Warum will ich das alles? – Schönheitsideale reflektieren

Viele von uns haben den Wunsch erfolgreich und schön zu sein. Die Frage ist nur warum? Warum wollen wir das alles? Und warum ist es unglaublich wichtig Schönheitsideale zu reflektieren?

Es ist wie ein Virus, denn sie sind überall. Im Fernsehen, in der letzten Zeitschrift, auf Werbeplakaten oder auf einem Poster an eurer Wand. Und selbst wenn man sie meidet, so entkommt man ihnen kaum. Die Rede ist von den guten alten Schönheitsidealen.

An für sich finde ich das nicht schlimm! Jeder Kultur hat und hatte sie. Von der Antike bis hin zur Moderne.  Im Mittelalter zupften sich Frauen in Europa die vorderen Haare ab, um eine längere Stirn zu bekommen. Im Barock trugen Männer trugen lange Perücken und Strumpfhosen. Aus heutiger Sicht würden wir das nicht mehr als „schön“ definieren. Aber ich wette, dass die damaligen Menschen es auch ungewöhnlich gefunden hätten, wenn erwachsene Frauen sich auf einen Kinderkörper runtergemagert und Männer ihre Muskeln steinhart trainiert hätten.

Warum will ich schön sein?

Will ich wirklich nur schön für mich sein?

Mache ich wirklich Sport, weil ich gesund und fit bleiben will?

Esse ich keine Süßigkeiten, weil ich sonst Karies bekomme?

Vermeide ich Fett, weil es meinen Cholesterinspiegel in die Höhe schießen lässt?

Oder ist es noch wegen was anderem? Denn das alles sind ja soweit plausible Gründe. Hand aufs Herz: Könnten die „gesunden“ Vorsätze manchmal eine unbewusste Ausrede sein?

Auch ich bin stark vom Schönheitsideal befallen.

Wenn ich mich halbwegs schön fühle, dann fühle ich mich wohler. Es fällt mir schwer einfache Besorgungen zu erledigen, ohne mich dabei aufs Nötigste zu schminken. Ich gehe nicht in Jogginghose in die Uni, obwohl ich das viel lieber täte. Der innere Zwang schön und „richtig“ zu sein, hält mich davon ab.

Der Kapitalismus profitiert von unseren Unsicherheiten.

Ihr wisst alle, dass die Schönheitsindustrie sich dumm und dämlich daran verdient uns das Gefühl zu geben, nicht genug zu sein. Sie wirbt mit „Beauty-Produkten“, etlicher Kleidung und natürlich Diäten. Und das alles, um schön zu sein.

Würde es in der Welt keine Spiegel geben, dann wäre die Welt vermutlich eine andere. Tatsache ist jedoch, dass unsere Gesellschaft eine sehr oberflächliche ist, in der das Aussehen eine immense Rolle spielt. Sei es bei der Partnerwahl, oder sogar im Beruf. In der Welt haben es schöne Menschen leichter. Die logische Konsequenz ist also einfach dem Strom zu folgen – oder? Nein…

Wir sind Menschen und wir sind nicht perfekt. Das ist okay so.

Niemand muss vollkommen sein. Wir alle sind unperfekt perfekt. Die äußere jugendliche Fassade wird eines Tages verschwinden, aber mit ein paar weißen Haaren und ein paar Fältchen sind wir nicht weniger wert.  Wir sollten uns so akzeptieren wie wir sind.

Natürlich sagt sich das alles immer so leicht. Schließlich versuche ich schon seit Jahren meine inneren Zwänge loszuwerden. Aber der erste Schritt ist die Gesellschaft überhaupt wahrzunehmen und zu hinterfragen. Je mehr Menschen die Schönheitsideale reflektieren, desto eher können sie relativiert werden. Schönheit ist schließlich relativ. Und damit sind wir alle schön. ♥

 

 

 

 

 

15 Kommentare zu „Warum will ich das alles? – Schönheitsideale reflektieren

  1. Ich gehe ohne ein Minimum an Schminke auch nirgendwohin, nicht einmal zur Mülltonne. Dabei schminke ich mich wenig, so dass es fast ungeschminkt aussieht – nur perfekter. Aber ohne dieses Minimum fühle ich mich einfach nicht wohl! Und wenn ich meinen Körper schön finde, dann liebe ich mich geradezu, ich betrachte mich oft im Spiegel und bin zufrieden. Ich behandle meinen Körper dann auch besser, pflege ihn mehr, weil ich ihn als kostbar empfinde. Ich will vor allem für mich schön sein, damit ich mich akzeptieren kann. Niemals wollte ich für meine Intelligenz geliebt werden oder dafür, dass ich ein guter Mensch bin, ich wollte nur geliebt werden für mein Aussehen… das kommt wohl aus meiner Kindheit, in der wie ein Mantra mir immer vorgebetet wurde, dass das Kapital einer Frau ihr Aussehen ist -_-

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  2. Du hast so recht mit deinem Text! Es ist nicht immer einfach sich den Idealen zu stellen und den Anforderungen der Gesellschaft, egal ob es nun um das aussehen geht oder um wie man sein Leben führt.

    Es wird ein vieles vorgelebt, schöner, besser und schneller. Erfolg im Beruf, Familie und am besten ehrenamtlich noch was machen. Manchmal ersticke ich fast in den ganzen anforderungen und dann versuche ich alles abzuschütteln. Weil ich kann dann nicht mehr. Aber trotzem bleibt eine Stimme die mir ins Ohr flüstert das es nicht genug ist, du musst mehr vorzeigen können, mehr aus deinen Leben machen, erfolgreicher sein und alles unter einen Hut bekommen…

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    1. Ja, das stimmt! Man hat immer das Gefühl, dass es nicht reicht 😦 Manchmal google ich ehemalige Schulkameraden und finde, dass ALLE mehr erreicht haben als ich, dann fühle ich mich sehr minderwertig. Aber: es können doch gar nicht alle viel erreichen, und die meisten Menschen dümpeln in der Mittelmäßigkeit herum.

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  3. Liebe Mia, liebe Frauen,

    niemand MUSS mehr „vorzeigen“, niemand MUSS versuchen, besser auszusehen als Mister oder Miss X oder Y oder Z, Niemand MUSS (und sollte) sich von dem Gesäusel der Werbeindustrie, von Hochglanzpostern oder Castingshows beeinflussen lassen.

    Worauf kommt es denn für eine tragfähige Freundschaft, für eine wirkliche Beziehung, für DIE eine große Liebe wirklich an? Aus wie vielen Köpfen, die auf gestählten Leibern sitzen oder auf Körpern, die von Designerklamotten behängt sind, kommen dumme, hohle, bisweilen gar abstoßende Worte?

    Es ist so schlimm, so tragisch, so traurig, wie viele Menschen ungeheure Preise zahlen, um nur ja möglichst „schön“ zu sein, und das meine ich nicht etwas „nur“ auf Geld bezogen, sondern viemehr bezogen auf den eigenen Körper, das eigene Selbstwertgefühl. Letzteres wird übrigens NICHT dadurch größer, dass man sich schön stylt. Allenfalls als Momentaufnahme, danach krittelt man schön weiter an sich herum.

    Viel wichtiger als „hübsch sein“ (darum geht es hier ja eigentlich) sind (mir) Charakter und Asthetik. Ein gepflegtes Äußeres, ja, darauf lege auch ich wert, aber dann ist’s auch gut. Ansonsten zählen andere Dinge.

    Wenn (und ich weiß dass es so ist) andere Männer andere Prioritäten setzen, dann ist das nicht mein Ding. Gar nicht. Und ich wünschte mir sehr, dass alle Frauen so selbstbewusst wären, davon nicht „verbiegen“ zu lassen.

    Keine Frau ist minderwertig, weil oder wenn sie nicht 90-60-90 hat, keine braucht sich zu schämen, wenn sie nicht ins „Heidi-Klum-Raster“ passt. Keine auch, soll sich minderwertig (fühlen) müssen, weil bzw. wenn ihr Geldbeutel nicht stets Klamotten der neuesten Mode oder teure Kosmetik ermöglicht.

    Schaut Euch einmal um, im Supermarkt, im Bus, auf der Straße – wie viele „schönheitsideale“ Menschen begegnen Euch da?

    Niemand MUSS sich etwas beweisen, bezüglich „Schönheit“, abgesehen davon gibt es viele unterschiedliche Geschmäcker, auch was das Äußerliche, was „Hübsches“ angeht. –

    Wenn ich mich da mal ein bisschen outen darf: Ich finde es gar nicht schlimm, wenn eine Frau nicht oder nur wenig geschminkt ist. Lieber dezent als zuviel. Ist MEIN persönlicher (!) Geschmack. Wer mehr mag, soll aber gern mehr zeigen. Wichtig ist, dass der/die Betreffende sich wohlfühlt, freilich ohne schlechtes Gewissen, ja sowieso „nicht genug“ zu sein.

    Es ist so unsäglich, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Und es bringt letztlich fast nie wirklich weiter, macht gar zufriedener oder glücklicher. Sich an sich selbst als wichtig erkannten Werten zu orientieren (halt auch, was Äußerlichkeit angeht, viel mehr aber noch die innere, die wahre Schönheit, das ist ), dabei die Sinne offen zu haltzen für Menschen, die diese Werte teilen, das schafft Zufriedenheit und Glück.

    Und das ist mein Wunsch für Euch, für Dich, liebe Mia, ja, und für mich auch! 😉

    Sehr liebe Grüße, Mia ❤ – das war mal wieder ein sehr schöner, wichtiger und anregender Beitrag!

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  4. Vielleicht sollte man(n) oder frau sich fragen, warum man solchen vermeintlichen Idealen überhaupt nachsrebt. Und bitte, jetzt nicht mit Gesellschaft anfangen. Jeder ist selbst ein Teil von ihr und nicht gezwungen, wie ein Lemming Anschauungen oder was auch immer hinterher zu rennen. Ergo kann man auch Plakate mit angeblichen Beautys genauso ignorieren wie alle anderen Werbungen.
    Ich denke, die Frage ist eher die, warum Leute sich auf solche Schönheitsideale einlassen statt gedanklich den Mittelfinger zu zeigen und ihr Ding zu machen-

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    1. Genau das versuche ich in meinem Beitrag anzusprechen. All die Forderungen und Zänge werden oft überhaupt nicht reflektiert. Tut man dies, dann erkennt man vielleicht, dass man nicht alles tun muss.

      Dass man den Gesellschaftsdruck allerdings einfach so abschalten kann, würde ich nicht unterstreichen. Man ahnt gar nicht, durch wie viel wir Tag für Tag konfrontiert und beeinflusst werden…

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      1. Was eigentlich eine recht banale Erkenntnis ist, wie ich finde.
        Ich denke, das ist auch eine Frage, inwieweit man sich beeinflussen lassen will. Das nichts und niemand neutral oder steril ist, sollte einem schon bewußt sein. Ist aber auch banal.

        Ich finde es aber generell schön, wenn Du manche Dinge ansprichst. Eben weil es aus Deinem eigenen Erleben kommt und auch die Art, wie Du es rüberbringst. Das wirkt allemal authentischer als grellbunte Sprüche und Eigenwerbung.

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      1. Ich liebe es z. B. zu baden in duftigem Schaum, ein Glas Sekt dabei 🙂 oder einfach geile Klamotten anziehen, an aus an aus, immer wieder was anderes – das mache ich nur, wenn T. nicht da ist! oder schön schminken und Haare machen, das macht mich so zufrieden und glücklich, weil ich mich schön finde. Ich geh dann nicht mal raus, es ist wirklich nur für mich 😀

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