So tun, als wäre nichts passiert? Wie sollten wir einen Streit am besten schlichten?

Ich stamme aus einem Haushalt, in dem bei einem Streit nicht der Versuch gewagt wird, darüber zu reden. Stattdessen wird der Streit im Keim erstickt. Man redet solange nicht darüber, bis er vergessen ist. Und vor allem redet man auch nicht miteinander.

Ich fand diese Form der Konfrontation schon immer schrecklich. Ich streite zwar selbst überhaupt nicht gerne, aber ich habe stets den Drang ihn zu schlichten.

So tun, als wäre nichts passiert?

Für mich geht das nicht lange genug. Stattdessen staut sich der Zorn auf. Irgendwann ist da nicht nur diese eine Argumentation, sondern ein ganzer Berg an Streit. Und dann bricht der Vulkan aus. In meinem Fall wütet und lodert er nicht, sondern bricht in Tränen aus und ist so tief verletzt, dass jegliches „Tut mir leid“ zwecklos ist. Ich habe schon Freundschaften beenden müssen, weil ich immer zu viel unterdrückt habe und irgendwann nicht mehr konnte. Vielleicht wären wir heute noch befreundet, wenn ich schon früher das Gespräch aufgesucht hätte.

„Egal – lass uns nicht mehr darüber reden“ – Für mich gibt es nichts Schlimmeres!

Viele Menschen denken, dass Abstand bei einem Streit das Beste sei. Man geht sich aus dem Weg und wenn man sich wieder abgekühlt hat, tut man so, als wäre nichts passiert.

Aber der Streit ist damit noch nicht geklärt! Für mich zumindest nicht. Denn das bedeutet, dass er irgendwann wieder hochkommen wird. Deshalb kann der Teufelskreis nur ausgebrochen werden, wen der Streit vollständig aus der Welt geschaffen wurde.

Wir sollten darüber reden!

Inzwischen habe ich mir angewöhnt das zu sagen was mich beschäftigt und nicht damit warten, bis es zu spät ist. Wenn mich etwas stört, verletzt oder kränkt sage ich es – meistens. Damit konnte ich so manche Unstimmigkeit aufklären. Allerdings nicht bei allen.

Sind wir streitsüchtig?

Ich habe festgestellt, dass das offene Reden manchmal nicht sehr gut ankommt. Obwohl ich einen Streit vermeiden will, indem ich darüber rede, entsteht dadurch erst einer, weil es ihr oder ihm nicht passt, dass ich ständig „empfindlich“ bin, alles in den falschen Hals kriege und oder sie am besten „gar nichts mehr sagen“ will.

Und gerade das ist es, was ich nicht will! Ich will klarstellen, wie ich dabei empfinde und hoffe, dass es akzeptiert wird – nicht kritisiert! Warum also wird es nicht verstanden? Liegt es am Ego, dass gekränkt ist, sobald Kritik an ihm ausgeübt wird? Haben wir den inneren Drang alles rechtfertigen zu MÜSSEN? Können wir nicht anders, als weiter zu streiten?

Wenn sich eine Person öffnet, sollten wir ihr zuhören, anstatt zu argumentieren.

Ich habe festgestellt, dass eine Auseinandersetzung schneller vorbei ist, wenn einander zugehört wird, ohne sich selbst ständig zu verteidigen. Es ist sinnlos einer anderen Person ihre Gefühle abzusprechen. Und vor allem ist es sinnlos, sich aus dem Weg zu gehen, zu ignorieren und so zu tun, als wäre nichts passiert.

Was ist eure Meinung dazu? Wie schlichtet ihr Streitereien? Und was denkt ihr dazu, dass wir Menschen möglicherweise streitsüchtig sind?

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8 Kommentare zu „So tun, als wäre nichts passiert? Wie sollten wir einen Streit am besten schlichten?

  1. Mir geht es wie dir. Ich kann Streits nur ganz schlecht auf sich beruhen lassen. Wie sonst soll man den Gegenüber verstehen und lernen, wie man in Zukunft eine vergleichbare Situation vermeidet?

    Leider gibt es viele Menschen, die in Diskussionen und Streits nicht das Ziel haben, etwas zu lernen, sondern einfach nur, den Streit zu beenden und den Status Quo beizubehalten, oder gar zu gewinnen. In diesen Fällen ist es sehr schwer, ein ausgeglichenes „Ergebnis“ zu finden und es bleibt einem nicht viel anderes übrig, als seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Dafür braucht es dann Abstand, weil sich immer und immer wieder Dinge aufstauen ohne, dass sich etwas ändert. Dass man dann irgendwann explodiert, ist m.e. absolut natürlich.

    Aber wenn beide sich öffnen und erzählen können, wie welche Handlungen was in einem ausgelöst haben und beide überlegen, was sie in Zukunft anders machen können, dann ist, denke ich, echtes Wachstum möglich.

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    1. Danke für deine Worte. Ich sehe das ganz genauso wie du. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass die Methode alles zu unterdrücken langfristig funktionieren kann. Der Damm bricht irgendwann- es ist daher besser ihn gar nicht zum Ausbrechen zu bringen!

      Liebe Grüße!

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  2. Ich habe früher auch viel diskutiert und wollte alle Konflikte immer auflösen. Mittlerweile mache ich das seltener, weil es oft nichts bringt. Zufrieden bin ich damit aber auch nicht. Wenn man drüber redet kann man beim nächsten Mal auf bestimmte Dinge achten, das fällt so natürlich weg. Ich habe aber keine Lust mehr mich als zickig oder anstrengend betiteln zu lassen😥

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    1. Ich verstehe dein Argument. Wenn das Gegenüber stur bleibt, ist man irgendwann am Ende mit dem Latein…vor allem, wenn er oder sie einen gleich zickig findet, weil man einen Konflikt schlichten will! Das liegt dann aber definitiv an der anderen Person und nicht an Dir!

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