Wie kann ich jemanden mit Essstörung im Alltag unterstützen?- 5 Tipps

Ihr kennt jemanden mit einer Essstörung und wisst nicht, wie ihr sie oder ihn unterstützen könnt? Ich habe ihr 5 Tipps zusammengetragen, die euch dabei helfen könnten.

Offenbart sich euch eine Person, ist das nur die halbe Miete. Danach folgt der Umgang damit. Viele tun sich sehr schwer, weil Betroffene selbst meist sehr verschlossen und gereizt reagieren. Die meisten wollen helfen, wissen aber nicht wie. Unbewusst treten sie in ein Haufen Fettnäpfchen, obwohl sie es nur gut meinen. Dabei geht es nicht darum, dass ihr euch perfekt verhalten müsst – das geht gar nicht. Die Person muss es selbst da raus schaffen, braucht aber in jedem Fall Unterstützung und viel Rücksicht.

Meine Tipps sind nicht bahnbrechend effektiv, wohl aber entlastend. Sie beginnen allesamt mit „Keine“, „Nicht“ oder „Niemals“ und sind leicht zu befolgen, weil ihr einfach nur auf ein paar Sprüche oder Gesten verzichten müsst. Auch wenn sie euch eher läppisch erscheinen, garantiere ich euch, dass ihr Betroffene damit sehr helfen werdet.

Natürlich bin ich kein allwissender Guru, der weiß, wie allen Betroffenen geht. Ich richte mich hier nach meinen persönlichen Erfahrungen und dem Austausch anderer betroffenen Personen.

5 Tipps,um jemanden mit einer Essstörung im Alltag zu unterstützen:

1. Nicht über Essen reden

Menschen mit Essstörungen reagieren sehr sensibel, wenn es um das Thema Essen geht. Sie beschäftigen sich ohnehin die ganze Zeit damit, da müssen sie sich nicht auch in ihrer Freizeit darüber reden. Die meisten würden es vermutlich nicht zugeben, dass es ihnen was ausmacht, und selbst wenn es ihnen nichts ausmacht, ist es trotzdem respektvoll, über andere Themen zu reden.

2. Kein Essen verschenken

Bei einer Essstörung ist das Essen oft wie eine Droge – und Drogen soll man nicht verschenken! So lieb es auch gemeint ist, jede Konfrontation mit Essen (ob am Geburtstag, Weihnachten, Ostern oder einfach so) ist sehr stressig für Betroffene selbst. Häufig ist die Freude darüber echt, aber der bevorstehende Binge Eating Anfall leider genauso. Viele machen trotzdem nicht den Mund auf, aus Angst davor, unhöflich oder undankbar zu sein. Deshalb hilft es sehr, die kleinen materiellen Gesten nicht in Pralinen oder Kuchen zu verpacken.

3. Keine Bemerkungen zum Körper

Körpergefühl und Essstörung sind untrennbar miteinander verbunden. Deshalb reagieren Betroffene auch sehr sensibel, wenn es um Bemerkungen zu dem Körper gibt. Sätze wie „Du hast zugenommen“ (Danke Papa!) gehen gar nicht! Aber genauso wenig „Komplimente“ wie „Du hast abgenommen.“ Mich hat das nämlich nur motiviert, noch mehr abzunehmen. Falls eure Frage von aufrichtiger Sorge rührt, würde ich trotzdem vorsichtig mit Bemerkungen des Körpers sein und eher darauf eingehen, dass ihr euch zum Beispiel aufgefallen ist, dass die Person in letzter Zeit etwas traurig/neben der Spur wirkt.

4. Niemals zum Essen drängen/zwingen. 

Bei vielen Angehörig*innen oder Freund*innen schrillen sofort die Alarmglocken an, wenn sie bemerken, dass eine Person zu wenig ist. Sätze wie „Iss doch noch was“ oder „Du hast doch noch kaum etwas angerührt“ oder „Du musst jetzt was essen“ oder „Willst du denn nicht auch gesund werden?“ sind allesamt nachvollziehbar, bringen nur leider nichts, bis auf die Tatsache, dass die Person sich unter Druck gesetzt fühlt.

Natürlich sollt ihr nicht einfach darüber hinwegsehen, aber ich würde das Thema dann lieber vor oder nach dem Essen ansprechen – nicht mittendrin! Es kommt hierbei aber auch stark auf den Zustand der Person an. Auch solltet ihr nicht die Essstörung fördern und kalorienarmer kochen, um dem Kind „entgegenzukommen“.

5. Kein Reden über die eigene Komplexe

Kein Mensch ist frei von Komplexen. Tauscht euch gern aus und redet darüber – aber nicht vor einer essgestörten Person. Betroffene vergleichen sich oft. Mich hat es zum Beispiel total getriggert, wenn eine Person, die deutlich dünner war als ich über ihren Körper gejammert. Ich wollte dann erst recht abnehmen.

Falls Eltern gerade eine Diät machen, sollten sie darauf achten, es nicht zu offensichtlich vor dem kranken Kind zu tun. Auch das triggert nämlich. Eltern sind schließlich unsere frühesten Vorbilder.

Habt ihr noch mehr Tipps, die Angehörige, Freund*innen, Lehrer*innen oder Bekannte beachten können?

 

13 Kommentare zu „Wie kann ich jemanden mit Essstörung im Alltag unterstützen?- 5 Tipps

      1. Ja, natürlich!! ❤ Sie sollen ihm eine Hilfe sein, um besser zu verstehen und Rücksicht zu nehmen und dir helfen, um endlich die Rücksicht zu bekommen, die du brauchst! :)<3

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  1. Dieser Eintrag gehört zu den wertvollsten, die Du bislang für nicht an einer Essstörung erkrankte Personen geschrieben hast, liebe Mia. Er gehört an schwarze Bretter, Lifasssäulen, in Schulen und überall hin, wo es um Beziehungen zwischen Menschen geht.

    Wenn ich in mich hineinhöre, dann hat mir mein Unterbewusstsein zwar schon manches von dem suggeriert, was Du hier heute zusammengefasst aufgeschrieben hast, aber ich habe bei meiner inneren Einkehr und Rückschau auch bemerkt, dass ich mich dennoch nicht immer klug und angemessen verhalten habe.

    Deine fünf Punkte hier, wenn auch aus persönlicher Sicht (aber eben ganz authentisch) geschrieben, sind dagegen griffig und für mich auch sehr einleuchtend und nachvollziehbar.

    Ich werde sie mir merken und hoffe, dass ich mich nun noch weniger unbedacht verhalte, als es bislang sicher mitunter geschehen ist.

    Dankeschön also, und viele ganz liebe und herzliche Grüße an Dich! 💖⚓

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  2. Die Tipps sind wirklich super!

    Ich würde noch hinzufügen, dass man einfach fragt, wie sich die Person mit der Essstörung den Umgang mit dem Thema wünscht. Also ob sie darüber reden möchte oder nicht, ob sie irgendwo Hilfe braucht, wie man helfen kann, ob man Fragen stellen darf und so weiter.

    Ich hab z.B. allen Leuten direkt gesagt, dass sie mich alles fragen sollen, dürfen und können, was sie interessiert, weil ich sie nicht von mir aus mit Dingen erschlagen möchte. Also dass sie, wenn sie irgendeine Frage zur Essstörung oder anderen psychischen Problemen haben, mich direkt ansprechen sollen, ich aber nicht immer auf alles antworten kann und werde und dass sie das auch akzeptieren sollten.

    Und ansonsten: da sein, zuhören, öfter nachfragen, ehrlich sein, zwar schützen und Rücksicht nehmen, aber auch gleichzeitig nicht das Gefühl vermitteln, die Person wie ein rohes Ei zu behandeln 🙈

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    1. Danke für deine Ergänzung, die ich im Übrigen teile!! Ich mag es auch sehr, wenn ich ganz direkt gefragt werde, was gewünscht wird. Das mache ich auch oft bei anderen – inzwischen sogar auch bei Umarmungen, weil die natürlich auch nicht jeder mag!:)

      Liebe Grüße!

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      1. Stimmt, bei Umarmungen frage ich gerade am Anfang auch immer nach. Und ich schätze es auch total, wenn Menschen mich fragen, ob es okay ist oder nicht. Personal boundaries und so. Und umgekehrt sage ich es zu Freunden inzwischen auch ganz direkt, wenn ich eine Umarmung haben möchte – bin ein totaler Knuddelmensch 😀

        Ich finde, solche Dinge sollte man immer abchecken. Genauso, wie ehrlich man sein soll. Wenn mich jemand um einen Rat bittet (und die Person mich noch nicht zu gut kennt) frage ich auch oft erst nach, ob ich komplett ehrlich antworten soll 😀 Bei guten Freunden nicht mehr, die wissen zum Glück, wie sie mich zu nehmen haben 😀

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  3. Danke für diese Tipps – die hätte ich schon vor Jahren mal gebraucht! Dieses „gut gemeint ist oft ganz verkehrt“-Thema kenne ich auch gut und bin immer sehr auf der Hut, um nicht selber den gleichen Blödsinn zu machen!

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