Was bedeutet wahre Freundschaft?

Ich zähle wahrlich nicht zu den Menschen, die hunderte von Menschen kennen und etliche Freunde haben. Mein Kreis ist klein, aber fein. Und wie es scheint, wird er immer kleiner.

Der Kreis war mal größer…

In der Schulzeit gab es jede Menge Menschen, mit denen ich geredet und mich getroffen habe. Schon durch den Alltag sahen wir uns fast jeden Tag. Wir sprachen und lachten über dies und das. Und seit ich aus der Schule raus bin, bin ich zwar deutlich glücklicher (denn in der Schule habe ich mich immer sehr unwohl und anders gefühlt), jedoch ist der Kreis der Freunde um einiges geschrumpft. Und das bewusst. Denn nach und nach entfernten wir uns voneinander und entwickelten uns in andere Richtungen. Daran finde ich nichts verwerflich, nur höchstens schade.

Sind meine Ansprüche zu hoch?

Ich muss zugeben, dass ich von Freundschaften vielleicht mehr erwarte, als andere.Ich habe hierbei 4 Aspekte, die mein freundschaftliches Wohlbefinden decken.

Bei mir dominiert in jeder Beziehung die Kommunikation. Kann ich mit einem Menschen gut reden, ist das meist schon alles „gesagt“. 😉

Gleichzeitig brauche ich viel Vertrauen zu einer Person, um überhaupt kommunizieren zu wollen und zu können.

Und ausschlaggebend ist dabei Ehrlichkeit. Ich sehne mich nach ehrlichen Menschen, die mich nicht anlügen und sich auch trauen, mir gegenüber ehrlich zu sein. Denn genauso bin auch ich.

Und schlussendlich das Wichtigste. Loyalität. Ich bin sehr loyal erzogen worden und fühle mich daher zu Menschen hingezogen, die mir ebenso loyal gegenüber treten und zu mir stehen. Fehlt dies, dann kann auch keine enge Freundschaft aufgebaut werden.

2 Freunde verschwinden…

Die erste Freundin hat sich urplötzlich verabschiedet. Ich sah sie ohnehin sehr selten und seit sie in einer neuen Beziehung ist, herrscht quasi Funkstille. Zugegebenermaßen waren die 4 Aspekte für mein freundschaftliches Wohlbefinden ohnehin sehr unausgeglichen, doch ich konnte sie nicht einfach aus meinem Leben streichen. Ein Jahr bin ich ihr quasi „hinterhergerrannt“, und habe mir nach dem neuen Jahr vorgenommen, mich nicht mehr zu melden, bis sie es tut. Wir haben jetzt Ende April. Und für mich klingt das nach einem Ende.

Natürlich gibt es auch gute Freundschaften, in denen man sich selten sieht und selten meldet. Mein bester Freund und ich wohnen in derselben Stadt aber sehen uns nur drei Mal im Jahr. Und trotzdem ist es jedes Mal schön. Aber von ihm bekomme ich dennoch regelmäßiges Interesse an mir und meinem Leben.

Die zweite Freundin sehe ich in einem schleichenden Prozess verschwinden. Ich habe ein Mal über sie geschrieben. In dem Beitrag Geheimnisse vor Freunden: Die Beichte einer Essstörung erzähle ich, wie ihr meine Essstörung offenbarte und wie reserviert sie darauf reagierte. Seitdem ist übrigens alles anders. Wir haben nie wieder über mein Geständnis gesprochen und das finde ich schade. Vielleicht nehme ich es ihr sogar ein bisschen übel, denn sie nimmt keine Rücksicht auf meine Worte. Sie schenkt mir Schokolade, obwohl ich sie vermehrt bitte, es nicht mehr zu tun. Auch sonst ist die Kommunikation zwischen uns sehr eintönig. Gespräche über Jungs kann ich einfach nicht immer führen und über Klamotten auch nicht. Auch unsere Weltanschauungen sind mittlerweile sehr anders. Ich freue mich immer weniger auf Treffen mit ihr und merke, wie ich mich nach und nach zurückziehe. Es tut mir leid, weil ich sie nicht verletzen will. Schließlich habe ich sie gern und kenne sie inzwischen seit Jahrzehnten. Reden bringt leider nichts, weil sie nicht auch nur ansatzweise reflektiert ist und nicht gut mit Kritik umgehen kann.

Bin ich eine Heuchlerin, weil ich mich über die eine Freundin beschwere, die geht und  in der anderen Freundschaft gehen will?

Ich weiß es nicht. Aber der Wunsch nach „wahren Freundschaften“ ist für mich immer größer geworden. Auch wenn dies bedeutet, dass der Kreis immer kleiner wird.

Eine Freundschaft funktioniert eben nur zu zweit.

Aber was bringen mir viele Treffen mit vielen Freunden, wenn ich mich unwohl fühle und mich nicht mehr freue? So gesehen könnte ich von Glück reden, dass es wenige Menschen gibt, bei denen ich sicher bin, dass sie noch lange an meiner Seite sein werden. Und diese Menschen zeigen das gleiche Interesse und bemühen sich von beiden Seiten. So funktioniert für mich übrigens jede Beziehung.

Was bedeutet wahre Freundschaft für euch? Habt ihr ähnliche oder völlig andere „Kriterien“? Kennt ihr es auch, wenn Freundschaften entgleisen? Ich hoffe natürlich nicht!

Habt alle ein schönes und sonniges Wochenende! ♥

 

17 Kommentare zu „Was bedeutet wahre Freundschaft?

  1. Ja der Kreis wird immer kleiner, manchmal kommt jemand dazu, manchmal geht einer. Vor kurzen wollte ich eine Freundschaft beenden.. aber wie beendet man sowas? Freundschaften über Jahrzehnte haben doch ein richtiges Ende verdient, oder? Loyalität steht bei mir auch ganz oben & ist ausschlaggebend. Ich habe schon Freundschaften deswegen beendet. Ich versteh dich…und finde nicht das du Heuchlerisch deswegen bist ♡

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  2. Ich finde es nicht heuchlerisch, traurig darüber zu sein, wenn eine Freundin kein Interesse mehr an einem zeigt und gleichzeitig bei einer anderen Freundin festzustellen, dass einem selbst nicht mehr so an der Freundschaft gelegen ist.
    In beiden Fällen sind gewisse Grundlagen für die Freundschaft verletzt und darüber bist du ja in beiden Fällen traurig.

    Für mich ist für eine Freundschaft – egal in welchem Maß diese besteht – wichtig, dass eine gewisse Symmetrie im kommunizierten Interesse aneinander besteht. Ohne diese fühle ich mich sehr unwohl und verunsichert – unentspannt halt. Ich brauche eine Sicherheit, dass die Person sich durch mein Maß an Kommunikation nicht gestört oder umgekehrt verunsichert fühlt. Das bezieht sich ebenso auf das Maß, wieviel man füreinander da ist.

    Mit der Loyalität ist das so eine Sache: als Grundlage für Freundschaft sieht die wohl jeder. Es definiert die nach meiner Erfahrung aber jeder für sich etwas anders. Für mich bedeutet gegenseitige Loyalität in erster Linie, dass man nicht ständig um Rücksichtnahme kämpfen muss und dass man bereit ist, mangelnde Rücksichtnahme dann auch mal zu verzeihen. Für meinen Ex bedeutete Loyalität in erster Linie, anderen absolut nichts nach seiner Definition Privates über mich zu erzählen – selbst, wenn ich ihm die ausdrückliche Erlaubnis dazu erteilt hatte…

    Insofern bin ich inzwischen kein so großer Fan mehr von dem Wort, da es doch zu allzu großen Missverständnissen führen kann…

    Beste Grüße ❤

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    1. Da hast du recht, Loyalität ist ein Wort, das oft für mehrere Begriffe verwendet wird. Ich meine damit eher, dass man nicht hinter dem Rücken eines anderen redet und zu der Person steht, egal, ob sie Depressionen, Essstörungen oder nur einen lässigen Pickel hat.

      Übrigens: schau doch mal bei meinem vorletzten Post vorbei! Ich hab dich für den Elite Award nominiert 🙂
      https://mias-anker.com/2018/04/13/der-elite-award/

      Liebe Grüße!

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  3. Liebe Mia,

    in Deinen Ansprüchen, wahre Freundschaften betreffend, finde ich mich sehr wieder, einschließlich der Fragestellung, ob diese vielleicht ein bisschen zu groß sind. Für mich selbst habe ich das aber mit zunehmender Lebenszeit mit „Nein“ beantwortet. – Es kann sein, dass meine Ansprüche eben nur eine vergleichsweise kleine Anzahl wahrer Freundschaften ermöglichen. Aber würde ich um einer Freundschaft willen Abstriche von ihnen machen, würde ich dann, das, was sich entwickelt oder zustande kommt noch als wahre Freundschaft empfinden und pflegen können?

    Für heuchlerisch halte ich Dein Verhalten, das eben Geschriebene einschließend, überhaupt nicht.

    Menschen verändern sich. Werden sich ihrer (manche jedenfalls) stärker und deutlicher bewusst, erkennen mehr und mehr die Werte, die sie als wichtig erachten. Das ist ein Prozess. Duie Veränderungen von Menschen können damit einhergehen, dass sie sich voneinander entfernen, zum Beispiel eben dadurch, dass nach und nach ein mehr voneinander abweeichendes Wertebewusstsein entsteht, unterschiedliche Prioritäten für das eigene Lebenb, den Umgang mit anderen Mneschen gesetzt werden etc. –

    Etliches davon geschieht vermutlich gar nicht so bewusst. – Deswegen ist dann das Erstaunen relativ groß, wenn es plötzlich nicht mehr so „passt“, zumal dann, wenn zwischenzeitlich Monate oder gar Jahre verstrichen sind.

    Da ich ja schon so lange als Blogschreiberlein unterwegs bin, habe ich selbstverständlich 😉 auch zu dem Thema, welches Dein Eintrag hier zum Gegenstand hat, vor einiger Zeit schon etwas geschrieben. Ein bisschen, denke ich, weißt Du durch unser gegenseitiges Lesen und unseren Austausch miteinander schon, wie ich über „wahre Freundschaft“ denke. – Ich möchte Dir aber dennoch zwei Einträge von mir zeigen, die das Thema behandeln und noch um einige Facetten erweitern. Falls Du sie mal ansehen möchtest, klicke einfach auf die nachfolgenden Links.

    Weil ich die beiden Beiträge noch auf „meinem“ alten Portal „blog.de“, das es seit 2 1/2 Jahren nicht mehr gibt, geschrieben habe, noch zwei notwendige Hinweise: Erstens – Mein Nickname damals war „schweitzer“. Zweitens: In den Texten gibt es vor allem einige Zeichenfehler bzw. ganz fehlende Satzzeichen und manchmal auch andere kleine Holprigkeiten – etliches davon, ist beim Exportieren von blog.de hierher zu WordPress geschehen (das war sowieo eine ganz schön schwierige Prozedur damals …) – Leider kann ich diese Beiträge nun hier nicht noch einmal bearbeiten, so dass sie so stehen bleiben müssen, wie sie sind. Dafür bitte ich um Nachsicht – lesbar und letztlich verständlich dürfte mein Geschreibsel aber immer noch sein. – Hier nun die beiden Links:

    https://gedankenorbit.wordpress.com/2015/04/27/tagebuchseite-20256661/

    https://gedankenorbit.wordpress.com/2015/06/16/tagebuchseite-20551897/

    Ich hoffe, Du hast, da wo Du wohnst, auch so umwerfend schönes Wetter wie ich hier heute ganz nah der Ostsee.

    Liebste Grüße an Dich und ein entspanntes und ganz und gar erholsames Wochenende! ❤

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    1. Lieber sternfluesterer,

      Ich habe mir soeben deine beiden Beiträge durchgelesen und beide sehr gut nachvollziehen können! Es war gleichzeitig auch schon, zwei so alte Texte von dir zu lesen – vielleicht werde ich demnächst mal weiter stöbern!

      Ansonsten freut es mich wie immer, dass wir beim Thema Freundschaft ähnlicher Meinung sind und meine Worte verstanden und toleriert werden. Es bedeutet mir wie immer sehr viel! Und auch wenn wir gelegentlich öfter einer Meinung sind, so hindert es mich nicht daran, mich jedes Mal darüber zu freuen!

      Ganz liebe Grüße zurück! ❤️ Gestern war auch hier tolles Wetter und bis jetzt sieht es auch wieder wunderschön aus! Nur die Pollenallergie lässt mich das ganze nicht so genießen, wie ich will 🌿🌾🌸!

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  4. Ich finde es schade, dass deine Freundin so wenig auf deine Bitte eingeht. Das zeigt irgendwie, dass sie nicht wirklich bei dir ist und sie deine Krankheit nicht besonders ernst nimmt (oder nicht kann, weil sie keine Ahnung davon hat). Das macht aber eigentlich eine Freundschaft aus. LG!

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    1. Danke für dein liebes Verständnis! Und ich stimme dir da zu, eigentlich sollte eine Freundschaft tolerant genug sein, um eine solche Information halbwegs zu akzeptieren (oder zumindest nicht zu ignorieren)!
      Liebe Grüße!

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  5. Freunde fürs Leben gibt es glaube ich nicht. Irgendwann verliert man sich aus den Augen und oft auch aus dem Sinn. Ich habe festgestellt, dass ich einige Male durch vermeintlich gute Freunde enttäuscht wurde. Vielfach wegen materieller Dinge, wobei mich nicht der materielle Verlust ärgert, sondern das feige Verhalten, welches sicher durch Scham, mir gegenüber, entstand, aber eben sehr gut zeigt, dass der andere wohl doch nicht so ein guter, enger Freund war, denn sonst wüsste er, dass man sich mir gegenüber nicht schämen muss und auch nicht rechtfertigen. Daraus entstand so ein Grundgedanke bei mir, dass ich etwas sofort abschreibe, wenn ich es einem Freund leihe. Allerdings hat sich die Zahl derer, denen ich noch etwas leihe auch stark verringert. Ebenso wie die Zahl derer, die ich als Freunde ansehe. Tendenziell überlasse ich dann jemandem eher etwas, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, bzw. zu wollen. Ich komm damit gut klar. LG

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    1. Da könntest du recht haben. Überhaupt finde ich es schwer, Entscheidungen für die „Ewigkeit“ zu treffen. Es gibt bestimmt die ein oder anderen Freundschaften, die bereits im Sandkasten entstanden sind, aber es kommt immer stark auf die Person selbst an!

      Liebe Grüße!!

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      1. Manchmal ist es mit Entscheidungen auch so, man trifft sie mit dem Gedanken, dass sie eh kurzlebig sind, aber dann hängen sie einem bis in alle Ewigkeit nach. Das zeigt einem, wie wenig man wirklich etwas beeinflussen kann, in Sachen Freundschaft.
        LG

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  6. Mein Freundeskreis ist im Laufe der Zeit auch sehr geschrumpft. Ein wichtiger Grund ist sicher, dass ich mich sehr verändert habe. Aber wie du sagst, entstehen nach der Schule/Uni die Freundschaften halt nicht mehr so schnell. Die einzige Freundin, die noch dazukam, habe ich im Surfurlaub kennengelernt. Mein Freund hat etwa 10 gute Freunde, die er seit der Schul- oder Unizeit kennt. Ich bin etwas neidisch, aber er und seine Freunde hatten/haben halt ein anders Leben, das nicht so viele Veränderungen erforderte. Ich habe mir sogar schon überlegt, via die App Spontacts neue Freunde zu suchen.

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    1. Deine Idee mit der App finde ich gar nicht so schlecht! Es ist halt nicht konventionell, aber ich kenne viele Menschen, die dadurch schnell neue Kontakte geknüpft haben!

      Und ich stimmt dir da zu! Menschen entwickeln sich und verlieren und gewonnen Freunde. Manchmal dominiert das eine mal mehr oder weniger.

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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