Die Dinge akzeptieren, die man nicht kontrollieren kann – mein neues Mantra

Inzwischen bin ich in meinem Heilungsweg so weit fortgeschritten, dass mir nur noch eine große Hürde bevorsteht: Dinge zu akzeptieren, die ich nicht kontrollieren kann. Ich möchte euch daher mein neues Mantra vorstellen.

Ein Grund, warum viele Menschen in eine Essstörung rutschen ist der, dass sie sich nach Kontrolle sehnen. Wenn sie schon im Leben nichts kontrollieren können, versuchen sie es mit ihrem Körper. Andersherum kann es sein, dass Menschen zu viel im Leben kontrollieren müssen und in der Essstörung „loslassen“ und sich in Kontrolllosigkeit verlieren. Das Stichwort Kontrolle ist demnach ein Phänomen, das alle kennen.

Essstörungen stehen immer für etwas anderes. Es geht nicht um das Problem „Essen“, sondern um das, was hinter dem Essen steht. Dazu gehören beispielsweise traumatische Ergebnisse oder negative Glaubenssätze, aber auch einfache Emotionen wie Trauer, Wut oder Freude. Was auch immer die Ursache ist, sie sucht sich ihr Ventil in der Essstörung.

Deshalb gilt es, DIESE Probleme zu lösen. Kümmern wir uns um unsere psychischen Bedürfnisse, entnehmen wir der Essstörung ihre Macht. Ich bin mittlerweile an einem Punkt gelangt, an dem ich meinen Selbstwert gestärkt habe, meine negativen Glaubenssätze abgelegt habe, intuitives Essverhalten erlernt habe und mit meinem Körper (fast) im Reinen bin. Nun stehe ich vor dem letzten Punkt: Akzeptanz.

Noch immer tue ich mich schwer damit, Dinge zu akzeptieren, über die ich keine Kontrolle habe.

Es fällt mich immer schwer, die Dinge zu hinzunehmen, die ich falsch finde. Dies hat allerdings zur Folge, dass ich mich selbst bremse, weil ich auf derselben Stelle trete, anstatt loszulassen und weiterzumachen. Ich muss lernen, zu akzeptieren. Ich kann nicht alles und jeden kontrollieren, schon gar nicht andere Menschen.

Hier ein fiktives Beispiel: Eine Freundin schließt mich aus und verheimlicht mir etwas. Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, oder ob es einen bestimmten Grund für ihre Heimlichtuerei gibt. Ich merke auch, dass es ihr nicht gut geht, doch sie weigert sich weiterhin mit mir zu reden. Obwohl ich gekränkt bin, mache ich mir auch Sorgen. Ich will was tun, aber ich kann nicht. Weil es IHRE Entscheidung ist, was sie mit mir teilt und was nicht. Ich kann ihr Verhalten nicht kontrollieren und das muss ich akzeptieren.

Hier also mein neues Mantra:

Ich muss die Dinge akzeptieren, die ich nicht kontrollieren kann.

PS.: Obwohl ich nicht christlich bin, finde ich diese Passage aus der Bibel ziemlich eingängig:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Falls euch das Thema interessiert, könnt ihr auch gern bei meinem Post „Wenn man’s nicht ändern kann – Radikale Akzeptanz“ vorbeischauen. Dort schreibe ich überwiegend über die Corona Umstände, aber das Konzept ist ähnlich!

Wie leicht oder schwer fällt euch das Akzeptieren von Dingen, die ihr nicht ändern/kontrollieren könnt?

13 Kommentare zu „Die Dinge akzeptieren, die man nicht kontrollieren kann – mein neues Mantra

  1. Hallo Mia,
    Ja ich kenne das. Besonders wenn es um das Verhalten von Menschen geht, die mir sehr am Herzen liegen, fällt mir Akzeptanz manchmal sehr schwer.

    Wenn ich es aber einmal doch geschafft habe zu akzeptieren, ist das unheimlich befreiend :-)!

    Ich finde, Dinge nicht zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, ist wie eine Last tragen wollen, die ich nicht tragen kann. Und das Verrückte daran ist, dass niemand anders, außer ich selbst von mir verlangt, diese Last zu tragen…

    Ich wünsche dir viel Kraft, Mut, Ausdauer und v.a. Geduld mit dir selbst beim Thema: „Akzeptanz und Loslassen“!

    LG Caritas

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  2. Radikale Akzeptanz finde ich auch teilweise echt schwierig.
    In manchen Bereichen kann ich es schon total gut praktizieren, in anderen klappt es einfach nicht. Aber das ist auch okay, immerhin ist es ein Lernprozess, das Akzeptieren überhaupt anzuwenden.
    Ich glaube, dass es vielen Menschen schwer fällt, Dinge einfach zu akzeptieren, weil wir in einer Gesellschaft leben, die irgendwie voraussetzt, dass ein erfolgreicher Mensch ein scheinbar kontrolliertes Leben hat und dass mit genügend (Selbst-)Kontrolle relativ automatisch auch Glück und Erfolg kommen (nicht nur in beruflicher Bereichen, sondern auch bei Persönlichkeitsentwicklung, Identität etc)

    In der Therapie hab ich mal so ein Arbeitsblatt bekommen, laut dem radikale Akzeptanz der erste Schritt zur Verbesserung und vor allem Linderung ist, weil man so lange man einen Umstand nicht akzeptiert, nicht nach Auswegen und Alternativen suchen kann.
    Also quasi „Mein Kind hat Krebs und das kann ich nicht ändern“ als Akzeptanz und „Ich kann nur den Ärzten und der Behandlung vertrauen“ als Lösung und Ausweg statt „Ach, so schlimm ist die Krankheit ja nicht“ oder „An der Diagnose und dem Schicksal kann man jetzt nichts mehr ändern“.

    Ich denke immer an ein Diagramm, dass den „Leid-annehmen“ Weg der Stoa beschreibt: Betrifft es mich persönlich? Ja, nein? Wenn nein, dann ist es egal; Wenn ja, kann ich es ändern? Ja, nein? Wenn ja, dann ändern; wenn nein, dann lohnt es sich auch nicht, sich darüber aufzuregen.
    Ist zwar sehr stark vereinfacht und ein wenig eindimensional, aber manchmal hilft es doch, um zu entscheiden, ob es sich überhaupt lohnt, sich emotional einer Sache anzunehmen oder nicht.

    Liebe Grüße und ganz viel Mut, Ausdauer und Kraft bei was auch immer dich gerade beschäftigt! 😊

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  3. Das ist ein wunderbares Mantra.
    An manchen Dingen reibt man sich nur auf, wenn man versucht, sie zu kontrollieren. Macht sich selber kaputt daran. Dann einen Schritt zurück zu treten, durchzuatmen und zu sagen „Es ist okay, wenn ich nicht alles unter Kontrolle habe“, das ist schwer – aber es ist auch wichtig und lohnt sich am Ende.

    Gefällt 1 Person

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