Manchmal vermisse ich meine Essstörung – und das ist okay!

Obwohl ich inmitten meiner Recovery noch längst nicht gesund bin, vermisse ich meine Essstörung manchmal. Warum das so ist und dass es trotzdem nichts an meinem Wunsch zur Heilung ändert, erzähle ich euch hier.

Diesen Beitrag schreibe ich im übrigen nicht nur für mich, sondern an all diejenigen, die wissen, was ich meine, aber die Gedanken aus Scham oder Angst nicht zulassen.

Manchmal vermisse ich meine Essstörung.

Damit meine ich alles daran – das Leben, das ich damals hatte, obwohl es schrecklich war. Den Körper den ich hasste, bevor ich mich dazu entschied, ihn für einen gesünderen einzutauschen. Der Alltag, der von einer Waage gesteuert wurde und darüber entschied, ob es ein guter oder schlechter würde.

Nüchtern betrachtet klingt es absurd das zu vermissen, eine Zeit, welche die ausnahmslos schlimmste meines Lebens war. Doch nur, weil ich sie vermisse, heißt das nicht, dass ich sie zurück will.

Es ist okay, seine Essstörung zu vermissen.

Eine Essstörung kann ein langer Begleiter im Leben sein und das ganze Leben steuern. Ist dieser Begleiter fort, kann es sein, dass wir ihn vermissen. So, wie wenn wir einen wichtigen Menschen verlieren, der uns im Nachhinein geschadet hat. Emotionen sind nicht rational; wir denken oder fühlen sie und haben keinerlei Einfluss darauf.

Was wir allerdings steuern können, ist unser Handeln!

Es ist wichtig, sich immer vor Augen zu führen, dass wir ohne sie besser dran sind!

Eine Essstörung nennt sich nicht umsonst Krankheit. Sie schadet uns, ohne, dass wir es merken, und nimmt uns so viel mehr, als sie uns gibt.

Wir dürfen sie vermissen, aber wir müssen einsehen, dass wir ohne sie besser dran sind. Denn wir können nur ohne sie die Chance auf ein richtiges Leben haben. Genau das definiert schließlich eine Essstörung: kein Leben.

Deshalb also: Vermissen ja, zurückkehren nein! ♥

Kennt ihr diese absurde Situation? Oder auch in anderen Beispielen, dass ihr etwas unendlich gehasst habt, aber trotzdem gelegentlich vermisst?

 

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10 Kommentare zu „Manchmal vermisse ich meine Essstörung – und das ist okay!

  1. Total schöner Beitrag, vielen Dank fürs Aufschreiben 🙂 Ich kenne das Gefühl nur allzu gut… Und ich habe angefangen mir meine Essstörung wie eine abusive relationship vorzustellen, aus der man ja auch sehr schwer rauskommt und die eine irgendwie gefangen hält, an der man hängt, obwohl sie einer so sehr schadet. Mir hat es geholfen, an diese Beziehung einen Abschiedsbrief zu schreiben, in dem ich unsere gemeinsame Zeit wertschätze, aber auch erkläre, dass und warum ich mich trotzdem trennen muss. Ich wünsch dir alles Gute weiterhin, auch und vor allem für deine Recovery!

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    1. Danke für deine lieben Worte! Deine Idee gefällt mir im Übrigen sehr gut! Vielleicht versuche ich mich mal auch daran. Ein Abschiedsbrief ist einerseits etwas sehr endgültiges und doch mit viel Respekt verbunden! Und wenn man die Essstörung vermisst, kann man ihn sich ja immer wieder durchlesen und vor Augen führen, warum es besser ohne sie ist!
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  2. Wie Du weißt, liebe Mia, kenne ich keinen Hass. Aber Du weißt auch, dass mich eine Person einmal sehr verunsichert, mir sehr Angst gemacht hat, mich für sich vereinnahmen wollte und nicht davor zurückscheute, dafür mir nahe stehende Menschen zu beschimpfen, zu beleidigen, in Frage zu stellen.

    Ich habe dieser Person irgendwann verzeihen können, wirklich verzeihen – und mit diesem Verzeihen ist das Empfinden wissen zu wollen, wie es dieser Person heute geht, groß geworden. So groß, dass ich es vermisse, nichts mehr von ihr zu hören, zu sehen.

    Ich weiß, dass das ein nicht unproblematisches Wünschen und, ja, Vermissen ist. Aber es ist da.

    Vielleicht ist das mit Deinem Vermissen irgendwie ein wenig vergleichbar?

    Es ist für mich ebenso mutig wie beeindruckend, dass Du diesen Eintrag hier geschreiben hast. Großen Respekt!

    Von Herzen liebe Grüße an Dich! ❤

    Gefällt 2 Personen

  3. Ohhh ja, Verstand feat. Essstörung – und ja, es ist wie mit jeder anderen Sucht – man muss immer aufpassen, nicht rückfällig zu werden. Zum Glück siegt der gesunde Anteil heute – auch wenn alte Denkmuster immer noch nicht abgelegt sind. Und es ist paradox, die ESSS zu vermissen – aber ich kann das, vor allem wenn es mir schlecht geht, total nachvollziehen. Dennoch, es hilft mir immer zu sagen, ich brauche die Kraft und Energie – das hilft. Liebe Grüße
    (Leider ist der Kalender schon zur Hälfte rum 😅)

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    1. Dein letzter Absatz hat mich gerade sehr zum Schmunzeln gebracht! Freut mich, dass er dein Begleiter ist! 🙂

      Und danke auch für deinen ehrlichen Kommentar! Es ist keine Schande seine Sucht zu vermissen, auch wenn sie einem nicht gut gut!

      Liebe Grüße!

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