Freunde fürs Leben? Gibt es so etwas wirklich?

Ich habe nicht viele Freunde, aber die meisten von ihnen kenne ich seit vielen Jahren. Dennoch wird der Kreis der Freundschaften aus verschiedenen Gründen immer kleiner – was mich zur folgenden Frage bringt: Gibt es so etwas wie „Freunde fürs Leben?“

„Beste Freunde für immer!“

Damals in der Schule hatte ich ein sehr naives Bild von Freundschaften. Mein Stiefvater sagte mir damals, dass ich in zwanzig Jahren niemanden mehr von ihnen kennen würde. Mein Vater hingegen sagte, dass ich sie alle behalten würde, wenn ich sie pflegen würde.

Jetzt, bloß fünf Jahre später sind tatsächlich die meisten von ihnen gegangen, und das, obwohl ich mir große Mühe gegeben habe sie aufrecht zu erhalten. Als ich neulich in mein Abibuch schaute, wurde ich traurig, dass viele Freundschaften ein jähes Ende gefunden hatten. Dabei war ich mir so sicher, dass diese Menschen lange bleiben würden…

Manchmal enden Freundschaften, ohne dass man etwas dagegen tun kann. 

Mal liegt es an einem riesigen Streit, oder daran, dass man sich auseinandergelebt hat. Manchmal zieht man weg oder vierliert sich aus anderen Gründen aus den Augen. Es ist unheimlich schaude, aber dennoch unaufhaltsam. Die Erde dreht sich weiter und wir drehen uns mit.

Freunde fürs Leben?

Ob es das gibt, weiß ich nicht. Meine älteste Freundin kenne ich seit dem Kindergarten, aber diese sehe ich nur alle paar Jahre, weil sie in einer anderen Stadt wohnt. Früher war sie meine beste Freundin, inzwischen ist sie mehr wie eine Bekannte. Meine jetzige beste Freundin kenne ich seit 13 Jahren, aber auch da weiß ich nicht, was sein wird, wenn wir eines Tages nicht mehr in derselben Stadt leben würden.

Bei meinem Vater und seinen Freundschaften klappt das allerdings ganz gut! Seine beste Freundin kennt er seit 30 Jahren und auch seine Schulfreunde (aus dem anderen Ende der Welt) schicken ihm jedes Jahr Weihnachts- und Geburtstagskarten.

Liegt es also an mir, dass die Menschen gehen? Sind meine Ansprüche zu hoch?

Alles hat ein Ende…

Um ehrlich zu sein glaube ich fast, dass nichts für die Ewigkeit bestimmt ist. Keine Freundschaft, keine Beziehung. Das klingt sehr hart und zynisch, vor allem aus der Sicht einer glücklich vergebenen Person mit wirklich tollen Freundschaften. Vermutlich liegt der Grund darin, dass ich schon einer Weile beobachte, wie eine wichtige Freundin nach und nach aus meinem leben verschwindet. Vorher gingen andere, von denen ich dachte, dass sie „für immer“ bleiben würden. Und das führt mir erneut vor Augen, dass es nie eine Garantie gibt. Niemand weiß, wie die Zukunft aussehen mag, wie wir uns entwickeln werden, wo wir sein werden, wer wir sein werden.

Und doch wünsche ich es mir so sehr – Freunde fürs Leben…

Was ist eure Meinung dazu? Glaubt ihr an Freundschaften fürs Leben? Habt ihr Freundschaften fürs Leben?

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22 Kommentare zu „Freunde fürs Leben? Gibt es so etwas wirklich?

  1. Habe einen Freund aus der Schulzeit übrig, war aber zwischendrin Funkstille, jetzt wieder eng. Eibe Freundin aus Studienzeit, da zwischendrin auch Funkstille, Rest Kollegen und aus dem Dorf. Alle aber auch seit 10-19 Jahren.
    Meine Eltern haben ihre Freunde alle seit Jahrzehnten. Aber die sind auch in weniger schnelllebigen Zeiten groß geworden…

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      1. Vielleicht ist das bei deinen Eltern deshalb so anders, weil sie alle in derselben Gegen leben? Ich stelle es mir auch einfacher vor, den Kontakt aufrecht zu erhalten, wenn man sich regelmäßiger sieht…

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  2. Aus meiner Sicht ist nichts für die Ewigkeit. Außer einer Sache. Die beendet nur der Tod. Und ob, der das Ende aller Dinge ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich hoffe es nicht. Auch wenn mein Realitätssinn, da seine Meinung zu hat.

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      1. Im Laufe meines Lebens habe ich festgestellt, daß es nichts bringt, aus der eigenen Ansicht oder Meinung etwas schwammiges zu machen. Die Dinge sind für einen selbst so, wie man sie sich denkt. Hätte, könnte, wäre bringen nur Unsicherheit und verändern das Leben nicht.

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  3. Meinen „Uraltstudienkumpel“ kenne ich jetzt seit 36 (!) Jahren. Wir haben uns zeitweilig immer wieder mal nicht sehr oft sehen können, und auch jetzt beschränkt sich das wegen Arbeit, recht weiter Entfernung und diverser Verpflichtungen.

    Eine Freundin aus der Studienzeit kenne ich ebenso lange. Die Verbindung war über viele Jahre lang faktisch abgebrochen. Aber seit drei, vier Jahren ist alles wie früher, sogar besser!

    Und dann ist da noch eine recht „neue“ Freundin, bei der hoffe ich und wünsche ich mir sehr, dass sie auch ganz, ganz lange bleibt. So lang nur möglich …

    Ich wünsche mir sehr Freundschaften fürs Leben, diese WIRKLICHEN, bei denen man so viel spürt, wo dieses ganz besondere Vertrauen entstanden ist. – Ich kann nicht aufhören daran zu glauben. Und will es auch nicht.

    Dann würde ich den Glauben an das Schönste und auch ein gut Teil an meinem Sinn verlieren.

    Ganz liebe Freitagsgrüße an Dich! ❤

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    1. Dein Glaube an Freundschaften rührt mich zutiefst, lieber sternfluesterer! Ich finde es außerdem wunderschön, dass du ein paar liebe Menschen nach Jahrzehnten nicht aus den Augen verloren hast. Ich weiß, dass meine Ansicht der zynisch ist, aber immer mehr komme ich zu dem Entschluss, dass ich vermutlich tatsächlich sehr hohe Vorstellungen von Freundschaften hege – Freundschaften, die es so leider nicht so oft gibt. Aber ich möchte mittlerweile nicht mehr und nicht weniger.

      Ganz liebe Grüße! ❤

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      1. Ich finde Deine Ansicht gar nicht zynisch, liebe Mia.

        Freundschaften, wie Du sie Dir wünschst, wie sie Dir etwas bedeuten, sind tatsächlich selten. In meinem Leben war und ist das nicht anders. Ich habe immer sehr wenige wirkliche Freunde gehabt. Das liegt sicher auch an meinem Anspruch an eine wirkliche, tragfähige Freundschaft.

        Nur diese Art Freundschaften haben das Potenzial, dann auch lange, manchmal sehr lange zu halten. Sie sind BESONDERS.

        ich finde Deinen entsprechenden Anspruch sehr schön – er sagt mir, dass Du nicht oberflächlich bist. Und nicht oberflächlich zu sein, ist ein wundervoller Wert!

        Nochmal liebe Grüße! ❤

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  4. Ich glaube auf jeden Fall für Freunde fürs Leben! Mein Vater (50), hat seinen besten Freund seit der fünften Klasse und nun lebt er in Deutschland und sein Freund in Südafrika – so etwas kann funktionieren.
    Allerdings habe ich das Gefühl, dass dieses schnelle Freunde wechseln auch etwas mit der heutigen Zeit zu tun hat. Wir sind mobil, können jederzeit umziehen und wir lieben die neuen, angeblich besseren, Sachen. Das ist, meiner Meinung nach, nicht nur mit dem Handy der Fall, sondern man möchte auch neue Freundschaften eingehen (mal was neues erleben) und kümmert sich daher nicht mehr so um seine alten Freunde – die Freundschaft zerbricht. Trotz dieser Überlegung von mir, bin ich mir sicher, dass es immer noch Menschen da draußen gibt, die nur auf eine Freundschaft fürs Leben warten und die wirklich diese Freundschaft pflegen und ehren wollen.

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  5. Ich habe glücklicherweise seit ca. 17 Jahren eine beste Freundin, die vom Gefühl her wie eine Schwester für mich ist (und daneben hab ich noch andere wundervolle Freundinnen).
    Wir haben uns damals über ein Schulprojekt angefreundet, wohnen aber inzwischen leider nicht mehr so nah bei einander wie damals. Unsere Freundschaft hatte mit den Jahren immer wieder mal Phasen, in denen der Kontakt seltener stattfand wie sonst. Es gab auch 1, 2 Mal Streit in der Form, dass wir eine zeitlang nicht mehr mieinander geredet haben.
    Zum Glück haben wir aber immer wieder zu einander gefunden 😊
    Ich finde es sehr wertvoll und schön, eine Freundschaft zu haben, die mich schon so lange begleitet, zu sehen, was wir bereits alles gemeinsam erlebt und überstanden haben, wie wir uns entwickelt haben.

    Also ja, ich glaube definitiv an lebenslange Freundschaften!
    Vorausgesetzt beide geben sich Mühe, in Kontakt zu bleiben (sei es auch nicht so häufig oder intensiv wie z.B. als SchülerIn) und zeigen am Leben des anderen ehrliches Interesse.
    Auch meine Mama hat langjährige Freundschaften, ihre beste Freundin z.B. seit dem Kindergarten und eine andere seit ihrer Fachabizeit.

    Aber ich kenne bzw. hatte selbst auch Freundschaften , die irgendwann im Sande verlaufen sind und von denen ich das früher nie erwartet hätte. Dafür gab es vermutlich verschiedene Gründe, z.B. das man sich in gegensätzliche Richtungen entwickelt hat und irgendwann frühere Gemeinsamkeiten kaum noch vorhnden waren, oder Streitpunkte, die nicht zufriedenstellend geklärt werden konnten, ein langsames, undramatisches sich auseinander Leben nach Umzug …

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    1. Das ist wunderbar zu hören! Man darf natürlich auch nicht unterschätzen, dass Freunde manchmal mehr als Familie sein können! Und ich stimme dir auf jeden Fall zu, dass eine Freundschaft unbedingt gepflegt werden muss – von beiden Parteien allerdings! Und ich glaube genau das ist mein Problem…ich habe immer das Gefühl, dass ich zu viel gebe und zu wenig bekomme! Diese Form von Freundschaft kann meiner Meinung nach nicht lange halten ohne irgendwann toxisch zu werden!

      Ganz liebe Grüße!

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  6. Ich bin ja sehr zurückhaltend, was den Begriff „Freunde“ betrifft. War schon immer so.

    Freund oder Bekanntschaften für’s Leben kann es geben, sind aber eher selten, denke ich. Man muß sowas – wenn es einem das wert ist – auch entsprechend pflegen (wollen). Der allerletzte Schulkumpel verflüchtigte sich nach 35 Jahren. Bin mal gespannt, ob der morgen zum Abi- Treff kommt 🙂
    Die Clique meiner Frau hatte sich ganz ganz schnell „aufgelöst“, erst wurde es einseitig mit den Kontakten, dann schlief das ein. Sie fand es schade, hatte aber auch keine Lust hinterherzulaufen.
    Und bedenke, Mia, Du bist in einer Lebensphase, in der sich viele Leute in alle Winde zerstreuen. Die Freundschaften für’s Leben sind dann eher diejenigen, die in nächster Zeit beginnen werden oder gerade begonnen haben.

    Kurz gesagt: sowas kann klappen – aber wenn nocht, ist es keinem vorzuwerfen.

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      1. Nein, gibt es nicht. Bei dem lag eine Trennung / Scheidung an und der hat mit allem und allen in seiner alten Stadt abgebrochen. Arbeitsstelle, Bekanntschaften und halt auch mit uns, obwohl wir ja nichts mit seiner „Familiensache“ zu tun hatten. Von ihm stehen sogar noch Sachen hier im Keller – scheint ihm alles wurscht zu sein.
        Zum Abi- Treffen kam er auch nicht und hat wohl auch die Einladung nicht mal beantwortet.
        Da kann man nichts machen…
        Liebe Grüße!

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  7. Freundschaften sind keine Einbahnstraße. Wenn der Freund, die Freundin „nicht will“, kann man sich noch so viel Mühe geben und verbiegen – wovon ich abrate -, dann wird das keine Freundschaft fürs Leben.
    In Kindheit und früher Jugend konnte ich keine Freundschaften aufrecht erhalten, was daran lag, dass ich nicht so viele Freiheiten hatte wie meine Schulkameraden oder die Nachbarkinder. Es dauerte bis zu meinem 30. Lebensjahr, bis ich meine beste Freundin kennenlernte. Im Januar/Februar hatten wir unseren 20. Jahrestag. Den Tag wissen wir nicht mehr genau, aber ich schickte ihr Blumen mit einem Kärtchen. Wir fühlen uns wie Schwestern. Wir telefonieren mehrmals pro Woche und sehen zu, dass wir uns auch einmal pro Woche sehen. Das klappt nicht immer. Aber trotz Beruf, Mann und Kind kriegt meine Beste das erstaunlich oft hin. Gefährlich sind nur unsere Telefonate im Auto (mit Freisprecheinrichtung), wenn sie dienstlich unterwegs ist. Das Gefährliche daran ist, dass sie mitunter die Abfahrt verpasst und einen Umweg fahren muss.
    Ich habe vor meinem 30. Geburtstag eine sehr gute Freundin gehabt, die wenige Monate nach der Diagnose an Krebs verstorben ist. Sie war ein ganz anderer Mensch als ich. Uns verband das Interesse für Kino und Musik und gutes Essen. Wir gingen oft zum Essen aus oder ins Kino oder kochten gemeinsam. Solche Freundschaften funktionieren auch, wenn beide die Unterschiede und Andersartigkeit des anderen akzeptieren können. Gelingt das nicht, wird die Freundschaft nicht lange halten können. Mit zwei weiteren Freundinnen treffe ich mich nur unregelmäßig. Wir schreiben uns oft Nachrichten oder telefonieren ein paarmal im Monat. Aber wenn eine krank ist oder Hilfe braucht, sind wir füreinander da.
    Übrigens, der erste Eindruck ist nicht immer der beste. 😉 Man muss auch beim ersten Eindruck geduldig sein und einen zweiten oder dritten Eindruck zulassen. Meine Beste fand ich bei der ersten „Begegnung“ nervtötend. Wir arbeiteten in einer Abteilung, im gleichen Großraumbüro, aber in verschiedenen Teams. Eine 1,50 m hohe Trennwand und ein Gang trennten uns voneinander. Ihr Team hatte eine Einweisung in ein neues Computer-Programm, sie hatten Spaß und meine Beste lachte am lautesten – immer wieder. Ich musste mich konzentrieren und dieses Lachen brachte mich jedes Mal raus. Erst zwei Tage später traf ich sie das erste Mal persönlich, in der Kaffeeküche – ich erkannte sie am Lachen. Meinen ersten Eindruck habe ich schnell revidiert. Heute lachen wir uns schlapp über unser Kennenlernen.
    Ich wünsche Dir wie jedem anderen Menschen auch, wenigstens einen Freund oder eine Freundin fürs Leben. Vielleicht musst Du nur Geduld haben, das ist wie bei der Partnersuche. Erzwingen kann man nichts. Liebe Grüße

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    1. Deine beschriebene Freundschaft klingt unheimlich harmonisch und macht mir etwas Hoffnung, dass es sowas wie Freundschaften fürs Leben vielleicht doch geben könnte. Und dass „wahre Freunde“ erst viel später kommen, habe ich tatsächlich auch schon öfter gehört – ich bin also schon gespannt!

      Liebe Grüße!

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      1. Die Freundschaft zu meiner Besten ist wirklich sehr harmonisch. Das ist aber eine Leistung von uns beiden. Wir haben ein für alle Mal bestimmte Themen geklärt, bei denen wir verschiedener Meinung sind und akzeptieren die Meinung der anderen.
        Von mir kann ich sagen, dass ich wie ein Käse reifen musste für diese Freundschaften. Mit der Verhaltenstherapie hatte ich meine Baustellen abgearbeitet und war mit mir im Reinen. Wenn ich Deine Artikel lese, bin ich beeindruckt, wie gut Du sie aufbereitet hast und wie reflektiert Du bist. Ich denke, Du bist „reif“ für richtig gute Freundschaften. 😉 Versteh „reif“ nicht falsch. Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass ich nach den vielen Therapiegesprächen eine ganz andere Sicht auf mich, mein Leben und das Leben im Allgemeinen hatte. Ich wurde auch offener für andere Dinge und manche Dinge wollte ich partout nicht mehr. Vielleicht ist oder war das bei Dir auch so. Vielleicht musst Du jetzt nur von der Freundin oder dem Freund fürs Leben gefunden werden? Meine Daumen sind gedrückt! Liebe Grüße

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