„Das triggert mich voll!“ – Warum das Wort Trigger immer mehr missverstanden wird

Was ist ein Trigger und was nicht? Wann ist der Begriff angemessen und wann sollte er lieber ungesagt bleiben? In diesem Beitrag möchte ich euch erklären, warum das Wort Trigger immer mehr missverstanden wird und was genau daran so problematisch ist.

Ich schreibe diesen Beitrag vor allem deshalb, weil ich weiß, dass sich viele gar nicht dem Ernst dieses Wortes bewusst sind. Der sogenannte „Trigger“ ist so mainstream geworden, dass viele seinen tieferen Sinn gar nicht hinterfragen. Immer wieder begegnet mir das Wort im Alltag, und jedes Mal muss ich schlucken, wenn das Wort völlig falsch genutzt wird. Deshalb möchte ich mit der Definition des Begriffs starten, um mögliche offene Fragen zu beantworten.

Was ist ein Trigger?

Ein Trigger bezeichnet den Auslöser einer traumatischen Situation. Betroffene werden wie in einem Flashback in jenen Moment zurückkatapultiert und fühlen sich wieder genau wie in der Situation. Die Emotionen sind dabei sehr heftig und intensiv. Gefühle wie Angst oder Panik brechen über einen zusammen wie eine riesige Welle. Manchmal sind die Momente nur kurz, aber so intensiv, dass einem das Herz bis zum Hals schlägt.

„Das triggert mich voll“ – Was ein Trigger NICHT ist

Wenn mich etwas triggert, bedeutet das nicht, dass es mich aufregt oder nervt. Wenn ich es also höre, dass einen jemandes Stimme triggert, weil sie so nervig klingt, ist der Begriff Trigger völlig unangebracht. Wenn jemanden die Post triggert, weil sie das Paket immer beim Nachbarn abgibt, ist das Wort ebenfalls in einem völlig falschen Kontext. Ein Trigger ist kein Synonym für eine Situation, die einen aufregt.

Die Problematik daran

Da das Wort immer inflationärer benutzt wird, verliert es an Ernst und Wichtigkeit. Das ist deshalb so gefährlich, weil Betroffene dadurch nicht mehr ernst genommen werden.

Außerdem wird der Begriff auch häufig verwendet, um über Menschen zu scherzen, die „überempfindlich“ auf Rassismus, Sexismus und sonstige Diskriminierung reagieren .

Inzwischen gibt es auch eine Bandbreite an Memes mit dem Wort. Eine Person macht eine komische Fratze, darunter das Wort „Triggered“. Das Wort wird ins Lächerliche gezogen und sein tieferer Sinn völlig ausgeklammert. Wenn ich diese Gesichter sehe, muss ich automatisch lachen, dabei ist ein Trigger eben nichts, das auch nur im Entferntesten lustig ist.

trigger_memes

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„Aber es kann doch alles triggern!“

Ja! Absolut. Ein gewaltvoller Film kann triggern, aber genauso auch ein Stück Brot (Stichwort: Essstörungen). Ich bin deshalb auch immer skeptisch, wann genau ich eine Trigger Warnung setzen soll – darüber habe ich auch schon einmal geschrieben.

Nichtsdestotrotz ist ein Trigger, egal, in welcher Person, Situation oder in welchem Gegenstand er auftauchen kann, eine ziemlich ernste Sache. Wenn die Trigger ihre Wichtigkeit verlieren, gäbe es keinen Grund mehr, uns anderen anzuvertrauen. Wir hätten keinen Grund mehr uns mitzuteilen, wenn ein Trigger zu einem Wort des Amüsement geworden ist.

Versteht ihr, was ich meine? Ich hoffe es.

Das sind jedenfalls meine Gedanken zur Problematik mit dem Wort „Trigger“. Bitte benutzt ihn nicht in Momenten, in denen euch etwas aufregt oder ärgert. Damit raubt ihr ihm seinen eigentlichen Sinn.

Habt ihr irgendwelche Gedanken dazu?

Habt einen schönen Start in die Woche! ❤

17 Kommentare zu „„Das triggert mich voll!“ – Warum das Wort Trigger immer mehr missverstanden wird

  1. Ich bin da tatsächlich hin- und hergerissen. Denn auf der einen Seite kriege ich jedes Mal so ein nervöses ARGH-Augenzucken, wenn Menschen Sätze raushauen wie “ich bin so ordentlich, voll OCD”, “du bist so widersprüchlich, richtig schizophren” (hrmpfhfh) etc., und entweder die Bedeutung verfälschen oder das Ganze “verharmlosen”… Auf der anderen Seite nutze ich im Umgang mit Freund:innen, die auch betroffen sind (!), solche Begriffe gerne mal sarkastisch. Das ist da auch für alle Beteiligten okay. Hmh. Also so ein bisschen auch darauf achten, *wer* das nutzt und *wie*, vielleicht. Aber ein Anfang wäre es definitiv, das nur zu nutzen, wenn die eigentliche Bedeutung wirklich gemeint ist. Vielleicht muss ich mir da selbst ein bisschen mehr auf die Zunge beißen…

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    1. Ich weiß, was du meinst! Das Spiel mit solchen Begriffen kann so manche Stimmung auflockern – was ich ok finde, wenn man selbst betroffen ist. In anderen Kontext sehe ich das etwas schwieriger! Aber wie du schon sagst, kommt es auch auf das Gegenüber an, das diese Worte zu hören bekommt!

      Liebe Grüße!

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  2. Danke für den Beitrag! ♥
    Ich hab dir ja schon auf IG geschrieben, dass ich es ganz ähnlich sehe und die inflationäre, humoristische und „flapsige“ Benutzung des Begriffs super schwierig finde. Gerade auch, weil ich selber mich echt schwer damit tue, den Begriff überhaupt zu verwenden.
    Ich weiß, wie es sich anfühlt, plötzlich gedanklich und emotional wieder in einer ganz anderen Zeit und Situation zu stecken und trotzdem fällt es mir in diesem Moment schwer zu sagen, dass der Auslöser ein Trigger war – einfach weil ich oft daran zweifle, ob meine Erfahrung schlimm genug für diesen Begriff ist. Tatsächlich geht es mir auch so mit dem Begriff Flashback & ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass es valide ist, diese Begriffe für bestimmte Erfahrungen zu benutzen (und das auch aktiv üben!)
    Wenn dann diese Begriffe dann in der Alltagssprache dafür verwendet werden, um einen Unmut oder Frust über einen kleineren Umstand zu beschreiben, frage ich mich oft, ob sich der/die Gegenüber jemals wirklich Gedanken über die Bedeutung des Wortes gemacht hat – gerade auch, wenn die Person nicht wirklich das Problem mit dieser Benutzung sieht/sehen will, wenn sie darauf angesprochen wird. Irgendwie habe ich dadurch dann oft eher den Eindruck, als würde ich überreagieren und nicht die Person das Wort unpassend verwenden.

    Gleichzeitig denke ich mir aber auch immer wieder einen der ersten Leitsätze, den ich in einem Linguistik Intro Kurs gelernt habe „The meaning of a word is its use in the language“, heißt wenn das Wort „trigger“ immer mehr synonym zu „nerven“, „reizen“, „verärgern“ usw. verwendet wird, wird es irgendwann auch diese Bedeutung haben.

    Nochmal danke für deinen tollen Beitrag ♥

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    1. SO IST ES!!! Vor allem dein letzter Absatz. Genau deshalb sehe ich diese Gefahr im Wort Trigger! Dann wird wohl die Lösung ein neues Wort sein, allerdings kann dieses auch wieder adaptiert werden!

      Danke für deinen wertvollen Kommentar! Auch, dass du immer regelmäßig hier vorbeischaust! ich schätze das wirklich sehr! ❤

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  3. Dein Beitrag hat sofort mein Interesse geweckt, da ich den Umgang mit diesem Wort sehr ähnlich sehe. Immer dann, wenn ein Wort plötzlich sehr oft verwendet wird, kann eine Bedeutungsveränderung damit einhergehen. Das Wort selbst wird bekannter, aber der Wortursprung wird verwässert, geht verloren. So kann das Wort auch mißbraucht werden, um bestimmte Menschen in eine Schublade zu stecken. Wörter, bei denen mir aufgefallen sind, daß sie, schon seit Jahren in der Überzahl verwendet werden sind wahnsinnig, irre und toll. Mir mißfällt dabei, daß dies einhergeht mit einer Reduzierung der angewandten Wörter, die in diesem Augenblick konkreter und aussagefähiger wären: Hervorragend, außergewöhnlich, unglaublich, nicht nachvollziehbar, …

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  4. Das ist dann leider die Kehrseite von Pseudo- und Fachsprache im Alltag, mit der sich viele doch so gern elitär abgrenzen von den ach so dummen Menschen, die sich lediglich allgemein verständlich ausdrücken können 🙂
    Mich nervt sowas generell und immer mehr, sehe das ganz ähnlich wie hollaholle. Ist aber anscheinend ein Trend. Hört vielleicht auch wieder auf, wie alle Trends. 🙂

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  5. Zählt Trigger auch für das Auslösen einer Phobie? Ich habe Emetophobie, allerdings nicht ausgelöst durch eine traumatische Situation, sondern eher durch verschiedene Erfahrungen, die einzeln für sich gar nicht so schlimm waren. Früher hatte ich schon mit dem entsprechenden Smiley Probleme und fühlte mich dadurch getriggert. Und immer noch ungerne schreibe ich die Wörter dafür oder spreche sie aus, deswegen einfach mal Emetophobie googlen.

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    1. Gute Frage, aber ich glaube schon! Deine Phobie hat schließlich auch eine Geschichte, die sich derart in dich eingebrannt hat, dass selbst der smiley etwas negatives in dir auslöst! Aber so genau weiß ich das natürlich auch nicht…

      Liebe Grüße!

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  6. Diesen Beitrag habe ich genau zur richtigen Zeit gesehen.
    Auch ich merke, dass auf Social Media, aber auch in der Freundesgruppe immer mehr Wörter – depressiv, Trauma, etc. – immer wieder falsch gebraucht werden, genauso wie das Wort Trigger. Ich denke, dass Kinder und auch Jugendliche wie ich, solche Wörter aufnehmen und dann einfach benutzen, ohne sich irgendwelche Gedanken darüber zu machen. Um dann diese Menschen, auch Erwachsene (!) für solche Wörter zu sensibilisieren, braucht es Menschen wie dich, die online darüber berichten, aber auch im privaten Umfeld und in der Schule sollten solche Themen theamtisiert werden.

    Was mir allerdings in letzter Zeit immer wieder auffällt: Jeder zweite Beitrag auf Social Media hat ein „Triggerwarnung“, die vom Ersteller selbst hinzugefügt worden ist. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass auch diese Beiträge dazu helfen, dass das Wort nicht mehr richtig ernst genommen wird.
    Ich verstehe vollkommen, warum es manchmal diese Warnungen gibt, aber ich frage mich an manchen Stellen, ob nicht manchmal Menschen, die gar nicht betroffen sind, übetreiben. Aber vielleicht sehe ich das auch falsch.?

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