Menschen mit Essstörungen fühlen sich oft schlecht in ihrem Körper. Aber es gibt Möglichkeiten, wie du dein Körpergefühl verbessern kannst – und genau darum geht es in diesem Gastbeitrag von Elli: 7 Dinge, die du jetzt sofort für ein besseres Körpergefühl tun kannst!
Hi, ich bin Elli, und meine Essstörung liegt schon ziemlich lange zurück. Trotzdem ereilt mich an manchen Tagen das Umkleidekabinengefühl – und in diesem Beitrag möchte ich mit dir teilen, was ich dann mache, um mein Körpergefühl zu verbessern.
Ich nenne es: das Umkleidekabinengefühl.
Das Gefühl, dass sich plötzlich jeder Quadratzentimeter Haut falsch anfühlt. Blinder Aktionismus, alles muss geändert werden, du darfst auf keinen Fall so aussehen, dein Körper muss weniger werden. Manchmal habe ich das Umkleidegefühl auch so, ohne Umkleide. Sogar ohne Spiegel. Mein Körper fühlt sich einfach „falsch“ an.
Die 7 Tipps, die ich gleich mit dir teile, sind natürlich keine Quick Fixes für eine Essstörung, aber sie haben mir dabei geholfen, mich schneller wieder zuhause in meinem Körper zu fühlen, weil sie das Problem angehen, das ich in diesem Moment wirklich habe: dass sich mein Körper falsch anfühlt (aber nicht falsch ist).
Körpergefühl verbessern: 7 Dinge, die du sofort tun kannst
1. Körperwahrnehmung verbessern durch kalte Duschen / Eisbaden / Wechselduschen
Kälte bedeutet zunächst Stress für den Körper, aber danach breitet sich eine wohlige Ruhe in dir aus. Das ist zumindest meine Erfahrung. Ich habe mit dem Eisbaden in (und: wegen) einer depressiven Phase begonnen und kann dir deshalb aus erster Hand bestätigen, dass Kältereize extrem die Stimmung boosten können. Aber eben auch das Körpergefühl verbessern. Vielleicht, weil man spürt, wozu der Körper eigentlich da ist – um zu überleben, und nicht, um auf eine bestimmte Weise auszusehen. Falls dir Eisbaden zu krass klingt (und/oder du keine Lust auf diesen Hype hast) – kalt duschen kann auch schon ein gutes Körpergefühl erzeugen.
2. Weite Klamotten mit weichem Stoff anziehen
Es klingt vielleicht banal, aber bei mir verbessert es tatsächlich mein Körpergefühl, wenn ich bequeme, weiche Klamotten anhabe, weil die mir suggerieren: Du bist genau richtig, wie du bist, und du musst dich nicht verändern, um irgendwo hineinzupassen. Das Leben kann sich jetzt sofort leicht(er) & bequem(er) anfühlen.
3. Körpergefühl durch Atemübungen verbessern
Tief und regelmäßig zu atmen ist etwas, was wir im Alltag nicht oft, vermutlich sogar: nie tun. Aber es fühlt sich so unglaublich gut an.
Mir helfen Atemübungen tatsächlich auch gegen ein schlechtes Körpergefühl – aus zwei Gründen:
- Atemübungen wirken extrem beruhigend (weil sie das parasympathische Nervensystem aktivieren).
- Durch gezieltes Atmen kannst du einen Wohlfühlraum in dir schaffen und merkst: Dein Körper arbeitet für dich, nicht gegen dich. Oder anders formuliert: Durch Atemübungen kannst du positive Erfahrungen mit deinem Körper sammeln, auch wenn du ihn vielleicht gerade ablehnst.
Eine meiner liebsten Atemübungen findest du hier.
4. Reality Check: Tiere beobachten
Tiere haben oft einen sehr guten Appetit (haha). Das zu beobachten und sich vor Augen zu halten, dass das eigentlich der Normalzustand ist, kann sehr heilsam sein. Außerdem wirken Tiere meistens sehr im Einklang mit sich. Beides sehr nachahmenswert, finde ich. Außerdem ist es auch einfach entspannend, ein Tier zu beobachten (wenn man denn im Alltag eins findet).
5. Körperwahrnehmung über heiße Getränke von innen stärken
Auch hier geht es um ein positives inneres Erleben von sich selbst. Wärme tut einfach gut.
Außerdem werden physikalische und soziale Wärme von unserem Gehirn in derselben Region der Inselrinde verarbeitet.
Das, so meinen Forscher:innen der Yale University, ist auch die Ursache dafür, warum einsame Menschen in Studien länger und heißer badeten als nicht einsame Menschen.
Tee ist natürlich nicht dasselbe wie ein Bad, aber vielleicht fühlst du dich durch ein heißes Getränk ja auch schon ein bisschen besser?
6. Körpergefühl verbessern durch Ohren- und Halsmassage
Vielleicht magst du es mal ausprobieren: Knete einfach deine Ohrmuschel ein wenig durch und streiche mit den Fingern an der Außenseite des Halses entlang.
(Unter anderem) dort entlang verläuft nämlich der Vagusnerv. Das ist der größte Nerv des parasympathischen Nervensystems, der den ganzen Tag Informationen von deinen Organen an dein Gehirn schickt (und von dort zurück).
Wenn du den Vagusnerv stimulierst, kannst du oft sofort Entspannung spüren.
Bei mir ist es so: Wenn ich ganz entspannt bin, überträgt sich das positive Gefühl meistens auch irgendwie auf meinen Körper.
7. Körpergefühl über Selbstmitgefühl stärken
Selbstmitgefühl ist tatsächlich das, was mir lange Zeit am meisten gefehlt hat. Ich glaube auch, dass ein (essstörungsbedingtes) schlechtes Körpergefühl und Selbstmitgefühl sich fast wechselseitig ausschließen.
Es gibt verschiedene Übungen, wie du dir selbst Selbstmitgefühl entgegenbringen kannst. Was sich für mich gerade am natürlichsten und einfachsten anfühlt, ist entweder: mir zu sagen, dass es aus Gründen XYZ absolut verständlich ist, dass es mir so geht, wie es mir geht; aber fast noch mehr: dass sich so viele andere Menschen ähnlich fühlen und ähnliche Probleme haben.
Unter anderem deswegen fand und finde ich diesen Blog hier so toll.
Danke, Mounia, für deine tollen Posts über die Jahre, und dass ich mich und wir uns weniger alleine fühlen konnten!!! Und natürlich Danke, dass ich diesen Gastbeitrag hier schreiben durfte.
Über mich:
Ich heiße Elli und blogge auf understandingly.de über Mind-Body-Connections und ganzheitliche Ansätze zur Behandlung von Depressionen, wie zum Beispiel Wärmetherapien, Mikronährstoffe, Akupressur oder auch Eisbaden. Als Jugendliche hatte ich Anorexie – been there, done that. 😉 Das Thema Körpergefühl beschäftigt mich auf jeden Fall nachhaltig – auch, weil viele der Ansätze zur Linderung von Depressionen, die ich auf meinem Blog vorstelle, am Körper ansetzen, und so auch zeigen: Körper und Geist hängen wirklich eng zusammen!
Vielen Dank für den Gastbeitrag, liebe Elli! Da waren viele Tipps dabei, die ich selbst noch nicht kannte! Ich hoffe, sie helfen euch!
Liebe Grüße, Elli und Mia ❤
