Schönheit öffnet Türen, aber Schönheit macht nicht glücklich

Für das 12. Türchen meines Adventskalenders habe ich folgende Botschaft für euch: Schönheit macht nicht glücklich. Da viele allerdings vom Gegenteil überzeugt sind, möchte ich es hier gerne näher erläutern.

Schönheit macht vieles leichter. 

Ich will nicht abstreiten, dass schön zu sein seine Vorzüge mit sich bringt. Schöne Menschen haben es in vielerlei Hinsicht leichter. Unsere Augen reagieren eher auf schöne Dinge als auf hässliche. Schönheit zieht uns an. Hässlichkeit schreckt uns ab.

Aber Schönheit ist nichts als Fassade.

Viele sagen, dass schöne Menschen es in der Partnerwahl leichter haben, weil der erste Eindruck eben der oberflächliche ist. Dem würde ich nur zum Teil zustimmen, ich glaube nämlich, dass schöne Menschen mehr „Auswahl“ haben, aber deshalb nicht sofort leichter eine Beziehung finden. Was meiner Meinung nach eine gesunde Partnerschaft ausmacht, ist mehr als Schönheit. Es ist sicherlich wichtig, aber nicht ausschlaggebend. Vertrauen, Treue, Güte und Humor sind gesichtslos und daher weder schön noch hässlich.

Ich habe eine Bekannte, die nach allen Vorzügen dem heutigen Schönheitsideal entspricht.

Jeder, der auf sie trifft, kann seine Augen nicht von ihr nehmen. Früher war ich ein bisschen eifersüchtig auf sie, weil alle Jungs der Welt an ihr interessiert waren und ich mich neben ihr unsichtbar fühlte. Doch mit der Zeit begriff ich, dass sie zwar sehr schön, aber nicht sonderlich glücklich war. Auch sie kämpfte mit einer psychischen Krankheit und großen Familienproblemen. Auch sie hatte Pech in der Liebe, weil sie zu schnell auf ihr Äußeres reduziert wurde. Vor allem aber war sie einsam, weil viele Mädchen sie als Konkurrenz sahen und keine engere Freundschaft mit ihr eingingen. Sie war vielleicht schöner, aber nicht glücklicher als ihr Umfeld.

Schönheit macht glücklich – aber nur temporär.

Wenn ich mich schön fühle, bin ich glücklich. Einen Moment lang. Für den einen Abend und vielleicht auch nur in der Sekunde, in der ich in den Spiegel blicke. Doch der Zustand wehrt nicht lang. Irgendwann prasselt der Alltag auf mich ein, der mir alle Nerven raubt. Ich kann mich noch so schön fühlen und bin trotzdem nicht glücklich.

Was macht mich wirklich glücklich?

Gesundheit macht mich glücklich. Meine Freundschaften machen mich glücklich. Mein Partner macht mich glücklich. Meine Familie macht mich glücklich. Ein erfüllender Arbeitsplatz macht mich glücklich. Das Reisen macht mich glücklich.

Das ist es, was für mich im Leben zählt. Nichts davon hat etwas mit meinem Äußeren zu tun. Was mich also wirklich glücklich macht, ist nicht Schönheit.

Wie entkomme ich diesem Denken? 

In meinem Beitrag Warum es mir immer wichtig war, schön sein sein zu wollen erzähle ich euch, dass ich selbst jahrelang an diesen Mythos glaubte und nach wie vor in seinen Strukturen gefangen bin. Ich weiß daher, dass es gar nicht so leicht ist, plötzlich anders zu denken. Aber wann immer ich mich dabei erwische, dass ich der Schönheit den Vorrang geben will, frage ich mich Folgendes: Was will ich wirklich? Schön sein oder glücklich sein? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Und dann sage ich mir meine Liste auf. Wieder und immer wieder.

Wie ist eure Meinung dazu? Seht ihr das ähnlich oder ganz anders?

PS.: Mein Buch „Zwischen meinen Worten“ ist jetzt erhältlich!

zwischen_meinen_worten

18 Kommentare zu „Schönheit öffnet Türen, aber Schönheit macht nicht glücklich

  1. Erstmal – ich habe heute dein Buch in der Kindle-Version gekauft (danke, dass du nochmal an das Sonderangebot erinnert hast! Mal schauen, wann ich zum Lesen komme. Aber das wollte ich dir unbedingt noch mitteilen! ☺️)

    Nun zum Beitrag
    Generell stimme ich dir zu. Gutes Aussehen macht nicht glücklich, aber vieles leichter. Schöne Menschen bekommen von Fremden spontaner Hilfe, werden als positiver wahrgenommen und oft auch als vertrauenswürdiger eingeschätzt.
    Aber ich persönlich würde das nicht als „Schönheit“ betrachten, sondern als „hübsches/gutes Aussehen“. Für mich gibt es eine klare Unterscheidung zwischen „schön“ und „hübsch“. Hübsch bezieht sich für mich rein auf das Äußere – also Haare, Gesicht, Körper, evtl. Kleidung und Make-up – was auch immer einem zuerst ins Auge fällt.
    Schön(heit) hat für mich ganz viel mit inneren Dingen zu tun. Da zählen zum einen der Charakter, aber vor allem die Ausstrahlung und das Charisma dazu. Ich bin zum Beispiel nicht der Meinung, dass jeder für mich schöne Mensch auch hübsch aussehen muss.
    Zum Beispiel habe ich dich als einen sehr schönen Menschen wahrgenommen, bevor ich überhaupt ein Bild von dir gesehen hab. Die paar Bilder, die man inzwischen auf Instagram von dir sehen kann, ergänzten das Bild für mich nur zu einem „Oh, und hübsch ist sie auch“ – verstehst du, wie ich das meine?

    Zumal ich persönlich an jedem Menschen irgendwas finde, das ich dann als hübsch wahr nehme. Tatsächlich sind das oft Dinge, die allgemeinen gar nicht zwangsweise als „hübsch“ definiert werden, sondern kleine „Fehler“ weil ich die eben super sympathisch finde und das für mich ein weiterer wichtiger Bestandteil von Schönheit ist.
    Und Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters 🤓

    Für mich beschreibst du in deinem Beitrag eher das, was ich als „hübsch“ oder „gutes Aussehen“ bezeichnen würde. Und nein – das macht nicht glücklich(er). Es vereinfacht garantiert einige Alltagssituationen und kann gut fürs Selbstbewusstsein sein, hat aber ebenso auch seine Tücken (wie du ja auch beschrieben hast). Ich glaube tatsächlich, dass „perfektes“ Aussehen auf die Dauer auch ziemlichen Druck ausüben kann, weil man eben den eigenen oder (eingeredet) äußeren Ansprüchen entsprechen will oder denkt zu müssen. Und das wiederum kann meiner Meinung nach auch eher zum Unglücklichsein beitragen.

    So viel von mir 😀
    Ganz liebe Grüße und ein hoffentlich entspanntes Wochenende! 💕

    Gefällt 3 Personen

    1. Wow, was für ein Kommentar schon wieder 😀 Und wie lieb du schon wieder bist, danke!!

      Deine Auffassung von Schönheit teile ich! Bisher habe ich sie nie zwischen „hübsch“ und „schön“ unterteilt, sondern in innerlich und äußerlich schön. Meine Freunde zum Beispiel finde ich allesamt wunderschön, weil ihr Charakter so stark heraus sticht, dass ich nicht mehr objektiv sehen kann, ob andere sie genauso schön finden.

      Und wie du schon sagst, sind sind nicht perfekte Auffälligkeiten manchmal auch wunderschön! Vor allem sind sie das wirklich optisch Individuelle an uns!

      Danke für deinen wunderbaren Kommentar! (Und auch, dass du mein Buch gekauft hast <3)

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      1. Bei den Freunden und der Schönheit stimme ich dir zu 😌
        Und sehr, sehr gerne!

        (ich hab schon angefangen dein Buch zu lesen und musste mich heute früh dann zwingen es wieder weg zu legen, weil ich mit ein paar Kommilitoninnen zum Hausaufgabenbesprechen verabredet war 😀 )

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    1. Ja! Eine tolle Ergänzung! Wir sind schön, wenn wir uns auch schön fühlen! Habe mal vor einiger Zeit einen ähnlichen Post dazu bei IG geschrieben:

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      In meinem neuen Beitrag (Link in der Bio schreibe ich über Body Positivity und Schönheitsideale. Hier ein kleiner Ausschnitt: . Auf die Frage hin, was ich von Schönheitsoperationen halte, kam ich ins Stutzen. Aus der Perspektive einer Person mit Essstörung und Befürworterin von Body Positivity konnte ich diese Frage nicht so leicht beantworten. Eigentlich finde ich nämlich nicht, dass Selstoptimierung immer der Schlüssel des Ganzen ist. Vielmehr versuche ich mich mit meinem Körper und all seinen vermeintlichen „Makeln“ zu akzeptieren. . Das Schönheitsideal ist der Hauptgrund, warum die meisten Menschen ihren Körper optimieren wollen. Mir scheint allerdings, als wissen die meisten Menschen nicht, warum sie ihren Körper überhaupt verändern wollen. . Wenn Menschen sich zu Schönheitsoperationen entscheiden, dann sollen sie das tun. Ich möchte deswegen niemanden verurteilen, egal, wie alt er oder sie ist. Dennoch möchte ich im Namen der Body Positivity Bewegung sagen, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, nämlich der, seinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Mit all seinen Dellen, Narben, Schwangerschaftsstreifen und unrasierten Beinen. Schön sind diejenigen, die sich wohlfühlen! ♥

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      Liebe Grüße!

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  2. Ich möchte nicht hässlich sein, also optisch negativ auffallen. Zu gut aussehen möchte ich nicht, weil man da von vielen anderen Frauen angefeindet wird bzw. sozial geschnitten. Und Freundschaften mit Männern werden damit auch schwierig, es stört mich auch aktuell schon, dass u. a. mein recht dünner Körper so viel auch sexuelles Interesse weckt und man von manchen geradezu auf ein Podest gestellt wird.

    Unabhängig von anderen Menschen finde ich meinen Körper am schönsten, wenn er untergewichtig ist und ein bisschen zu dünn aussieht.

    Und sicher, es gibt Menschen, die sehen umwerfend schön aus. … Aber ich glaube, dass es für die sicher auch nicht so einfach ist, ständig so aufzufallen wegen ihres Äußeren und von so vielen angeschmachtet zu werden bzw. dass so viele gerne mit ihnen Sex hätten; mich würde sowas jedenfalls belasten.

    Gefällt 1 Person

  3. Ich stimme dir abdolut zu.

    Ich möchte gerne noch dazu sagen, dass ich zum Thema Schönheit deutlich zwischen „hübsch“, „attraktiv“ und „schön“ unterscheide. Falls ich das schonmal geschrieben habe, entschuldige ich mich für die Wiederholung 😅

    „Hübsch“ sind Menschen, die optisch ansehnlich sind und eben dem sog. Schönheitsideal entsprechen. Diese Kategorie dürfte noch am ehesten sowas, wie objektiv bewertbar sein.

    „Attraktiv“ sind Menschen, die – wie das Wort schon sagt – Anziehungskraft besitzen. Auch optisch sehr unansehnliche Menschen können ungemein attraktiv sein. Sie haben einfach eine Ausstrahlung, die auf viele Menschen positiv wirkt. Das ist aber schon etwas subjektiver.

    Und „schön“ sind dann einfach die Menschen, die ich liebe. Je besser ich Menschen kenne und je mehr ich sie mag, desto schöner werden sie für mich. Das ist also komplett subjektiv und der Charakter spielt eine enorme Rolle. So war mein Ex z. B. schön für mich, als ich ihn noch geliebt habe. Heute sehe ich Bilder von ihm an und finde ihn regelrecht abstoßend. Es sind also die eigenen Emotionen, die mit hineinspielen, ob ich jemanden „schön“ finde. Und ich glaube, Menschen, die sich selber lieben finden sich auch selber schön – selbst wenn sie sich zeitgleich eingestehen, dass sie nicht so hübsch sind. Schönheit liegt eben doch im Auge des Betrachters.

    Vielleicht kann ja dir diese oder eine ähnliche Unterscheidung auch helfen, um mit dem gesellschaftlichen Druck hübsch sein zu müssen, etwas besser umgehen zu können?

    Beste Grüße!

    Gefällt 4 Personen

    1. Danke für diese tolle Ergänzung! Attraktivität hatte ich völlig außen vor gelassen, dabei ist sie natürlich auch ein wichtiger Bestandteil. Doch wie du sagst, muss sie nichts mit dem Optischen zu tun haben, sondern entschließt sich aus der Anziehungskraft. Das, was du als schön und hübsch definierst, teile ich, nenne es jedoch „äußere“ und „innere“ Schönheit!

      Liebe Grüße!

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  4. Schön. Wer ist schön? Models sind auf Fotos schöner als in echt. Normalos sind in echt schöner als auf Fotos. Sogar sehr schöne Menschen finden an sich selbst einen Haken. Ich weiß nicht, ob es stimmt, dass schöne Menschen leichter einen gut bezahlten Job bekommen (Ausnahme: Topmodels😄), es müssten ja dann alle Chefs schön sein. Es ist aber eher das Gegenteil der Fall. Ich habe eher den Eindruck, dass Menschen auf niederen Posten schöner sind (weil sie danach ausgewählt werden), z.B. bei Banken, Dienstleistern, an irgendwelchen Theken… Funktioniert auch nur, solange sie sehr jung sind. Jung zieht eigentlich immer, ob schön oder nicht, während ein noch so schöner älterer Mensch in den Augen der anderen in der Regel verschwindet. Klar ist jeder gerne schön(er), daher Kosmetika, Klamotten, Training. Aber es ist kein K.O. Kriterium in der Partnerwahl, sonst wären wir alle Supermodels😊Also, es ist längst nicht so wichtig wie uns weisgemacht wird.

    Gefällt 1 Person

    1. Da hast du recht! Schönheit macht nur einen gewissen Teil im Lebe leichter – aber frei von Komplexen muss man natürlich trotzdem nicht sein. Ich finde deine Ergänzung, dass einige Branchen (Banken,…) sogar nach Schönheit ausgewählt werden, auch sehr wichtig.

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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