Was bringt es mich zu öffnen, wenn andere es sowieso nicht verstehen (wollen)? – Reden hilft nicht immer!

„Rede mit mir!“ Warum sollte ich, wenn ich ohnehin weiß, dass du es nicht verstehen willst? Warum, wenn ich von Anfang an weiß, dass das Reden nicht helfen wird?

Das Folgende Beispiel handelt von mir und meinem Freund. Wir sind sehr unterschiedlich, doch absurderweise harmonieren wir wunderbar zusammen. Er vereint fast alles, was ich mir in einer Beziehung wünsche. Aber eben auch nur fast.

Oft beklagt er sich darüber, dass ich ihm nicht alles erzähle. Er wünsche sich, dass ich offener werde und er die eine Person ist, mit dem ich reden würde. Tia, das wünsche ich mir auch…und das würde ich auch, wenn ich wüsste, dass er es verstehen würde.

In meinem Beispiel jedoch versuchte ich es.

Ich erzählte ihm, dass ich mich nie irgendwo zugehörig fühle.

Überall. Mit jedem. Damals in der Schule. Heute in der Uni. Zu Hause bei meiner Familie. Sogar mit meinen Freunden. Ich will irgendwo hingehören, doch ich weiß nicht wo und wie. Inzwischen habe ich meinen Frieden damit gefunden, dass ich mich überall nie „richtig“ fühle. Es ist völlig in Ordnung für mich, meistens.

Er hingegen konnte mit dieser Information überhaupt nicht umgehen – fand es schade, dass ich so „unglücklich“ sei (wann habe ich gesagt, dass ich unglücklich bin?!) und dass er eigentlich ganz zufrieden mit seinem Leben ist.

Woooow, dachte ich nur. Danke für diese Info. Erstens bringt es mir rein gar nichts, dass du mir sagst, wie toll dein Leben im Gegensatz zu meinem ist und zweitens möchte ich nicht, dass du mich für einen depressiven Emo hältst, wenn ich ein Mal eine negative Emotion über mich äußere.

Ich sagte ihm ganz direkt, dass das der Grund sei, warum ich nicht mit ihm über sowas rede. Weil es mir nichts bringe, wenn ich ihm etwas erzähle und danach nur mies fühle. Darüber war er natürlich gekränkt, denn er möchte mir nie wehtun. Was ich auch weiß. Aber trotzdem löst es nicht das Problem, dass er Reue zeigt. Ich kann mit ihm nicht über alles reden. Egal, wie sehr er es sich wünscht.

Wenn ich etwas Großes von mir preisgebe und es nicht richtig angenommen wird, fühle ich mich nackt.

Und zwar splitterfasernackt. So nackt, dass man das Blut unter der Haut pulsieren sieht. So nackt, dass man jede Pore der Verletzlichkeit sieht. Und das Gefühl, dass es in mir hervorruft ist einfach nur schrecklich.

Reden hilft nicht immer.

Ich weiß, dass alle Welt uns weismachen will, dass es immer besser ist, sobald man sich öffnet. Aber meiner Meinung nach stimmt das nicht im Geringsten. Wenn mit der/die richtige Zuhörer/in fehlt, dann kann ich meine Probleme genauso gut vor einer Wand loswerden. Es kommt auf diejenigen an, denen wir uns anvertrauen.

Ich bin dankbar für all diejenigen, mit denen ich reden kann.

Zusammengefasst sind das zwei. Zwei Menschen, denen ich mich öffnen kann und weiß, dass sie mich niemals verurteilen würden. Alle anderen Freunde schätze ich natürlich genauso, nur eben auf eine „andere“ Weise. Aber eben diese zwei verstehen mich. Verstehen, was es bedeutet, ständig auf der Suche zu sein, zu hoffen, irgendwo hinzugehören, irgendwo hineinzupassen, richtig zu sein.

Deshalb halte ich sie fest und bin unendlich dankbar, dass ich zwei Menschen in meinem Leben habe, die meine skurrilen Gedanken teilen und sogar verstehen. Wie immer ist mir klar geworden, dass ein wahrer Freund so viel mehr wert ist, als hunderte oberflächliche. Und mit ihnen an meiner Seite fühlt es sich nicht komisch an, dass mein Freund diese „Redner“ Rolle nicht übernimmt.

Kennt ihr das auch, wenn ihr euch anderen öffnet und das Gefühl habt, mit einer Wand zu reden? Wenn ja, wie geht ihr damit um?

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19 Kommentare zu „Was bringt es mich zu öffnen, wenn andere es sowieso nicht verstehen (wollen)? – Reden hilft nicht immer!

  1. Ich finde, du hast großes Glück, einen Freund zu haben, der reden will. Mir ist aber nicht klar, was du von einem Gespräch erwartest. Wenn wir mit jemandem reden, geht es nicht bloss darum, dass der andere einen versteht, sondern um einen Austausch. Ein Normalo-Gesprächspartner ist kein Therapeut. Ich kann dir nicht sagen, wie du es machen sollst, aber ich kann sagen wie ich es mache: Ich erwarte nicht, dass Andere mich verstehen, ich erwarte dass ICH verstehe, wie ich ticke, und das ist manchmal schon ziemlich komisch! Noch ein Wort zum Zugehörigkeitsgefühl: Du gehörst zu dir, du brauchst nirgends dazu zu gehören. Sobald ein Mensch in sich ruht, nimmt er sich selbst nicht mehr so wichtig, wirkt damit nicht mehr so angestrengt und fügt sich überall leicht ein, auch ungeschminkt 😉!

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    1. Natürlich bin ich dankbar für meinen Freund, aber ich in diesem Fall kommen wir auf keinen gemeinsamen Nenner. Er ist kein normale Gesprächspartner, sondern mein Freund. Und bei einer so intimen Beziehung wünsche ich mir von meinem Partner verstanden zu werden und er wünscht sich ihn an meinen Gedanken teilhaben zu lassen. Geschieht nur das eine oder nichts von beidem, fühlen sich an Ende alle schlecht!

      Und ja, wenn ich mit jemandem rede, dann wünsche ich mir verstanden zu werden. Ich erwarte es nicht, aber ich erwarte, dass respektvoll damit umgegangen wird, was ich offenbare. Und in meinem Beispiel war das nicht der Fall. Es war ignorant und oberflächlich!

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  2. Mal abgesehen davon, daß Jungs und Mädels mitunter doch unterschiedlich ticken… 🙂

    In einer Beziehung sollte es schon so sein, daß man sich einander öffnet und alles bequatschen kann. Da muß dann eben noch mehr geredet werden oder es bringt nix.
    Wenn ich merke, Leute wollen oder können mir nicht folgen oder versuchen nachzuvollziehen (verstehen verlange ich gar nicht), dann berede ich mit denen auch nichts mir Wichtiges mehr.
    Klar, das ist dann auch eine Form von Selektion. aber immer noch besser als Zeit und Energie zu verschwenden.

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    1. Dass Jungs und Mädels anders ticken, finde ich seeehr pauschalisiert 😛

      Selektion ist in diesem Fall aber trotzdem unvermeidlich. Denn wenn ich nicht mit jemandem reden kann, sollte ich mich auch nicht dazu zwingen, nur, weil man das halt in einer Beziehung macht oder mein gegenüber es sich so sehr wünscht!

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  3. Ich kenne das leider zu gut. Wirklich verstehen, worum es mir geht, tun die allerwenigsten – selbst, wenn sie ehrlich bemüht sind. Aber das ist auch ganz normal: wenn man empathisch auf jemanden eingehen möchte, versuchen, denke ich, die meisten Menschen, zu dem Gehörten Parallelen im eigenen Leben zu finden und sich vorzustellen, wie es einem selbst wohl in deren entsprechenden Situation gehen würde.
    Wie gut das funktioniert, hängt dann erstens davon ab, wie viel man über den anderen Menschen schon weiß – sprich, inwieweit man Unterschiede zur eigenen Historie einbeziehen kann – und andererseits davon, wie passend die eigenen Parallelen wirklich sind.
    So kommt es dann auch zu den wohlgemeinten, aber etwas absurden Vergleichen a la „ich verstehe, wie traurig du darüber bist, dass deine Mutter gestorben ist. Ich habe vor zwei Jahren mein Kaninchen begraben müssen. Da war ich auch sehr traurig.“
    Und es hängt enorm davon ab, ob die Person helfen will, um einen wirklich weiter zu bringen, oder ob die Person helfen will, um sich hilfreich zu fühlen.
    Im ersteren Fall ist die Person bereit, zuzugeben, wenn sie keine entsprechenden Parallelen vorweisen kann oder einfach gerade nicht weiß, wie sie helfen kann. Im zweiten Fall wird die Person es enorm persönlich nehmen, wenn man ihr dann sagt, dass das Kaninchen ja wohl kaum mit der Mutter vergleichbar ist.

    Ich denke, der letzte Faktor ist der wichtigste, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob es sich lohnt, die Mühe auf sich zu nehmen, sich dem Gegenüber zu erklären. Auch dann ist er immer noch ein Mensch und wird manchmal unpassend reagieren, aber er wird sich die Kritik anhören und sich bemühen, das nächste Mal besser zu reagieren. Deswegen ist es immer noch unglaublich anstrengend, sich zu öffnen und sich zu erklären, aber es hilft, m.e. in diesen Fällen langfristig wirklich für ein besseres und harmonischeres Zusammenleben.

    Wer in erster Linie helfen will, um sich hilfreich zu fühlen, ist nicht wirklich bereit, sich auf einen einzulassen. Da lohnt es sich nicht.

    So zumindest meine Gedanken dazu…

    Beste Grüße ❤

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    1. Danke für deine Worte, liebe Grübel-Eule! Ich teile deine Gedanken und werde mir gerade auch in Klaren, dass es nicht allerin reicht bloß helfen zu wollen. Es mit „ich verstehe es nicht“ abzutun, empfinde ich schon fast als ignorant. Jede/r hat die Möglichkeit seinen Horizont zu erweitern, aber dafür muss man auch bereit sein neue Welten zuzulassen.

      Nochmal danke für deinen Kommentar!<3

      Liebe Grüße!

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      1. Nun, manchmal können andere Menschen Erfahrungen gemacht haben, die man wirklich nicht verstehen kann, weil sie dem eigenen Erlebten einfach zu fern sind. Auch das muss man irgendwann einsehen. In dem Fall kann man aber, wenn man wirklich helfen möchte, sagen „ich mag nicht wirklich verstehen, was da passiert, aber ich kann akzeptieren, dass es so ist und dass du daraus die für dich richtigen Entscheidungen triffst“.

        Umgekehrt kann ich als „nicht-verstandene Person“ nicht erwarten, dass mein Gegenüber sofort alles versteht. Wenn er sich wirklich Mühe gibt und bereit ist, zuzuhören, kann er dennoch nur die Dinge bei seinen Überlegungen in Betracht ziehen, die ich auch geäußert habe. Wenn ich ihm eine Chance geben möchte, mich wirklich zu verstehen, muss ich mich erstmal selbst verstehen und auch erklären können und es kann manchmal dauern, bis man die richtigen Worte findet, mit denen das Gegenüber wirklich etwas anfangen kann…
        Aber ich denke, wenn der Wille wirklich da ist, lohnt sich die Geduld auf beiden Seiten.

        Alles Liebe ❤

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  4. Liebe Mia,

    dieses Gefühl, sich „nicht irgendwo zugehörig“ zu fühlen, kenne ich nur zu gut. Dies hat, wie alles in Leben Vor- und Nachteile. Ich genieße gerne die Vorteile, auch wenn ich die Nachteile nicht negieren kann.

    Was das „Verstehen werden“ betrifft: Kommunikation bedeutet nicht zwangsläufig „verstanden werden“. Auch wenn ich das Gefühl von „nicht zugehörig“ kenne, bedeutet es nicht, dass es Dein Gefühl von „nicht zugehörig“ bedeutet und dass ich es verstehen kann, wie es Dir persönlich damit geht. Vielleicht werden wir beide gewisse Überschneidungen haben, aber vielleicht reden wir auch über zwei ganz unterschiedliche Empfindungen, die wir beide nur als „nicht zugehörig“ definieren.

    Reden muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass man einander versteht. Die Tatsache, dass man überhaupt offen sein kann, besitzt ebenso eine Wichtigkeit. Der Prozess des miteinander reden Könnens, ist genauso wichtig, wie der (ersehnte) Ausgang.

    Menschen, die nicht die Erfahrung machen, wie wir sie gemacht haben, können mit Betroffenheit reagieren (wie dein Freund) und für sich die Dinge interpretieren. Was anderes bleibt einem auch gar nicht übrig. Für mich ermöglicht mir das „nicht zugehörig“ sein z.B., dass ich weitaus mehr sehe, als wenn ich „zugehörig“ wäre. Ich habe immer eine Außenbetrachtung, weil ich eben nicht mittendrinstecke. Dies ist ein sehr großer Bonus (wenn man es so sehen mag) bringt aber auch mit sich, dass man eben nicht „dazugehört“. Es kommt darauf an, wo unser und der Fokus unseres Gesprächspartners liegt. Grundsätzlich habe ich gelernt: Was man heute nicht versteht, kann morgen schon ganz anders aussehen. … Es liegt an beiden Gesprächspartner, welche Erfahrungen und Erwartungshaltungen wir haben.

    Herzliche Grüße
    Serap

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen Dank, liebe Serap! Deinen Kommentar zu lesen hat mir gerade sehr gut getan. Du verstehst es und weißt, dass „darüber reden“ nicht reicht. Man muss auch verstanden werden und wenn dies nicht geschieht, dann fühlt man sich „entblößt“.

      Deine letzten Worte haben mir allerdings etwas Mut gemacht. Vielleicht sieht es beim nächsten Gespräch tatsächlich anders aus!

      Liebe Grüße!<3

      Gefällt 1 Person

  5. Du weißt, dass Du mir vollkommen aus dem Herzen geschrieben hast! Und Du hast zudem sehr Recht damit, dass Jungs und Mädels nicht (zwangsläufig) anders ticken müssen – Allerdings gibt es leider schon recht „typische“ Verhaltensweisen – das ist ein Grund dafür, dass ich mich unter Männern sehr oft gar nicht wohl fühle. Ich ticke halt „anders“ …

    Ich freue mich auf Freitag!!! 😉

    Ganz liebe Grüße und anlässlich dieses Beitrags da oben 1000 ❤ für Dich!

    Liken

  6. Hmmm… wirklich tricky! Ich gehöre definitiv zu der Fraktion, die glaubt, dass Kommunikation quasi 80 % der Probleme auf dieser Welt löst bzw. lösen würde. 😀 Aber klar, ich erkenne definitiv das Problem in der Kommunikation zwischen dir und deinem Freund: Du wünscht dir, dass er anders reagieren würde. Er wiederum weiß vielleicht nicht genau, wie du möchtest, wie er reagiert… bzw. wahrscheinlich ist seine Art zu reagieren für ihn normal/verständnisvoll/hilfreich, aber du benötigst halt etwas anderes, mehr Empathie. Und genau an dieser Stelle kommt für mich wieder die Kommunikation ins Spiel, denn nachdem du unzufrieden warst mit seiner Reaktion, redet ihr eigentlich nicht mehr darüber. Mein erster Gedanke war, dass du es ansprechen solltest, dass du seine Reaktion nicht sehr hilfreich findest und ihm dann erklären, was du dir wünscht. Du musst ihm ja nicht sagen: „So sollst du reagieren“. Aber du kannst ihm erklären, was dir wichtig ist und wodurch du dich besser fühlst. Kommunikation ist sicherlich auch ein Lernprozess. 🙂

    Gleichzeitig hat mich dein Beitrag gerade schon zum Nachdenken gebracht… Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich auch nicht mit allen Leuten über alles reden kann, das stimmt schon. Irgendwie habe ich bestimmte Leute mit denen ich über bestimmte Themen reden kann. Aber solange man alle Themen irgendwie abdecken kann, dann finde ich das OK und irgendwie auch normal.. Es wäre ja komisch jemanden zu kennen, mit dem man perfekt über ALLES reden kann. Trotzdem sehe ich es genauso wie du und denke auch, dass man mit dem Freund/Partner auch über die innigsten Gedanken reden sollen könnte. Ich hoffe für dich, dass die Kommunikation zwischen euch besser wird! 🙂 Liebe Grüße!

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für deinen Kommentar! 🙂 Eigentlich bin ihc ganz bei dir – für mich ist Kommunikation alles! Aber da ich viel zu oft in Situationen gerate, in denen ich nicht verstanden werde, frage ich mich, ob es an mir liegt, dass ich so komisch Gedanken habe, oder das Gegenüber es einfach nicht verstehen will…

      Mit meinem Freund habe ich tatsächlich versucht zu reden, aber da scheitert die Kommunikation leider wieder, denn sobald ich anspreche, dass mich etwas an der Kommunikation stört, zieht auch er sich zurück, fühlt sich verletzt und das, obwohl das überhaupt kein Vorwurf sein soll. Und leider kann ich ihn auch nicht dazu zwingen mich zu verstehen…:/ Ich sehe da wirklich keine andere Lösung, als mir einen anderen Gesprächspartner zu suchen ^^ Und das ist okay, er vereint viele andere wunderbare Eigenschaften, daher brauche ich es auch nicht zwingend!

      Liebe Grüße!<3

      Gefällt 1 Person

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