Nervennahrung: Bitterschokolade

Für jemanden mit einer Essstörung ist das Wort Schokolade so klebrig wie die Masse selbst. Es kann nicht einfach darüber geredet werden, wie gut sie schmeckt und wie viel wir davon verdrücken können. Wir denken an die Kalorien, an die unreine Haut, an den Zwang, an die Angst und an vieles weiteres.

Drang

Ich stecke mitten in meinen Prüfungen und spüre förmlich, wie mein Körper nach Zucker lechzt. Industriellen natürlich. Ich habe es mit Marmelade, Bananen und sonstigem als Alternative versucht, aber letztendlich wollte er nur das Wahre. Schokolade.

Selbstverständlich befindet sich keine Schokolade in meinem Heim. Es ist ein zu hoher Trigger für mich – noch immer. Abgesehen davon versuche ich immer mehr auf industrielle Produkte zu verzichten.

Aber nun ist meine Heilung insoweit vorangeschritten, dass ich behaupten kann zu wissen, was er braucht und was nicht. Mal braucht er Obst, mal braucht er Fleisch. Und seit kurzen wünscht er sich Schokolade.

Einen solchen Drang habe ich selten. Wenn, dann esse ich meist aus Appetit. Aber nicht, weil mein Körper es braucht. Und schon gar nicht, weil ich Hunger habe.

Bitterschokolade

Neulich war ich in meinem Elternhaus und habe mir die offene Schokoladentafel meiner Mama gemopst (Sie hat nichts gesagt, deshalb nehme ich an, dass sie es noch nicht gemerkt hat). Viel zu spät merkte ich jedoch, dass ich in eine bittere Schokolade gegriffen hatte. Nach einem verzerrten Gesichtsausdruck schluckte ich trotzdem runter und legte sie weg. Ich lernte ein wenig für meine Prüfungen und musste nach kurzer Zeit nochmal zugreifen. Die Konzentration war plötzlich besser. Ich hatte meinem Körper genau das gegeben, was er wollte. Nach ein paar Stücken legte ich sie weg. Der Drang, weiter zu essen, blieb diesmal aus.

Einen Tag später kaufte ich mir selbst eine Bitterschokolade. „Futter zum Lernen“ nannte ich es. Die Schokolade existiert noch – ein Wunder! Ich breche mir gelegentlich zwei kleine Stücke ab und lasse sie langsam im Mund zergehen. Ohne Eile, Ohne Drang. Es ist ein Phänomen, dass ich Schokolade im Rahmen essen kann, denn das gelang mir noch nie.

Schokolade macht glücklich.

Gehört ihr zu den Personen, die sich ein kleines Stück von der Tafel nehmen und dann zurücklegen können? Ich war immer weit von einem solchen Menschen entfernt. Wenn mein Körper nun Schokolade braucht, kann ich sie ihm normalerweise nicht geben, denn dann wäre ratz fatz das gute Ding verputzt. Industrielle Schokolade enthält viele chemische Substanzen (wie Tryptophan), die das Gehirn ganz toll findet, weil es in Serotonin verwandelt wird und Glückshormone auslöst. Schokolade macht glücklich. Aber Schokolade macht auch süchtig.

Warum Bitterschokolade?

In keiner Welt würde ich eine Bitterschokolade dem Vollmilch-Klassiker vorziehen. Aber Tatsache ist, dass der Suchtfaktor bei der bitteren Schokolade immer geringer wird, je bitterer der Geschmack ist (bei mir zumindest). Das Gehirn wird insofern befriedigt, dass es seinen ordentlichen Serotoninwert erhält, und dann lässt sein Bedarf nach.

Ich weiß nicht, wie es euch damit ergeht, vielleicht seid ihr bereits auf den bitteren Trend gestiegen, oder findet es absolut lächerlich, einen ganzen Beitrag der Schokolade zu widmen. Ich habe es mir nur irgendwie angewöhnt, all die Effekte, die sich positiv auf mich ausprägen, mit euch zu teilen. Vielleicht helfen sie ja auch euch 🙂

Schönen Montag! ♥

18 Kommentare zu „Nervennahrung: Bitterschokolade

  1. Mjam, ich liebe Schokolade! Und ich finde deinen Beitrag ziemlich gelungen 🙂 Ich esse am liebsten die „dunkle Milchschokolade“, ich meine, die hat um die 60% Kakaoanteil.
    Ich habe das Glück irgendwie nicht auf die Suchtstoffe in Chips oder Schokolade zu reagieren, heißt, ich kann es wirklich einfach weglegen, wenn es mir genug ist und das ist tatsächlich meistens nach ein paar Stückchen (oder Chips) der Fall. Ich gönne mir jetzt ein bisschen Schoki, dein Beitrag hat mir Appetit gemacht 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Ich finde es super, dass Du einen Schokoladen-Beitrag verfasst hast! 😀

    Schokolade schmeckt nicht nur gut und macht glücklich, sondern steht für mich auch für einen großen Fortschritt und als ein Symbol für den Weg der Heilung. Noch vor Jahren, als ich mit meiner Essstörung an einem absoluten Tiefpunkt angekommen war, hätte ich keine Stunde mit Schokolade im Haus „überlebt“. Es jetzt zu können und sogar zu genießen, hätte ich niemals für möglich gehalten. Das denke ich jedes Mal, wenn ich Schokolade esse! Wie gut, dass ich es jetzt genießen kann, was für ein Geschenk!

    Und weißt Du was? Es fing bei mir auch mit Zartbitterschokolade an 🙂 Inzwischen esse ich sie am liebsten, weil sie nicht einfach nur süß schmeckt, sondern – zumindest bei guter Schokolade – auch noch bestimmte Aromen zum Vorschein kommen, die bei Vollmilchschokolade manchmal untergehen.

    Es gibt von Lindt Zartbitterschokolade mit Sesam. Sooo lecker! Kann ich nur empfehlen 🙂
    Was ist Deine Lieblingsschokolade?

    Ein Schoko-Kuss für Dich :-*

    Gefällt 2 Personen

    1. Meine Lieblingsschokolade war seit jeher Bueno. Mittlerweile verbinde ich zu viele traurige Erinnerung daran, aber vielleicht verschwindet das eines Tages!:)

      Als Fortschritt habe ich es noch gar nicht betrachtet, aber natürlich hast du vollkommen recht! Noch vor ein paar Monaten hätte ich sämtliche Schokolade wahllos in mich hineingestopft. Der Gedanke daran, dass nicht der Zwang, sondern ICH es wirklich will, ist wirklich ein schöner 🙂

      Danke dir wie immer für deinen lieben Kommentar und ganz liebe Grüße!!

      Gefällt 1 Person

  3. Schokolade ..und ein ganzer Eintrag nur darüber? Versteh ich vollkommen.;) ich finde, dass sich mein Geschmack mit verändert hat, früher hätte ich wahllos reingestopft, das ist nicht mehr der Fall. Aber mit zartbitter kann ich echt wenig anfangen, das empfinde ich nicht als Genuss.. wenn es dir aber hilft . .umso besser! ♡

    Gefällt 1 Person

    1. So ist es bei mir auch! Das wahllose stopfen wird immer geringer und lässt Genuss, sowie körperliche Bedürfnisse an die Oberfläche!
      Und das verstehe ich vollkommen! 😉 ich hätte auch nicht gedacht, so sehr von Zartbitterschokolade angetan zu sein 😇
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  4. Hmm, aaalso, Schokolade macht nicht glücklich. Zwar sind da „Sachen“ drin, die das Belohnungszentrum im Hirn befeuern würden, allerdings müsste man da wohl kiloweise Schokolade in sich rein stopfen. Die Bitterstoffe, die eigentlich die Kakaopflanze vor Fressfeinden schützt, wirken aber Gefäßerweiternd. Das gilt besonders für die Sorten mit hohem Kakao Anteil.
    Wenn ich meinen ungesüssten, milchfreien Kaffee trinke, nasche ich gerne mal Bitterschokolade dazu. Die kommt einem dann schon fast süß vor. Es gibt auch welche mit Chili, die schmeckt wirklich interessant. Sollte man mal probiert haben, aber Vorsicht, die kitzelt erst nach einigen Momenten 😉

    Gefällt mir

    1. Die Chili Schokolade kenne ich auch – interessant trifft es auf den Punkt!
      Und klar, glücklich macht sie auf Dauer nicht, aber sie löst ein intensives Gefühl des Genusses aus – bei mir zumindest. Leider entwickelt es sich dabei zu schnell die Suchtgefahr!

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  5. Ich habe nur ein wirkliches Laster: Schokolade. Die liebe ich! Vor allem die eine Sorte … – Da habe ich auch schon Futteranfälle gehabt. – Ehrlich, bei Schoki muss ich sehr aufpassen, dass ich nicht öfter mal wirklich zu viel esse. Zumal ich ziemlich ALLES mag, was mit Schokolade zu tun hat.

    Allerdings gibt es auch einige Sorten, die ich gar nicht mag.

    Zartbitter gehört NICHT dazu, die mag ich (leider) auch. Aber wirklich bittere Schokolade, mit Kakaogehalt um oder über 60 %, vermag auch ich nur in kleinen Dosen zu genießen.

    Insofern ist es ja schön, liebe Mia, dass Du schon bei gewöhnlicher Zartbitterschokolade gut einteilen kannst. Denn die ist ja doch immerhin in jedem Fall ein Genuss. (Gut, das sagt jetzt der „Richtige“)

    Ich wünsche Dir jedenfalls, dass es Dir weiterhin und fortgesetzt gelingt, Schoikolade ohne Reue genießen zu können.

    Auch hier wieder ganz liebe Grüße und ein „wohldosiertes“ 😉 ❤ chen (Du weißt schon …) für Dich!

    Gefällt mir

    1. Das macht dich mal wieder sehr sypmathisch, lieber sternfluesterer! Es ist keine Schande einen sündhaft köstlichen Laster zu haben, es wird nur gefählich, wenn es zu einem ungenießbaren Zwang wird (wie bei mir)!

      Mittlerweile kann auch ich unterscheiden, was ich überhaupt mag und was nicht, früher war es „hauptsache was süßes“!

      Auch ich kriege ganz dunkle Schokolade nicht so gut runter. Beispielsweise kann man mcih mit dieser After Eight Schokoalde regelrecht jagen. Aber auch das ist schön. Dass man einiges nicht mehr will!

      Liebe Grüße und gute Nacht ❤ (ab jetzt nur eins 😉 )

      Gefällt 1 Person

  6. Liebe Mia, es geht mir ganz genauso mit der bitteren Schokolade, die für mich mittlerweile nicht mehr bitter schmeckt. 🙂
    Es ist der hohe Kakaoanteil, der meinem Körper gut tut. Und da reichen ihm auch ein, zwei Stücke. Die Lust/Sucht kommt bei mir nur durch den Zucker und da da kaum welcher drin ist, kommt auch kein zusätzliches Verlangen.
    Eigentlich ganz logisch. 🙂

    Ich kann mich gut reinfühlen, was das für eine tolle Erfahrung für dich sein muss. 🙂

    Gefällt mir

  7. Ich mag die Zartbitterschokolade sehr und würde sie gerne öfter essen. Der Suchtfaktor ist bei mir da auch deutlich geringer.
    Allerdings bekomme ich darauf immer Kopfschmerzen. Weshalb das so ist, kann ich auch nicht sagen. Deshalb fällt für mich die Lösung leider wieder weg.
    Aber allein deinen Beitrag über Schokolade zu lesen, hat mir grade Spaß gemacht. 😊

    Gefällt mir

  8. Du sprichst mir aus der Seele! Bitterschokolade war auch für mich eine Kompromisslösung, der Schokoladen/Zuckersucht zu begegnen, ohne ganz verzichten zu müssen. Hat bei mir auch immer prima geklappt, auch einfach mal immer nur ein Stück zu essen. Das hätte ich nie für möglich gehalten! Früher war immer die ganze Tafel sofort weg, manchmal eine zweite oder dritte hinterher. Nougat-Schokolade ist so was, wo ich mich auch heute bestimmt nicht unter Kontrolle hätte. Aber Bitterschokolade geht echt wunderbar. Während meiner No-Sugar-Challenge darf ich ja auch die nicht essen. Ich probier die nächsten Tage mal eine heiße Schokolade oder selbstgemachte Haselnusscreme aus, falls mich ein Schokoladen-Anfall heim sucht^^ mal sehen, ob das auch so gut hilft wie 1,2 Stückchen Bitterschokolade^^

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s