Warum Selbsttrost dem eigenen Körper helfen kann – Selbsttherapie #3

„Selbsttrost“ für den eigenen Körper? Was soll das sein? Etwa Selbst-Trost für den eigenen Körper?

Ich mag kein Mitleid, aber ich mag Mitgefühl. Und vor allem mag ich Trost. Ich bekomme ihn gerne und spende ihn gerne. Obgleich ich oft nicht die richtige Antwort für ein Problem weiß, so kann ich wenigstens Anteilnahme zeigen, und mein Gegenüber etwas positiv stimmen.

Selbsttherapie – Dem eigenen Körper Trost spenden

In den letzten Monaten habe ich mich an ein Experiment gewagt, das ich „Selbsttrost für den eigenen Körper“ nannte. Ich wollte dafür meinen Körper bewusst „trösten“, in dem ich auf ihn einredete und auch sonst das tat, wenn ich jemandem Trost spendete. Sanfte Berührungen, ein leiser Tonfall und ganz viel Zuspruch.

Ziel des ganzen war, meinen Körper eines Tages bedingungslos zu lieben.

Und so komisch sollte es auch nicht sein, dachte ich. Schließlich wurde keine schwangere Frau dafür verurteilt, weil sie sanft über ihren Bauch strich und mit ihm redete (auch wenn sie streng genommen mit dem heranwachsenden Wesen in ihr sprach). Aber warum nicht trotzdem mit dem eigenen Körper reden?

Meine Erfahrung mit dem Trost an den eigenen Körper

Vielleicht erscheint das im ersten Moment absurd, aber um ehrlich zu sein brauchte mein Bauch das. Beziehungsweise ich. Es ist keine Schande Selbstgespräche zu führen. Ob man nun in die Luft redet oder mit seinem Körper.

Natürlich kam ich mir am Anfang ziemlich dämlich dabei vor, als ich mit meinem Oberschenkel sprach und er nicht antwortete. Ich ließ das Experiment schnell wieder sein, aber zwang mich irgendwann wieder dazu.

Wenn ich einen Essanfall hatte, dann berührte ich meinen Bauch, streichelte ihm sanft über seine weiche Oberfläche und sagte im Stillen:

„Du bist nicht allein. Ich bin bei dir. Ich weiß, dass du Schmerzen hast. Ich fühle mit dir. Es geht bald wieder vorbei.“

Am Anfang war es natürlich eine gigantische Überwindung, meine sogenannten „Problemzonen bewusst anzuschauen und noch dazu anzufassen. Es machte mich traurig, all diese Zonen mit den Fingern wahrzunehmen und mich bewusst mit ihnen auseinanderzusetzen. Vor allem aber schämte ich mich. Ich schämte mich für meinen Körper und wollte ihn nicht.

Aber es half.

Der Anfang war natürlich der schwerste, aber nach und nach traute ich mich wie bei einer Freundin auf ihn einzureden. Ich spendete Trost. Und ich nahm ihn an.  Es war irgendwie schön…

In den letzten Wochen merkte ich dann, dass diese Berührungen immer automatisierter wurden. Ich erwischte mich dabei, wie ich ganz routiniert über meine eigenen Oberschenkel strich, an meiner kleinen Narbe verweilte und sie sanft drückte. Dies alles tat ich ohne Grund, ohne einen Essanfall, oder Anflug von Selbsthass auf meinen Körper.

Das Fazit zum Selbsttrost für den eigenen Körper

Es hilft! Es hilft wirklich. Nicht am Anfang, aber irgendwann. Ich habe ihm stets Trost gespendet, selbst wenn ich daran zweifelte oder meinen eigenen Worten nicht glaubte.

Das Experiment ist noch nicht abgeschlossen, denn ich gedenke nicht, jemals damit aufzuhören. Mein Körper braucht das. Er braucht jemanden, der ihn liebt. Und auch wenn es mir schwer fällt, so versuche ich ihm trotz allem diese Liebe zu geben – für uns beide.

Jedem, der ein großes Problem mit dem eigenen Körper hat, kann ich dieses kleine Experiment nur ans Herz legen. Vielleicht klappt es nicht bei jedem, aber ein Versuch ist es sicher wert!

Bei Interesse könnt ihr ja bei meinen ersten beiden Beiträgen zum Thema Selbsttherapie vorbeischauen:

Puzzlen – Selbsttherapie #1
Eine Frau alleine im Café – Selbsttherapie #2

Habt ein schönes Wochenende! ♥

Foto: unsplash

 

 

 

 

 

11 Kommentare zu „Warum Selbsttrost dem eigenen Körper helfen kann – Selbsttherapie #3

  1. Hallo Mia
    Das Berührungen heilende Wirkung haben, das ist ja nichts Neues. Das man das aber durch eigene Berührungen erzeugen kann, ist vielen nicht bewusst. Viele sehen in Fremd-und Eigen-Berührung große Unterschiede. Der einzige Unterschied den es aber wirklich gibt, ist unsere Einstellung dazu. Wir schätzen die Berührung durch andere und kommen nicht auf die Idee, unsere eigenen Berührungen genauso hoch einzuschätzen. Problem dabei, wir geben Anderen einen höheren Wert als uns selbst. Das merkt sich unser Unterbewusstsein. Wie aus deinem Bericht deutlich hervor geht, hattest du große Probleme, deinem Unterbewusstsein klar zu machen, das deine eigene Berührung genauso wertvoll ist, wie die einer anderen Person. Sie ist im Grunde genommen sogar wertvoller, da nur du selbst dich annehmen kannst. Das geschieht nun mal nicht durch Andere. Dazu braucht es uns Selbst. Ich finde daher deinen Selbsttest bewundernswert.

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Mia,

    Dein „Experiment“ ist so faszinierend, so, so schön!!!! – Es macht mir unsagbar Mut, wie weit Du darin schon bist, wie selbstverständlich es Dir inzwischen geworden ist. –

    Ich habe es bisher nur ganz selten probiert – eigentlich mein Unterbewusstsein, und immer nur, wenn die seelische Not wirklich schon recht groß war. Ich habe aber auch schon das eine oder andere Mal gespürt, dass es sich gut angefühlt hat.

    Und nun lese ich hier Deinen Text, die Erfahrungen, die Du mit uns, Deinen Lesern, mir mir, dazu teilst.

    Was Du tust, ist eine besondere Form der Selbstfürsorge (wir haben uns über den Begriff, glaube ich, schon mal ein bisschen unterhalten), und, dass Du das offensichtlich schon so gut vermagst, das freut mich ganz sehr für Dich.

    Ich denke, dass Deine Erfahrung Dir sehr viel gibt – und das Tolle ist, dass Du Dir dieses Geschenk selbst zu machen verstehst und es inzwischen so gut annehmen kannst.

    Ich habe irgendwann einmal mit einem anderen Experiment begonnen – mir ist das erst gar nicht bewusst gewesen und geworden. Bis ich mir an einem Winterabend, in meinen Joggingklamotten die Knie zu mir hingezogen auf der Couch saß, und mir der Gedanke kam, dass so sehr mich die Welt mitunter abstößt, so sehr ich alles gerade kaum zu ertragen vermag, ich letztlich doch IMMER EINEN ORT habe. Der Ort, der ICH bin. Ich habe eine Wohnung in mir. Ich kann, ich darf in mir wohnen, ZU HAUSE sein, wann immer ich das möchte. Und ich kann und darf mich in mnir fühlen, wie ich möchte. Und DAS fühlte sich augenblicklich richtig gut an. Ganz bei, ganz mit mir zu sein.

    Das war und das ist nun, wenn ich es mir bewusst mache immer ein bisschen so als wenn mir bewusst wird, dass ich mi9ch WENIGSTEN dafür mögen kannm mögen dar undinzwischen auch ein bisschen zu mögen verstehe: Dass ich in mir ein Obdach, eine Wohnung habe.

    Das klingt vielliecht ganz schön schräg, aber so ist es für mich. Könnte das ein erster Schritt sein, Deinem Experiment folgen zu können? …

    Von ❤ liebe Grüße an Dich!

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    1. Oh ja, Selbstfürsorge – ich glaube diesen Begriff kenne ich erst seit du ihn mir mal gesagt hast! Und es freut mich so, dass du ihn mit meinem Beitrag verbindest. Danke für deine wie immer lieben Worte! Es ist so schön, dass mein Erfolg auch dich freut!

      Dass du den Ort in dir hast, finde ich sehr schön. Ich habe mal in einem buddhistischen Buch (oder war es eins über Meditation?) gelesen, dass wenn es gelingt, zu sich selbst durchzudringen, man NIE mehr alleine sein wird. Darauf versuche ich hinzuarbeiten. Schließlich wird niemals immer an meiner Seite sein, außer ich selbst.

      Ganz liebe Grüße! ❤

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Mia,
    ich kenne diese Art von Selbsttherapie in Bezug auf mein inneres Kind. Wenn ich mit der Kleinen rede, dann nehme ich mich selbst in den Arm oder streiche über unterschiedliche Körperregionen, um das Kind zu beruhigen. Es fühlt sich immer noch total fremd und ein wenig lächerlich an, aber das ist eben das, was das Kind nie richtig bekommen hat. Mit meinem Körper hadere ich leider noch zu sehr. Daher kann ich mir das rein darauf bezogen noch nicht wirklich vorstellen. Es ist schön zu lesen, dass du langsam damit Frieden schließen kannst!

    Viele Grüße von Annie

    Gefällt 2 Personen

  4. Sehr schöner Beitrag! Ich habe auch schon länger festgestellt, dass ich mich viel besser und „ganzer“ fühle, wenn ich meinen Körper nicht als Ansammlung von Problemzonen verstehe, sondern ihn liebevoll behandle. Zum Beispiel beim Eincremen, beim Ankleiden, beim Blick in dem Spiegel. Anders kann man das Älterwerden, das bei mir in der Mitte des Lebens plötzlich sehr greifbar wird, auch gar nicht überstehen.
    Ganz liebe Grüße 🌈

    Gefällt 1 Person

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