Therapeutin im Urlaub – was jetzt?

Wir alle brauchen mal Urlaub und dringend Zeit zum Abschalten. Das ist nicht nur Gesetz, sondern notwendig für die Seele. Im Beruf von TherapeutInnen frage ich mich jedoch, ob es nicht unklug ist, mitten in einer Therapie eine längere Pause zu machen und ihre PatienInnen alleine zu lassen. Und ich rede hier nicht von zwei Wochen.

Neulich hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit einer Person, dessen Therapeutin schon ganz schön lange im Urlaub ist. Sie schien nicht sehr angetan davon zu sein und ich konnte nur nickend zustimmen und mich unweigerlich an meine Erfahrung zum Thema „Therapeutin im Urlaub“ erinnern.

Wissen Therapeuten, wie angewiesen wir von ihnen sind?

Ich habe mit meiner Therapeutin nie darüber geredet, wie ich über sie denke. Zwar wusste sie, dass die Therapie mir half, doch sie wusste nichts von dem dringenden Bedürfnis, sie regelmäßig zu sehen und mit ihr zu reden. Ein Teil von mir war abhängig von ihr. Und der gleiche Teil litt darunter, dass sie so lange fort war. Sie war der einzige Mensch, dem ich so viel anvertraute. Und nun war sie weg.

Langer Urlaub – langes Aufarbeiten

Meine Therapeutin und ich sahen uns durch zusätzliche Feiertage fünf ganze Wochen nicht. Fünf. In dieser Zeit passierte so viel, das ich in der Sitzung gar nicht mehr zusammenfassen konnte. Und nicht nur das – ich fühlte mich distanzierter zu ihr. Mein Kopf war nicht rational genug, um zu reflektieren, dass sie mich nicht verlassen hatte. Die anfängliche Mauer, die zwischen uns, die nach und nach zu bröckeln anfing, hatte sich über die Zeit wieder selbst verschlossen. Und es dauerte, bis ich sie wieder aufbrach.

Sollten Therapeuten über einen langen Zeitraum weg sein?

Vielleicht klinge ich hart und grausam, aber ich finde, dass TherapeutInnen eine gewisse Verantwortung zu tragen haben. Sie halten mehrere verletzliche Seelen in den Händen, die trotz förmlicher Distanz gebraucht werden. Sie haben ihren Urlaub verdient – keine Frage! Ihre Arbeit ist ehrenhaft und strapazierend zugleich.

Aber so lange?! Inmitten einer Therapie? Inmitten von Verarbeitungsprozessen oder ähnlichen psychischen Vorgängen? Gehen wir mit einer Pause automatisch einen Rückschritt, weil wir inzwischen zu abhängig sind und uns etwas fehlt?

Was ist eure Meinung dazu? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder lest ihr diesen Betrag gerade mit einem Strinrunzeln und fragt euch, was bei mir schief läuft? 😀

Habt einen schönen Start in die Woche! ♥

Foto: unsplash

 

 

 

 

 

 

 

28 Kommentare zu „Therapeutin im Urlaub – was jetzt?

  1. Eine gute Frage. Hm, ich habe mir das noch gar nie so überlegt. Wenn meine Therapeutin weg war (in den Ferien), dann habe ich gar nicht darüber nachgedacht, ob das jetzt gut ist oder nicht. Dann war sie eben weg. Aber ich finde, wenn eine Therapeutin/ein Therapeut in die Ferien geht, oder eben auch lange weg ist, dann wäre es wahrscheinlich schon auch in ihrer Verantwortung, mit dem „Patienten“ darüber zu reden und irgendeine gute Lösung zu finden.

    Lieber Gruss

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  2. Liebe Mia,
    für mich spielte das nie eine Rolle, weil ich ambulant nie einen Therapeuten hatte. Deswegen machte ich mir darüber nicht wirklich Gedanken.
    Ich bin zwiegespalten. Aus der Sicht des Patienten sehe ich es zu 150 % wie du. Ein Therapeut kommt nach einer Weile näher an einen Menschen, wie sonst selten jemand. Es werden viele Gefühle an die Oberfläche befördert, was so manche Gefahr mit sich zieht. Aus der Therapie weiß ich, wie man nach dem Therapeuten lechzt. Dieser wird ein Anker im Leben und somit liegt eine Abhängigkeit auf der Hand. Ich hatte beim Lesen deines Artikels das Mutter-Kind-Bild im Kopf. Damals fühlte ich mich zumindest stets sehr schutzbedürftig.
    Aus der Sicht vom Therapeuten dagegen, denke ich schon, dass er länger weg sein darf. Lässt er wirklich seine Schützlinge im Stich? Ich denke nicht. Er braucht Zeit für seine Regeneration. Auch passieren manchmal Dinge, die nicht planbar sind und eine längere Abwesenheit bedürfen.
    Therapeuten sind nicht, wie umgedreht, von ihren Patienten gefühlsmäßig abhängig.
    Ich glaube, es liegt am Fachpersonal, wie ein längeres seine Fernbleiben gehandhabt und vorbereitet wird. Manchmal ist es für den Patienten eine Bewährungsprobe. Die Mauer wird durchaus wieder höher. Doch letzteres passiert im Kopf des Patienten. Therapeuten wissen und kalkulieren das bestimmt ein.
    Ob es gut oder schlecht ist, sieht jeder anders. Ich liege genau dazwischen. 😉
    Deine Gedanken sind nicht verwerflich. Du darfst das. Zumal du persönliche Erfahrungen damit verknüpfst.🌷
    Komm gut durch den Tag.
    Liebe Grüße
    Michaela

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    1. Liebe Michaela, danke für deinen Kommentar und deine Meinung. Klingt für mich im Prinzip rational fgesehen alles sehr einleuchtend.

      Ich werde nur trotzdem nicht den Gedanken los, dass die Instanz der Therapie anders gesehen werden muss, als andere Berufe. Natürlich darf eine Therapeutin keine Mutterrolle übernehmen und Verantwortung tragen, so sehe ich das auch gar nicht. Ich weiß auch nicht, ob es naiv von mir ist, so zu denken, da ich selbst keine Therapeutin bin und mich schnell für andere verantwortlich fühle. Aber ich glaube ich als Therapeutin würde Ferien bewusst ankündigen und nicht 5 Wochen in die Länge ziehen, wenn ich weiß, dass viele PatientInnen gerade in einer Krise stecken und in diesen 5 Wochen alleine sind. Vielleicht ist es unfair, dass ich so denke und sie nciht gleich stelle, aber es gibt nunmal Burufe, in denen die ganze Urlaubsplanung und Arbeitsschicht aus der Norm fällt. Dazu zähle ich irgendwie auch den Beruf der Therapie…

      Liebe Grüße! ❤

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      1. In gewisser Weise hast du vollkommen Recht. Therapeuten tragen eine größere Verantwortung als bspw. eine Buchhalterin in Bezug auf die seelische Gesundheit. Da nicht alle Patienten nacheinander in einer ähnlichen Verfassung sind, ist ein längerer Urlaub eine Gretchenfrage.
        Ich bin auch bei dir, dass die Instanz der Therapie anders gesehen werden muss.
        Meine Oma sagte immer, wenn es ihr mit einer Pflegeschwester zu bunt wurde: „Wenn es Ihnen nicht passt, haben Sie für sich den falschen Beruf gewählt!“ Das passt auch irgendwie hierher. 😉 Ich persönlich glaube nicht, dass du unfair denkst. Du bist sehr menschlich, was dieser Post sehr unterstreicht und daran ist nichts unfair.
        Liebe Grüße
        Michaela

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  3. Toll, dass Du das so offen schreibst! Meine Meinung ist mittlerweile folgende: Patienten können sich schnell dazu entwickeln, abhängig von ihren Therapeuten zu werden und ohne ihn (oder sie) nicht mehr klarkommen. Ich denke, das äußert sich so, dass man vergisst, dass die Therapie kein lebenslanges, unterstützendes Ereignis ist, sondern Hilfe zur Selbsthilfe mit einem Ende, um irgendwann alleine das Leben zu leben. Es kann sehr hart sein, wenn der Therapeut eine Weile weg ist. Man sollte dies jedoch als Chance begreifen, zu praktizieren, was man gelernt hat, um irgendwann alleine klar zu kommen. In einer Therapie-Pause kann man gut ermitteln, an welchen Stellen man eben noch nicht alleine klar kommt und wo man mehr oder andere Hilfe zur Selbsthilfe benötigt.

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  4. Zu Deiner Frage: weder noch. – Das Problem ist vielleicht, wenn sich ein Vertrauensverhältnis zu einer Form von „Abhängigkeit“ ausweitet. Zumal diese dann einseitig ist.
    Ich finde Deine Sichtweise total nachvollziehbar – mich stören diese Urlaube bei „simplen“ medizinischen Dingen auch. Andererseits, wann soll ein Therapeut denn abwesend sein? Schließlich ist irgendwer immer mitten in der Therapie. Und ich glaube, auch ein Therapeut braucht mal Abstand, um eine Menge hinter sich zu lassen.
    Vielleicht kannst Du die Zeit dann als eine Art Probelauf sehen für die Zeit nach der Therapie? Und genau das dann beim nächsten Mal thematisieren?

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    1. Ich stimme dir auf jeden Fall zu – man entwickelt zu seinen TherapeutInnen einen gewisse Abhängigkeint und jeder braucht mal eine Pause. Ich glaube, dass es mir hierbei jedoch primär um die Dauer geht. Ich hatte mehrere lange Pausen in sehr komplexen Momenten meines Lebens und hatte danach immer ein etwas andauerndes Verhältnis zwischen meiner Therapeutin und mir..

      Liebe Grüße!

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  5. Mir haben längere Therapiepausen auch immer Probleme bereitet. Ich habe sogar schon einen Unterschied gemerkt wenn nur eine Stunde ausgefallen ist und das auch öfters mit meiner Therapeutin thematisiert. Irgendwie hat mich das aus dem Rhythmus gebracht und ich habe mich immer wieder distanziert. Letztendlich war das aber dann mein Problem. Die Therapie ist eine Unterstützung und wir “müssen“ auch ohne zurecht kommen… in akuten Fällen sollte es aber zumindest einen anderen Ansprechpartner geben, finde ich. Ob man sich an diese fremde Person dann wenden würde ist eine andere Frage… schwieriges Thema, das wahrscheinlich gar nicht zu lösen ist. Trotzdem weiß ich von mir selbst dass ich am liebsten einen ganz langen Urlaub im Jahr habe und kann das auch keinem anderen verbieten oder verübeln

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    1. Danke für deine verständnisvollen und reflektierten Worte. Ich bin da leider auch etwa zwiegespalten – ich will niemandem den Urlaub verderben, aber gleichzeitig auch nciht von null anfangen. Aber wie du schon sagtest, gibt es darauf vielleicht keine richtige Lösung…

      Liebe Grüße!

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  6. Liebe Mia,

    viel habe ich hier nicht mehr hinzuzufügen. Vor allem „Happy Kalorie“, „ballblog“ und „Starkbleibenblog“ haben alle Gedanken, die ich hätte äußern können und wollen schon niedergeschrieben.

    Ich kann mich, da ich ja selber bei unterschiedlichen Therapeutinnen bzw. Therapeuten gewesen bin, aber in Deine Gefühls- und Stimmungslage zu der Thematik bestens hineinversetzen.

    Ich hatte auch schwierige Zeiten zu überstehen.

    Meine erste Therapeutin (mit der ich gut zurecht gekommen bin) hatte zunächst Urlaub (3 Wochen) – Dann war ein Termin, dann gab es einen Todesfall eines sehr nahestehenden Verwandten in ihrer Familie. Nach weiteren, ich glaube zwei Wochen, offenbarte sie mir dann, dass sie als Folge dieses Ereignisses in die Schweiz zurückkehren müsse (von dort stammte sie). – Danach war ich wochenlang ohne Therapeut. Dann kam die Klinik mit einem für mich eher schwierigen Bezugstherapeuten und nach dem Klinikaufenthaklt musste ich wieder ein paar Wochen warten, bis ich an meinen letzten, glücklicherweise sehr vertrauensvollen und für mich passenden Therapeuten geriet.

    Das eigentlich Schlimmste finde ich, dass es an so vielen Orten hier im Land so unglaublich lange dauern kann, bis man überhaupt einen Termin bei einem Therapeuten bekommen kann.

    Alles andere ist dann auch schwierig, diffiziel, auch problematisch, wenn der eigene Therapeut dann Urlaub hat oder sonstwie immer mal wieder ausfällt.

    Mich erinnert das sehr an meine langjährige eigene Tätigkeit. – Ich war immer der Einzige zu dem bestimmte Gruppen von Menschen mit ihren schwierigen Problemen kommen konnten, denen sich niemand anderes mehr widmen konnte oder wollte.

    Im Laufe der Jahre hat mich das unglaublich unter Druck gesetzt. Wenn ich nicht da war, konnte es passieren, das Fristen verstrichen, die zum Beispiel im Zusammenhang mit der Vermeidung einer Abschiebung oder einer Familientrennung entscheidend waren.( Freilich war das nicht das einzige Moment, welches sich so auf mich auswirkte) – Ich hatte letztlich beständig ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal längere Zeit nicht „da“ sein konnte – einen Ersatz für mich gab es freilch nicht.

    Die Crux ist, dass viele unserer Hilfs- und Therapiesysteme unvollständig und mit zu wenigen Ressourcen (auch an Personal, an fachlich nötigen Leuten) ausgestattet sind. –

    Davon unabhängig, müssen wir uns allerdings auch immer wieder selbst daran erinnern, dass schlussendlich wir selbst es sind, die etwas schaffen müssen, was vor allem bedeutet Selbsthilfepotenziale in uns zu erschließen.

    Das freilich ist besonders schwer, wenn man eben (noch) nicht wieder gesund ist oder sich mit einer chronischen Beeinträchtigung herumschlägt.

    Ich weiß also sehr genau, von welchen Empfindungen Du sprichst und welche Gefühlswelt Dich veranlasst hat, Deinen heutigen Eintrag zu schreiben. Eine runzelige Stirn habe ich deshalb nicht bekommen … 😉

    Sehr viele, nur ganz liebe Grüße an Dich! ❤

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    1. Ach, lieber sternfluesterer,
      ich glaube fast, dass es nichts gibt, dass auf dein Unverständnis treffen wird – so jedenfall mein Eindruck! Es ist wirklich schön, auch wenn ich damit natürlich nicht sagen will, dass ich es toll finde, dass du meine negativen Erfahrungen so gut nachvollziehen kannst.

      Und leider klingt es so, als ob du auch eine sehr schwerige erste Erfahrung mit deiner Therapeutin und ihrer häufigen Abweseneit gemacht hast.

      Gleichzeitig scheinst du auch die andere Seite gut verstehen zu können, weil auch du in deinem Beruf eine große Verantwortung zu tragen hast und zu sensibel dafür bist, als das es dir egal ist. So sollte es natürlich auch nicht sein. Man sollte sich nicht vor lauter Verantwortung verlieren…

      Ich stimme dir im übrigen zu. Zwar bin ich froh, dass wir in einem Land leben, wo wir den Luxus haben, eine bezahlte Therapie zu erhalten, jedoch finde ich es für die eigene Seele sehr srapaziös, sich trotz allem noch „damit“ auseinander zu setzen und ungeduldig auf den Anfang zu warten…

      Ganz liebe Grüße und danke für deine so lieben Worte! ❤

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  7. Liebe Mia,
    ich kann deine Gedanken da sehr gut nachvollziehen. Es ist für einen Patienten sicher nicht einfach, wenn der Therapeut auf einmal längere Zeit weg ist und der Patient wieder auf sich selbst gestellt ist.

    Gleichzeitig ist die Verantwortung, die du beschreibst, wohl eine Verantwortung, die man einem einzelnen Menschen so einfach nicht aufbürden kann. Siehst du es ebenso als „unverantwortlich“, wenn die Therapeutin schwanger oder krank wird und deshalb für längere Zeit ausfällt? Und gerade Urlaube sollen ja Krankheiten auch verhindern…

    Ich sehe hier das Problem eher in der Abhängigkeit des Patienten vom Therapeuten. Vielleicht könnte ein Therapeut den Patienten besser auf solche Pausen vorbereiten, indem er ihm Coping-Mechanismen mitgibt (z.B. alles, was passiert, aufzuschreiben, um es in der nächsten Sitzung nach der Abwesenheit etwas geregelter besprechen zu können), aber insgesamt und auf lange Sicht, denke ich, hat es dir sogar eher gut getan, ein bisschen wach gerüttelt zu werden und zu sehen, dass deine Therapeutin eben auch mal weg sein kann. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das langfristig sehr zu deiner Selbständigkeit beigetragen hat – auch wenn es erst mal schwierig war.

    Allerdings sehe ich auch die Gefahren, die mit so einer Abwesenheit für einen Patienten verbunden sein können – gerade, wenn der Patient gerade mitten in einer kritischen Phase steckt. Urlaubsvertretungen werden halt schwierig zu bewerkstelligen sein, aber bei Patienten die gerade akut Hilfe benötigen, wäre es vermutlich trotzdem gut, ihm ein paar Möglichkeiten an die Hand zu geben, an wen er sich inzwischen wenden kann, oder was er machen kann, um klar zu kommen…

    Es ist halt irgendwie eine Abwägung nötig. Ein Kompromiss zwischen den Interessen des Therapeuten, der ja auch ein Leben jenseits seines Berufs hat und haben muss, um über lange Zeit ein guter Therapeut sein zu können und den Interessen des Patienten, der in der Zwischenzeit auch irgendwie klarkommen muss…

    Liebe Grüße 🙂

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    1. Liebe Grübel-Eule,

      Danke für deine Meinung! Ich kann vieles nachvollziehen, auch wenn ich noch immer eine etwas andere Meinung dazu habe.

      Ich differenziere den Urlaub von lebensverändernden Maßnahmen wie Krankheit oder Schwangerschaft.

      Es gibt den Beruf des Arztes oder der Radiomoderatorin, die nicht mal eben für zwei Monate verschwinden können. So auch sehe ich den Beruf des Therapeuten als jenen, der anders interpretiert werden muss, als dem eines Berufes, welcher länger „austauschbar“ sein könnte.

      Ich weiß, dass diese Sicht sehr „radikal“ ist und ich die andere Seite reflektieren muss. Schließlich brauchen wir alle Urlaub. Und ich werde es ohnehin nicht die Macht dazu haben, um es ändern zu können, aber wolllte trotzdem eure Meinung dazu hören.

      Ganz liebe Grüße!

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      1. Liebe Mia,

        Ich würde dir bei Ärzten und Radiomoderatoren genauso widersprechen. Auch die sind gerne mal länger weg und dann gibt es eben Urlaubsvertretung.

        Und, wie gesagt: Urlaub ist für mich nicht nur Luxus, sondern gehört ganz klar zu den Krankheits-Vermeidungsmaßnahmen. (Burnout und Co…)
        Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein unausgeglichener und gestresster Therapeut, der sich erst frei nimmt, wenn er nicht mehr kann und dann auch nicht vorhersehbar ist, wie lange er ausfällt, die Situation verbessern würde.

        Das einzige, was m.e. einen Ausfall durch Urlaub von einem Ausfall durch Krankheit für den Patienten ändert ist erstens, dass die Dauer des Urlaubs absehbar ist (was ja positiv sein sollte) und zweitens die Einstellung des Patienten dazu – ob ihm die freie Zeit zusteht, oder nicht.

        Was du vorschlägst, wäre sicher für viele ein Grund, diesen Beruf dann gar nicht mehr zu wählen und für die, die ihn noch wählen, die Preise enorm zu erhöhen und damit wurde der allgemeine Zugang zu einem Therapeuten enorm erschwert werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in deinem Interesse ist…

        Alles Liebe dir!

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      2. Versteh mich bitte nicht falsch: ich verstehe deine Sichtweise durchaus stimme dir insoweit zu, als dass einer längeren Absenz des Therapeuten schon eine gute Vorbereitung der Patienten darauf vorausgehen sollte. Diese Verantwortung würde ich den Therapeuten durchaus zuschreiben.

        Und sicherlich hast du auch Recht damit, dass ein Therapeut im Idealfall da mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der Patienten nimmt, als das gerne der Fall ist.

        Ich sehe nur auch die pragmatischen Implikationen davon.
        Es ist immer schön und gut, zu sagen: „wenn dir der Job nicht passt, such dir einen anderen“, aber erstens ist das nicht immer ohne weiteres möglich und zweitens sehe ich nicht, wie eine friss-oder-stirb-Mentalität irgendwas verbessern soll… Dadurch wenden sich nur die wirklich sensiblen und verantwortungsbewussten Menschen schnell vom Feld ab, da sie selber zu sehr unter den Bedingungen leiden…

        Liebe Grüße!

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      3. Ich verstehe dich nicht falsch 🙂 ich akzeptiere deine Meinung und fühle mich auch verstanden! Es ist ja auch ein wie ich finde sehr schwieriges Thema und jeder Kommentar regt mich immer wieder zum Nachdenken und Hinterfragen an…
        Danke also dafür 🙂

        Liebe Grüße!

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  8. ohhh man ich kenne das SOooooo gut! Und was ich SOWIESO nicht verstehe: Alle meine Therapeutinne hatten gefühlt fast jeden Monat Urlaub (war natürlich nicht so, fühlte sich aber so an). Und dann auch noch SO lange. In keinem Beruf kenne ich es, dass man es ich leisten kann fünf bis sechs Wochen Urlaub zu nehmen! Und dann können/dürfen sich das ausgerechnet Therapeuten leisten. Ich meine, ich verstehe dass sie wirklich einen sehr krassen Arbeitsweg haben, ne heftige Verantwortung und dass ihr Job sicher mehr auf die PSyche geht als irgendein anderer, aber man kann doch nicht Patienten fünf, bis sechs Wochen auf sich alleine stellen (vor allem nicht wenn es akut ist). Ich verstehe das einfach nicht.

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      1. Ja… und das Tollste war ja in meinem Jahr 2017, die erfolgloseste Traumatherapie-Suche meines Lebens. Als ich endlich eine fand, war die echt abschreckend.

        Ich hatte nur vier oder fünf Stunden bei ihr, bevor ich aufgab. Sie pflaumte mich wegen jeder Kleinigkeit an. Als ich zum Beispiel das erste Mal 20 Minuten zu früh da war und im Wartezimmer wartete, kam sie runter und meinte, sie fände das ja nicht so toll, wenn ich die ganze Zeit hier rumsitze. Da dachte ich mir noch: oookay, die hat einen schlechten Tag – darf mal sein.

        Aber dasselbe kam dann eine Woche später auch. Dann noch schroffer und ich dachte mir: „Ja Himmel, wofür sind Wartezimmer denn bitte da?!“ Bei meiner nächsten Stunde wartete ich schon extra VOR der Praxis DRAUSSEN. Als sie mit dem Auto kam (das war zehn Minuten vor Beginn – ich dachte, sie sei schon drinnen), meinte sie: „Sie wissen aber schon, dass Sie erst in zehn Minuten eine Stunde haben?“ Da war bei mir dann das Fass voll. Ich fragte mich ja schon, ob sie mich einfach nicht leiden kann (Das kann ja sein, es gibt zwischen Menschen immer Antipathien)… Nun ja, gab ihr eine zweite Chance…

        Das war meine vierte Stunde. Sie hatte drei oder vier Wochen Urlaub, irgendwas war schief gelaufen, ich habe den Zug nicht erwischt und mit dem nächsten wäre ich so oder so zwei Stunde zu spät. Also rief ich sie sofort an, und sie hielt mir eine Rede am Telefon, die voll war mit Vorwürfen und schlechten Gewissen, denn: „Sie hätte die Stunde an wen vergeben können, der es gebraucht hätte, eigentlich müsste sie mir das in Rechnung stellen, jetzt hat sie eine Stunde für mich unbezahlt etc. blabla)“ Wow. Da war es dann eigentlich für mich schon rum ums Eck. Tja, dann hatte sie mir erst in sieben Wochen (SIEBEN WOCHEN) wieder einen Termin geben können, weil sie schon wieder im Urlaub war!

        Ich nahm mir vor, sie in dieser Stunde darauf anzusprechen, sie mal zu fragen, was sie für ein Problem mit mir habe (natürlich mit anderen Worten). Aber mein Gehirn hat nach diesen sieben Wochen den Termin komplett ausradiert. Einfach vergessen. Ich hatte ihn zwar im Kalender stehen, aber ich habe es wirklich NULL mehr auf dem Schirm gehabt.

        Ich saß an dem Tag in meiner LIeblingsbäckerei und quatschte mit der Bäckerin, da kam von der Thera eine Nachricht: „Nachdem Sie schon wieder eine Stunde versäumt haben, sehe ich die Therapie hiermit als beendet.“

        Das war echt mitunter eines der krassesten Therapeuten-Erfahrungen meines Lebens :’D

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      2. Wow…das ist wirklich eine Horror Geschichte. Meines Erachtens weist sie keinerlei Sozialkompetenzen auf und das ist als Therapeutin relativ unpraktisch…vor allem wenn man wegen einer so sinnlosen Kleinigkeit an die Decke geht!!

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  9. Hey Mia,

    ich selbst war noch nie in einer Therapie, kann demnach nicht aus Erfahrung sprechen… Doch ich kann deine Seite definitiv verstehen!

    Dennoch muss ich sagen, dass ich finde, einem Therapeuten steht ein so langer Urlaub definitiv zu!
    Es ist ein Ausnahme Beruf. Klar, die Patienten haben in der Zeit deutlich das nachsehen, ich glaube dir sofort, dass man leicht in eine Abhängigkeit rutscht… Doch genau das ist der Grund, weshalb ein Therapeut einen Langzeiturlaub nehmen sollte, wie ich finde. Natürlich muss das ausreichend kommuniziert werden, und ich denke, deine Therapeutin hätte es auch ansprechen sollen, als sie die Distanz nach dem Urlaub bei dir spürte (einfach mal davon ausgehend, dass sie es gespürt haben muss…) Es sollte auch eine Notfallvertretung für jene geben, die gerade in einer Akuten Phase sind.
    Aber so ein langer Urlaub muss einfach drin sein. Vielleicht weißt du, wie es ist, zwei Wochen Urlaub zu machen, während man einen 40 Stunden Job macht. JEDER den ich kenne sagt, dass erst ende der zweiten Woche eine wirkliche Erholung einsetzt. Mein momentaner Arbeitgeber empfiehlt seinen Angestellten sogar, 3 Wochen am Stück in den Urlaub zu gehen, damit man wirklich energie tanken kann. und da reden wir von einem ganz normalen Job. Da ist das Therapieren eine ganz andere Geschichte. Der Therapeut hat mehr oder weniger 24 Stunden die Verantwortung über das seelische Wohl mehrere Menschen. Nicht, dass er immer erreichbar ist, so meine ich das nicht. Aber selbst wenn man professionell ist und es schafft, die Fälle geistig nicht mit nach Hause zu bringen… irgendwo arbeitet das Gehirn doch immer daran. Und je nach Mensch kann das erheblich schaden… Und so kann auch irgendwann die Arbeit darunter leiden.

    Ich denke, egal wie es einem geht… und wie sauer man auch auf den Therapeuten und seinen unverschämt langen Urlaub ist (und wirklich Schimpfen und Fluchen und hassen ist da vollkommen gerechtfertigt, wie ich finde, denn man leidet nunmal darunter und es ist ja auch scheiße fur einen persönlich!)… man sollte doch im Blick behalten, dass auch ein Therapeut nicht immer da sein muss, dass er ein Recht auf sein Leben hat. Gerade, wenn dieser weiß, wie wichtig er für das Leben einiger Menschen ist, ist es wichtig für ihn, sich manchmal raus zu nehmen…

    Wie gesagt, ich verstehe dich… Doch ich denke, auch allein für dich selbst ist es besser, wenn du versuchst, nicht so streng zum Therapeuten zu sein 😉

    Nunja, all das lässst sich natürlich sehr leicht tippen, wenn man selbst nie in der Lage war…
    Dennoch, ganz liebe Grüße ❤

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    1. Liebe Luna, sein Beitrag bringt mich gerade tatsächlich zum Nachdenken…bisher habe ich nur die Sicht betrachtet, dass die Patienten im Nachteil sind, aber genauso ist es auch hart für die Therapeuten selbst, eine derartige Verantwortung zu tragen…2 Wochen würden mir auch nicht reichen, egal bei welcher Arbeit…

      Aber 5 Wochen oder länger finde ich trotzdem hart für den Patienten 🙈 eine Therapie ist etwas sehr intensives. Wir öffnen uns Menschen, geben Ihnen ein Stück von unserer Seele.

      Vielleicht sollte man es so regeln, dann man früh genug ankündigt, dass man dann und dann weg ist und die Person für eine Pause vorbereitet ist…🤔aber das sind auch nur Hirngespinste – ich habe nicht die Macht, etwas so großes überhaupt verändern zu können 😛 aber ich mag die hitzige Diskussion, die aus diesem Beitrag entstanden ist 😀

      Liebe Grüße! ❤️

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      1. ja, es sollte tatsächlich sehr bedacht kommuniziert werden, denn es ist wirklich hart, das glaube ich dir! und eig sollte man sich dem als Therapeut auch bewusst sein….
        aber es stimmt, die Diskussion die dabei entstand war echt sehr lesenswert^^

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      2. Alles gut der ist da ^^
        Ich habe mir nur wegen einer bestimmten Person eingestellt, dass ich die Kommentare erst freischalten muss, bevor sie öffentlich werden, also keine Sorge 😉
        Und danke DIR nochmal ❤

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