Rückfall durch den Lockdown – Was tun?

Es ist kein Geheimnis – die sogenannte „Corona-Zeit“ verlangt uns sehr viel ab. Viele fühlen sich in ihre Krankheit zurückgeworfen und wissen nicht damit umzugehen. In diesem Betrag möchte ich euch ein paar Tipps mitgeben, wie ihr mit einem Rückfall während des Lockdown besser umgehen könnt.

Vielleicht habe ich euch schonmal erzählt, dass mein Vater mir zu Beginn der Corona-Zeit sagte, wie schwer es ihm falle, zu Hause zu sein und dass er automatisch mehr esse. Essen lindert die Langeweile und betäubt auch sonst unangenehme Gefühle – zumindest am Anfang. Das „Problem mit dem Essen“ haben also nicht nur Betroffene einer Essstörung, sondern alle.

Viele haben etwas an Gewicht zugelegt. Das ist völlig normal während einer Pandemie. Wir sitzen viel herum und essen mehr. So what! – Naja, nicht für alle…Für esskranke Menschen ist das die Hölle auf Erden und eine völlig neue Herausforderung.

Bevor ich auf meine Tipps zu sprechen komme, möchte ich vorher eins klarstellen, das ich nicht oft genug betonen kann:

Essstörungen sind psychische Krankheiten und müssen von innen heraus geheilt werden!

Das Problem liegt nicht im Essen oder nicht Essen, Erbrechen oder Fasten. Daher nützt es nichts, die Symptome zu bekämpfen, früher oder später holen sie einen wieder ein. So wie jetzt, während der Pandemie.

Deshalb müsst ihr die Sache von INNEN angehen. Hinterfragt eure negativen Glaubenssätze und ändert diese. Arbeitet an eurem Selbstwert und achtet auf euch. Tut ihr das nicht, werdet ihr die Essstörung nie vollständig loswerden. Ich weiß, dass das hart klingt, aber vielleicht brauchen die ein oder anderen von euch diesen Rüttler.

So, und nun zu den praktischen Tipps, die ihr für die kommenden Wochen und Monate (oder Jahre? :S) anwenden könnt:

Aller Anfang ist schwer

Das ist zwar kein richtiger Tipp, sondern lediglich eine Erinnerung daran, dass die Umgewöhnung immer am schwersten ist. Falls ihr durch die momentanen Umstände einen Rückfall habt, denkt daran, dass ihr euch erst mal an die neue Situation gewöhnen müsst. Vielleicht habt ihr einen Rückfall, aber dieser wird sicher nicht den ganzen Lockdown überdauern.

Behaltet die Routine bei

Diesen Tipp habe ich von einer Followerin bei Instagram bekommen und finde ihn super! Behaltet die Routine bei, sprich: tut genau das, was ihr auch tun würdet, wenn ihr zur Arbeit geht. Steht pünktlich auf, macht euch fertig und geht statt zur Arbeit eine Runde spazieren. Meinetwegen könnt ihr auch dasselbe Brot von der Bäckerei kaufen – je näher ihr an der gewohnten Routine seid, desto besser.

Achtsam essen

Viele essen vor dem Laptop oder Fernseher, aber davon würde ich euch dringend abraten. Mein Titelbild ist das schlimmste Szenario, denn auf diese Weise werdet ihr gleich zwei Mal „betäubt“ und seid nirgendwo hundertprozentig da.

Euer Gehirn soll sich aber bestenfalls nur auf das Essen konzentrieren. So behaltet ihr die Mengen besser im Blick und spürt eher, wann ihr satt seid. Außerdem genießt ihr das Essen tendenziell auch mehr, wenn ihr euch ganz darauf fokussiert.

Regelmäßige Pausen machen

Home Office verleitet einen dazu, länger zu arbeiten als im Büro. Deshalb ist es wichtig, regelmäßige Pausen zu machen. Steht kurz auf, schüttelt euch oder tanzt eine Runde. Ich mache mehrmals am Tag Dehnübungen, was meine Aufmerksamkeit ganz auf meinen Körper lenkt.

Verlasst auch ruhig das Haus, vor allem, wenn ihr Angst vor einem Essanfall habt. Geht raus in die Natur, macht einen kleinen Spaziergang um den Block und versucht „runterzukommen“. Woerterkonfetti hat außerdem vorgeschlagen, das Essen mit nach draußen zu nehmen. Das habe ich früher auch immer gemacht, wenn ich überfordert von dem ganzen Essenszeug in der Küche war.

Gesunde Ventile finden

Jede*r hat unterschiedliche Hobbies, deshalb kann ich euch keinen universellen Tipp geben. Fakt ist, dass ihr ein gesünderes Ventil als Essen braucht, wenn euch die Decke auf den Kopf fällt.

Ich male derzeit wieder; entweder Mandalas oder frei aus der Hand. Es lenkt mich ab und lässt meine Gedanken um Essen leiser werden. Manchmal aber puzzle ich auch – mitten am Tag, mitten bei der Arbeit. Wenn mich etwas vor einem Essanfall bewahrt, tue ich es.

Seid nachsichtig mit euch.

Am Ende des Tages sind Tipps nur Tipps. Vielleicht helfen sie euch, vielleicht aber auch nicht. Wichtig ist, nach jedem Essanfall nachsichtig mit sich zu sein. Bitte quält euch nicht mit unnötigem Selbsthass oder Schuldgefühlen. Essanfälle sind nichts Schönes, aber wenn wir sie annehmen und akzeptieren, können wir viel besser mit ihnen umgehen. Seid nett zu euch, auch, wenn es euch manchmal schwer fällt. Andernfalls rutscht ihr nur wieder in den Teufelskreis.

Zum Abschluss noch ein Screenshot, der beschreibt, wie wichtig es ist, diese Herausforderung keinesfalls zu umgehen, sondern mit jeder Faser seine Körpers zuzulassen! Und doch bedeutet zulassen nicht nachgeben.

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Mehr zu dem Thema hier, wobei sich das explizit auf Home Office bezieht:

Habt ihr noch mehr Tipps zu diesem Thema? ❤

4 Kommentare zu „Rückfall durch den Lockdown – Was tun?

  1. ♥️♥️♥️

    Was mir gestern Abend noch eingefallen ist: klare räumliche Trennung, also an einem anderen Punkt in der Wohnung essen, als man arbeitet, was auch in einer Einzimmerwohnung geht. Ich hab mir zu Beginn des Lockdowns noch einen kleinen Esstisch und einen zweiten einfachen Stuhl gekauft, gegessen wird also nie am Schreibtisch und gearbeitet nie am Esstisch.
    Und ein vielleicht etwas seltsamer Tipp: was mir gegen „Gelegenheitsessen“ hilft: ich rede laut mit mir selber und sage mir, dass ich jetzt anfange zu arbeiten/aufhöre zu essen und ich binde meine Haare zum Arbeiten und Lernen immer als hohen Pferdeschwanz zusammen und hab sie zum Essen locker im Nacken zusammen gebunden. Das reicht zwar bei sehr aktutem Essanfallsdruck nicht aus, aber bei unachtsamen Zwischendurchsnacken schon. (Man könnte auch zwei verschiedene Jacken/Oberteile haben, zwischen denen man wechselt)

    Gefällt 1 Person

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