Und jetzt alle zusammen: Unser Aussehen bestimmt nicht unseren Selbstwert!

Es gibt viele Dinge, die uns das Gefühl geben, wertvoll zu sein. Leider stärken viele ihren Selbstwert durch ihr Aussehen, und in diesem Beitrag soll es darum gehen, warum das auf Dauer zu einem (essstörungsreifen) Problem werden kann.

Wir alle sind Menschen und sehnen uns nach Bestätigung.

Das ist ein Grundbedürfnis, für das sich niemand schämen muss. Oft kommt die Bestätigung von unserem Äußeren – und das ist okay! Schwierig wird es allerdings, wenn sie uns abhängig macht. Wer seinen Selbstwert hauptsächlich aus seinem Körper zieht, rutscht früher oder später in eine Art Zwang.

Dabei verändert sich der Körper immer – egal, wie sehr wir versuchen, die Änderungen aufzuhalten. Menschen werden älter und Körperproportionen stellen sich um. Als Kind war man vielleicht sehr zierlich, während man als heranwachsende Person immer kurviger wird. Das muss nichts mit dem Essverhalten zu tun haben, es ist einfach so (Genetik etc.) Viele stellen sich dem jedoch entgegen, in dem sie Sport machen und auf ihre Ernährung achten. Aber macht uns das auf Dauer wirklich glücklich?

Verzerrtes Körperbild

Das Problem ist, dass der stetige Fokus auf den Körper Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung hat. Denn je mehr man sich auf den Körper fixiert, desto kritischer wird man. (Ihr erinnert euch an die körperdysmorphe Störung, bei der man sich Makel einbildet?)

Das Selbstbild verzerrt sich und der Teufelskreis beginnt: Mehr Sport, mehr Diäten – Unzufriedenheit – mehr Sport, mehr Diäten – Unzufriedenheit ♾. Wer schließlich ganz bewusst aufhört zu essen (Magersucht) oder Essanfälle bekommt (Binge Eating), und sie aus Angst vor Zunahme mit Erbrechen oder Sport kompensiert Bulimie), steckt schließlich mit beiden Beinen in einer Essstörung.

Essstörungen können jeden treffen

Jeder Mensch, egal welchen Alters, hat das Risiko, eine Essstörung zu bekommen – vor allem jene, die ihre Hauptbestätigung aus dem Körper ziehen. Und die wird man leider nicht so schnell los, deshalb stehe ich der ganzen Beauty- und Fitnessindustrie, die einem permanent suggeriert, dass man ohne einen makellosen Körper weniger wert ist, sehr kritisch gegenüber.

Hin und wieder kehren die alten Gedanken zurück

Aber ich sag euch ganz ehrlich, dass ich mich hin und wieder immer noch schwer damit tue. Neulich habe ich mir eine Jeans in einer bereits größeren Größe gekauft, und als die nicht gepasst hat, war ich richtig deprimiert. Die „Du musst abnehmen“-Gedanken waren plötzlich wieder sehr laut, aber dann dachte ich mir: Nö. Mein Körper bestimmt nicht meinen Selbstwert. Dann brauche ich eben eine noch größere Größe, so what! Ich bin jetzt 28, natürlich trage ich nicht mehr dieselbe Größe wie mit 18, und wenn es bei anderen noch so ist, dann bedeutet das nicht, dass sie wertvoller sind als ich!

Außerdem hatte ich das alles schon. Ich war mal „dünner“, aber nicht wirklich glücklicher, im Gegenteil. Damals fühlte ich mich hässlich und wertlos und war so unglücklich, dass es in meinem Körper kaum aushielt. Das war kein Leben, sondern Folter.

Heute ist das anders. Ich habe Tage, an denen ich mich wohl in meinem Körper und wieder andere, an dem es nicht so ist. Und das ist okay, denn ich hole mir die Bestätigung nicht mehr länger über meinen Körper. (Das klingt falsch, aber ihr wisst, was ich meine :D)

Wie höre ich auf, mir meinen Selbstwert über mein Aussehen zu holen?  

Therapie! 😀 Ich weiß, ich nerve euch damit, aber dieses Problem ist so groß, dass ich euch dringlichst dazu raten würde, euch Unterstützung zu holen. Allein weiß man nämlich oft gar nicht, wie man anfangen soll.

Zwei Tipps kann ich euch aber trotzdem mitgeben:

Setzt euch mit Body Neutrality auseinander

Die Body Neutrality Bewegung steht, anders als Body Positivity dafür, den Körper nicht um jeden Preis zu lieben, sondern lediglich zu akzeptieren. Dem Körper wird gar nicht so viel Wichtigkeit beigemessen, er ist einfach nur ein Körper.

Ich bin zwar trotzdem ein großer Fan von Body Positivity (denn ich glaube, dass das Leben mehr Spaß macht, wenn wir uns und unseren Körper lieben), aber letztendlich ist ein Körper nur ein Körper.

Lernt, unangenehme Gefühle auszuhalten

Den zweiten Tipp, den ich euch mitgebe, ist ziemlich schwer, aber effektiv. Es geht nämlich darum, all die unangenehmen Gefühle, die unser Körper in uns auslöst, nicht von uns zu stoßen, sondern wahrzunehmen. Wenn uns eine Hose nicht mehr passt, sollten wir nicht direkt ins Fitnessstudio flitzen (denn dann beginnt wieder der Teufelskreis), sondern das Gefühl, so schwer es auch ist, aushalten, und sich daran erinnern, dass man auch mit einer anderen Größe wertvoll ist, Am Anfang ist es echt schwer, aber mit der Zeit wird es leichter.

Aber das Thema ist komplex, und wer sich schwer damit tut, sollte sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bitte macht diese Sorgen nicht mit euch allein aus. Ich hatte zwei Therapien und arbeite immer noch an mir. Weil der Weg schwer ist. Aber mit Hilfe etwas leichter…

Habt ihr Gedanken zu dem Thema? Wie stark hängt euer Selbstwert von eurem Äußeren ab?

2 Kommentare zu „Und jetzt alle zusammen: Unser Aussehen bestimmt nicht unseren Selbstwert!

  1. Liebe Mia,
    ich begleite deine Reise nun schon ein paar Jahre. Es ist immer wieder schön zu lesen, wie sehr du dich entwickelt hast. Das „entwickelt“ passt nicht so recht. Dennoch glaube ich zu wissen, dass du verstehst was ich damit ausdrücken möchte. 😉
    Ich finde es stark und mutig, dass du dich nach wie vor dem Thema so offen widmest. Irgendwie gehört die Thematik ins eigene und das Leben der Gesellschaft dazu. Jedoch hast du das Gespür für die Wichtigkeit im Blick behalten.
    Der eigene Körper ist essentiell, denn in dem wohnt all das, was uns auszeichnet. Eine Wohnung aus der wir nicht ausziehen können, egal was wir noch veranstalten. Es gibt so vieles im Alltag, was wir aanstandslos akzeptieren müssen und dies auch irgendwie tun. Doch bei Schönheit und Körper tun sich ständig neue Abgründe auf. Es ist ein langer Weg bis hin zur eigenen Akzeptanz. Alles ist, weil es war…
    Der Fokus ändert sich, die Gelassenheit und die Ruhe kommen Jahr für Jahr. Mittlerweile habe ich bspw. für mich erkannt, dass man sich in erster Linie für das eigene Wohlbefinden einsetzen „sollte“. Ganz egal, wie das Umfeld und/oder die Gesellschaft darauf reagieren.
    Klar, es braucht Mut um bei sich sein zu können. Doch alles im Leben ist eine Gewohnheit. Keiner ist besser oder schlechter. Alles was wir spüren, denken, sehen – hat was mit einem selbst zu tun.
    Ich freue mich auf weitere deiner Texte.
    Alles Liebe und weiterhin ein gutes Gefühl für das, was dir am Herzen liegt.
    Herzliche Grüße 😃
    Michaela

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