„Heroin chic?“ – Extremes Dünnsein wieder im Trend …

Nach dem jahrelangem Kampf um Body Positivity hat das Schönheitsideal beschlossen, die Neunziger erneut aufleben zu lassen. Ausgemergelte Dünnheit liegt wieder im Trend – und das ist ein großes Problem.

Ich will niemandem die Schuld geben – Schönheitsideale ändern sich immer. Je nach Zeit und Epoche empfinden wir andere Dinge als schön und attraktiv. Schwierig wird es nur, wenn das Schönheitsbild die Gesundheit gefährdet. So wie jetzt.

Heroin chic

Dünne Körper, hagere Gesichtszüge, blasse Haut, keine Kurven – das sind die Merkmale des Ideals. Die Statur eines ausgemergelten Drogensüchtigen. Models wie Kate Moss waren in den Neunzigern das Sinnbild für die Heroin Chic – Ära, und jetzt kehrt sie zurück.

In der Kleidung zeigt sich der Trend ebenfalls. Low Waist Jeans sind wieder im Kommen, die Hosen sitzen tief; der Bauch muss natürlich ultra flach sein. Die Balenciaga Fashion Show (von der ihr vermutlich schon gehört habt, weil sie durch die Meme-Welt gespült wurde), versinnbildlicht das Ideal: Große dünne, blasse Models, und eingefallene Gesichter, ganz nach dem Heroin Chic …

Ich sage immer wieder, dass man die Gesundheit nicht zwangsläufig vom Äußeren beurteilen kann. Weder dicke noch dünne Menschen müssen wegen ihres Gewichts nicht unter Beschwerden leiden. Der Heroin chic legt es jedoch genau darauf an, denn dort ist das Schönheitsziel „krankhaftes“ Dünnsein, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Körper bewusst ausgemergelt wird – für die Ästhetik. Und das ist eine sehr große Belastung für ihn. Mangelernährung kann verheerende Folgen haben, vor allem aber – und deshalb möchte ich das Thema auch in diesem Blog erwähnen – verstärkt es das Risiko von Essstörungen.

Nicht jede Diät endet in einer Essstörung, aber fast jede Essstörung beginnt mit einer Diät.

Dass das Schönheitsideal einen gewaltigen Einfluss auf unser Körperbild hat, ist kein Geheimnis. Wir alle leiden darunter, die wenigsten sind komplett zufrieden mit ihrem Aussehen und Gewicht. Viele Menschen, die in eine Essstörung rutschen, kämpfen mit ihrem Selbstwert, und nicht wenige versuchen ihn durch das Äußere zu stärken. Nach dem Motto: Wenn ich so und so aussehe, bin ich mehr wert. Wenn ich schön bin, werde ich akzeptiert/ nicht ausgegrenzt/bin ich liebenswerter.

Das sind natürlich alles Grundannahmen, die sowieso nicht stichhaltig sind, denn egal, wie sehr ihr euch ins Zeug legt, ohne einen stabilen Selbstwert werdet ihr euer Spiegelbild nie akzeptieren, und könnt ihn folglich auch nicht (langfristig) aus dem Äußeren ziehen.

Schade um Body Positivity und Neutrality

Nachdem nun jahrelang auf mehr als nur eine Körperform plädiert wurde, und auch Kurven, Narben und auch dunklere Körpertöne als schön galten, macht das Schönheitsideal eine erneute Kehrtwende und kehrt zurück zu einem Schönheitsideal, das ohne einen sehr ungesunden Lifestyle unmöglich zu erreichen ist.

Kim Kardashian ist ein sehr populäres Beispiel. Nachdem sie erst mit ihren Kurven und gebräunter Haut (was sehr problematisch ist, weil sie übelstes Blackfishing betrieben hat) das Schönheitsideal dominiert hat, ist sie nun blond, sehr hell, und vor allem „heroin chic“-dünn. Eigentlich kann sie mit ihrem Körper machen, was sie will, aber durch ihren Status und die Tatsache, dass sie in der „Schönheitsbranche“ tätig ist, hat sie natürlich einen gewaltigen Einfluss auf viele andere Menschen. Der Trend treibt immer weiter aus.

Ich find’s ätzend!

Ideale sind generell Bullshit, weil man ihnen ohnehin nie gerecht werden kann, aber dass sie erneut in derartige Abgründe tauchen, ist allem voran gefährlich. Und ja, ich höre mich wieder maximal spießig an, aber im Ernst: „Heroin chic“? Wir arbeiten auf einen Körper hin, der durch den Heroinkonsum – einer Droge, die einem das ganze Leben zerstört – völlig ausgemergelt aussieht? Für mich ist es extrem respektlos gegenüber echten Drogensüchtigen, deren optische Erscheinung zum Trend wird.

Damit will ich nicht sagen, dass der Kardashian Booty ein besserer Trend war – Menschen sollten sich nicht schmerzhaften und kostspieligen OP’s unterziehen, nur, um einem Ideal gerecht zu werden. Es ist und bleibt ihr Körper, ich weiß, aber der Impuls kommt schließlich auch nicht von irgendwo …

Zum Thema Hautfarbe werde ich irgendwann auch was sagen, aber das Thema Blackfishing ist so groß, dass es einen eigenen Beitrag bedarf.

Ideale ändern sich immer.

Und deshalb sollten wir uns auch nicht von ihnen beeinflussen lassen. Wir haben nur einen Körper und der ist so wie er ist. Was wir ihm anziehen wollen, ist uns überlassen, aber den Körper selbst umzumodellieren, als wären wir hier beim Töpfern, ist kräftezehrend und macht sowieso nie glücklich. Denn wenn wir den Idealen folgen, werden wir ohnehin nie zufrieden mit uns sein. Ich weiß, wovon ich rede …

Habt ihr schon von dem Trend gehört? Was ist eure Meinung dazu?

Falls ihr mehr zu dem Thema erfahren wollt, könnt ihr euch gern mal dieses Video anschauen. (Generell eine große Empfehlung für den Kanal!)

5 Kommentare zu „„Heroin chic?“ – Extremes Dünnsein wieder im Trend …

  1. Hmmmm, schwieriges Thema! Bei manchen Models gefällt mir der „Heroin Chic“, z. B. Kate Moss fand ich schon immer wunderschön. Bei anderen wiederum gefällt es mir nicht. Auch der Hintern von Frau Kardashian hat mir niemals gefallen, und so unproblematisch war der Trend auch nicht: auch dafür legten sich viele Frauen unters Messer, weil es eben gerade Mode war. Body Positivity ist an sich ein guter Trend, aber auch nur in Maßen: viele reden sich dadurch das Dicksein schön, dick sein ist keineswegs gesund und hat auch gesundheitliche Probleme zur Folge, z. B. in den Gelenken aufgrund des zu hohen Gewichtes. Kurzum: am besten ist wohl ein durchschnittliches Gewicht, also weder dick noch dünn – ein bisschen mollig mit Kurven ist durchaus erwünscht, zumindest ist das meine Meinung 🙂

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    1. Danke für deinen Kommentar! Zu Kate Moss: natürlich ist sie wunderschön! Aber mir geht es eher um das Ideal, das suggeriert wird, einen so dünnen Körper kriegen viele nur durch radikale Diäten und Untergewicht kann ebenfalls schwerwiegende Folgen haben. Von den psychischen Narben ganz abgesehen

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