Ist Nachgeben dasselbe wie Unterwerfen?

Ist Nachgeben dasselbe wie Unterwerfen? Um ehrlich zu sein habe ich niemals daran gedacht, diese Worte als Synonyme gleichzusetzen. Bis vor kurzem jedenfalls…

Wie ihr wisst, bin ich wieder in einer sehr intensiven Therapie. Momentan behandeln wir dort meine Verhaltensweisen in Bezug auf Schuldgefühle. Wie ich festgestellt habe, stecke ich nämlich voller (unbegründeter) Schuldgefühle.

Ich will nicht streiten!

Wer mich kennt, weiß, dass ich Streitereien, so gut es geht, versuche auszuweichen. Ich bin sehr harmoniebedürftig und fühle mich nicht wohl, wenn mein Frieden unterbrochen wird.

Also gebe ich oft nach.

Weil ich glaube, dass ich es besser weiß. Weil ich glaube, dass es sinnlos wäre darüber zu streiten. Weil ich nicht will, dass es in einen riesigen Konflikt ausartet.

Unterwerfe ich mich damit?

Meine Therapeutin sagt ja. Ich ignoriere meine persönlichen Bedürfnisse und handele nach dem der „anderen“ – weil ich glaube, dass es nicht der Rede wert sei. Und das, obwohl ich bereits dachte, dass ich mich von meinem „Ja“-Sager-Tum längst verabschiedet hatte. Offenbar nicht.

Ich unterwerfe mich. Ich ertrage keinen Streit, ich ertrage keine Schuldgefühle. Ich will Frieden und gebe nach. Ich pfeife auf meine persönlichen Tagespläne, ich ignoriere meine persönliche Grenze, ich will einfach nur meine Harmonie zurück.

Was passiert, wenn ich mich ständig unterwerfe?

Nun, dann lande ich in Therapie, so wie jetzt, weil mein Körper und Geist mit diesem Druck und Stress nicht länger umgehen konnten und sich ein anderes Ventil gesucht haben. Um wieder gesund zu werden, muss ich mich also meinen Schuldgefühlen stellen und sie ertragen können – so meine Therapeutin.

Ich muss außerdem lernen mich an erster Stelle zu stellen. Obwohl ich bereits sehr viel an mich denke und auf Dinge verzichte, die mir nicht gut tun, ist das nach wie vor zu wenig. Viel zu wenig, um genau zu sein.

Doch inzwischen gibt es auch die leise (wütende und auf ihr Recht beharrende) Stimme in mir, die manchmal zum Vorschein kommt. Auch sie will ihren Willen durchsetzen, doch meistens wird sie überhört. Das muss sich ändern.

Wie seht ihr das? Ist Nachgeben für euch dasselbe wie Unterwerfen?

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Ist Nachgeben dasselbe wie Unterwerfen? Um ehrlich zu sein habe ich niemals daran gedacht, diese Worte als Synonyme gleichzusetzen. Aber wie ihr vielleicht wisst, bin ich wieder in einer sehr intensiven Therapie, in der wir momentan das Thema Schuldgefühle behandeln. Wer mich kennt, weiß, dass ich Streitereien, so gut es geht, versuche auszuweichen. Ich bin sehr harmoniebedürftig und fühle mich nicht wohl, wenn mein Frieden unterbrochen wird. Also gebe ich oft nach. Weil ich glaube, dass ich es besser weiß. Weil ich glaube, dass es sinnlos wäre darüber zu streiten. Weil ich nicht will, dass es in einen riesigen Konflikt ausartet. Unterwerfe ich mich damit? Meine Therapeutin sagt ja. Ich ignoriere meine persönlichen Bedürfnisse und handele nach dem der „anderen“ – weil ich glaube, dass es nicht der Rede wert sei. Und das, obwohl ich bereits dachte, dass ich mich von meinem „Ja“-Sager-Tum längst verabschiedet hatte. Offenbar nicht. Ich unterwerfe mich. Ich ertrage keinen Streit, ich ertrage keine Schuldgefühle. Ich will Frieden und gebe nach. Ich pfeife auf meine persönlichen Tagespläne, ich ignoriere meine persönliche Grenze, ich will einfach nur meine Harmonie zurück. Doch was passiert, wenn ich mich ständig unterwerfe? Nun, dann lande ich in Therapie, so wie jetzt, weil mein Körper und Geist mit diesem Druck und Stress nicht länger umgehen konnten und sich ein anderes Ventil gesucht haben. Um wieder gesund zu werden, muss ich mich also meinen Schuldgefühlen stellen und sie ertragen können – so meine Therapeutin. Ich muss außerdem lernen mich an erster Stelle zu stellen. Obwohl ich bereits sehr viel an mich denke und auf Dinge verzichte, die mir nicht gut tun, ist das nach wie vor zu wenig. Viel zu wenig, um genau zu sein. Wie seht ihr das? Ist Nachgeben für euch dasselbe wie Unterwerfen?

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12 Kommentare zu „Ist Nachgeben dasselbe wie Unterwerfen?

  1. Hm, schön, dass Du das ansprichst – ist es wert zu überprüfen bei sich selber. Also die Punkte, die Du anführst was Du als nachgeben aufzeigst („Weil ich glaube, dass ich es besser weiß. Weil ich glaube, dass es sinnlos wäre darüber zu streiten. Weil ich nicht will, dass es in einen riesigen Konflikt ausartet.“) empfinde ich auch so, dass da nachgeben sinnvoll ist. Was nützt es einem schon, wenn man es besser weiß, oder man es deutlich vor Augen hat, dass es sinnlos wäre darüber zu streiten oder es einen riesigen ‚unnötigen‘ Konflikt bedeuten würde, damit ist weder einem selbst noch dem anderen geholfen, noch käme etwas Konstruktives dabei heraus.
    Aber es gilt (wie bei allem ja) zu unterscheiden. Dabei halte ich es für sinnvoll, wenn ich kurz in der ‚unharmonischen‘ Situation anhalte und nach innen mich frage, ob es MIR hilft oder einen zumindest sinnvollen Zweck erfüllt, wenn ich einen klaren Gegenausdruck meines Seins ausdrücke. Das zu unterscheiden bedeutet – wie immer – genau hinzuschauen und zu reflektieren, was für MICH sinnvoll ist und was eher mir und allen Beteiligten schadet.
    Harmonie in mir herstellen und auch manchmal im Außen, kann durchaus m.e. ein gutes Ziel sein, aber nicht um jeden Preis. Und auch mal mutig seine „andere“ Meinung zu vertreten, wenn es wichtig ist zu sich zu stehen – halte ich für sinnvoll (aber nicht aus Harmoniegründen, oder weil ich Streit nicht aushalte). Beides muss immer sein, sonst wird man zu einem konfliktscheuen Wesen, das für andere Mitmenschen zwar ‚leicht verträglich, umgänglich‘ ist, aber man sich selbst und seine Bedürfnisse aus den Blick verliert. Das ist meine Meinung!

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    1. Danke für deine Worte! Ich glaube tatsächlich, dass der Wunsch nach Harmonie schon fast eine Art Zwang ist, bei dem ich kaum noch reflektiere denken kann und demnach eben auch meine eigenen Bedürfnisse nach hinten stelle! Aber im Grunde gebe ich dir recht – die Situationen sind schließlich auch oftmals individuell!

      Liebe Grüße!

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  2. Ich bin nicht wirklich der Meinung, dass nachzugeben das gleiche ist, wie sich zu unterwerfen. Leider wird es aber häufig von anderen genau so interpretiert. Ein Freund hat mal ernsthaft gemeint, er hätte etwas Respekt vor mir verloren, weil ich in einer Diskussion, in der mir übel über den Mund gefahren wurde lieber aufgestanden und gegangen bin, statt eine Szene zu machen. Ich musste ihm erst erklärten, dass ich erstens nicht wollte – was er dachte – dass die betreffende Person mir dann folgt, sondern die Zeit brauchte, um mich zu beruhigen und dann eben zweitens das Ganze lieber später persönlich unter zwei Augen geklärt habe und dann eben ruhig und mit vernünftigen Argumenten, statt emotionsgeladen und akut beleidigt. Dass mein „Nachgeben“ also nicht als Zeichen von Schwäche zu werten war, war ein völlig neues Konzept für ihn…

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    1. Ich glaube auch nicht, dass es per se so ist! Ich finde es nämlich genau wie du bedenklich, wenn das Nachgehen missverstanden wird! In deinem Fall sowieso! Du hast dich einer sehr aufgeladenen Situation entzogen, weil es das Beste für dich war – das hat absolut nichts mit Nachgeben zu tun. In meinem Fall aber glaube ich (erst seit der Therapie), dass das Nachgeben tatsächlich eine Form der Unterwerfung ist. Ich handle nämlich immer nach diesem Muster und fühle mich auch immer schlecht dabei!

      Danke für deinen Input! 🙂 liebe Grüße!

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  3. Ich finde, dass das alles sehr logisch klingt! In dem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“, über das ich schon mal geredet habe, steht genau zu diesem Thema etwas. Das habe ich gerade noch im Kopf, weil ich das Kapitel gerade erst gelesen habe. Also für mich ergibt es durchaus alles Sinn und ich kenne auch ein paar andere Personen, die ähnlich handeln. Es ist überhaupt keine Schande, wenn man an sich als erstes denkt – eigentlich sollte es genau so sein, denke ich! 🙂

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  4. Liebe Mia,
    Ich glaube in dem Moment, wo du dich schlecht fühlst, nachdem du nachgegeben hast, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass du dich unterworfen hast.

    Es gibt, denke ich, genügend Situationen, wo das Nachgeben sehr sinnvoll und genau das Richtige ist, aber das solltest du dann auch genauso fühlen. Dann hast du nämlich vermutlich nachgegeben, weil du die Situation und die Lösung dieser wirklich und von Herzen akzeptierst.

    Vielleicht gibt es für manche Situationen ja auch eine Zwischenlösung, dass du z.b. die Lösung des anderen akzeptierst, damit es einfach eine Lösung gibt und dennoch Stellung beziehst, damit du das Gesicht vor dir selbst nicht verlierst, alla „ok, dieses mal machen wir es so, wie du willst, damit wir für jetzt eine Lösung haben. Dennoch bin ich nicht ganz glücklich damit. Vielleicht könnten wir es das nächste Mal ja so machen, wie ich denke?“

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft und Geduld mit dir selbst auf deinem Weg!

    LG Caritas

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    1. Danke für deine Worte, liebe Caritas! Ich glaube, ich sehe das tatsächlich wie du! Die Situation war die pure Unterwerfung, aber es muss nicht immer das Gleiche wie Nachgeben sein! Ich hoffe auch, dass ich eine Zwischenlösung finden werde!

      Liebe Grüße!

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