganz liebe Grüße!

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      1. Ich finde es wirklich gut, dass du so aufmerksam bist und dein Freund da jemanden an der Seite hat, der ihn da ein bisschen im Auge behält. Hoffe sehr, dass du vielleicht mit ihm das Gespräch suchen kannst und sich alles ein bisschen beruhigt, sodass es sich bei ihm nicht verschlimmert und du dir keine Sorgen mehr machen musst.

        Ganz viele liebe Grüße!

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