Ich sag’s wie’s ist: Der bewusste Verzehr von „gesunden“ Süßigkeiten hält euch weiterhin an der Essstörung fest!

Vielleicht hagelt es hier gleich brisanten Shitstorm a la „Eyy, das kannst du doch unmöglich pauschalisieren!“ Doch kann ich. „Gesunde Süßigkeiten, sprich: Desserts ohne Zucker, aber mit Süßstoff, ohne Mehl, aber mit Proteinpulver, ohne Fett und sonstiges Zeug, das „ungesund ist und dick macht“, lässt euch weiterhin mit einem Bein in der Essstörung stehen.

Warum? Weil es euch nach wie vor um Kalorien geht. Weil ihr nach wie vor in gesund und ungesund unterteilt. Weil ihr nicht zunehmen wollt. Weil euch das Fett, die Kohlenhydrate Angst machen. Und vielleicht auch, weil ihr glaubt, den Dreh rauszuhaben. Weil ihr bei „gesunden“ Alternativen weniger ins Binge Eating verfallt als mit „ungesunden“. Aber mit Vermeidung von Essen besiegt ihr die Essanfallstörung nicht, im Gegenteil.

Problematische Repräsentation

Dieses Thema beschäftigt mich fast jeden Tag, da ich auf Social Media immer wieder auf „gesunde“ Rezepte stoße. Allerdings nicht nur von Fitnessblogger:innen (was ich im Übrigen kein Stück besser finde), sondern auch von Recovery-Accounts. Will ich damit irgendwen verurteilen? Nein, im Gegenteil! Ich bin total traurig und fühle mich hilflos, weil ich den Struggle kenne.

Auch ich habe mich irgendwann wieder an Pancakes getraut, aber nur mit Proteinpulver statt Mehl gegessen. Auch ich habe Süßigkeiten durch Proteinriegel ersetzt. Auch ich habe mir teure zuckerfreie Gummibärchen bestellt, weil die „richtigen“ mir zu sehr Angst gemacht haben. Und es hat nicht funktioniert. Trotz guter und schlechter Phasen war ich nach wie vor in der Essstörung gefangen. Weil ich mir Regeln aufsetzte.

In meinem Beitrag Warum Proteinriegel keine Alternative für Süßigkeiten sind habe ich meine Erfahrung auch schonmal mit euch geteilt!

Und tatsächlich gab es zu Beginn meines Accounts sogar eine Rubrik, in der ich Rezepte mit euch teilte, die mir dabei halfen, weniger Essanfälle zu haben (oh Überraschung – kalorienarm und „gesund“!). Damals ahnte ich nur nicht, dass ich mit diesem Verhalten meine Essstörung nährte…

Wenn ihr in eurer Recovery weiterhin zu den Alternativen greift, dann haltet ihr dadurch automatisch auch an der Essstörung fest.

Und nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich verurteile „gesunde“ Süßigkeiten nicht. Wir Menschen nehmen ohnehin zu viele Fette und vor allem zu viel Zucker zu uns, weshalb immer mehr Menschen unter starken gesundheitlichen Auswirkungen leiden. Ich finde es nicht schlimm, etwas weniger Zucker zu sich zu nehmen und auch bei Fetten darauf zu achten, dass es nicht über ein gesundheitlich schädigendes Maß hinausgeht. Manchmal hat man lieber Lust auf einen Apfel statt auf einen Kuchen. Manchmal schmecken einem die „gesunden“ Alternativen wirklich besser.

Und ich rede (oder schreibe) jetzt auch nicht zu allen Menschen, sondern hauptsächlich zu jenen mit einer Essstörung. In den meisten Fällen sind es aufgesetzte Regeln und Diäten, die einen in eine Essstörung treiben. Regeln blockieren den Zugang zum eigenen Körpergefühl. Regeln manipulieren uns. Wenn wir sie weiterhin festhalten, kommen wir nicht los. In gewisser Weise habe ich das bereits in meinem Post zu veganer Ernährung in der Recovery geschrieben, den viele missverstanden haben. Doch das Konzept ist dasselbe. Regeln in der Recovery = Immer noch Essstörung.

Was ist die Lösung?

Keine Regeln! Jawohl. Esst was ihr wollt, so viel ihr wollt. Vielleicht wird es viele Male eskalieren, vielleicht wird es euch eine Zeit lang noch mieser gehen. Vielleicht rutscht ihr zwischenzeitlich sogar in eine andere Form der Essstörung. Aber trotzdem geht es bergauf. Trotzdem entkommt ihr dem Teufelskreis.

Reflexionsfrage: Warum esse ich das wirklich?

Mein Apell: Horcht in euch hinein und seid wirklich ehrlich mit euch. Wenn ihr zu einem „gesunden“ Dessert greift, dann fragt euch selbst, warum ihr das tut. Fürchtet sich ein Teil von euch noch immer davor, zuzunehmen?

Meine Bitte an alle Recovery Accounts

 Bitte verherrlicht „gesunde“ Süßigkeiten nicht. Mit eurer Reichweite könnt ihr viel bewirken. Im besten Fall Positives.

So, das war jetzt eine Menge Rant. Ihr kennt meine Meinung. Nach fast zehn Jahren Leidensweg ist sie auch ziemlich unumstößlich. Trotzdem interessiert mich natürlich auch eure Meinung. Seht ihr das ähnlich? Seht ihr das anders? Tell me! ❤

PS.: In meinem Beitrag Heißhungerattacken und Essanfälle? – Iss dich satt! schreibe ich auch über das Thema, vor allem darüber, sich wirklich satt zu essen!

PPS.: Mein Titelbild passt ziemlich gut, aber natürlich will ich keinesfalls die Marke „Nature Zen!“ schlechtmachen. Es geht mir wie gesagt nicht um die Produkte selbst – sondern um ihre Einsetzung! Ach ja, und Werbung wegen Markennennung, schätze ich! ^^

9 Kommentare zu „Ich sag’s wie’s ist: Der bewusste Verzehr von „gesunden“ Süßigkeiten hält euch weiterhin an der Essstörung fest!

  1. Ist es nicht besser, Magerquark mit backkakao zu genießen und zu behalten, als Nussnougatcreme verschämt zu löffeln und hinterher auszukotzen?

    Ich muss mir jetzt sicher den Vorwurf gefallen lassen „noch nicht so weit zu sein.“ oder „nicht genug gesund werden zu wollen“.

    Dabei ist für mich so viel wert ein Nahrungsmittel überhaupt genießen zu können.

    Darf ich nicht meinen eigenen Weg gehen? Bis zu meinem eigenen Ziel?

    Bitte, liebe Mia, sei nicht böse um meine Worte. Denn ich meine sie nicht böse.

    Es ist eben nur meine Sicht.

    Gefällt 1 Person

    1. Und deine Sicht ist auch völlig in Ordnung!!<3 Wir müssen nicht dieselben Ansichten haben, wir müssen auch nicht genau denselben Weg gehen. Die Hauptsache ist, dass es ins mit unseren Entscheidungen gut geht! 🙏🏾

      Liebe Grüße!

      Gefällt mir

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