Teure Sucht: Wie die Essstörung in den finanziellen Ruin führen kann

Essstörungen haben Auswirkungen auf das ganze Leben, so auch für das eigene Konto. In diesem Beitrag möchte ich gern aufzeigen, wie eine Essstörung in den finanziellen Ruin führen kann.

Die Idee zu diesem Beitrag stammt nicht von mir, sondern von einer Person, die sich explizit gewünscht hat, das ich mehr über das Thema Bulimie und Finanzen aufkläre. Ich habe dieses Thema bei Instagram geteilt und anschließend so viel Rückmeldung wie noch nie erhalten. Betroffene meldeten sich zu Wort, aber auch nicht Betroffene, die überhaupt nicht wussten, wie teuer die Essstörung sein kann.  

„Ein einziger Essanfall ist einfach teuer. Das verdrängt man allerdings nur. Man kauft ein, bezahlt, geht nach Hause, hat seine Essanfälle, übergibt sich. Das Finanzielle ist in der Hinsicht auch einfach das geringste Problem. Man macht sich mehr Gedanken darüber, ob man nun zunimmt, dass man wieder versagt hat etc. Klar hat man im Hinterkopf auch, dass man schon wieder so viel Geld gelassen hat, aber der Essstörung ist das egal. Und deswegen ist es auch einem selbst nicht so wichtig wie alles andere.“

Diese Worte hat mir eine Person bei Instagram geschrieben. Ich musste schlucken, als ich das las, weil ich mich in jeder Silbe wiederfand. Man treibt sich in den finanziellen Ruin, aber es ist nicht einmal das Schlimmste, denn schließlich hat man etliche Kalorien zu sich genommen…

Und doch:

Essstörungen sind teuer.

Und damit meine ich, dass man wortwörtlich einen Preis dafür zahlt. Essanfälle kosten viel, sehr viel sogar. Aber auch anorektische Verhaltensweisen sind nicht billig. Viele entscheiden sich für ausgewählte kalorienarme Produkte, die nicht immer die günstigsten sind.

So war es damals bei mir:

Ich wohnte noch zu Hause, als meine Essstörung ihren Anfang nahm, arbeitete aber trotzdem schon. Damals ging mein ganzes Geld für Essen drauf, allerdings nicht nur für Essanfälle. Ich hatte es mir angewöhnt, fast jeden Tag auswärts zu essen. Im Restaurant konnte ich Mengen besser kontrollieren, vor allem, weil ich mir nicht nachnehmen konnte. Leider wurde es auf Dauer sehr, sehr teuer.

Was die Essanfälle anging, gab es zwar nicht viele bewusste Binge-Eating Käufe, weil die meisten „ungeplant“ passierten, aber auch diese rissen mir ein Loch ins Portemonnaie. Manchmal ging ich mitten in der Nacht noch los zu einem Späti (das ist in Berlin sowas wie ein 24h-Kiosk), um mich mit Süßkram einzudecken, der noch teurer war als sonst. Es war schlimm, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt war mir alles egal. Nach dem Motto: Scheiß drauf, dann werde ich eben arm. Deshalb war ich sogar froh, wenn ich kein Geld hatte, das ich nicht ausgeben konnte.

Aber so ist das mit Süchten, denn wer es noch immer nicht weiß:

Essstörungen sind Suchterkrankungen!

Alles, was man konsumiert, kann eine Droge sein, so auch Essen. Und da nichts im Leben umsonst ist, muss man erst Geld haben, um sie sich finanzieren zu können. Viele Drogenabhängige fallen in einen finanziellen Ruin – selbst, wenn die Droge das Essen selbst ist. Das ist deshalb so schlimm, weil neben dem Kampf gegen die Essstörung nun auch finanzielle Sorgen dazukommen.

Gibt es einen finanziellen Ausweg?

Ich habe lange überlegt, ob es praktische Tipps gibt, um sich vor einem finanziellen Ruin zu bewahren, aber dann wurde mir erneut bewusst, ist, dass das Hauptproblem die Essstörung selbst ist – oder besser gesagt der innere Konflikt, der die Essstörung erst auslöst. Wenn dieser verschwindet, verschwinden auch die Geldsorgen.

Natürlich könntet ihr euch auch mit ein paar Tricks aushelfen, z.B. euren Dispo so niedrig wie möglich setzen oder euer Geld einer Vertrauensperson geben, damit ihr nicht so schnell da rankommt. Aber ich sag mal so: Der*die Süchtige kommt trotzdem an seine Drogen ran, selbst, wenn er*sie sein Geld bis zum letzten Cent verpulvert.

Deshalb kann ich nicht aufhören mich zu wiederholen. Nehmt die Recovery ernst! Bekämpft nicht nur die Symptome, sondern das große Ganze. Traut euch, nach Hilfe zu fragen und nehmt sie an.

Und vor allem: Schämt euch nicht! Ich weiß, dass es einige unter euch gibt, die sich sehr dafür schämen, dass sie so viel Geld ins Klo spülen, aber vergesst bitte nicht, dass eine Essstörung eine Krankheit ist. Ihr habt sie euch nicht ausgesucht, deshalb schmeißt ihr das Geld auch nicht umsonst raus.  

Habt ihr noch weitere Gedanken zu diesem Thema? Kennt ihr das Problem? Habt ihr vielleicht sogar da rausgefunden?

2 Kommentare zu „Teure Sucht: Wie die Essstörung in den finanziellen Ruin führen kann

  1. Also ich muss sagen, ich habe extrem viel geld für essen ausgegeben. Allein das ganze Gemüse das ich gegessen habe hat mich unmengen an geld gekostet. Ich war wirklich richtig im finanziellen ruin. Das ging gar nicht mehr. Aber jetzt kann ich schon besser mit dem geld umgehen. Ich bon derzeit in einer klinik für essstörung und ich bin im moment drauf und dran was zu verändern. Nach meinem Aufenthalt werde ich sicher anders mit dem geld umgehen. Ich werde mir Lebensmittel kaufen die nicht so teuer sind. Ich werd gut auf mich acht geben. Du bist mir eine riesige Motivation muss ich sagen! Ich lese deinen blog regelmäßig und ich kann richtig viel daraus ziehen! Danke dir für deine Offenheit! Liebe Grüße sina

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