Happy Anniversary! Heute ist mein Blog sieben Jahre alte geworden. Tage wie diese machen mich immer besonders nostalgisch. Als ich den Blog gegründet habe, war ich noch mitten in meiner Recovery. Es ist ganz merkwürdig, zurückzublicken, und sich vor Augen zu führen, wie viel sich geändert hat.
Anlässlich dieses Jubiläums möchte ich euch einen ehrlichen Einblick in meine aktuelle Situation und die Entwicklung meiner Recovery geben. Es ist mir wichtig, offen und direkt zu sein, daher hier die ungeschönte Wahrheit:
Es gibt Tage, da fühle ich mich extrem unwohl in meinem Körper.
Es gibt Tage, da wünschte ich immer noch, er sähe anders aus.
Ich habe immer noch keinen Spiegel in meiner Wohnung.
Ich habe mich seit fast 10 Jahren nicht mehr getraut, mich auf eine Waage zu stellen.
Wenn Menschen meinen Körper kommentieren („Du hast zugenommen/abgenommen“) überfordert mich das heute noch massiv.
Aber:
Ich hasse meinen Körper nicht mehr.
Ich hasse mich nicht mehr.
Ich kann essen, ohne weiter darüber nachzudenken.
Ich habe beim Essen keine Kalorien im Kopf.
Ich nehme die Bedürfnisse meines Körpers wahr.
Mein Leben wird nicht von konstanten Zwängen und Panik durchzogen.
Selbst in den dunkelsten Tagen denke ich nicht daran, aufs Essen zu verzichten oder meinem Körper sonst irgendwelchen Schaden zuzufügen. Im Gegenteil. Ich achte auf mich, bin besonders dann für mich da, wenn ich es brauche.
Recovery bedeutet nicht konstant glücklich zu sein.
Recovery ist Heilung. Heilung ist das Tief überstehen und weitermachen. Weitermachen ist dranbleiben. Dranbleiben ist nicht aufgeben.
Egal, wie weit der Weg ist, egal wie viele Rückschläge ihr erleidet, es wird besser. Ein Leben ohne Essstörung ist möglich. Und es wird immer besser und besser.
Arbeit an sich selbst
Früher dachte ich, Heilung sei ein einmaliges Ziel, das man irgendwann erreicht und dann abgeschlossen ist. Heute weiß ich, dass es ein fortwährender Prozess ist. Aber es gibt keinen Punkt in meinem Leben, an dem die Arbeit an mir selbst aufhört. Ich setze mich konstant mit mir auseinander. Ich bin immer noch dabei, verschiedene Trauma aus der Kindheit aufzuarbeiten. Ich lerne, besser zu kommunizieren. Ich lerne, in Konflikte zu gehen. Ich lerne, nicht mehr alles runterzuschlucken.
Arbeit an sich selbst ist hart, doch sie verstärkt die Lebensqualität. Sie ist wie Sport für die Seele.
Danke für die letzten sieben Jahre. Danke für den wundervollen Austausch mit euch. Auch wenn ich in letzter Zeit weniger aktiv war, bedeutet es mir viel, dass die Besuchszahlen stabil geblieben sind und ich immer wieder von euch höre.
Ich freue mich darauf, in Zukunft wieder aktiver zu sein und hoffe, euch bald mit neuen Beiträgen zu begeistern. Wenn ihr Themenwünsche oder Anregungen habt, lasst es mich wissen. ❤
Bleibt gesund und passt auf euch auf!
Alles Liebe
Mia

Liebe Mia, als selbst betroffener Mensch verfolge ich deinen Blog schon über mehrere Jahre. In vielem erkenne ich mich wieder. So auch heute. Bin selbst in der Recovery. Binge-eating, Orthorexie, atypische Magersucht, übers Grasen wieder im Binge-eating gelandet. Mit Ausflügen in die Kaufsucht und exzessivem Horten. Bin jetzt seit ca. 3 Jahren mehr oder weniger frei von Essstörungs-Symptomen und anderem Suchtverhalten. Das erste Mal seit meinem 3. oder 4. Lebensjahr (ich bin inzwischen 54). Noch immer habe ich diverse Baustellen in meinem Leben, doch ich darf lernen, Emotionen bewusst wahrzunehmen, zuzulassen und zu verarbeiten. Es ist ein langer Prozess. Ich benötige zum Teil Medikamente als Unterstützung ( tgl. Antidepressivum zur Stabilisierung, Notfallmedikamente für extreme Situationen). Das ist für mich jedoch wesentlich besser als mich selbst durch das Suchtverhalten zu schädigen. Mit meinem Körperbild stehe ich immer noch auf Kriegsfuß. Daran wird das nächste Mal in der Tagesklinik gearbeitet. Im Alltag komme ich durch Ausblenden des Themas relativ gut zurecht. Manchmal reißt es mich aus der Bahn, wenn ich ein Kleid aus dem Schrank hole, das aus meiner anorektischen Phase übrig geblieben ist. Dann wäre ich gerne wieder schlanker. Ein Blick in mein Tagebuch erdet mich meist wieder, denn seit 3 Jahren ist mein Gewicht stabil, ich wiege sogar 5 kg weniger. Irgendwann werde ich auch wieder im zweistelligen Bereich der Waage landen. Allerdings will ich mich nicht mehr durch Zahlen auf der Waage oder Kleidungsgröße definieren. Das Leben besteht aus soooooooo viel mehr! LG von der Ostsee Bibo (Auf Facebook: Bibo’s Kampf gegen die Pfunde)
LikeGefällt 1 Person
Danke für deinen lieben Kommentar. ❤ Deine Entwicklung klingt wirklich toll, aber natürlich ist es ein auf und ab. Mich triggern manche Dinge im Alltag auch noch stark. wichtig ist nur, den Zwängen keine weitere Macht zu geben, denn wie du schon sagst, besteht das Leben aus viel mehr! Ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Heilungsweg!!
LikeLike