Familienkonflikte und das Aufkommen meiner dunklen Seite

Ich schicke meinem Freund die Bilder aus dem Urlaub und er sagt mir wie neidisch er ist, dass ich dort bin. Ich lache laut auf, weil ich ihm verschwiegen habe, was kurz vor dem Schnappschuss passiert ist. Es wurde geschrien und verurteilt. Es wurde verachtet und beleidigt.

Meine Schwester und ich streiten uns.

Ich erwähne es deshalb, weil es sehr ungewöhnlich für uns beide ist. Seit Jahren haben wir uns nicht mehr so stark gestritten. Ständig bekommt sie oder ich etwas in den falschen Hals. Es entsteht ein unnötiger Streit, der um jeden Preis vermieden werden könnte.

Ich kritisiere meine Mutter.

Es passt nicht zu mir, dass ich anderen Menschen Vorwürfe mache, doch ich lasse sie sehr deutlich spüren, dass ich nicht hier sein will. Ich sage es nicht direkt, doch das muss ich auch nicht. All jene Befürchtungen, die ich ihr am Flughafen über den möglichen Verlauf des Urlaubs sagte, haben sich bewahrheitet. Wir sehen zu wenig vom Land, wir streiten uns und können nicht harmonisch in einem Raum sitzen.

Ich bin wie ein aktiver Vulkan.

Die letzten Monate waren die reinste Tortur für mich. Ein sehr traumatischer Eingriff, Monate voller Klausuren und Lernen und die neuerdings hinzugekommenen  Bauchschmerzen, durch die ich kaum essen kann und mich schwach und gewissermaßen hangry fühle.

Würden meine FreundInnen sehen, wie ich hier drauf bin, würden sie fassungslos den Kopf schütteln. Von all meinen sozialen Kontakten bin ich die wohl ruhigste von ihnen. Doch hier bin ich laut. Ich streite und wehre mich gegen Beleidigungen.

Bin das wirklich „Ich“?

Das ist die Mia, die entsteht, wenn sie mit ihrer Familie zusammen ist. Sie ist laut, wütend und streitet. Ihr ist bewusst, dass sie mit diesen Menschen nicht mehr zusammenleben kann. Doch nun wird ihr klar, dass sie auch nicht gemeinsam verreisen sollte. Sie liebt ihre Famile, aber sie kann sie nur in dosierten Mengen entragen.

„Ich bin schlecht.“

Ich sei undankbar, dass ich diesen teuren Urlaub und die Mühe nicht wertschätze, zu dem ich regelrecht gezwungen wurde.

Ich sei unhöflich, weil ich all die Familie und Freunde nicht besuche, weil ich fürchte, dort zum Essen gezwungen zu werden.

Ich sei ein Arschloch, weil ich mich nur streite und ständig negative Energie verbreite.

Selbsthass

Ein Teil von mir verachtet sich dafür, dass Wut-Mia sich nicht beherrschen kann und so schnell streitlustig wird. Der andere Teil streicht mir sanft über die Schulter und versucht mir einzureden, dass ich nichts dafür kann wie sie fühlt und alles Recht dazu hat so zu empfinden.

Aber ich möchte kein Mitleid.

Schließlich verbringe ich hier einen spendierten Urlaub und werde den ganzen Tag von hellen Sonnenstrahlen begleitet. Es geht mir gut (bis auf meine Bauchschmerzen). Ich habe viel Zeit zu lesen und an meiner BA zu arbeiten. Ich bin umgeben von lieben Verwandten und werde liebevoll versorgt.

Es hilft mir trotzdem, meine dunklen Gefühle zu teilen. Ich möchte nicht in Wut ersticken, sondern sie viel mehr durch das Schreiben auflockern und hoffentlich fortwehen.

Hoffentlich hat die Wut-Mia niemanden aus meinem Blog verschreckt. Sie versucht nur ehrlich zu sich und der Welt zu sein.

Geht es euch manchmal ehrlich, dass bestimmte Menschen eure dunkle Seite hervorholen können? Wenn ja, wie kommt ihr dagegen an?

Genießt euren Abend! ♥

 

 

 

25 Kommentare zu „Familienkonflikte und das Aufkommen meiner dunklen Seite

  1. Mia … Es ist eine Erfahrung für dich und wird dir helfen, dich besser abzugrenzen und für dich einzustehen.
    Die Wut, die du fühlst, sind die alten Konflikte und Ängste, die nun wieder da sind.
    Was mir hilft, wenn ich mich hilflos fühle und wütend werde? Inzwischen kann ich raus gehen und mich wieder sammeln. Der Situation die Macht und die Angst nehmen.
    Die Menschen sind nett zu mir, weil sie es wollen und nicht, weil sie mich manipulieren wollen.

    Versuch mal, wenn du merkst, das du wütend wirst, ganz bewusst aus der Situation zu gehen und schau, WAS dich da gerade wütend gemacht hat.

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  2. Es sind nicht so sehr bestimmte Menschen, sondern deren Verhaltensweisen oder deren Unverständnis, das ich in Rage gerate. Aber noch wütender bin ich dann auf mich, das ich mich nicht besser unter Kontrolle habe und es mir nicht einfach egal ist. LG

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  3. Kann mich meinen Vorrednern anschließen. Über keinen kann man sich ärgern wie über die eigene Familie und nur die holt mich wirklich aus der Reserve. Wenn es mir so geht, dann denke ich immer an das große Ganze, dass die Bevormundung so nicht gemeint war und dass ich auch meine Kanten habe, dann geht es meistens schon viel besser☺. GRUß

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  4. Oh mach dir keine Sorgen! Verurteile dich bitte nicht dafür, wie du dich fühlst oder wie du dich verhältst. Ich kann deine Frustration auf jeden Fall verstehen… Wie man mit dir umgegangen ist, scheint nicht wirklich die beste Art gewesen zu sein. Wenn du dich zurzeit schlecht fühlst, dann ist es so, und das tut mir leid, aber du musst dich nicht für deine Gefühle schämen, da bin ich mir sicher. 🙂 (So viel zur „Wut-Mia“).
    Dann würde ich gerne noch sagen, dass ich das auch gut kenne, dass man in alte Rollen verfällt, sobald man wieder in der alten Umgebung oder mit Menschen aus dieser Zeit zusammen ist. Mir geht das auch so, wenn ich zu meinen Eltern fahre. Dann fühle ich mich automatisch wieder wie in meiner Jugendzeit dort – ganz schlimm! Und verhalte mich dementsprechend auch oft so. Ich wäre da auch gerne anders, entspannter… Aber es fällt mir echt schwer! Ich hoffe, du kannst die Zeit dort trotzdem nutzen… und kommst mit deiner BA voran. 🙂 Ich schicke dir ganz viel Kraft! Und denk daran: Alles geht vorbei, bald bist du schon wieder „zu Hause“. Du schaffst das! Und übrigens finde ich es schön, dass wir deshalb auch in letzter Zeit mehr von dir lesen dürfen. Allerliebste Grüße 🙂

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    1. Danke für deine tröstenden und aufmunternden Worte! Du hast völlig recht – die alte Umgebung versetzt mich wieder zurück in eine Zeit, in der ich es zugelassen habe, wie mit mir umgegangen wird. Aber dass daraus eine derartige Wut-Mia entsteht, ist schon fast ein bisschen gruselig 😀

      Deine geschickte Kraft kommt hoffentlich bald an ❤

      Liebe Grüße!

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  5. „Wut-Mia“, das will mir so gar nicht zu Dir passen. Dass sich eine Menge Konfliktpotenzial in Dir anstaut bei den Konstellationen, die Du hier andeutetst, ist mir allerdings sehr verständlich.

    Zu viel Nähe, zu viele unterschiedliche Erwartungen, zu viele (für die und bei der betreffenden Person durchaus berechtigte) verschiedene Bedürfnisse – das ist in einem Kreis von erwachsen Reisenden, zumal über einen längeren Zeitraum, schwer zu händeln. – Und in der Familie befinden sich ja nicht quasi naturgegeben diejenigen Menschen, die einem empfindungs-, werteverständnis-, und empathiemäßig, die Nächsten sind. Die hat man ganz häufig eher unter ein paar besonderen Freunden.

    Was bleibt, ist, sich so gut wie möglich zu arrangieren, wozu es freilich für wirklichen Erfolg von allen beteiligten Seiten guten Willen braucht. Vor allem den Willen, dem jeweils anderen SEINE/IHRE Freiräume zu gewähren, im Sinne seiner/ihrer eigenen Wünsche und Interessen. Man kann und muss nicht immer alles gemeinsam machen.

    Für die Zukunft wäre wahrscheinlich wirklich zu überlegen, ob so ein realtiv langer gemeinsamer Familienurlaub noch einmal angegangen werden sollte …

    Für jetzt halte ich viel vom Rat von „mijonisreise“

    Ach, ich wünsche Dir so sehr, dass Du die verbleibenden Tage noch so gut als möglich genießen kannst. – Ich denke, dass das sehr wichtig wäre – immerhin verbringst Du Deinen Urlaub ja nicht nur mit Freizeitgestaltung – vor allem denke ich da auch daran, dass Du beständig an Deiner BA schreibst.

    Ansonsten, liebe Mia: Wenn Dich mal unmittelbar etwas sehr bewegt,ärgert, quält … – Du kennst den „anderen Weg“ zu mir, und wenn es nur eine kurze Nachricht, ein Loswerdenwollen/MÜSSEN ist – schreib es auf – ich bin dafür da, es zu lesen, es mitzutragen, Dir, so ich kann, zum Beispiel einen kleinen Mutmacher zurück zu senden. Du brauchst nicht alles allein zu tragen …

    Ganz viele, ganz liebe Grüße an Dich! ❤

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    1. Ich weiß, lieber sternfluesterer, die „Wut-Mia“ belastet mich sehr, aber auch sie ist ein Teil von mir – leider.

      Es kommt mir ein wenig so vor, als würden ein Tiger, ein Pferd und ein Igel in einem Boot sitzen. Alle drei passen nicht zusammen. Und ich – der Igel, der ansonsten ruhig versteckt ist, schützt sich durch seine Stacheln. Er ist das schwächste Glied von den dreien, doch auch er weiß sich zu verteidigen. Es gefällt ihm ganz und gar nicht, daher freut er sich schon wahnsinnig darauf, endlich an Land zu krabbeln und nicht mehr in einen Konflikt mit seiner Pferdemama und Tigerschwester zu geraten.

      Den „anderen Weg“ halte ich mir immer offen, lieber sternfluesterer. Wenn ich durch ihn laufe, wirst du es wissen. Zum Glück gibt es ihn! ❤

      Ganz liebe Grüße!

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  6. Aus diesen Gründen vermeide ich es momentan, mit meiner Familie (also v.a. Eltern) Ferien zu machen, Weihnachten zu feiern, etc. Persönlich bei mir ist es, weil ich Abstand brauche und mich selbst nie richtig gefunden habe in der Familie. Und ich will innerlich unabhängig von der Familie sein, was glaub auch normal sein sollte.

    Andere Menschen, die die dunkle Seite hervorholen können? Ja, ich glaube, wenn nicht auf mich eingegangen wird und gesagt wird, dass muss halt so sein, etc. Das können aber glaub viele Menschen sein, aber vor allem kann ich dann überreagieren, wenn meine Eltern sich so verhalten oder halt (leider) die religiösen (christlichen) Mitmensch, wo oft nicht wirklich auf meine Gedanken eingegangen wurde (wird).

    Dagegen ankommen? Manchmal vielleicht für eine Zeitlang aus dem Weg gehen, ehrlich sein, dass man so fühlt, sich nicht verdammen, wenn man so reagiert.

    Liebe Grüsse!

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    1. Ich sollte deinem Beispiel nachgehen. Ich glaube, dass auch ich unabhängiger sein sollte, denn ein großer Streitgrund besteht darin, dass ich wie ein Kind behandelt werde.

      Ob es jemals passen wird, weiß ich nicht. Aber dass es jetzt nicht passt, steht außer Frage.

      Liebe Grüße!

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  7. Liebe Mia,
    wir alle werden wütend, wenn wir an unsere Grenzen getrieben werden und das ist gut so. Ich bin in keinster Weise abgeschreckt, sondern froh, dass deine Selbstschutzmechanismen noch so gut funktionieren, dass du wütend wirst, wenn dich Dinge stören. Einfach immer nur zurückstecken zu müssen und auszuhalten ist sehr ungesund und auf lange SIcht auch regelrecht traumatisierend – wie du von meinem Blog ja weißt…
    Und nein, ich finde nicht, dass man für ein Geschenk, das man nicht wollte und das man abzulehnen versucht hat, dankbar sein muss oder sollte. Das hat in meinen Augen nichts mit Undankbarkeit zu tun.
    Aber gerade Eltern fällt es oft schwer, das so zu sehen. Sie meinen es ja nur gut. Und dabei entscheiden sie über unseren Kopf hinweg für uns und vergessen, uns wie erwachsene, vollwertige und selbständige Menschen zu behandeln…. Dafür muss man nicht dankbar sein!

    Ich wünsche dir noch viel Geduld, konstruktive Gespräche und gutes Für-Deine-Interessen-Einstehen 🙂

    Fühl dich umarmt ❤

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    1. Danke!!! Es hat gerade (selbst Tage nach meinem Beitrag) so gut getan, deine Worte zu lesen. Ich will mich nicht schuldig oder undankbar fühlen, und die Zustimmung beruhigt mich sehr! ❤️

      Ich mag die Wut-Mia überhaupt nicht gerne, aber sie ist mir trotzdem lieber, als die stumme Mia, die die Wut in sich hineinfrisst!

      Ganz liebe Grüße!!

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  8. Ja, mir passiert das auch häufig. Nur lasse ich diese Wut dann nie raus, sondern fresse es in mich rein und spüre sozusagen den „inneren Schmerz“.

    Die Beziehung zu meiner Schwester ist nicht immer so harmonisch (Beitrag ist auch auf meinem Blog dazu) und in ihrer Anwesenheit fühlen ich mich odt schlecht und überflüssig. Das schmerzt sehr. Ich versuche mir dann immer wie ein Mantra vor Augen zu halten, dass das nur mein Kopf ist, der solche Gedanken spinnt und es in Wirklichkeit gar nicht so ist!
    Klappt aber auch nicht immer.. 😉

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    1. Das ist sehr schade mit deiner Schwester:( sich unsichtbar oder überflüssig zu fühlen ist ein ganz trauriges Gefühl!

      De Wut verbergen klappt bei mir nicht mehr. Das will ich eigentlich auch nicht, aber ich glaube, ich gucke mir mal das mit dem Mantra von dir ab 😀

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  9. In Bezug auf Familie kenne ich das so nicht – hatte es, glaube ich, mal auch geschrieben.

    Kein Grund zum Selbsthaß, Mia! Es zeigt sich ja nur, was Du schon vorher wußtest: in der Konstellation geht ein längerer Urlaub für Dich nicht. Vielleicht sehen es die beiden Anderen nun auch so, dann hätte die „Wut-Mia“ ja noch was erreicht 🙂
    Ich kenne Vergleichbares aus beruflichen Gruppenreisen, das kann mitunter anstrengend sein. Aber dann hilft entweder die volle Breitseite oder aber das Wissen darum, daß man die Leute bald wieder los ist.
    Wie lange mußt Du noch durchhalten?

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    1. Vielen Dank! Ja, ich denke, dass man dieses Verhältnis auf sämtliche soziale Kreise beziehen kann! Bei meinen Freunden/Kollegen ist das tatsächlich viel weniger schlimm als mit der Familie!

      Hab noch 2 Wochen und komme mir undankbar vor, dass ich am Strand liege und die Stunden zähle, bis ich wieder zu Hause bin…allerdings kann man einen schönen Ort nicht genießen, wenn er von so viel negativer Energie heimgesucht wird!

      Ganz liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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